saufen

GrammatikVerb · säuft, soff, hat gesoffen
Aussprache
Worttrennungsau-fen
Wortbildung mit ›saufen‹ als Erstglied: ↗Saufabend · ↗Saufaus · ↗Saufbold · ↗Saufbruder · ↗Sauferei · ↗Saufexzess · ↗Saufgelage · ↗Saufkumpan · ↗Saufsack · ↗Sauftour · ↗Säufer
 ·  mit ›saufen‹ als Letztglied: ↗absaufen · ↗ansaufen · ↗aussaufen · ↗durchsaufen · ↗herumsaufen · ↗totsaufen · ↗vollsaufen · ↗wegsaufen · ↗weitersaufen
 ·  mit ›saufen‹ als Grundform: ↗Gesöff · ↗Saufen · ↗besaufen · ↗ersaufen · ↗versaufen
eWDG, 1974

Bedeutung

Flüssigkeit zu sich nehmen, sich Flüssigkeit zuführen
a)
vom Tier
Beispiele:
das Vieh säuft (Wasser)
Katzen, Kälber, Fohlen saufen Milch
er gab dem Pferd (einen Eimer Wasser) zu saufen
b)
vom Menschen
α)
vulgär trinken
Beispiele:
sauf endlich deine Medizin!
er säuft nur Milch
sie haben seit Tagen nichts als Wasser gesoffen
er soff viele Kognak, Glas Bier, viel Rotwein
Wein, Bier, Schnaps saufen
der hat wohl Schnaps gesoffen! (= ist wohl betrunken!)
salopp, derb, abwertend
Beispiel:
du musst ja Tinte gesoffen haben! (= du mußt verrückt sein, wenn du das getan hast!)
β)
vulgär unmäßig, gierig, in einem Zuge trinken
Beispiele:
er soff literweise Wasser
er hatte solch einen Durst, dass er beinahe die Wasserleitung leer gesoffen hätte
γ)
salopp, derb, abwertend in großen Mengen Alkohol zu sich nehmen, trinken
Beispiele:
er hat (die ganze Nacht) gesoffen
er hatte Kopfschmerzen, weil er den Abend vorher gesoffen hatte
sie soffen, bis sie umfielen
er säuft mit jedem, wie ein Bürstenbinder, Loch
er wird sich noch arm, dumm, krank, zu Tode, um den Verstand saufen
er säuft alle unter den Tisch (= er verträgt mehr Alkohol als die anderen)
gewohnheitsmäßig Alkohol trinken
Beispiele:
er säuft
er ist ganz tüchtig, solange er nicht säuft
er kann das Saufen nicht lassen, will sich das Saufen abgewöhnen
er fing vor Kummer, aus Verzweiflung an zu saufen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

