sündhaft

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungsünd-haft
WortzerlegungSünde-haft
Wortbildung mit ›sündhaft‹ als Erstglied: ↗Sündhaftigkeit
eWDG, 1976

Bedeutung

sich fehlerhaft verhaltend
Beispiele:
so übermäßig viel zu essen und zu trinken, das ist geradezu sündhaft
einen so schönen Morgen zu verschlafen, das halte ich für sündhaft
umgangssprachlich sehr viel
Beispiel:
Ich muß ein sündhaftes Geld hinausschmeißen für meine Kleider und für die betrügerischen Bedienten [Feuchtw.Goya127]
adverbiell
sehr
Beispiele:
etw. ist sündhaft teuer
er ist sündhaft faul
Religion gegen göttliche Gebote verstoßend
Beispiele:
einen sündhaften Lebenswandel führen
er fühlte sich von sündhaften Zweifeln (= Zweifeln an Gott und der christlichen Glaubenslehre) bedrängt
Unter den Bäumen steht ein steinerner Sarg, schön, aber sündhaft verziert mit Göttern und Göttinnen, alle nackt an ihrem Leib und trunken in ihren Häuptern vom Saft des Weinstocks [le FortPapst150]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sünde · Sünder · sündhaft · sündig · sündigen · versündigen · Sündenbock · Sündenfall
Sünde f. (im Sinne des Christentums) ‘Verstoß gegen ein göttliches Gebot’, (allgemein) ‘Übertretung des Sittengesetzes, Verstoß gegen Verhaltensnormen, Verfehlung, Irrtum’, ahd. sunta (8. Jh.), mhd. sünde, sünte, sunte, asächs. sundia, mnd. sünde, mnl. sonde, sunde, nl. zonde, aengl. syn(n), engl. sin; aus dem Mnd. stammen wohl anord. schwed. synd. Die Herleitung des Wortes bereitet Schwierigkeiten. Schröder in: Zs. f. vgl. Sprachforsch. 56 (1928) 106 ff. versucht, eine Verbindung von Sünde mit dem alten unter ↗Schande (s. d.) behandelten rechtssprachlichen Ausdruck herzustellen. Er erschließt germ. *skṃtjō ‘Scham’ und ein zugehöriges (mit Übergang von m zu n vor Dental) *skantō ‘Schande’, das nach (sonst kaum belegtem) Ausfall von k schwundstufiges germ. *sundjō ergeben habe. Andere sehen in den germ. Formen frühe Entlehnungen in die Kirchensprache aus lat. sōns (Genitiv sontis) Adj. ‘schädlich, sträflich, straffällig, schuldig’, Subst. ‘Schuldiger, Missetäter’ (Ausdruck der römischen Rechtssprache; zur Etymologie von sōns s. unten); vgl. de Vries Nl. 869, ebenso Walter Lehngut im Altwestnord. (1976) 87, der als Ausgangsform für das Germ. vlat. *sontia vermutet, eine als Fem. Sing. aufgefaßte Substantivierung des Adjektivs. Doch nach Frings in: PBB (H) 81 (1959) 427 und vor allem nach Seebold in: Die Sprache 15 (1969) 14 ff. ist germ. *sundjō bzw. (mit Aufgabe des Dentals) *sunjō im Sinne von ‘Schuld für eine strafwürdige Tat’ als alter germ. Rechtsausdruck aufzufassen, der in die Kirchensprache zur Wiedergabe von lat. peccātum ‘Sünde (gegen Gott)’ aufgenommen wird, vgl. ahd. sunta, suntea, asächs. sundia, afries. sende, sonde und aengl. syn(n) ‘Schuld, Vergehen, Sünde’. Als verwandte Bildungen stehen daneben ahd. sunna (9. Jh.), asächs. sunnia ‘wahrer Zustand, gesetzlich anerkannter Hinderungsgrund, Entschuldigung, Notwendigkeit’, anord. syn ‘Wahrheitsbekräftigung’, auch ‘Einspruch, Leugnung’, nauðsyn ‘gesetzlich anerkannter Hinderungsgrund, Notwendigkeit, Zwang’ und got. sunja (aus *sundj-) ‘Wahrheit’ (vgl. auch got. bisunjanē Genitiv Plur. ‘der ringsum Seienden, der Herumwohnenden’). Sie sind mit anord. sannr, saðr ‘wahr, schuldig’, asächs. sōð ‘wahr, Wahrheit’, aengl. sōþ- ‘wahr’ (germ. *sanþ-, *sund- ‘wahr’), außergerm. mit lat. sōns (s. o.), griech. ónt- (ὄντ-) ‘seiend’, aind. satyáḥ ‘wahr, wirklich’ zu *sṇtió-, vgl. aind. sánt- ‘seiend, gut, wahr’, Part. Präs. zu ásti ‘ist’, zusammenzustellen und auf die unter ↗sein (s. d.) angegebene Wurzel ie. *es-, schwundstufig *s- ‘sein’ bzw. auf das zugehörige Part. Präs. ie. *sont-, *sṇt- zurückzuführen. Dabei ist für die den Begriff ‘Sünde’ wiedergebenden Ausdrücke eine Bedeutungsentwicklung von ‘das Seiende, Wahre, die Wahrheit’ über ‘festgestellte Schuld, (richtige) Sachverhältnisse, die den gegnerischen Aussagen entgegengestellt werden, Widerspruch, Verneinung’ zu (im christlich-kirchlichen Sinne) ‘Vergehen gegen Gottes Gebot, Böses’ anzunehmen. Sünder m. ‘wer eine Sünde begeht’, ahd. suntāri (11. Jh.), mhd. sündære, sünder. sündhaft Adj. ‘einer Sünde entsprechend, mit Sünde behaftet, sündig’, steigernd im Sinne von ‘sehr’ (vgl. sündhaft dumm, sündhaft teuer, 19. Jh., doch wohl älter und bereits Ende 17. Jh. sich anbahnend), ahd. sunt(i)haft (8. Jh.), mhd. sündehaft. sündig Adj. ‘mit Sünde behaftet, gegen Gottes Gebot, gegen Sitte und Moral gerichtet’, ahd. suntīg (8. Jh.), mhd. sündec, sündic; dazu (oder als Weiterbildung von mhd. sünden Vb.) sündigen Vb. ‘eine Sünde begehen’, mhd. sündigen; versündigen Vb. ‘schuldig werden’, meist reflexiv ‘sich in Schuld verstricken, sich gegen Gott vergehen, Fehler machen’, mhd. versündigen ‘(sich) in Sünden stürzen, durch Sünden verderben’. Sündenbock m. ‘Mensch, dem unberechtigt alle Schuld zugeschoben wird, ohne daß er wirklich schuldig ist’ (Ende 18. Jh.), eigentlich ‘der Bock, der (nach 3. Mos. 16) die Sünde des Volkes stellvertretend in die Wüste trägt’ (seit dem 17. Jh. belegt), daher auch ‘schlimmer Sünder’ (17. Jh.). Sündenfall m. ‘(schwere) Versündigung’, mhd. sündenval, besonders (nach christlichem Glauben) ‘das Sündigwerden des Menschen’, eingeleitet (nach der Bibel 1. Mos. 3) durch den ‘Abfall von Gott’ des ersten Menschenpaares Adam und Eva (seit 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
außergewöhnlich · ↗außerordentlich · ↗besonders · ↗bitter(-) (nur in speziellen Kontexten) · ↗brennend · ↗extrem · ↗fürchterlich · ↗ganz · ↗hoffnungslos · ↗mächtig · ↗rettungslos · ↗schrecklich · ↗sehr (Gradadverb vor Adjektiven) · sündhaft · ↗tief · ↗ungeheuer · ↗verflixt · ↗zutiefst  ●  ↗furchtbar  ugs. · ↗verdammt  ugs. · ↗voll (noch eher jugendsprachlich)  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
anrüchig · ↗fragwürdig · ↗sittenlos · ↗unethisch · ↗unmoralisch · ↗unsittlich · ↗verwerflich  ●  sündhaft  religiös · ↗amoralisch  geh. · ↗skrupellos  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Handlung Lebenswandel Liebe Luxus Tat Treiben teuer

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sündhaft‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Anders als in glorreichen Zeiten mit dem Gewinn der Champions League 1997 fehlen sündhaft teure Diven.
Die Zeit, 04.10.2010 (online)
Denn unten am Meer liegen die sündhaft teuren Yachten aus allen Ländern der Erde.
Süddeutsche Zeitung, 09.11.2004
Immer noch fielen Hämmer singend auf Stein und ihr Lied war sündhaft traurig.
Aichinger, Ilse: Die größere Hoffnung, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1966 [1948], S. 182
Aber ist es nicht sündhaft und sogar noch gefährlicher, dem Volke die Klarheit über sein Schicksal vorzuenthalten?
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 82
Es ist wie eine Flucht vor den eigenen sündhaften Gedanken.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 438
Zitationshilfe
„sündhaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/sündhaft>, abgerufen am 20.04.2019.

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