scheren

GrammatikVerb · schor, hat geschoren
Aussprache
Worttrennungsche-ren
Wortbildung mit ›scheren‹ als Erstglied: ↗Scherdegen · ↗Scherkopf · ↗Scherling · ↗Schermaschine · ↗Schermesser · ↗Scherwolle
 ·  mit ›scheren‹ als Letztglied: ↗abscheren1 · ↗glattscheren · ↗kahlscheren · ↗kurzscheren
 ·  mit ›scheren‹ als Grundform: ↗Scheren  ·  formal verwandt mit: ↗Bartscheren
eWDG, 1974

Bedeutung

etw. mit einem Schneidewerkzeug sehr kurz schneiden
a)
besonders Haare ganz kurz über der Haut
Beispiele:
jmdm. das Haar scheren
das Haar geschoren bekommen
das Haar kurz geschoren tragen
veraltend den Bart scheren (= rasieren)
den Kopf kahl, eine Glatze scheren (= alle Haare abschneiden)
mit (kurz, kahl) geschorenem Kopf
den Rasen, das Gras scheren
Teppiche, Tuche, Samt scheren
eine geschorene Rasenfläche
jmdn. scherenjmds. Kopfhaar (kahl) schneiden
Beispiel:
jmdn. (mit einem Rasiermesser) scheren
ein Tier scherendas Fell eines Tieres scheren
Beispiele:
Schafe, Hunde scheren
die Wolle von den Schafen scheren
Mein Großvater hat seine Schafe noch selber geschoren [FrischNun singen sie wieder5]
bildlich
Beispiel:
Ringsumher haben die Traktoren die Felder geschoren (= gemäht) [StrittmatterTinko370]
sein Schäfchen, Schäflein, seine Wolle scherenseinen geschäftlichen, finanziellen Vorteil geschickt wahrzunehmen verstehen
Beispiel:
jeder hofft, daß er noch vor Toresschluß sein Schäfchen scheren werde [Weerth2,431]
umgangssprachlich, übertragen jmdn. (um etw.) scherenjmdn. (um etw.) betrügen
Beispiele:
alle(s) über einen Kamm scheren (= alle(s) mit demselben Maßstab messen, unterschiedslos behandeln)
der Borkhausen hatte sie eben um zweitausendfünfhundert geschoren [FalladaJeder stirbt269]
b)
einen Baum, eine Hecke zurechtschneiden, stutzen
Beispiele:
die Hecke scheren
das alte Haus mit der viereckig geschorenen Linde [StormPole Poppensp.4,41]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheren1 · ungeschoren · Schererei
scheren1 Vb. ‘(eine Oberfläche) kahlschneiden, rasieren, etw. kurz abschneiden’. Das starke Verbum ahd. skeran ‘schneiden, scheren’ (8. Jh.), mhd. schern ‘(ab)schneiden, scheren, durch Scheren der Tonsur zum Mönch bestimmen, abernten, belästigen, quälen, abteilen, ordnen’, mnd. schēren, mnl. scēren ‘schaben, kratzen, scheren’, nl. scheren, aengl. sceran, engl. to shear ‘scheren, abschneiden, mähen’, anord. skera ‘schneiden, schlachten’, schwed. skära hat neben sich ein (im Nhd. nicht erhaltenes) schwaches Verbum ahd. skerren ‘einordnen, einlassen, begrenzen’ (um 800), mhd. schern ‘(ab)teilen, wohin schaffen, absondern, ausschließen, zuteilen’, asächs. skerian ‘zu-, einteilen’, mnd. schēren, mnl. scēren ‘zuteilen’, aengl. scearian ‘zuteilen, bestimmen’. Das schwache Verb gehört semantisch eng zu den unter ↗Schar (s. d.) behandelten Substantivformen und ist wohl als Denominativum aufzufassen. Außergerm. sind verwandt aind. kṛṇā́ti ‘verletzt, tötet’, utkīrṇa ‘ausgeschnitten, eingeritzt’, griech. ké͞irein (κείρειν) ‘abschneiden, scheren’, lit. skìrti ‘trennen, teilen, scheiden, zuteilen’, lat. caro ‘Fleisch’, eigentlich ‘Stück (Fleisch)’ sowie air. scar(a)im ‘trenne’. Erschließbar ist eine verbreitete und vielfach erweiterte Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’. Hierher gehören Wendungen wie sich (nicht) um etw. scheren ‘sich (nicht) kümmern, sorgen um etw.’ (17. Jh.), heute meist schwach flektiert (unter dem Einfluß von ↗scheren?, s. d.), wohl auf die Bedeutung von mhd. schern ‘belästigen, quälen’ (s. oben) zurückgehend; (alles) über einen Kamm scheren ‘mit demselben Maß messen, auf gleiche Weise behandeln’ (16. Jh.); sein Schäfchen scheren ‘seinen Vorteil wahrnehmen’ (18. Jh.). ungeschoren Part.adj. (bleiben oder lassen) ‘unbelästigt, unbehelligt’, ahd. ungiscoran (10. Jh.), mhd. ungeschorn. Schererei f. ‘Unannehmlichkeit’ (18. Jh.).

