schelten

GrammatikVerb · schilt, schalt, hat gescholten
Aussprache
Worttrennungschel-ten
Wortbildung mit ›schelten‹ als Erstglied: ↗Scheltname · ↗Scheltwort  ·  mit ›schelten‹ als Letztglied: ↗ausschelten  ·  mit ›schelten‹ als Grundform: ↗gescholten  ·  formal verwandt mit: ↗unbescholten
eWDG, 1974

Bedeutung

gehoben, landschaftlich
1.
jmdn. laut (schimpfend) tadeln, jmdm. einen Verweis erteilen
Beispiele:
jmdn. schelten, weil er sich schlecht benimmt
jmdn., sich selbst einen Esel schelten
vom Lehrer gescholten werden
dastehen wie ein gescholtenes Kind
etw. scheltenetw. tadeln
Beispiele:
jmds. Betragen schelten
eine mehr gescholtene als verstandene Institution [MommsenReden107]
2.
über jmdn., etw. schimpfen
Beispiele:
auf jmdn., etw. schelten
der unreife Bursche schalt wütend auf seine Eltern
auf die Technik schelten
eine Frauenstimme schalt schrill [FalladaWolf1,5]
Er schalt kurz und grimmig [FrenssenBaas269]
sich mit jmdm. scheltensich gegenseitig beschimpfen
Beispiel:
er schalt sich immer mit seiner Frau
3.
jmdn. einen Narren scheltenjmdn. einen Narren nennen
Beispiele:
jmdn. einen armen Irren, einen Dummkopf schelten
jmdn. närrisch, töricht schelten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schelten · Schelte · unbescholten
schelten Vb. ‘(be)schimpfen, ausschimpfen, tadeln, Vorwürfe machen’, ahd. skeltan (8. Jh.), mhd. schelten, schelden ‘schmähen, tadeln, beschimpfen’, anfrk. skeldan, mnd. schelden, mnl. scelden, nl. schelden, afries. skelda (westgerm. *skeldan). Herkunft ungewiß. Vielleicht anzuschließen an eine Dentalerweiterung von ie. *skel- (s. ↗Schall und ↗Schelle), das als eine s-Variante der Wurzel ie. *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. ↗hell) angesehen werden kann. Schelte f. ‘laut geäußerter Tadel, Rüge’, ahd. skelta (9. Jh.), mhd. schelte ‘Schmähung, Tadel’. unbescholten Part.adj. ‘frei von öffentlich entehrendem Tadel’, mhd. unbescholten, verneintes Part. Prät. zu mhd. beschelten ‘durch Tadel oder Schmähung herabsetzen, verkleinern, rügen’, ahd. biskeltan (9. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
rüffeln · schelten · ↗schimpfen · ↗tadeln  ●  jemandem etwas geigen  ugs.
Assoziationen
  • jemanden scharf rügen · jemanden streng behandeln  ●  jemanden zur Minna machen  ugs.
Synonymgruppe
bemängeln · kritisch betrachten · ↗kritisieren · ↗tadeln  ●  (etwas/jemanden) aufs Korn nehmen  ugs. · ↗(jemanden) zusammenfalten  ugs. · ↗auseinandernehmen  ugs. · ↗bekritteln  ugs. · ↗bemäkeln  ugs. · schelten  geh., veraltet
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) die Leviten lesen · (jemandem) eine harte Rückmeldung geben · ↗(jemandem) heimleuchten · ↗ausschelten · ↗ausschimpfen · ↗ermahnen · ↗rüffeln · ↗rügen · scharf kritisieren · schelten · ↗verwarnen · zur Ordnung rufen · ↗zurechtweisen  ●  (jemandem etwas) ins Stammbuch schreiben  fig. · (jemandem) einen Verweis erteilen  Amtsdeutsch · ↗tadeln  Hauptform · (jemandem) Bescheid stoßen  ugs. · (jemandem) aufs Dach steigen  ugs., fig. · (jemandem) den Arsch aufreißen  derb · (jemandem) den Kopf waschen  ugs., fig. · (jemandem) den Marsch blasen  ugs., veraltend · (jemandem) deutlich die Meinung sagen  ugs. · (jemandem) die Flötentöne beibringen  ugs., fig. · (jemandem) die Hammelbeine langziehen  ugs., fig. · (jemandem) die Meinung geigen  ugs. · (jemandem) die Schuhe aufpumpen  ugs., fig. · (jemandem) eine (deutliche) Ansage machen  ugs. · (jemandem) eine (dicke) Zigarre verpassen (möglicherweise veraltend)  ugs. · (jemandem) eins auf den Deckel geben  ugs. · (jemandem) zeigen, wo der Frosch die Locken hat  ugs., fig. · (jemandem) zeigen, wo der Hammer hängt  ugs., fig. · (jemandem) zeigen, wo es langgeht  ugs., fig. · (jemanden) Mores lehren  geh. · (jemanden) auf Linie bringen  ugs. · (jemanden) auf Vordermann bringen  ugs. · (jemanden) frisch machen  ugs., fig. · ↗(jemanden) lang machen  ugs. · ↗(jemanden) zusammenfalten  ugs. · ↗(sich jemanden) vorknöpfen  ugs. · ↗abmahnen  fachspr., juristisch · admonieren  geh., veraltet · ↗zurechtstutzen  ugs., fig. · ↗zusammenstauchen  ugs., fig.
