romantisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungro-man-tisch
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›romantisch‹ als Erstglied: ↗Romantik · ↗romantisieren  ·  mit ›romantisch‹ als Letztglied: ↗frühromantisch · ↗hochromantisch · ↗neuromantisch · ↗spätromantisch · ↗unromantisch · ↗vorromantisch · ↗wildromantisch
eWDG, 1974 und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
im Kunststil der Romantik
Beispiele:
die romantische Bewegung
die romantische Malerei, Musik, Oper
ein romantisches Drama, Gedicht, ein romantischer Roman
über ein romantisches Kunstwerk diskutieren
2.
gefühlsbetont, schwärmerisch, von starker, oft unrealistischer Vorstellungskraft und Einbildungskraft erfüllt
Beispiele:
ein romantisches Gemüt, ein romantischer Mensch
eine romantische Liebe
romantische Gefühle, Ideen, Neigungen, Schwärmereien, Vorstellungen
eine nicht romantische, sondern praktische Lebensauffassung
sein Verhalten war pathetisch, überschwenglich, romantisch
eine romantisch ausgeschmückte, versüßlichte Schilderung
Die Fischer waren durchaus keine romantischen Träumer [WeisenbornMädchen50]
Ich sehe mich mit meinen niederen Instinkten, mit falschen, verlogenen, romantischen Ansichten von Ehre, Moral, Standesbewußtsein und all diesen schönen, angelernten, konventionellen Begriffen [RinserGefängnistagebuch111]
abenteuerlich, geheimnisvoll, fesselnd
Beispiele:
eine romantische Begebenheit, Geschichte
umgangssprachlich eine romantische Ader haben
in unserer Vorstellung war der seit langem Verschollene zu einem romantischen (= geheimnisumwitterten) Menschen geworden
In einer Droschke im Park, um ein Uhr nachts. Wie sehr romantisch! [U. BecherMänner172]
stimmungsvoll, reizvoll, malerisch
Beispiele:
die altertümliche Kleidung verlieh ihm ein romantisches Aussehen
das stille Waldtal ist von einer romantischen Schönheit
die romantisch gelegene Burg

Den originalen WDG-Artikel können Sie hier anschauen.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

romantisch · Romantik · Romantiker
romantisch Adj. ‘gefühlsbetont, schwärmerisch, verträumt, stimmungs-, geheimnisvoll’, zunächst (Ende 17. Jh.) in der Bedeutung ‘den Roman betreffend, nach Art der Romane’ (wofür im 18. Jh. romanhaft) entlehnt aus gleichbed. frz. romantique bzw. unmittelbar aus engl. romantic, das dem frz. Adj. zugrunde liegt. Die engl. Bildung gehört zu engl. (älter) romant, romaunt ‘Roman, abenteuerliche Prosa- oder Verserzählung’ (neben engl. romance), das seinerseits auf afrz. mfrz. romanz, romant ‘Vers-, Prosaerzählung’ (s. ↗Roman) zurückgeht. Unter erneutem Einfluß von engl. romantic und dessen semantischer Entwicklung im 17./18. Jh. wird romantisch einerseits gegen Mitte des 18. Jhs. im Sinne von ‘poetisch, phantastisch, abenteuerlich, wunderbar’ üblich, woran sich Ende des 18. Jhs. die auf Personen bezogene Verwendung ‘gefühlsbetont, von Stimmungen abhängig, schwärmerisch’ anschließt, andererseits steht es ebenfalls seit der Jahrhundertmitte für ‘stimmungsvoll, malerisch, düster, geheimnisvoll’ (namentlich von Landschaften und Natureindrücken). Seit dem späten 18. Jh. dient romantisch (als Gegenwort zu ↗klassisch, s. d.) der Charakterisierung von Dichtung, Kultur und Lebensauffassung des Mittelalters, die dem an der Antike orientierten Kunstideal der Klassik entgegengestellt werden; zu Beginn des 19. Jhs. wird es mit der Bedeutung ‘die Literatur, das Denken, die künstlerischen Anschauungen der Romantik betreffend, zu dieser Richtung gehörend’ kennzeichnend für die neuen geistigen Bestrebungen jener Epoche. Romantik f. Substantivbildung zu romantisch, zuerst (Ende 18. Jh.) für ‘das Romantische, Phantastische als Eigenart des Romans’, dann (Anfang 19. Jh.) vor allem Bezeichnung der nach der französischen Revolution sich in den Ländern Europas in unterschiedlicher Weise herausbildenden, in Deutschland etwa von 1790 bis 1830 herrschenden und durch Hinwendung zum Volkstümlichen und Nationalen, aber auch zum Gefühlsmäßigen, Irrationalen geprägten künstlerisch-philosophischen Bewegung; seit Mitte des 19. Jhs. daneben allgemein ‘romantische Wesensart, Verträumtheit, reizvolle, das Gefühl ansprechende Stimmung, Abenteuerlichkeit’. Dazu Romantiker m. ‘Vertreter des Kunststils der Romantik’, auch ‘gefühlsbetonter, schwärmerischer, unrealistisch denkender Mensch, Phantast’ (1. Hälfte 19. Jh.), zuvor ‘Verfasser von Romanen’ (Anfang 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anheimelnd · ↗bildschön · ↗hübsch · ↗malerisch · ↗pittoresk · romantisch
Synonymgruppe
gefühlvoll · romantisch · ↗schwärmerisch
Assoziationen
Synonymgruppe
atmosphärisch · ↗gemütvoll · ↗lyrisch · romantisch · ↗stimmungsvoll

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ader Ballett Dichter Dinner Held Ideal Illusion Ironie Komödie Kulisse Liebe Liebesgeschichte Märchen Naturphilosophie Oper Poesie Repertoire Schwärmerei Sehnsucht Sonnenuntergang Thriller Träumerei Verklärung Vorstellung glotzen klassisch veranlagt verklärt zutiefst Überschwang

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›romantisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Lebt er wirklich so wie die romantischen Helden seiner Bücher?
Bild, 19.09.2003
Wenn sich das Leben aufs Überleben konzentriert, dann ist das Leben alles andere als romantisch.
Der Tagesspiegel, 27.04.2001
Auf anderen Gebieten durfte ich ebenfalls in ihrem romantischen Stadium gestaltend mitmachen.
Ardenne, Manfred v.: Ein glückliches Leben für Technik und Forschung: Berlin: Verlag der Nation 1976, S. 44
Aber das eigentliche romantische Reich bleibt ihm die in den hohen Meistern offenbarte Musik.
Benz, Richard: Die romantische Geistesbewegung. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 16461
Man war sehr höflich, fast verdächtig höflich zu mir, ich schien ihnen offenbar einigermaßen romantisch gefährlich.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1945. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1945], S. 150
Zitationshilfe
„romantisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/romantisch>, abgerufen am 19.05.2019.

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