schauen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungschau-en
Wortbildung mit ›schauen‹ als Erstglied: ↗Schaubedürfnis · ↗Schaubild · ↗Schaubude · ↗Schaubühne · ↗Schaufenster · ↗Schauhaus · ↗Schaukasten · ↗Schaulauf · ↗Schaulust · ↗Schaumünze · ↗Schauobjekt · ↗Schauorchester · ↗Schaupackung · ↗Schauplatz · ↗Schauprozess · ↗Schauseite · ↗Schaustellung · ↗Schaustück · ↗Schautafel · ↗Schautanz · ↗Schauturnen · ↗Schauung · ↗Schauvitrine · ↗schaubar · ↗schaulustig
 ·  mit ›schauen‹ als Letztglied: ↗abschauen · ↗anschauen · ↗aufschauen · ↗ausschauen · ↗dazuschauen · ↗dreinschauen · ↗durchschauen · ↗emporschauen · ↗heraufschauen · ↗herausschauen · ↗hereinschauen · ↗herschauen · ↗herumschauen · ↗herunterschauen · ↗hervorschauen · ↗herüberschauen · ↗hinaufschauen · ↗hinausschauen · ↗hindurchschauen · ↗hineinschauen · ↗hinschauen · ↗hinunterschauen · ↗hinwegschauen · ↗hinüberschauen · ↗hochschauen · ↗nachschauen · ↗reinschauen · ↗umherschauen · ↗umschauen · ↗vorausschauen · ↗vorbeischauen · ↗vorschauen · ↗wegschauen · ↗zurückschauen · ↗zuschauen · ↗überschauen
 ·  mit ›schauen‹ als Grundform: ↗beschauen · ↗erschauen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
gehoben, süddeutsch, österreichisch die Augen bewusst auf ein bestimmtes Ziel richten, bewusst in eine bestimmte Richtung sehen, blicken
a)
Beispiele:
jmd. schaut auf die Uhr, aus dem Fenster, durch das Schlüsselloch, in den Spiegel, hinter den Vorhang, über den Zaun, unter das Bett, zum Himmel
jmd. schaut nach rechts, um sich
jmd. schaut auf jmdn., zu jmdm.
sie schaut nachdenklich in die Flamme der Kerze
verlegen schaut er zu Boden
überall, wohin man schaute, nur Schnee und Eis
sie schaute auf das schlafende Kind
schau, wer da kommt!
schauen Sie, so wird das gemacht!
er stand vor dem Bild, Schaufenster und schaute
jmdn. aus heimlichem, staunendem Schauen herausreißen
bildlich
Beispiele:
der Mond schaut durch die Wolken, ins Zimmer
unsere Fenster schauen auf die See, zur Straße
Entsetzen schaute ihr aus den Augen
optimistisch in die Zukunft schauen
übertragen
Beispiele:
hinter die Kulissen schauen (= Dinge sehen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind)
salopp jmdm. auf die Finger schauen (= jmdn. genau beaufsichtigen)
umgangssprachlich jmdm. in die Karten schauen (= in jmds. Pläne Einblick bekommen)
umgangssprachlich, scherzhaft jmd. hat zu tief ins Glas geschaut (= ist angeheitert, betrunken)
b)
nach jmdm., etw. schauenauf jmdn., etw. achtgeben, sich um jmdn., etw. kümmern
Beispiele:
die Nachbarin schaut nach der Kranken
nach dem Rechten schauen (= nachsehen, ob alles in Ordnung ist)
auf etw. schauenauf etw. achten, sich um etw. kümmern
Beispiele:
er hatte keine Zeit, auf Ordnung zu schauen
sie müsste mehr auf ihren Haushalt schauen
2.
landschaftlich, gehoben jmdn., etw. mit den Augen wahrnehmen, sehen
Beispiele:
Sie verschwand und ich hab' sie nimmermehr g'schaut [NestroyTod am HochzeitstageII 10]
[sie] lachte immer vor ihm und ließ ihn nur fröhliche Gesichter schauen [FedererRegina Lob98]
3.
veraltet etw. intuitiv (ganzheitlich oder visionär) erkennen
Beispiele:
ein schauender Dichter, Maler
die Unendlichkeit, Zukunft schauen
das geistige Schauen
Was in der Philosophie die Dialektik ist, das ist beim Dichter das Schauen, der geöffnete Blick für die Widersprüche, für das Böse im Guten [Th. Mann11,498]
4.
