schäbig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungschä-big
Wortbildung mit ›schäbig‹ als Erstglied: ↗Schäbigkeit
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
unansehnlich, abgenutzt, ärmlich
Beispiele:
ein schäbiger Anzug, Mantel
eine schäbige Hose
schäbige Kleidung
ein schäbiger Teppich, Koffer
eine schäbige Einrichtung
schäbige Möbel
das Haus sieht schäbig aus
schäbig (= schlecht, dürftig) angezogen, gekleidet sein
umgangssprachlich der schäbige Restder sehr kleine Rest
Beispiele:
es sind nur noch schäbige Reste übrig
in der Flasche ist nur noch ein schäbiger Rest
2.
umgangssprachlich, abwertend moralisch anfechtbar, unehrenhaft, unredlich, gemein
Beispiele:
sich jmdm. gegenüber schäbig benehmen
jmdn. schäbig behandeln
ein schäbiges Verhalten, ein schäbiger Verrat
ein schäbiger Vorwand
dabei bin ich mir richtig schäbig vorgekommen
spüren Sie nicht selbst, wie schäbig das ist, unter Freunden so miserabel zu lügen? [St. ZweigUngeduld95]
Wahrscheinlich war dieser Vorgesetzte ein schäbiger Leuteschinder gewesen [BredelHeerstraßen491]
3.
umgangssprachlich, abwertend kleinlich, geizig, schofel
Beispiele:
sich schäbig zeigen
ein schäbiges (= sehr kleines, von Geiz zeugendes) Trinkgeld
Die kannten guten Wein. Denen gegenüber konnte er sich nicht schäbig erweisen [TravenGeneral137]
Sie finden's natürlich schäbig, daß ich so eine Läpperei [ein paar hundert Kronen] überhaupt erwähne? Nicht wahr, schäbig, kleinlich, knickerig? [St. ZweigUngeduld244]
»Keine vier Mark«, sagte der Mann. »Schäbige Kanaillen« [H. MannUnrat1,451]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schaben · Schabe1 · Schabe2 · schäbig · Schabe3 · Schabsel
schaben Vb. ‘reiben, abkratzen, radieren’. Das gemeingerm., ursprünglich starke Verb ahd. scaban (9. Jh.; giscaban, 8. Jh.), mhd. schaben ‘kratzen, radieren, scharren’, reflexiv ‘schäbig werden, glatt werden, polieren’, intransitiv ‘schnell weggehen’, asächs. skaƀan, mnd. schāven, mnl. scāven, nl. schaven, aengl. sc(e)afan, engl. to shave, anord. skafa, schwed. skava, got. skaban ‘die Haare scheren’ (germ. *skaban) läßt sich mit lat. scabere ‘kratzen, reiben’, scaber ‘rauh, krätzig’, scabiēs ‘Rauhigkeit, Räude’, lit. skõbti ‘mit dem Beitel, Schaber aushöhlen, (in Holz) schneiden’, russ.-kslaw. skoblь, russ. skóbel’ (скобель) ‘Schabmesser’ auf ie. *skā̌b(h)- zurückführen, eine durch Labialwechsel unterschiedene Variante der Wurzel ie. *(s)kē̌p-, *(s)kō̌p-, *(s)kā̌p- ‘mit scharfem Werkzeug schneiden, spalten’, wozu auch ↗schaffen, ↗Schaff, ↗Schaft, ↗schöpfen (s. d.) gehören. Übertritt zur schwachen Flexion erfolgt etwa im 16. Jh., zunächst im Prät. (schabte), zögernd im Part. Prät. (geschabt; doch geschaben vereinzelt noch im 19. Jh.). Vom Verb abgeleitet Schabe1 f. ‘Schabeisen (zum Glätten), Hobel’, ahd. scabo m. (9./10. Jh.), scaba f. (11. Jh.) ‘Schabeisen’, mhd. schabe f. ‘Schabeisen, Hobel’, asächs. skaƀo m., mnd. mnl. schave, nl. schaaf, aengl. sceafa