reuig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungreu-ig
eWDG, 1974

Bedeutung

reuevoll
Beispiele:
ein reuiges Bekenntnis
der Angeklagte gestand reuig sein Vergehen
er kehrte reuig zu den Seinen zurück
zerknirscht und reuig ging er davon
Ich bin kein reuiger Sünder [H. KantAula419]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Reue · reuen · bereuen · reuig · reumütig · Reumütigkeit
Reue f. ‘Bedauern, Zerknirschung über Getanes oder Unterlassenes’, ahd. (h)riuwa ‘Leid, Trauer, Schmerz, Unglück, Klage’ (8. Jh.), mhd. riuwe, riwe, rewe, riu ‘Betrübnis über Getanes, Geschehenes, Schmerz, Kummer, Trauer, Leid, Mitleid, übles Aussehen, Beschädigung’, mnd. rouwe, rūwe, mnl. rouwe, nl. rouw, auch ‘Trauer’, aengl. hrēow, engl. (älter) rue (germ. *hreuwō-), dazu das Adjektiv asächs. hriuwi, anord. hryggr ‘traurig, betrübt’, aengl. (mit anderer Stammbildung) hrēow ‘betrübt’ und das starke Verb ahd. (h)riuwan ‘(be)klagen, jammern, zu Mitleid bewegen, schmerzen’, reflexiv ‘bereuen, trauern’ (um 800), mhd. riuwen, riwen ‘in Betrübnis versetzen, leid tun, verdrießen’, reflexiv ‘Reue empfinden’, asächs. hreuwan ‘beklagen, schmerzlich sein’, aengl. hrēowan ‘schmerzen, reuen’ (germ. *hreuwan), anord. (schwach flektierend) hryggja, hryggva ‘betrübt sein’. Außergerm. lassen sich vielleicht vergleichen aind. karúṇaḥ ‘kläglich, mitleidig’, griech. krū́ein (κρούειν) ‘stoßen, schlagen, stampfen’ und die s-Erweiterungen lit. krùšti ‘zerstampfen, zerstoßen’, aslaw. sъkrušiti ‘zerbrechen, zerreißen, zerschmettern’, russ. krušít’ (крушить) ‘zertrümmern, zerschlagen, vernichten’, so daß auf eine Wurzel ie. *kreu-, erweitert *kreus-, *krous- ‘stoßen, schlagen, zerschlagen, brechen’ zurückgegangen werden kann. Die offensichtlich übertragene germ. Bedeutung ‘seelischer Schmerz, Trauer’ spezialisiert sich im Mittelalter zu ‘Schmerz, Zerknirschung über etw., was man getan oder unterlassen hat, das man ungeschehen machen möchte’, im christlichen Sinne ‘Einsicht in eine bzw. Erkenntnis einer Sündenschuld’ (vgl. die Folge Reue, Beichte, Buße, entsprechend kirchenlat. contrītio, cōnfessio, satisfactio). reuen Vb. ‘leid tun, bedauern, ungeschehen machen wollen’, ahd. (h)riuwōn (8. Jh.), (h)riuwēn (9. Jh.) ‘beklagen, bedauern, Buße tun’, mhd. riuwen ‘beklagen, bereuen, leid sein’, reflexiv ‘klagen, Reue empfinden’; schwaches, vom Substantiv abgeleitetes Verb. bereuen Vb. ‘tiefes Bedauern über etw. Getanes oder Unterlassenes empfinden’, ahd. bi(h)riuwēn ‘betrübt sein’ (9. Jh.), mhd. beriuwen ‘betrübt sein, in Betrübnis versetzen’. reuig Adj. ‘voller Reue, zerknirscht’, ahd. (h)riuwag (9. Jh.), mhd. riuwec, riwec. reumütig Adj. ‘voller Reue, Bedauern’ (17. Jh.); Reumütigkeit f. (Anfang 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) seiner Schuld bewusst · ↗bußfertig · gesenkten Hauptes · ↗reuevoll · reuig · ↗reumütig · ↗schuldbewusst · ↗zerknirscht  ●  im Büßergewand  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angeklagte Autodieb Büßer Dieb Einsicht Ex-Terrorist Heimkehrer Islamist Kronzeuge Mafiaboss Mafioso Mittäter Mörder Räuber Rückkehrer Schäflein Spion Steuerbetrüger Steuerhinterzieher Steuersünder Straftäter Sünder Sünderin Terrorist Täter Verbrecher Zerknirschung geständig reuig zerknirscht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reuig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im jetzigen Prozess zeigte sich der korpulente Mann mit kahlem Kopf reuig.
Der Tagesspiegel, 28.08.2004
Sobald sie ihres Amtes entbunden waren, zeigten sie sich reuig.
Die Zeit, 16.09.1988, Nr. 38
Doch dann bat er reuig um Verzeihung, die ihm auch gewährt wurde.
Petech, Luciano: Indien bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 23038
Ein reuiger Sünder, sagt er, sei mehr wert als tausend Gerechte.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 232
Zwei der reuigen Lumpen hatten sich anheischig gemacht, die Stellung der türkischen Truppen auszuforschen.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 417
Zitationshilfe
„reuig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/reuig>, abgerufen am 23.05.2019.

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