saufen · supfen · süpfeln · Säufer · Sauferei · Saufaus · besaufen · besoffen · versaufen · versoffen · ersaufen · ersäufen · Suff · süffig · süffeln
saufen Vb. ‘trinken’ (vom Vieh), ‘unmäßig trinken, Alkohol zu sich nehmen’ (derb), ahd. sūfan (9. Jh.), mhd. sūfen ‘schlürfen, trinken’, mnd. mnl. sūpen, nl. zuipen, aengl. sūpan, engl. to sup, anord. sūpa, schwed. supa (germ. *sūpan). Herkunft ungesichert. Das Verb kann mit den unter ↗Suppe und ↗seufzen (s. d.) genannten Formen sowie mit aind. sū́paḥ ‘Brühe, Suppe’ und aslaw. sъsati, russ. sosát’ (сосать) ‘saugen’ an eine mit Labial erweiterte (ie. *seub-, *sūb- bzw. *seup-, *sūp-) lautmalende Wurzel ie. *seu-, *seu̯ə-, *sū- ‘tropfen lassen, schlürfen, saugen’ angeschlossen werden (wozu auch mit Guttural erweitertes ↗saugen, s. d.). Die alte Bedeutung ‘schlürfen’ (vgl. noch engl. to sup ‘schlürfen, in kleinen Schlucken trinken, nippen’) entwickelt sich im 16. Jh. zu ‘hastig und viel, maßlos trinken’ (besonders Alkohol). Als Intensivum abgeleitet supfen Vb. ‘schlürfend trinken’ (15. Jh.), süpfeln Vb. (16. Jh.). Säufer m. ‘wer sich (regelmäßig) betrinkt’ (16. Jh.). Sauferei f. ‘Trinkgelage’ (15. Jh.). Saufaus m. ‘Trunkenbold’, imperativischer Satzname (Hans Sauffauß, 1595), nd. Sūpūt. besaufen Vb. (reflexiv) ‘sich betrinken’, dazu besoffen Part.adj. ‘betrunken’ (16. Jh.). versaufen Vb. ‘versinken, ertrinken’, mhd. versūfen; dagegen ahd. firsūfan ‘(gierig) hinunterschlürfen’ (8. Jh.); dann ‘mit Trinken durchbringen’ (15. Jh.), dazu versoffen Part.adj. ‘durch Saufen heruntergekommen, dem Alkohol ergeben’ (16. Jh.). ersaufen Vb. ‘in der Flut umkommen, ertrinken’ (16. Jh.); vgl. mhd. ersoffen ‘betrunken’, ahd. irsūfan ‘(gierig) hinunterschlürfen’ (8. Jh.). Dazu im 16. Jh. das umgelautete Kausativum ersäufen Vb. ‘versenken, ertränken’, mhd. ersoufen; dafür ahd. bisoufen (um 800). Suff m. (mit der Nebenform Soff, s. ↗Gesöff) ‘Trunksucht, Alkoholrausch, Betrunkenheit’ (17. Jh.). süffig Adj. ‘angenehm, leicht zu trinken, wohlschmeckend’ (19. Jh.), älter ‘trunkliebend, dem Trinken ergeben’ (16. Jh.). süffeln Vb. ‘mit Genuß trinken’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) betrinken · (sich) sinnlos betrinken · ↗(viel Alkohol) trinken  ●  ↗feiern  jugendsprachlich, verhüllend · ↗(einen) verlöten  ugs., regional · (einen) über den Durst trinken  ugs., variabel · ↗(sich einen) ballern  ugs. · ↗(sich etwas) genehmigen  ugs. · ↗(sich) abschießen  ugs. · ↗(sich) besaufen  ugs. · (sich) die Hucke vollsaufen  ugs. · (sich) die Kante geben  ugs. · (sich) einen auf die Lampe gießen  ugs., fig. · (sich) einen hinter die Binde kippen  ugs., fig. · (sich) einen zur Brust nehmen  ugs. · (sich) volllaufen lassen  ugs. · (sich) zulaufen lassen  ugs. · (sich) zusaufen  ugs. · ↗(sich) zuschütten  ugs. · ↗bechern  ugs. · bürsteln  ugs., österr. · ins Glas schauen  ugs. · saufen  ugs. · ↗süppeln  ugs. · tschechern  ugs., salopp, ostösterreichisch · ↗zechen  ugs.
Oberbegriffe
  • (sich) einen (...) genehmigen · Alkohol trinken  ●  (eine Flasche Wein o.ä.) verpitschen  ugs., ruhrdt. · (sich) (die) Kehle anfeuchten  ugs. · (sich) (die) Kehle ölen  ugs. · (sich) (einen) hinter die Binde kippen  ugs. · einen heben  ugs.
Assoziationen
  • trinken  ●  (nasser) Alkoholiker (sein)  variabel · ↗alkoholabhängig (sein)  variabel · zur Flasche greifen  fig. · saufen  derb
  • (bei alkoholischen Getränken) nicht nein sagen · ↗(dem Alkohol) zugetan · (sich) gerne (schon mal) einen trinken · gerne dem Alkohol zusprechen · mit dabei sein wenn es was zu trinken gibt  ●  gerne Alkohol trinken  Hauptform · dem Trunke hold (sein)  geh. · nicht ins Glas spucken  ugs.
  • Vatertag  ●  ↗Herrentag  ugs., regional · ↗Männertag  ugs., regional
  • Alkohol · Teufel Alkohol  ●  ↗Alk  ugs.
  • Trinkhalm · ↗Trinkröhrchen  ●  Plastikstrohhalm  ugs. · ↗Strohhalm  ugs.
  • Alkoholvergiftung  ●  ↗Alkoholintoxikation  fachspr. · C2-Abusus  fachspr. · C₂-Abusus  fachspr.
  • Teufel Alkohol · alkoholhaltiges Getränk  ●  ↗Alkoholika  Plural · alkoholisches Getränk  Hauptform · ↗Alk  ugs., salopp · ↗Alkohol  ugs.
  • (jemanden) benebeln · ↗(jemanden) beschwipsen · ↗berauschen  ●  betrunken machen (aufgrund des Alkoholgehalts)  Hauptform · ↗knallen  ugs.
  • (ein) wüstes Zechgelage veranstalten · (sich) hemmungslos besaufen
  • (stark) alkoholisiert · betrunken, wie er war · im Rausch · in angetrunkenem Zustand · unter Alkoholeinfluss (stehen)  ●  im Suff  ugs. · im Tran  ugs. · in seinem besoffenen Zustand  ugs. · unter Alkohol  ugs.
Synonymgruppe
(Kraftstoff) verbrauchen  ●  ↗fressen  ugs. · saufen  ugs. · ↗schlucken  ugs.
Synonymgruppe
trinken  ●  (nasser) Alkoholiker (sein)  variabel · ↗alkoholabhängig (sein)  variabel · zur Flasche greifen  fig. · saufen  derb
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Flüssigkeit aufnehmen · saufen (Tiere)  ●  ↗trinken  Hauptform
Unterbegriffe
  • nippen · ↗schlürfen
  • (sich) einen (...) genehmigen · Alkohol trinken  ●  (eine Flasche Wein o.ä.) verpitschen  ugs., ruhrdt. · (sich) (die) Kehle anfeuchten  ugs. · (sich) (die) Kehle ölen  ugs. · (sich) (einen) hinter die Binde kippen  ugs. · einen heben  ugs.
  • austrinken · leer trinken · leertrinken
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Champagner Delirium Dosenbier Schnaps Tinte Whisky Wodka absaufen ansaufen aussaufen durchsaufen fluchen fressen grölen huren kiffen koksen kotzen mitsaufen prügeln pöbeln rauchen raufen saufen schnupfen vollsaufen vögeln weg wegsaufen zusaufen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›saufen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Simon Ruf ließ damals den Älteren gewinnen, er dachte, es gehöre sich nicht, einen echten Professor unter den Tisch zu saufen.
Der Tagesspiegel, 20.09.2001
Ich rauche nicht mehr, und ich saufe auch nicht mehr.
Die Welt, 25.11.1999
Ich saufe mich langsam vom Mittag durch den Nachmittag in die Nacht hinein.
Späth, Gerold: Commedia, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1980 [1980], S. 1
Aber alle paar Monate fiel der Vater in ein tiefes Loch und fing an zu saufen.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 111
Sie hatte währenddem ihr Ei sehr geschickt an einem Stein aufgeklopft und soff es nun mit einem genußsüchtigen kleinen Schlürfen leer.
Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 608
Zitationshilfe
„saufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/saufen>, abgerufen am 22.07.2019.

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