Assoziationen
  • (jemandem etwas) nicht durchgehen lassen · zur Rechenschaft ziehen  ●  ↗(sich jemanden) vornehmen  Hauptform · ↗(sich jemanden) greifen  ugs. · ↗(sich jemanden) kaufen  ugs., veraltend · ↗(sich jemanden) vorknöpfen  ugs. · (sich jemanden) zum Geburtstag schenken  ugs. · (sich jemanden) zur Brust nehmen  ugs.
  • abkanzeln · ↗ausschimpfen · ↗beleidigen · ↗entwerten · ↗entwürdigen · ↗herabsetzen · ↗herabwürdigen · ↗niedermachen  ●  ↗abqualifizieren  ugs. · absauen  derb · ↗anmachen  ugs. · ↗anmotzen  ugs. · anpampen  ugs. · ↗anpöbeln  ugs. · ↗diffamieren  geh. · ↗heruntermachen  ugs. · ↗herunterputzen  ugs. · ↗schimpfen  ugs. · zur Sau machen  derb, fig. · zur Schnecke machen  ugs., fig. · ↗zusammenstauchen  ugs.
  • anherrschen · ↗anschnauzen · ↗ausschelten · ↗ausschimpfen · ↗beschimpfen · ↗rüffeln · scharf kritisieren  ●  (jemandem) den Kopf abreißen  fig. · ↗(scharf) zurechtweisen  Hauptform · (jemandem) seine Meinung geigen  ugs. · ↗abwatschen  ugs. · ↗anblasen  ugs. · ↗anfahren  ugs. · ↗angiften  ugs. · ↗anmeckern  ugs. · ↗anpfeifen  ugs. · ↗anpflaumen  ugs. · ↗anranzen  ugs. · ↗anraunzen  ugs. · ↗auseinandernehmen  ugs. · die Leviten lesen  ugs., fig. · ↗fertigmachen  ugs. · rummeckern (an jemandem)  ugs. · rundmachen  ugs. · zur Minna machen  ugs., veraltend · zur Sau machen  ugs. · zur Schnecke machen  ugs., fig. · ↗zusammenfalten  ugs., fig. · ↗zusammenscheißen  derb
  • abwerten · ↗beflecken · ↗beleidigen · ↗beschimpfen · ↗herabsetzen · ↗herabwürdigen · ↗insultieren · ↗niedermachen · verächtlich machen  ●  ↗beschmutzen  fig. · ↗besudeln  ugs., fig. · ↗dissen  ugs. · durch den Kakao ziehen  ugs., fig. · ↗herunterputzen  ugs. · in den Dreck ziehen  ugs., fig. · vom Leder ziehen  ugs. · zur Schnecke machen  ugs., fig.
  • anklagend · ↗vorwurfsvoll
  • (jemandem etwas) abschlagen · (jemandem etwas) nicht durchgehen lassen · (jemandem) (die) Meinung sagen · (jemandem) Grenzen setzen · (jemandem) seine Grenzen aufzeigen · ↗(jemanden) abweisen · (jemanden) in die Schranken weisen · ↗zurechtweisen · ↗zurückweisen  ●  ↗(jemandem) (etwas) husten  ugs. · (voll) auflaufen lassen  ugs.