scheren2 · ausscheren
scheren2 Vb. ‘sich fortmachen, sich packen, sich entfernen’, älter ‘schnell eilen, entkommen’ (15. Jh.), vgl. nd. scheren ‘gehen, eilen, laufen’. Die Herkunft des schwachen Verbs ist unsicher. Vielleicht kann es an ahd. skerōn ‘mutwillig sein’, aber auch ‘sich ausruhen’ (9. Jh.) angeschlossen werden. Außergerm. sind aind. kiráti ‘gießt aus, streut aus, wirft’, griech. ská͞irein (σκαίρειν) ‘springen, hüpfen’, aslaw. skorъ, russ. skóryj (скорый) ‘schnell, flink’, lit. skėrỹs ‘Heuschrecke’ vergleichbar, so daß auf die Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘springen, herumspringen’, eigentlich ‘(sich) drehend bewegen, schwingen’ zurückgegangen werden kann. Zu deren Erweiterungen gehören ↗Scherz und ↗schrecken (s. d.). Vgl. die Komposita sich fort-, wegscheren. ausscheren Vb. ‘aus der Reihe gehen, den Kurs verlassen, aus dem Schiffsverband herausfahren’ (19. Jh.), allgemein ‘sich von einer Gruppe, einer Gemeinschaft absondern’ (20. Jh.). Aus der Seemannssprache; vgl. nd. scheren ‘gehen, eilen, laufen’ (s. oben), auch ‘hin und her schweben, fliegen oder fahren’ und ‘beim Schlittschuhlaufen nach beiden Seiten in Halbkreisen ausschweifen’ (18. Jh.), ‘seitlich abweichen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
scheren · ↗schneiden · ↗säbeln (humor. oder abwertend)  ●  ↗schnibbeln  ugs., norddeutsch · ↗schnippeln (auch abwertend)  ugs. · ↗schnipseln (auch abwertend)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bart Deut Dreck Geschwätz Glatze Haar Haupthaar Kamm Kehricht Konvention Leist Schaf Schäfchen Teufel abscheren alle aus ausscheren darum drum einscheren herzlich ihr kahl kaum melken sonderlich was wegscheren wenig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scheren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die sexuelle Praxis schert sich um die herrschende Moral letztlich doch recht wenig.
Die Welt, 30.03.2000
Jahrelang haben sich konservative Regierungen nicht um soziale Reformen geschert.
Der Tagesspiegel, 14.09.1999
Er hat sich bestimmt kein Stück drum geschert, mich wenigstens nochmal anzurufen.
Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980 [1980], S. 119
Wer wollte, konnte sich den Bart scheren oder die Haare auf modische Länge schneiden lassen.
Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 18
Was scherten mich die spanischen Händel in der Neuen Welt?
Perutz, Leo: Die dritte Kugel, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1988 [1915], S. 305
Zitationshilfe
„scheren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/scheren#1>, abgerufen am 20.07.2019.

