sündig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungsün-dig (computergeneriert)
eWDG, 1976

Bedeutung

gegen Sitte und Moral verstoßend
Beispiel:
sie ist sündig wie eine Südländerin und verkauft ihren Körper fast jede Nacht [StrittmatterOchsenkutscher150]
Religion gegen göttliche Gebote verstoßend
Beispiele:
ein sündiges Begehren, Verlangen, Tun
ihre sündige Begierde
mit sündigen Gedanken umgehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sünde · Sünder · sündhaft · sündig · sündigen · versündigen · Sündenbock · Sündenfall
Sünde f. (im Sinne des Christentums) ‘Verstoß gegen ein göttliches Gebot’, (allgemein) ‘Übertretung des Sittengesetzes, Verstoß gegen Verhaltensnormen, Verfehlung, Irrtum’, ahd. sunta (8. Jh.), mhd. sünde, sünte, sunte, asächs. sundia, mnd. sünde, mnl. sonde, sunde, nl. zonde, aengl. syn(n), engl. sin; aus dem Mnd. stammen wohl anord. schwed. synd. Die Herleitung des Wortes bereitet Schwierigkeiten. Schröder in: Zs. f. vgl. Sprachforsch. 56 (1928) 106 ff. versucht, eine Verbindung von Sünde mit dem alten unter ↗Schande (s. d.) behandelten rechtssprachlichen Ausdruck herzustellen. Er erschließt germ. *skṃtjō ‘Scham’ und ein zugehöriges (mit Übergang von m zu n vor Dental) *skantō ‘Schande’, das nach (sonst kaum belegtem) Ausfall von k schwundstufiges germ. *sundjō ergeben habe. Andere sehen in den germ. Formen frühe Entlehnungen in die Kirchensprache aus lat. sōns (Genitiv sontis) Adj. ‘schädlich, sträflich, straffällig, schuldig’, Subst. ‘Schuldiger, Missetäter’ (Ausdruck der römischen Rechtssprache; zur Etymologie von sōns s. unten); vgl. de Vries Nl. 869, ebenso Walter Lehngut im Altwestnord. (1976) 87, der als Ausgangsform für das Germ. vlat. *sontia vermutet, eine als Fem. Sing. aufgefaßte Substantivierung des Adjektivs. Doch nach Frings in: PBB (H) 81 (1959) 427 und vor allem nach Seebold in: Die Sprache 15 (1969) 14 ff. ist germ. *sundjō bzw. (mit Aufgabe des Dentals) *sunjō im Sinne von ‘Schuld für eine strafwürdige Tat’ als alter germ. Rechtsausdruck aufzufassen, der in die Kirchensprache zur Wiedergabe von lat. peccātum ‘Sünde (gegen Gott)’ aufgenommen wird, vgl. ahd. sunta, suntea, asächs. sundia, afries. sende, sonde und aengl. syn(n) ‘Schuld, Vergehen, Sünde’. Als verwandte Bildungen stehen daneben ahd. sunna (9. Jh.), asächs. sunnia ‘wahrer Zustand, gesetzlich anerkannter Hinderungsgrund, Entschuldigung, Notwendigkeit’, anord. syn ‘Wahrheitsbekräftigung’, auch ‘Einspruch, Leugnung’, nauðsyn ‘gesetzlich anerkannter Hinderungsgrund, Notwendigkeit, Zwang’ und got. sunja (aus *sundj-) ‘Wahrheit’ (vgl. auch got. bisunjanē Genitiv Plur. ‘der ringsum Seienden, der Herumwohnenden’). Sie sind mit anord. sannr, saðr ‘wahr, schuldig’, asächs. sōð ‘wahr, Wahrheit’, aengl. sōþ- ‘wahr’ (germ. *sanþ-, *sund- ‘wahr’), außergerm. mit lat. sōns (s. o.), griech. ónt- (ὄντ-) ‘seiend’, aind. satyáḥ ‘wahr, wirklich’ zu *sṇtió-, vgl. aind. sánt- ‘seiend, gut, wahr’, Part. Präs. zu ásti ‘ist’, zusammenzustellen und auf die unter ↗sein (s. d.) angegebene Wurzel ie. *es-, schwundstufig *s- ‘sein’ bzw. auf das zugehörige