m., anord. skafi m. ‘Schabeisen’. Schabe2 f. Name für ein abgeflachtes, käferähnliches, lichtscheues Insekt, das vornehmlich in Küchen, Backstuben und Speichern lebt, ‘Kakerlak’. Als Tiername zuerst mhd. schabe zur Bezeichnung (13. Jh.) der ‘Kleidermotte’ (so noch heute gebietsweise in Süddeutschland), danach steht Schabe als Gemeinschaftsname für ‘Holzwurm, Assel’ (16. Jh.) und anderes Kleingetier, dessen schädliche Wirksamkeit sich als schabendes, raspelndes Fressen darstellt. In diesem Sinne, also gleichsam als ‘Mehl, Staub machendes (oder fressendes?) Tierchen’, ist auch (trotz Ebbinghaus in: General Linguistics 17 (1977) 92 f.) das lat. ērūca glossierende aengl. mǣlsceafa (10. Jh.) aufzufassen. Erst im 18. Jh. wird Schabe (auch in den Zusammensetzungen Bäcker-, Mehl-, Küchenschabe als literatursprachlicher Name im oben genannten Sinne üblich. Vgl. Pfeifer Tiernamen Beiheft 2 (1965). S. auch ↗Schwabe. schäbig Adj. ‘räudig, krätzig, abgeschabt, abgenutzt, kleinlich, geizig’, mhd. schebic ‘räudig, von schlechtem Aussehen’, mit affektiver Geminierung mnd. mnl. schabbich ‘krätzig, schorfig’, nl. schabbig ‘abgenutzt, abgeschabt’, engl. shabby (vgl. aengl. sceabbede ‘krätzig, schorfig’) sind Ableitungen von Substantiven, die zu dem unter schaben (s. oben ) behandelten Verb gebildet sind, wie ahd. scabado, skebido m. (9. Jh.), asächs. skaƀaðo m., aengl. sceabb, anord. skabb n. ‘Räude, Krätze’ (woraus engl. scab), schwed. skabb und (erst seit dem 18. Jh. bezeugtes) nhd. Schabe3 f. ‘Räude, Krätze’, vereinzelt auch Schäbe (18. Jh.), nd. Schabbe. Die als Tierkrankheit verbreitete Räude verursacht Juckreiz, so daß sich die erkrankten Tiere reiben und abgeschabte Stellen im Fell entstehen. Vom Aussehen (‘abgeschabt, abgenutzt’ von der Kleidung) wird schäbig auf das Verhalten (‘kleinlich, geizig, erbärmlich’) übertragen. Schabsel n. ‘abgeschabtes Teilchen’ (17. Jh.); zum Suffix s. ↗-sal, ↗-sel.

Thesaurus

Synonymgruppe
beschmutzt · ↗dreckig · mit Schmutz behaftet · ↗schmierig · schmutzbehaftet · schäbig · ↗unhygienisch · ↗unrein · ↗unsauber · verdreckt · verschmutzt · verunreinigt · voller Schmutz  ●  ↗kotig  veraltend · ↗schmutzig  Hauptform · Drecks...  derb · Schmuddel...  ugs. · dreckig und speckig  ugs. · ↗mistig  ugs. · ↗ranzig  ugs. · ↗räudig  ugs. · ↗schmuddelig  ugs. · ↗siffig  ugs. · steht vor Dreck  ugs. · verranzt  ugs. · ↗versifft  ugs. · voller Dreck und Speck  ugs. · voller Mist  ugs. · vor Dreck stehen  ugs.
Assoziationen
  • (lauter) Flecke haben · Flecke aufweisen · ↗befleckt · besudelt · ↗fleckig · mit Flecken übersät · verfleckt · voller Flecke
  • bestaubt · mit Staub bedeckt · mit Staub überzogen · ↗staubbedeckt · ↗staubig · staubüberzogen · ↗verstaubt · voller Staub
  • mit Ruß überzogen · rußbedeckt · ↗rußig · verrußt · voller Ruß
  • vermüllt · voller Müll · von Müll übersät  ●  zugemüllt  ugs.
  • Ferkelei  ugs. · ↗Sauerei  ugs. · ↗Schweinerei  ugs.