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scheren

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungsche-ren (computergeneriert)
Wortbildung mit ›scheren‹ als Erstglied: ↗Scherfestigkeit  ·  mit ›scheren‹ als Letztglied: ↗abscheren2
eWDG, 1974

Bedeutungen

I.
fachsprachlich Unebenheiten glattschleifen, beseitigen
Beispiele:
die scherende Kraft der Strömung
die schleifende und scherende Wirkung der Seewinde [Urania1962]
II.
Sport mit den Beinen eine Schere machen
Beispiel:
Beide Beine heben und senken, kreisen […] grätschen und scheren [Gesundheit1960]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheren1 · ungeschoren · Schererei
scheren1 Vb. ‘(eine Oberfläche) kahlschneiden, rasieren, etw. kurz abschneiden’. Das starke Verbum ahd. skeran ‘schneiden, scheren’ (8. Jh.), mhd. schern ‘(ab)schneiden, scheren, durch Scheren der Tonsur zum Mönch bestimmen, abernten, belästigen, quälen, abteilen, ordnen’, mnd. schēren, mnl. scēren ‘schaben, kratzen, scheren’, nl. scheren, aengl. sceran, engl. to shear ‘scheren, abschneiden, mähen’, anord. skera ‘schneiden, schlachten’, schwed. skära hat neben sich ein (im Nhd. nicht erhaltenes) schwaches Verbum ahd. skerren ‘einordnen, einlassen, begrenzen’ (um 800), mhd. schern ‘(ab)teilen, wohin schaffen, absondern, ausschließen, zuteilen’, asächs. skerian ‘zu-, einteilen’, mnd. schēren, mnl. scēren ‘zuteilen’, aengl. scearian ‘zuteilen, bestimmen’. Das schwache Verb gehört semantisch eng zu den unter ↗Schar (s. d.) behandelten Substantivformen und ist wohl als Denominativum aufzufassen. Außergerm. sind verwandt aind. kṛṇā́ti ‘verletzt, tötet’, utkīrṇa ‘ausgeschnitten, eingeritzt’, griech. ké͞irein (κείρειν) ‘abschneiden, scheren’, lit. skìrti ‘trennen, teilen, scheiden, zuteilen’, lat. caro ‘Fleisch’, eigentlich ‘Stück (Fleisch)’ sowie air. scar(a)im ‘trenne’. Erschließbar ist eine verbreitete und vielfach erweiterte Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’. Hierher gehören Wendungen wie sich (nicht) um etw. scheren ‘sich (nicht) kümmern, sorgen um etw.’ (17. Jh.), heute meist schwach flektiert (unter dem Einfluß von ↗scheren?, s. d.), wohl auf die Bedeutung von mhd. schern ‘belästigen, quälen’ (s. oben) zurückgehend; (alles) über einen Kamm scheren ‘mit demselben Maß messen, auf gleiche Weise behandeln’ (16. Jh.); sein Schäfchen scheren ‘seinen Vorteil wahrnehmen’ (18. Jh.). ungeschoren Part.adj. (bleiben oder lassen) ‘unbelästigt, unbehelligt’, ahd. ungiscoran (10. Jh.), mhd. ungeschorn. Schererei f. ‘Unannehmlichkeit’ (18. Jh.).

