reiten

GrammatikVerb · ritt, ist/hat geritten
Worttrennungrei-ten
Wortbildung mit ›reiten‹ als Erstglied: ↗Reitanzug · ↗Reitbahn · ↗Reiter · ↗Reiterei · ↗Reitesel · ↗Reitfrack · ↗Reitgerte · ↗Reithalle · ↗Reithose · ↗Reitjagd · ↗Reitkleid · ↗Reitknecht · ↗Reitkunst · ↗Reitlehre · ↗Reitlehrer · ↗Reitpeitsche · ↗Reitpferd · ↗Reitsattel · ↗Reitschule · ↗Reitsitz · ↗Reitsport · ↗Reitstall · ↗Reitstiefel · ↗Reitstock · ↗Reitstunde · ↗Reittier · ↗Reitturnier · ↗Reitunterricht · ↗Reitweg
 ·  mit ›reiten‹ als Letztglied: ↗abreiten · ↗anreiten · ↗aufreiten · ↗ausreiten · ↗bereiten2 · ↗davonreiten · ↗durchreiten · ↗einreiten · ↗fortreiten · ↗heimreiten · ↗heranreiten · ↗herausreiten · ↗herbeireiten · ↗hereinreiten · ↗herumreiten · ↗hinaufreiten · ↗hinausreiten · ↗hineinreiten · ↗hinreiten · ↗hinunterreiten · ↗losreiten · ↗nachreiten · ↗niederreiten · ↗reinreiten · ↗rumreiten · ↗umherreiten · ↗umreiten · ↗vorreiten · ↗weiterreiten · ↗zureiten · ↗überreiten
 ·  mit ›reiten‹ als Grundform: ↗Reiten · ↗erreiten  ·  formal verwandt mit: ↗beritten
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹, mit Hilfsverb ›hat‹
sich auf einem Tier, besonders einem Pferd, sitzend fortbewegen
Beispiele:
er reitet gut, schlecht, langsam, schnell, tollkühn
wir sind scharf, in schnellem Tempo, ein schnelles Tempo geritten
(im) Galopp, Trab, Schritt reiten
nach Hause, in die Stadt, über, durch die Felder, auf die Jagd reiten
er ist einen andern Weg geritten
er ist, hat früher viel geritten
Reiten die Hohe Schule reiten (= formvollendete Reitkunst zeigen)
geritten kommen
reiten können, lernen
er hat Unterricht im Reiten
auf einem Esel, Kamel, Pferd reiten
im Damensattel, Herrensattel reiten
das Kind reitet auf dem Schaukelpferd
er hat das Kind auf den Knien, Schultern reiten lassen
er hat den Gegner, das Hindernis zu Boden geritten
umgangssprachlich er hat den Gegner, das Hindernis über den Haufen geritten
veraltet ein reitender Bote (= ein berittener Bote)
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? [GoetheErlkönig]
daß er in seinen jungen Jahren Rennen geritten hatte [RennKrieg170]
veraltet Dann wurde die Eingabe durch einen reitenden Boten in die Stadt gesandt [StormSchimmelr.7,214]
bildlich
Beispiel:
das Schiff reitet (= tanzt) auf den Wellen
mit Hilfsverb ›hat‹
ein Tier, besonders ein Pferd, reiten
Beispiele:
er reitet ein schönes, edles Pferd
einen Esel, ein Kamel reiten
das Pferd in die Schwemme reiten
er hat das Pferd müde, zuschanden, zu Tode geritten
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
übertragen
Beispiele:
eine Attacke gegen etw., jmdn. reiten (= etw., jmdn. attackieren)
umgangssprachlich ein Steckenpferd reiten (= eine Liebhaberei betreiben)
umgangssprachlich er reitet immer wieder seine Prinzipien (= versteift sich immer wieder darauf)
salopp der Teufel reitet ihn (= er treibt Unfug, mutwillig Böses)
salopp dich reitet wohl der Teufel? (= du bist wohl nicht bei Sinnen, bei Trost?)
scherzhaft den Pegasus reiten (= Verse machen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reiten · Reiter · Reiterei · beritten
