sachlich

GrammatikAdjektiv
Worttrennungsach-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›sachlich‹ als Erstglied: ↗Sachlichkeit  ·  mit ›sachlich‹ als Letztglied: ↗unsachlich  ·  mit ›sachlich‹ als Grundform: ↗versachlichen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
eine bestimmte Sache, Angelegenheit betreffend, sachbezogen
Beispiele:
dieser Einwand, diese Beschwerde ist sachlich berechtigt
das ist sachlich richtig!
sein wissenschaftlicher Aufsatz ist sachlich gut fundiert, zutreffend
er hatte sachlich an den Plänen nichts auszusetzen, sachlich nichts einzuwenden
etw. aus sachlichen Gründen ablehnen
sie gingen von rein sachlichen Erwägungen aus
die sachliche Prüfung des Projekts durch Fachwissenschaftler
das Buch gibt wesentliche sachliche Aufschlüsse über dieses Gebiet, enthält zahlreiche sachliche Erläuterungen
zwischen diesen beiden Meinungen besteht ein sachlicher Unterschied
hier geht es um Sachliches, nicht um Persönliches
2.
nicht von Gefühlen und persönlichen Interessen beeinflusst, objektiv
Beispiele:
etw. in sachlichem Ton, in einem sachlichen Ton, mit sachlicher Ruhe, Stimme sagen
einen sachlichen Bericht geben
ein sachliches Urteil fällen
sie hatten eine sachliche Aussprache
eine sachliche Kritik, Äußerung
etw. sachlich sagen, bemerken, fragen, vorbringen, darstellen, betrachten
sie verhandelten, diskutierten, argumentierten sachlich
wir wollen sachlich bleiben!
er ist (streng, ganz) sachlich
ein sachlicher Mensch
3.
ohne schmückendes, das Gefühl ansprechendes Beiwerk, wenig Behaglichkeit verbreitend, nüchtern
Beispiele:
sachliche Möbel, Kleider, Bauten
ein Arbeitszimmer mit sachlicher Atmosphäre
dieser Maler, Komponist hat einen einfachen, sachlichen Stil
Der karge Anschlag, die übertriebene Motorik der sogenannten sachlichen Pianistenschule [HildesheimerinErkundungen126]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sache · sachlich · Sachlichkeit · versachlichen · sächlich · Sachbearbeiter · Sachwalter · Widersacher
Sache f. ‘Gegenstand, Ding, Angelegenheit, Aufgabe’, ahd. sahha (8. Jh.), mhd. sache ‘Rechtssache, Rechtsstreit, Angelegenheit, Ursache, Ding’, asächs. saka, auch ‘Gericht, Feindschaft, Schuld’, mnd. mnl. sāke, nl. zaak ‘Sache, Angelegenheit, Handlung, Geschäft’, afries. seke, sake, aengl. sacu ‘Verfolgung, Streit, Krieg, Prozeß’, engl. sake ‘Ursache, Grund’, anord. sǫk ‘Rechtshandel, Klage, Grund, Veranlassung’, schwed. sak ‘Ding, Rechtsangelegenheit’ (germ. *sakō) sowie (mit anderer Stammform) got. sakjō ‘Streit’ (germ. *sakjōn-), ahd. seck(e)a (8. Jh.), aengl. sæcc ‘Streit’ (germ. *sakjō) sind Bildungen zu einem in ahd. sahhan ‘streiten, prozessieren, schelten’ (8. Jh.), asächs. sakan, aengl. sacan ‘streiten, klagen, leugnen’, got. sakan ‘streiten, schelten, Vorwürfe machen’ bezeugten starken Verb, das in den germ. Sprachen bald (bis auf wenige Reste) untergegangen ist. In dem ursprünglichen Sinne von ‘Rechtsangelegenheit, Rechtsstreit vor Gericht’ ist Sache mit seinen Verwandten ein altes Wort der Rechtssprache, dessen Bedeutung sich (wie bei ↗Ding, s. d.) mehr und mehr verallgemeinert. Es steht schwundstufig neben griech. hēgé͞isthai (ἡγεῖσθαι) ‘vorangehen, führen’, dann auch ‘meinen, glauben’, lat. sāgīre ‘spüren, wittern’, sāgus ‘wahrsagend, prophetisch’, air. saigim ‘suche, gehe einer Sache nach’ und gehört mit diesen zu der auch für ↗suchen (s. d.) geltenden Wurzel ie. *sāg-, *səg- ‘(witternd) nachspüren’, so daß für das oben genannte starke Verb eine Bedeutungsentwicklung von ‘witternd suchen, nachspüren’ über ‘eine Spur, einen Täter verfolgen’ zu ‘vor Gericht klagen, prozessieren’ anzunehmen ist. Dazu formelhafte Wendungen wie in Sachen (‘in der Rechtsangelegenheit’) X gegen Y (16. Jh.), allgemeiner in Sachen (X) ‘betreffs, bezüglich’ (17. Jh.); in eigener Sache ‘in einer persönlichen Angelegenheit’, Richter in eigener Sache (eigentlich ‘Rechtsangelegenheit’) sein (17. Jh.); gemeinsame Sache mit jmdm. machen ‘mit jmdm. zusammen etw. (Fragwürdiges) unternehmen’ (18. Jh.); das ist Sache (‘Angelegenheit, Aufgabe’) des X (18. Jh.); nichts, etw. zur Sache tun ‘(keinen) Einfluß haben’ (17. Jh.); zur Sache! ‘ohne Umschweife zum Wesentlichen!’ (18. Jh.); seine sieben Sachen ‘alles, was man (nötig) hat’ (19. Jh.; s. auch ↗Siebensachen). sachlich Adj. ‘von der Sache her, in der Sache begründet, objektiv, ohne Vorurteile’ (17. Jh.); zuvor (vereinzelt und ohne Nachfolge) für den grammatischen Ausdruck spätlat. causālis ‘den Grund angebend’ (z. B. coniunctio causālis) in dt. Übersetzungen des Donat (um 1400). Sachlichkeit f. ‘Nüchternheit in der Betrachtungsweise, Objektivität’ (19. Jh.); Neue Sachlichkeit (G. Hartlaub 1923) Stilrichtung in der Kunst mit dem Bestreben einer objektiven Wiedergabe der Realität. versachlichen Vb. ‘vergegenständlichen, in klarer, nüchterner Form darstellen’ (20. Jh.). sächlich Adj. ‘neutrales Genus aufweisend’, dt. Ausdruck für ↗neutral (s. d.) bzw. für lat. neutrum (18. Jh.). Sachbearbeiter m. ‘Angestellter für einen bestimmten abgegrenzten Arbeitsbereich’ (20. Jh.). Sachwalter m. ‘Anwalt, Verteidiger in Rechtsangelegenheiten’, spätmhd. sachwalter. Widersacher m. ‘Gegner, Feind’, spätmhd. widersacher ‘Gegner in einem Rechtshandel, Angeklagter, Gegner, Feind’ (14. Jh.), als Wort der Bibel in seiner Gebrauchshäufigkeit gefördert; vgl. älteres, zum Verb ahd. sahhan (s. oben) gebildetes ahd. widarsahho (9. Jh.), mhd. widersache, frühnhd. Widersache ‘Gegner im Rechtshandel’ (bis 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
detachiert · ↗objektiv · sachlich · ↗vorurteilsfrei
Synonymgruppe
klar · ↗kühl · machbarkeitsorientiert · ↗nüchtern · ohne schmückendes Beiwerk · ↗pragmatisch · ↗ruhig · sachbetont · sachlich · ↗schmucklos · ↗schnörkellos · ↗trocken · ↗vernünftig · ↗zweckmäßig
Assoziationen
Synonymgruppe
sachbezogen · sachlich · ↗unpersönlich  ●  ↗detachiert  geh., veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Argument Argumentation Atmosphäre Auseinandersetzung Berichterstattung Differenz Diskussion Einwand Erwägung Erörterung Fehler Gesichtspunkt Grund Rechtfertigung Richtigkeit begründet betont fachlich fair fundiert gerechtfertigt kompetent konstruktiv kühl nüchtern objektiv personell rein ruhig zeitlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sachlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Offensichtlich hätten sich die sachlichen Bedenken an dem Verfahren durchgesetzt.
Die Welt, 30.09.2003
Den Kritikern gehe es gar nicht mehr um die sachlichen Argumente.
Der Tagesspiegel, 06.05.2001
An einigen Stellen ist die Übereinstimmung nicht vollkommen, aber sachliche Veränderung läßt sich wohl nicht feststellen.
Baus, Karl: Die Reichskirche nach Konstantin dem Großen. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1973], S. 28995
Der Chef ist froh, eine rein sachliche Erklärung geben zu können.
Fries, Fritz Rudolf: Der Weg nach Oobliadooh, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1966, S. 172
Dagegen enttäuscht immer wieder das Fehlen jeglicher sachlichen Darstellung der politischen Entwicklung.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1930, S. 268
Zitationshilfe
„sachlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/sachlich>, abgerufen am 22.04.2019.

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