scheren2 · ausscheren
scheren2 Vb. ‘sich fortmachen, sich packen, sich entfernen’, älter ‘schnell eilen, entkommen’ (15. Jh.), vgl. nd. scheren ‘gehen, eilen, laufen’. Die Herkunft des schwachen Verbs ist unsicher. Vielleicht kann es an ahd. skerōn ‘mutwillig sein’, aber auch ‘sich ausruhen’ (9. Jh.) angeschlossen werden. Außergerm. sind aind. kiráti ‘gießt aus, streut aus, wirft’, griech. ská͞irein (σκαίρειν) ‘springen, hüpfen’, aslaw. skorъ, russ. skóryj (скорый) ‘schnell, flink’, lit. skėrỹs ‘Heuschrecke’ vergleichbar, so daß auf die Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘springen, herumspringen’, eigentlich ‘(sich) drehend bewegen, schwingen’ zurückgegangen werden kann. Zu deren Erweiterungen gehören ↗Scherz und ↗schrecken (s. d.). Vgl. die Komposita sich fort-, wegscheren. ausscheren Vb. ‘aus der Reihe gehen, den Kurs verlassen, aus dem Schiffsverband herausfahren’ (19. Jh.), allgemein ‘sich von einer Gruppe, einer Gemeinschaft absondern’ (20. Jh.). Aus der Seemannssprache; vgl. nd. scheren ‘gehen, eilen, laufen’ (s. oben), auch ‘hin und her schweben, fliegen oder fahren’ und ‘beim Schlittschuhlaufen nach beiden Seiten in Halbkreisen ausschweifen’ (18. Jh.), ‘seitlich abweichen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
scheren · ↗schneiden · ↗säbeln (humor. oder abwertend)  ●  ↗schnibbeln  ugs., norddeutsch · ↗schnippeln (auch abwertend)  ugs. · ↗schnipseln (auch abwertend)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bart Deut Dreck Geschwätz Glatze Haar Haupthaar Kamm Kehricht Konvention Leist Schaf Schäfchen Teufel abscheren alle aus ausscheren darum drum einscheren herzlich ihr kahl kaum melken sonderlich was wegscheren wenig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scheren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die sexuelle Praxis schert sich um die herrschende Moral letztlich doch recht wenig.
Die Welt, 30.03.2000
Jahrelang haben sich konservative Regierungen nicht um soziale Reformen geschert.
Der Tagesspiegel, 14.09.1999
Er hat sich bestimmt kein Stück drum geschert, mich wenigstens nochmal anzurufen.
Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980 [1980], S. 119
Wer wollte, konnte sich den Bart scheren oder die Haare auf modische Länge schneiden lassen.
Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 18
Was scherten mich die spanischen Händel in der Neuen Welt?
Perutz, Leo: Die dritte Kugel, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1988 [1915], S. 305
Zitationshilfe
„scheren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/scheren#2>, abgerufen am 20.07.2019.