Synonymgruppe
(ein) Trauerspiel · ↗armselig · ↗bemitleidenswert · ↗erbärmlich · ↗kläglich · schäbig · ↗unsäglich · ↗unwürdig · ↗würdelos
Assoziationen
  • (man) hätte mehr erwartet (von)  ●  (eine) Bankrotterklärung (sein)  fig. · (etwas ist) keine Heldentat  fig. · (sich) ein Armutszeugnis ausstellen (mit)  fig. · ein Armutszeugnis (für jemanden/etwas sein)  Hauptform · (ein ...) sieht anders aus  ugs. · (jemand) sollte sich was schämen!  ugs. · (sich) nicht (gerade) mit Ruhm bekleckert haben  ugs., Redensart · kein Ruhmesblatt  geh.
  • (leicht) durchschaubar · schlecht kaschiert  ●  ↗durchsichtig  fig. · ↗fadenscheinig  fig. · (etwas) merkt ein Blinder (doch) mit dem Krückstock  ugs., fig.
  • Schmierenkomödie · ↗Schmierentheater · die Karikatur (einer Sache) · schlechter Scherz · unwürdiges Schauspiel  ●  ↗(eine) Farce  Hauptform
Synonymgruppe
abgehalftert · ↗abgerissen · ↗abgetakelt · abgewirtschaftet · am Ende · ↗desolat · in einem schlechten Zustand · ↗marode · ↗mies · ruiniert · schäbig · ↗ungepflegt · verdorben · ↗verkommen · verlottert · verludert · verlumpt · ↗verschlissen · verwahrlost · verwildert · zerfasert · zerfleddert · ↗zerlumpt · zerschlissen  ●  ↗(äußerlich) heruntergekommen  Hauptform · (herumlaufen) wie ein Penner  derb, abwertend · ↗abgefuckt  derb, jugendsprachlich · abgeranzt  ugs. · abgewrackt  ugs. · auf den Hund gekommen  ugs. · ↗gammelig  ugs. · muchtig  ugs., berlinerisch · vergammelt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
armselig · ↗erbärmlich · ↗schofel · ↗schofelig · schäbig
Assoziationen
  • nicht fair · nicht gerecht · nicht in Ordnung · nicht okay · ↗unfair · ↗ungerecht
  • e goldenes Nixle un e silbernes Warteweilche (un e Schächtele wo des nei dus)  ●  (nur ein) warmer Händedruck  Hauptform
  • (jemandem) Dank schuldig bleiben  ●  ↗undankbar (sein)  Hauptform
Synonymgruppe
arglistig · ↗boshaft · ↗bösartig · ↗böse · ↗fies · ↗garstig · ↗gehässig · ↗gemein · ↗hinterfotzig · ↗hundsgemein · ↗niederträchtig · ↗perfid · ↗perfide · ↗ruchlos · ↗schuftig · ↗schurkisch · schäbig · ↗schädlich · ↗tückisch · ↗verabscheuenswert · ↗verabscheuungswürdig · ↗verwerflich  ●  hundig  österr. · ↗verrucht  veraltend · ↗infam  geh. · ↗mies  ugs. · ↗schofel  ugs. · ↗übel  ugs. · über Leichen gehend  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absteige Anzug Apartment Baracke Behausung Bude Einzimmerwohnung Hinterhof Hinterzimmer Hotelzimmer Hütte Kneipe Mantel Matratze Mietshaus Mobiliar Motel Motelzimmer Pension Schuppen Spelunke Wohnblock Wohnwagen charakterlos gekleidet heruntergekommen kleinlich möbliert unanständig verantwortungslos

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schäbig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Allerdings wird er nicht einmal mit den Flöhen im Fell seines schäbigen Mantels fertig.
Der Tagesspiegel, 11.01.2003
Sie kam sich schäbig vor, ihr Geld, für das sie nicht gearbeitet hatte, vor ihm zu verstecken.
Jentzsch, Kerstin: Ankunft der Pandora, München: Heyne 1997 [1996], S. 156
Sie muß nur hinter der schäbigen Bar des schäbigen Hotels auftreten, und schon lacht das ganze Haus.
Süddeutsche Zeitung, 22.12.1995
Es war eine Welt, so dunkel, so schäbig, so dreckig, so von Gott aufgegeben wie die Welt hier.
Koeppen, Wolfgang: Tauben im Gras. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1951], S. 112
Auf meinen schäbigen Brief, ich bitte Dich, ärgere Dich doch nicht mehr darüber, weil ich Weihnachten nicht mit Dir darüber gesprochen habe.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 03.03.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„schäbig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/schäbig>, abgerufen am 21.05.2019.

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