  • Ironiker · ↗Sarkast · ↗Satiriker · ↗Spottdrossel · ↗Spottvogel · ↗Spötter · ↗Zyniker
  • (einen) Verweis erhalten · (etwas) über sich ergehen lassen müssen · (sich von jemandem) die Leviten lesen lassen · (sich) (einiges) Unangenehmes sagen lassen müssen · (sich) Kritik gefallen lassen müssen · (sich) einiges (Unangenehmes) anhören müssen · (sich) unfreundliche Worte anhören müssen · ausgescholten werden · gerügt werden · verwarnt werden · von jemandem die Leviten gelesen bekommen · zur Ordnung gerufen werden · zurechtgewiesen werden  ●  (einen) eingestielt bekommen  ugs., salopp · (von jemandem) etwas zu hören bekommen  ugs. · eins auf den Deckel kriegen  ugs. · zur Sau gemacht werden  derb
  • (etwas) klar aussprechen · (ganz) offen sein · (jemandem) nichts vormachen · (mit etwas) nicht hinterm Berg halten · (mit jemandem) Fraktur reden · (sich) unmissverständlich ausdrücken · auf den Punkt bringen · auf den Punkt kommen · deutlich werden · deutliche Worte finden · deutlicher werden · klare Worte finden · offen reden · offen und ehrlich seine Meinung sagen · unbeschönigt seine Meinung äußern · unverblümt benennen  ●  böse Zungen behaupten  Redensart, variabel · die Karten offen auf den Tisch legen  fig. · kein Blatt vor den Mund nehmen  fig. · offen aussprechen  Hauptform · (eine) klare Ansage (machen)  ugs. · (etwas) auf gut Deutsch sagen  ugs. · ↗Klartext (reden)  ugs. · Klartext reden  ugs. · Tacheles reden  ugs. · aus seinem Herzen keine Mördergrube machen  ugs. · das Kind beim Namen nennen  ugs. · nicht (lange) um den heißen Brei herumreden  ugs. · nicht drumherum reden  ugs. · reinen Wein einschenken  ugs., fig. · zur Sache kommen  ugs.
  • (jemandem) (ordentlich) die Meinung sagen · (jemandem) gehörig Bescheid stoßen · es jemandem geben  ●  (jemandem) Bescheid sagen  fig. · ↗(jemandem) heimleuchten  veraltend · (jemandem) die Meinung geigen  ugs., fig.
  • (Schlag) versetzen · (derbe) vom Leder ziehen · (sich) mit Kritik nicht zurückhalten  ●  harte Geschütze auffahren  variabel, fig. · (es jemandem) so richtig geben  ugs. · (jemandem) einen einschütten  ugs. · ↗(kräftig) austeilen  ugs. · ↗abledern  ugs.
  • (jemandem) die Flausen austreiben  ●  (jemandem) den Kopf zurechtrücken  fig. · (jemandem) den Kopf zurechtsetzen  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schelten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als sie dann eines Tages das trübselige, niedergeschlagene Wesen der Schwester zu bemerken begann, fing sie in ihrer frischen energischen Art heftig zu schelten an.
Duncker, Dora: Großstadt. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1900], S. 15109
Man sage niemals, daß man die Melodie über alles liebe, und man unterlasse nicht, von Zeit zu Zeit auf Opern, die man verehrt, zu schelten.
Stettenheim, Julius: Der moderne Knigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1902], S. 9914
Viele schelten dich, du liebest das irdische Gut zu sehr.
Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 03.03.1926
Doch kann nun für alles die Deutsche Post gescholten werden?
Süddeutsche Zeitung, 03.08.2000
Dazwischen hörte man mütterliche, befehlsgewohnte Matronenstimmen mahnen, schelten und resolut zur Ordnung rufen.
Bergengruen, Werner: Der letzte Rittmeister, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1956 [1952], S. 238
Man sage niemals, daß man die Melodie über alles liebe, und man unterlasse nicht, von Zeit zu Zeit auf Opern, die man verehrt, zu schelten.
Stettenheim, Julius: Der moderne Knigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1902], S. 9914
Darüber wird schon mindestens zweihundert Jahre, vorwiegend von Männern, angefangen bei Rousseau, geklagt und gescholten.
Schücking, Beate: Wir machen unsere Kinder krank, München: List 1971, S. 13
Selbst bei berechtigtem Grund zur Unzufriedenheit lasse man sich niemals hinreißen, laut zu tadeln oder zu schelten.
Gleichen-Russwurm, Alexander von: Der gute Ton. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1932], S. 21566
Es ist z.B. üblich geworden, auf die deutsche Diplomatie zu schelten.
Weber, Max: Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Politische Schriften, München: Drei Masken Verl. 1921 [1918], S. 147
Zitationshilfe
„schelten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/schelten>, abgerufen am 18.10.2019.

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