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scheren

GrammatikVerb · schert, scherte, hat geschert
Nebenform gehoben, veraltend scheren · Verb · schiert, scherte, hat geschert
Aussprache
Worttrennungsche-ren (computergeneriert)
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
nur verneint oder fragend
etw., jmd. schert jmdn.etw., jmd. ist jmdm. gleichgültig, kümmert, stört jmdn. nicht
Beispiele:
es scherte ihn wenig, was aus ihr würde
salopp, derb das schert euch einen Dreck (= das geht euch gar nichts an)
Aber als richtigen Zimmermann scherten ihn die Späne nicht [BronnenDeutschland134]
Aber was scherte uns morgen [WelkHoher Befehl69]
Sie schiert mich nichts, soll tun und lassen, was sie mag [SternheimHoseIV 3]
Was schert mich Weib, was schert mich Kind! [HeineGrenadiere1,40]
salopp, derb Es scherte sie beide doch einen lackierten Teufel, wenn der jetzt seinem Schipper noch nachträglich aufs Dach stieg [A. ZweigErziehung323]
2.
nur verneint
umgangssprachlich sich um etw., jmdn. scherensich um etw., jmdn. kümmern, sich mit etw., jmdm. befassen
Beispiele:
wir scherten uns nicht um das Verbot
salopp er hat sich einen, den Teufel um die Verkehrszeichen geschert
salopp, derb sich einen Dreck (= gar nicht) um etw., jmdn. scheren
Ich schere mich wenig um das, was man nach meinem Tode über mich denkt [Feuchtw.Tag121]
sie wird sich um einen Krüppel nicht viel scheren [Feuchtw.Goya506]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheren1 · ungeschoren · Schererei
scheren1 Vb. ‘(eine Oberfläche) kahlschneiden, rasieren, etw. kurz abschneiden’. Das starke Verbum ahd. skeran ‘schneiden, scheren’ (8. Jh.), mhd. schern ‘(ab)schneiden, scheren, durch Scheren der Tonsur zum Mönch bestimmen, abernten, belästigen, quälen, abteilen, ordnen’, mnd. schēren, mnl. scēren ‘schaben, kratzen, scheren’, nl. scheren, aengl. sceran, engl. to shear ‘scheren, abschneiden, mähen’, anord. skera ‘schneiden, schlachten’, schwed. skära hat neben sich ein (im Nhd. nicht erhaltenes) schwaches Verbum ahd. skerren ‘einordnen, einlassen, begrenzen’ (um 800), mhd. schern ‘(ab)teilen, wohin schaffen, absondern, ausschließen, zuteilen’, asächs. skerian ‘zu-, einteilen’, mnd. schēren, mnl. scēren ‘zuteilen’, aengl. scearian ‘zuteilen, bestimmen’. Das schwache Verb gehört semantisch eng zu den unter ↗Schar (s. d.) behandelten Substantivformen und ist wohl als Denominativum aufzufassen. Außergerm. sind verwandt aind. kṛṇā́ti ‘verletzt, tötet’, utkīrṇa ‘ausgeschnitten, eingeritzt’, griech. ké͞irein (κείρειν) ‘abschneiden, scheren’, lit. skìrti ‘trennen, teilen, scheiden, zuteilen’, lat. caro ‘Fleisch’, eigentlich ‘Stück (Fleisch)’ sowie air. scar(a)im ‘trenne’. Erschließbar ist eine verbreitete und vielfach erweiterte Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’. Hierher gehören Wendungen wie sich (nicht) um etw. scheren ‘sich (nicht) kümmern, sorgen um etw.’ (17. Jh.), heute meist schwach flektiert (unter dem Einfluß von ↗scheren?, s. d.), wohl auf die Bedeutung von mhd. schern ‘belästigen, quälen’ (s. oben) zurückgehend; (alles) über einen Kamm scheren ‘mit demselben Maß messen, auf gleiche Weise behandeln’ (16. Jh.); sein Schäfchen scheren ‘seinen Vorteil wahrnehmen’ (18. Jh.). ungeschoren Part.adj. (bleiben oder lassen) ‘unbelästigt, unbehelligt’, ahd. ungiscoran (10. Jh.), mhd. ungeschorn. Schererei f. ‘Unannehmlichkeit’ (18. Jh.).