reiten Vb. ‘sich auf einem Tier, besonders einem Pferd, sitzend fortbewegen, zum Reiten benutzen (ein Tier)’, ahd. rītan ‘reiten, fahren, sich bewegen’ (9. Jh.), mhd. rīten, asächs. aengl. rīdan, afries. rīda, mnd. mnl. rīden, nl. rijden, engl. to ride, anord. rīða ‘hin und her bewegen, schwingen, wanken, reiten, besiegen’, schwed. rida ‘reiten’ (germ. *reidan) lassen sich mit air. rīad(a)im ‘ich fahre’, dērīad ‘Zweigespann’, kymr. rhwydd-hau ‘beeilen’, gall.-lat. rēda ‘vierrädriger Reisewagen’ (dazu lat. rēdārius ‘Lenker eines solchen Wagens’) verbinden und mit ↗bereit und ↗Reede (s. d.) auf ie. *reidh- ‘fahren, in Bewegung sein’ zurückführen, eine Erweiterung der auch in ↗rennen, ↗rinnen, ↗Reise, ↗rieseln und ↗Ernst (s. d.) vorliegenden Wurzel ie. *er-, *or-, *r- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’. Die Einschränkung auf die heutige Bedeutung erfolgt in frühnhd. Zeit; vgl. aber noch ‘in schaukelnder oder schwingender Bewegung sein’ (16. Jh.). Die umfassendere Bedeutung zeigt sich auch in den Substantiven ahd. reita, reitī ‘Wagen, Streitwagen’, aengl. rād ‘Ritt, Reiten, Zug, Reise’, engl. road ‘Straße’, anord. reið ‘Ritt, Fahrt, Reise, Wagen, Schiff’ sowie in anord. reiða ‘schwingen, schieben, darreichen, fahren, treiben’. Reiter m. ‘wer reitet, wer auf einem Pferd oder einem anderen Reittier sitzt’, ahd. rītāri, rīteri (11. Jh.), ritteri (Hs. 13. Jh.), mhd. rīter, rītære ‘Reiter, Reitersmann, Kämpfer zu Pferde’. Reiterei f. ‘berittene Truppe’ (16. Jh.), frühnhd. rewtterey ‘Kriegsdienst zu Pferd’ (15. Jh.), reiterey ‘das Reiten’ (Anfang 16. Jh.). beritten Adj. ‘mit Pferden ausgestattet, zu Pferde’, mhd. beriten, eigentlich Part. Prät. von dem heute nur noch in der Bedeutung ‘(ein Pferd) zureiten, ausbilden, zu Pferde durchmessen (Strecke, Gebiet)’ gebrauchten Präfixverb bereiten, mhd. berīten ‘(auf dem Pferd) reiten, reitend angreifen, reitend einholen, reitend besichtigen’ (vgl. Bereiter als Berufsbezeichnung für ‘Zureiter, Ausbilder von Reitpferden’).

Thesaurus

Synonymgruppe
(Pferd) besteigen · reiten · rittlings sitzen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Attacke Besen Cowboy Esel Hengst Jockey Kamel Pferd Pony Sattel Schimmel Steckenpferd Teufel Tiger Welle abreiten anreiten ausreiten davonreiten einreiten entgegenreiten heranreiten herumreiten hineinreiten losreiten mitreiten vorbeireiten weiterreiten zureiten zurückreiten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reiten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich reite nämlich noch nicht lange, aber schon sehr gut.
Der Tagesspiegel, 17.11.2000
In den fünfziger Jahren ritt er das Land in den wirtschaftlichen Ruin.
Die Welt, 31.07.1999
Was hältst du davon? So weit in die Berge reiten doch diese faulen Hunde nicht?
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 464
Amerikanisches Mehl wird verschoben - nur der Schieber reitet den Sieg!
Tucholsky, Kurt: Osterspaziergang. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 6407
Er wollte nach Hause reiten, er konnte dies aber nicht, da er zu sehr betrunken war.
Friedländer, Hugo: Eine Rittergutsbesitzerin vor den Geschworenen. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 3561
Zitationshilfe
„reiten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/reiten>, abgerufen am 16.10.2019.

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