Part. Präs. ie. *sont-, *sṇt- zurückzuführen. Dabei ist für die den Begriff ‘Sünde’ wiedergebenden Ausdrücke eine Bedeutungsentwicklung von ‘das Seiende, Wahre, die Wahrheit’ über ‘festgestellte Schuld, (richtige) Sachverhältnisse, die den gegnerischen Aussagen entgegengestellt werden, Widerspruch, Verneinung’ zu (im christlich-kirchlichen Sinne) ‘Vergehen gegen Gottes Gebot, Böses’ anzunehmen. Sünder m. ‘wer eine Sünde begeht’, ahd. suntāri (11. Jh.), mhd. sündære, sünder. sündhaft Adj. ‘einer Sünde entsprechend, mit Sünde behaftet, sündig’, steigernd im Sinne von ‘sehr’ (vgl. sündhaft dumm, sündhaft teuer, 19. Jh., doch wohl älter und bereits Ende 17. Jh. sich anbahnend), ahd. sunt(i)haft (8. Jh.), mhd. sündehaft. sündig Adj. ‘mit Sünde behaftet, gegen Gottes Gebot, gegen Sitte und Moral gerichtet’, ahd. suntīg (8. Jh.), mhd. sündec, sündic; dazu (oder als Weiterbildung von mhd. sünden Vb.) sündigen Vb. ‘eine Sünde begehen’, mhd. sündigen; versündigen Vb. ‘schuldig werden’, meist reflexiv ‘sich in Schuld verstricken, sich gegen Gott vergehen, Fehler machen’, mhd. versündigen ‘(sich) in Sünden stürzen, durch Sünden verderben’. Sündenbock m. ‘Mensch, dem unberechtigt alle Schuld zugeschoben wird, ohne daß er wirklich schuldig ist’ (Ende 18. Jh.), eigentlich ‘der Bock, der (nach 3. Mos. 16) die Sünde des Volkes stellvertretend in die Wüste trägt’ (seit dem 17. Jh. belegt), daher auch ‘schlimmer Sünder’ (17. Jh.). Sündenfall m. ‘(schwere) Versündigung’, mhd. sündenval, besonders (nach christlichem Glauben) ‘das Sündigwerden des Menschen’, eingeleitet (nach der Bibel 1. Mos. 3) durch den ‘Abfall von Gott’ des ersten Menschenpaares Adam und Eva (seit 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
frevelhaft · ↗frevlerisch · ↗gottlos · wider Gott  ●  ↗freventlich  veraltend · ↗gotteslästerlich  religiös · ↗sakrilegisch  religiös · sündig  religiös · ↗blasphemisch  geh., religiös
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autofahrer Begierde Dorf Engel Film-Diva Fleisch Gedanke Geheimnis Insel-Report Lebenswandel Leib Lust Meile Mensch Menschheit Mädchen Nonne Pfarrer Phantasie Priester Rot Seele Treiben Tun Vergnügung Verhalten Weib sinnlich sündig süß

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sündig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So stellt man sich das Leben von sündigen Stars vor.
Bild, 10.02.2006
Für einen Christen ist es nicht nur eine Frage der Moral, sich für eine oft sündige Institution zu entschuldigen.
Der Tagesspiegel, 10.03.2000
Müßten solche Akte nicht ebenso als kriminell wie als sündig gelten?
Bailey, S.: Homosexualität. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1959], S. 14813
Sündig ist der Stand, in dem wir uns befinden, unabhängig von Schuld.
Kafka, Franz: Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 9322
Ich sagte, dass ich mich sündig vor ihm fühle, weil ich bisher nicht geschrieben hätte.
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 193
Zitationshilfe
„sündig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/sündig>, abgerufen am 17.02.2019.

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