scheren2 · ausscheren
scheren2 Vb. ‘sich fortmachen, sich packen, sich entfernen’, älter ‘schnell eilen, entkommen’ (15. Jh.), vgl. nd. scheren ‘gehen, eilen, laufen’. Die Herkunft des schwachen Verbs ist unsicher. Vielleicht kann es an ahd. skerōn ‘mutwillig sein’, aber auch ‘sich ausruhen’ (9. Jh.) angeschlossen werden. Außergerm. sind aind. kiráti ‘gießt aus, streut aus, wirft’, griech. ská͞irein (σκαίρειν) ‘springen, hüpfen’, aslaw. skorъ, russ. skóryj (скорый) ‘schnell, flink’, lit. skėrỹs ‘Heuschrecke’ vergleichbar, so daß auf die Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘springen, herumspringen’, eigentlich ‘(sich) drehend bewegen, schwingen’ zurückgegangen werden kann. Zu deren Erweiterungen gehören ↗Scherz und ↗schrecken (s. d.). Vgl. die Komposita sich fort-, wegscheren. ausscheren Vb. ‘aus der Reihe gehen, den Kurs verlassen, aus dem Schiffsverband herausfahren’ (19. Jh.), allgemein ‘sich von einer Gruppe, einer Gemeinschaft absondern’ (20. Jh.). Aus der Seemannssprache; vgl. nd. scheren ‘gehen, eilen, laufen’ (s. oben), auch ‘hin und her schweben, fliegen oder fahren’ und ‘beim Schlittschuhlaufen nach beiden Seiten in Halbkreisen ausschweifen’ (18. Jh.), ‘seitlich abweichen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
scheren · ↗schneiden · ↗säbeln (humor. oder abwertend)  ●  ↗schnibbeln  ugs., norddeutsch · ↗schnippeln (auch abwertend)  ugs. · ↗schnipseln (auch abwertend)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bart Deut Dreck Geschwätz Glatze Haar Haupthaar Kamm Kehricht Konvention Leist Schaf Schäfchen Teufel abscheren alle aus ausscheren darum drum einscheren herzlich ihr kahl kaum melken sonderlich was wegscheren wenig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scheren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die sexuelle Praxis schert sich um die herrschende Moral letztlich doch recht wenig.
Die Welt, 30.03.2000
Jahrelang haben sich konservative Regierungen nicht um soziale Reformen geschert.
Der Tagesspiegel, 14.09.1999
Er hat sich bestimmt kein Stück drum geschert, mich wenigstens nochmal anzurufen.
Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980 [1980], S. 119
Wer wollte, konnte sich den Bart scheren oder die Haare auf modische Länge schneiden lassen.
Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 18
Was scherten mich die spanischen Händel in der Neuen Welt?
Perutz, Leo: Die dritte Kugel, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1988 [1915], S. 305
Zitationshilfe
„scheren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/scheren#3>, abgerufen am 20.07.2019.

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scheren

GrammatikVerb · reflexiv (meist im Imp. und mit Richtungsangabe)
Aussprache
Worttrennungsche-ren (computergeneriert)
Wortbildung mit ›scheren‹ als Letztglied: ↗ausscheren · ↗einscheren · ↗fortscheren · ↗herscheren · ↗hinausscheren · ↗rausscheren · ↗reinscheren · ↗wegscheren · ↗weiterscheren · ↗zurückscheren
eWDG, 1974

Bedeutung

salopp sich entfernen, fortbegeben
Beispiele:
er hat sich nach Hause geschert
scher dich an die Arbeit, auf den Boden, aus dem Haus, ins Bett, in die Küche, nach Hause, zu deinesgleichen, von der Stelle!
in Verwünschungen, Flüchen
Beispiel:
scher dich zum Kuckuck, Henker, Teufel!
veraltend scher dich!geh weg!
Beispiel:
Er fuhr sie an: »Scher dich!« [SeghersRettung3,170]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheren1 · ungeschoren · Schererei
scheren1 Vb. ‘(eine Oberfläche) kahlschneiden, rasieren, etw. kurz abschneiden’. Das starke Verbum ahd. skeran ‘schneiden, scheren’ (8. Jh.), mhd. schern ‘(ab)schneiden, scheren, durch Scheren der Tonsur zum Mönch bestimmen, abernten, belästigen, quälen, abteilen, ordnen’, mnd. schēren, mnl. scēren ‘schaben, kratzen, scheren’, nl. scheren, aengl. sceran, engl. to shear ‘scheren, abschneiden, mähen’, anord. skera ‘schneiden, schlachten’, schwed. skära hat neben sich ein (im Nhd. nicht erhaltenes) schwaches Verbum ahd. skerren ‘einordnen, einlassen, begrenzen’ (um 800), mhd. schern ‘(ab)teilen, wohin schaffen, absondern, ausschließen, zuteilen’, asächs. skerian ‘zu-, einteilen’, mnd. schēren, mnl. scēren ‘zuteilen’, aengl. scearian ‘zuteilen, bestimmen’. Das schwache Verb gehört semantisch eng zu den unter ↗Schar (s. d.) behandelten Substantivformen und ist wohl als Denominativum aufzufassen. Außergerm. sind verwandt aind. kṛṇā́ti ‘verletzt, tötet’, utkīrṇa ‘ausgeschnitten, eingeritzt’, griech. ké͞irein (κείρειν) ‘abschneiden, scheren’, lit. skìrti ‘trennen, teilen, scheiden, zuteilen’, lat. caro ‘Fleisch’, eigentlich ‘Stück (Fleisch)’ sowie air. scar(a)im ‘trenne’. Erschließbar ist eine verbreitete und vielfach erweiterte Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’. Hierher gehören Wendungen wie sich (nicht) um etw. scheren ‘sich (nicht) kümmern, sorgen um etw.’ (17. Jh.), heute meist schwach flektiert (unter dem Einfluß von ↗scheren?, s. d.), wohl auf die Bedeutung von mhd. schern ‘belästigen, quälen’ (s. oben) zurückgehend; (alles) über einen Kamm scheren ‘mit demselben Maß messen, auf gleiche Weise behandeln’ (16. Jh.); sein Schäfchen scheren ‘seinen Vorteil wahrnehmen’ (18. Jh.). ungeschoren Part.adj. (bleiben oder lassen) ‘unbelästigt, unbehelligt’, ahd. ungiscoran (10. Jh.), mhd. ungeschorn. Schererei f. ‘Unannehmlichkeit’ (18. Jh.).