gehoben, süddeutsch, österreichisch jmd. schaut freundlichjmd. hat einen freundlichen Ausdruck in den Augen, im Blick
Beispiele:
jmd. schaut vergnügt, böse, ärgerlich, frech
warum schaust du so (wütend)?
da wird er aber schauen! (= staunen!)
der hat aber geschaut, als er so viel Geschenke gesehen hat
jmds. Augen schauen belustigt, prüfend, streng, kalt, spöttisch, unsicher
Das Fräulein ist langsam aufgestanden und hat kühl geschaut [E. WeberÖsterreich112]
bildlich
Beispiel:
der Himmel schaute drohend, finster
5.
süddeutsch, österreichisch, umgangssprachlich sich bemühen, etw. zu erreichen
Beispiele:
schau, wie du damit fertig wirst!
schau, dass du fortkommst!
Soll er schauen, wie er sich selbst durchbringt [BecherAbschied4,405]
Alles ist gelaufen, die Leut' haben nur geschaut, daß sie weiterkommen [DodererLederbeutelchen190]
6.
im Imp.
süddeutsch, österreichisch abgeblasst
a)
als Ausdruck des Beschwichtigens, Zuredens
Beispiele:
schau, Franz, sei vernünftig!
schauen Sie, das ist doch gar nicht so schlimm!
b)
als Ausruf
drückt Verwunderung, Überraschung aus
Beispiele:
schau, schau!
da schau einer!
c)
als formelhafter Ausdruck, wenn man jmdm. etw. Schwieriges klarmachen will
Beispiele:
schauen Sie, das ist doch folgendermaßen: ...
Schau, ich will Dir alles schreiben; schreiben kann ich es wohl [SchallückWenn man aufhören könnte19]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schauen · Schau · Schauer1 · anschauen · anschaulich · veranschaulichen · Anschauung · beschauen · Beschauer · beschaulich · zuschauen · Zuschauer · Schaufenster · Schauplatz · Schauspiel · Schauspieler · schauspielern
schauen Vb. ‘den Blick auf etw. richten, betrachten, achtgeben, sich kümmern um, innerlich erblicken, erfassen, erkennen’, ahd. scouwōn (8. Jh.), mhd. schouwen, asächs. skauwon, mnd. schouwen, schau(w)en, mnl. scouwen, nl. schouwen, afries. skāwia, skōwia, aengl. scēawian, engl. to show (germ. *skauwōn). Verwandt sind weiter (unsicheres) got. unskaus (für *usskaus?) ‘nüchtern, vorsichtig’ (d. i. -skaus ‘schauend’), griech. thyoskóos (θυοσκόος, aus *-σκοϜός) ‘Opferschauer’ sowie das unter ↗schön (s. d.) behandelte Adjektiv, auch (ablautend) anord. skoða ‘schauen, untersuchen’, schwed. skåda und (mit nord. Entwicklung zum Guttural) anord. skygn ‘scharfsehend, klug’, skygna ‘schauen, spähen’. Alle Formen lassen sich auf eine mit s- anlautende Variante ie. *skeu- der Wurzel ie. *kē̌u- ‘worauf achten, beobachten, schauen’, auch ‘hören, fühlen, merken’ (wozu ↗hören, s. d. weitere Verwandte) zurückführen. Schau f. ‘(prüfendes) Ansehen, intuitives Erleben, Erfassen, Blickpunkt, Sichtweise’, mhd. schouwe, schowe, schou ‘suchendes, prüfendes Schauen’ (erhalten in Brautschau), ‘Blick, das Anschauen, Anblick, was angesehen wird, Gestalt’ (bis ins 17. Jh. auch m.); vgl. die Wendungen zur Schau stellen, zur Schau tragen ‘öffentlich zeigen, vorführen’ (18. Jh.). In neuerer Zeit (unter dem Einfluß von engl. show) häufig in Komposita für ‘Ausstellung’ (Blumen-, Leistungs-, Moden-, Tierschau) oder für eine ‘öffentliche, auf optische Wirkung ausgerichtete Veranstaltung’ (Bühnen-, Fernseh-, Superschau). In der Folge tritt das Simplex Schau oft für aus dem Engl. entlehntes ↗Show (s. d.) ein. Schauer1 m. ‘Betrachter, Besichtiger, Prüfer’, ahd. scouwāri (um 1000), mhd. schouwære, schower ‘Betrachter, Münzprüfer, Fleischbeschauer’, frühnhd. auch ‘Seher, Prophet’. anschauen Vb. ‘ansehen, prüfend betrachten’, ahd. anascouwōn (9. Jh.), mhd. aneschouwen; anschaulich Adj. ‘leicht, optisch gut vorstellbar, bildhaft’, mhd. anschouwelich ‘in religiöse Betrachtung versunken’; veranschaulichen Vb. ‘durch Bilder, Vergleiche u. dgl. vorstellbar, deutlich machen’ (um 1800); Anschauung f. ‘das Sehen, Anblick’ (15. Jh.), ‘Betrachtungsweise, Vorstellung, Gesichtspunkt, Meinung’ (18. Jh.), ahd. anascouwunga ‘das Ausschauhalten, geistige Betrachtung’ (8. Jh.), mhd. anschouwunge ‘geistige, kontemplative Betrachtung’. beschauen Vb. ‘(prüfend, eingehend) betrachten, besehen’, ahd. biscouwōn ‘schauen, (an)sehen, berücksichtigen’ (8. Jh.), mhd. beschouwen; Beschauer m. ‘Prüfer’, ahd. biscouwāri ‘Betrachter, Beobachter’ (10. Jh.), mhd. beschouwære ‘(obrigkeitlicher) Besichtiger, Prüfer’; beschaulich Adj. ‘betrachtend, kontemplativ’, spätmhd. beschouwelich; vgl. besonders beschawlich leben (1460). zuschauen Vb. ‘den Blick auf einen Punkt richten, hin-, zusehen’ (16. Jh.); Zuschauer m. ‘wer auf etw. hinsieht, einer Vorführung zusieht’ (16. Jh.). Schaufenster n. ‘Fenster, in dem etw. zur öffentlichen Ansicht ausgestellt wird’ (19. Jh.). Schauplatz m. ‘öffentlicher Platz, auf dem Schauspiele aufgeführt werden, Theater’ (16. Jh.), ‘Platz, auf dem sich etw. abspielt, wo etw. geschieht’ (17. Jh.), vgl. Kriegsschauplatz. Schauspiel n. ‘jedes vor Zuschauern öffentlich gezeigte Spiel’, besonders ‘dramatische Dichtung und deren szenische Aufführung’ (Ende 15. Jh.), neben häufigerem Komödie, Tragödie; vom 18. Jh. an geläufig und Lustspiel und Trauerspiel ausdrücklich zusammenfassend. Schauspieler m. ‘wer in szenischen Aufführungen auftritt’ (16. Jh.), danach ‘darstellende Person auf dem Theater’, neben ↗Komödiant (s. d.), dieses jedoch vom 18. Jh. an zurückdrängend. schauspielern Vb. ‘anderen etw. vormachen, vortäuschen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
angucken · ↗anschauen · ↗ansehen · ↗beobachten · ↗besehen · ↗betrachten · ↗blicken · ↗gucken · ↗mustern · schauen · ↗untersuchen · ↗zugucken  ●  ↗glotzen  abwertend · ↗kieken  berlinerisch · ↗(sich etwas) reinziehen  ugs. · ↗beaugapfeln  ugs. · ↗beäugen  ugs. · ↗lugen  ugs. · spannern  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auge Fenster Finger Gesicht Maul Schulter Spiegel Uhr Zukunft an anschauen aufschauen ausschauen dreinschauen genau herabschauen herausschauen herschauen hervorschauen hinausschauen hineinschauen hinschauen mal man nachschauen umschauen vorbeischauen wegschauen zurückschauen zuschauen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schauen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich ging immer spät wählen, ich schaute immer auf die Uhr, ich war immer nervös.
Die Zeit, 22.09.2013, Nr. 38
Warum mußte sie mitten im Leben auf die Uhr schauen?
Kuckart, Judith: Lenas Liebe, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2002, S. 206
So vorbereitet können Sie dem Winter mutig ins Auge schauen.
Dillenburger, Helmut: Das praktische Autobuch, Gütersloh: Bertelsmann 1965 [1957], S. 427
Natürlich wissen wir, daß sie läuft, aber wir schauen nicht hin.
Langgässer, Elisabeth: Das unauslöschliche Siegel, Hamburg: Claassen 1959 [1946], S. 300
Als sie wieder zu sich kam, schaute sie verwirrt um sich.
Matthiessen, Wilhelm: Das Rote U. In: ders., Das Rote U, Bayreuth: Loewes 1980 [1932], S. 114
Zitationshilfe
„schauen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/schauen>, abgerufen am 14.10.2019.

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