scheren2 · ausscheren
scheren2 Vb. ‘sich fortmachen, sich packen, sich entfernen’, älter ‘schnell eilen, entkommen’ (15. Jh.), vgl. nd. scheren ‘gehen, eilen, laufen’. Die Herkunft des schwachen Verbs ist unsicher. Vielleicht kann es an ahd. skerōn ‘mutwillig sein’, aber auch ‘sich ausruhen’ (9. Jh.) angeschlossen werden. Außergerm. sind aind. kiráti ‘gießt aus, streut aus, wirft’, griech. ská͞irein (σκαίρειν) ‘springen, hüpfen’, aslaw. skorъ, russ. skóryj (скорый) ‘schnell, flink’, lit. skėrỹs ‘Heuschrecke’ vergleichbar, so daß auf die Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘springen, herumspringen’, eigentlich ‘(sich) drehend bewegen, schwingen’ zurückgegangen werden kann. Zu deren Erweiterungen gehören ↗Scherz und ↗schrecken (s. d.). Vgl. die Komposita sich fort-, wegscheren. ausscheren Vb. ‘aus der Reihe gehen, den Kurs verlassen, aus dem Schiffsverband herausfahren’ (19. Jh.), allgemein ‘sich von einer Gruppe, einer Gemeinschaft absondern’ (20. Jh.). Aus der Seemannssprache; vgl. nd. scheren ‘gehen, eilen, laufen’ (s. oben), auch ‘hin und her schweben, fliegen oder fahren’ und ‘beim Schlittschuhlaufen nach beiden Seiten in Halbkreisen ausschweifen’ (18. Jh.), ‘seitlich abweichen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
scheren · ↗schneiden · ↗säbeln (humor. oder abwertend)  ●  ↗schnibbeln  ugs., norddeutsch · ↗schnippeln (auch abwertend)  ugs. · ↗schnipseln (auch abwertend)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bart Deut Dreck Geschwätz Glatze Haar Haupthaar Kamm Kehricht Konvention Leist Schaf Schäfchen Teufel abscheren alle aus ausscheren darum drum einscheren herzlich ihr kahl kaum melken sonderlich was wegscheren wenig

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Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die sexuelle Praxis schert sich um die herrschende Moral letztlich doch recht wenig.
Die Welt, 30.03.2000
Jahrelang haben sich konservative Regierungen nicht um soziale Reformen geschert.
Der Tagesspiegel, 14.09.1999
Er hat sich bestimmt kein Stück drum geschert, mich wenigstens nochmal anzurufen.
Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980 [1980], S. 119
Wer wollte, konnte sich den Bart scheren oder die Haare auf modische Länge schneiden lassen.
Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 18
Was scherten mich die spanischen Händel in der Neuen Welt?
Perutz, Leo: Die dritte Kugel, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1988 [1915], S. 305
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