reichen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungrei-chen
Wortbildung mit ›reichen‹ als Erstglied: ↗Reichweite  ·  mit ›reichen‹ als Letztglied: ↗anreichen · ↗ausreichen · ↗darreichen · ↗durchreichen · ↗einreichen · ↗heranreichen · ↗heraufreichen · ↗herausreichen · ↗hereinreichen · ↗herreichen · ↗herumreichen · ↗herunterreichen · ↗herüberreichen · ↗hinaufreichen · ↗hinausreichen · ↗hineinreichen · ↗hinreichen · ↗hinunterreichen · ↗hinüberreichen · ↗nachreichen · ↗rüberreichen · ↗weiterreichen · ↗zureichen · ↗zurückreichen · ↗überreichen
 ·  mit ›reichen‹ als Grundform: ↗erreichen  ·  formal verwandt mit: ↗verabreichen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
gehoben (jmdm.) etw. reicheneinen Gegenstand aus einer Hand in die eines anderen gelangen lassen, jmdm. etw. geben
Beispiele:
reich mir bitte das Salz, das Gemüse
jmdm. Feuer (für die Zigarette) reichen
etw. servieren
Beispiele:
den Tee reichen
es wurden Erfrischungen gereicht
dazu reicht man grünen Salat
dem Kranken ein Glas Wasser reichen
übertragen
Beispiel:
jmdm. nicht das Wasser reichen können (= jmds. Fähigkeiten, Leistungen bei weitem nicht erreichen)
jmdm. etw. bieten, darbieten
Beispiele:
jmdm. den Arm reichen
sie reichte ihm die Wange, den Mund (zum Kuss)
jmdm. die Hand reichen
bildlich
Beispiel:
sie reichte ihm die Hand fürs Leben (= heiratete ihn)
2.
sich bis zu einer bestimmten Grenze erstrecken, eine bestimmte räumliche Ausdehnung haben
Beispiele:
der Mantel, das Nachthemd reicht bis zu den Füßen
das Kind reicht mir schon bis an die Schultern
das Haar reicht ihr fast bis an die Schultern
er reicht mit dem Kopf bis fast an die Decke
das Wasser reichte ihm bis an die Knöchel, ans Knie
die Felder reichen bis an den Wald, bis zum Horizont
soweit das Auge reichte (= soweit man sehen konnte), war Wasser
die sowieso kaum bis zur Wade reichenden Röckchen der Hirtin langten jetzt noch weniger zu, ihre üppigen Knie zu bedecken [G. Hauptm.Ketzer4, 141]
er ... griff einen Bart, der ihm auf die Brust reichte [FrischStiller97]
mit einer weit ins Land reichenden Aussicht [StormImmensee1,34]
Schieben Sie, bitte, meine Serviette in das vierte Fach! Ich reiche nicht so weit (= kann das Fach nicht erreichen) [CarossaKindheit160]
übertragen
Beispiele:
bis dahin reicht sein Arm (= seine Macht, sein Einfluss) nicht
sein Einfluss reicht nicht weit, sehr weit
ein Problem, das hart an die Grenze des Pathologischen reicht [St. ZweigBalzac217]
das Flehen seines Vaters reichte nicht an sein Herz [SchillerRäuberIV 5]
3.
umgangssprachlich ausreichen
a)
etw. reicht (für etw., jmdn.)etw. ist genug (für etw., jmdn.), etw. ist in genügender Menge oder Größe (für etw., jmdn.) vorhanden
Beispiele:
das Geld hat gerade, nicht ganz gereicht
hundert Euro reichen dafür nicht
der Lohn reichte nicht hin und nicht her
salopp es (= das Geld) reicht hinten und vorne nicht
das Brot muss für uns beide bis morgen reichen
die Farbe reicht nicht, hat gerade gereicht
der Stoff reicht nicht zu einem Rock
der Faden reicht nicht
das Seil wird nicht reichen (= nicht lang genug sein)
es (= die Leistung der Sportler, des Sportlers) reichte nur zu einem Unentschieden, zu einem zweiten Platz
salopp mir reicht es (= ich habe genug von der Arbeit, dem Ärger, Streit)
salopp heute hat es mir wieder mal gereicht
Leider reicht es finanziell nicht zur Beleuchtung des Münsters und des Stadthauses am Abend [DürrenmattBesuchI]
Leute, die ... nie vermuten, man könnte etwas nicht verstehen, weil unser Kopf nicht reicht [FrischStiller148]
salopp »Jetzt reicht's mir aber«, sagte meine Mutter, »los, nimm den Hut und scher dich nach Hause!« [H. W. RichterSpuren141]
b)
mit etw. reicheneine genügende Summe, Menge bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung haben und aufbrauchen können, mit etw. auskommen
Beispiele:
ich reiche mit dem Geld nicht, nur noch bis zur nächsten Woche
damit müssen wir reichen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reichen · Bereich · erreichen · gereichen
reichen Vb. ‘sich erstrecken, eine bestimmte räumliche Ausdehnung haben, in genügender Menge vorhanden sein, mit etw. auskommen, jmdm. etw. (zum Nehmen) hinhalten, geben’, ahd. reihhōn ‘anbieten, sich auf etw. beziehen’ (10. Jh.), reihhen ‘sich erstrecken’ (um 1000), mhd. reichen ‘(er)langen, holen, bringen, darreichen, sich erstrecken, ausdehnen’, mnd. rēken, mnl. reiken, rēken, nl. reiken, afries. rēka, aengl. rǣcan, engl. to reach ‘(er)reichen’ (westgerm. *raikjan) sind verwandt mit anord. reik ‘Scheitellinie, Kopf’. Außergerm. vergleichen sich lit. réižti ‘(Körperteile) recken, straffen, stolzieren, stolz einhergehen’, reflexiv réižtis ‘sich recken, sich straffen, sich brüsten’, air. riag ‘Tortur (durch Recken der Glieder)’, ringid ‘foltert, peinigt’, mir. rēimm (aus *reig̑smi-) ‘Possenreißer’. Erschließbar ist eine Wurzel ie. *rēig̑- ‘recken, ausstrecken, mit ausgestreckter Hand langen oder darreichen’, die lautliche und semantische Berührung mit der unter ↗recht (s. d.) angeführten Wurzel ie. *reg̑- ‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’ zeigt; s. auch ↗Reich. Vgl. die Wendung jmdm. nicht das Wasser reichen (können) ‘an jmds. Fähigkeiten, Leistungen nicht heranreichen’ (16. Jh.), wohl aus dem alten Brauch, durch einen Diener den Gästen vor und nach dem Essen Wasser zum Händewaschen zu reichen, also eigentlich ‘nicht wert sein, jmdm. das Wasser zu reichen’. Bereich m. selten n. ‘Gebiet von bestimmter Abgrenzung und Ausdehnung’ (Ende 18. Jh.; in der Rechtssprache für ‘Abgabe’ schon im 16. Jh.), Abstraktbildung zu im 18. Jh. untergegangenem bereichen ‘erreichen, bis wohin reichen, sich erstreckend umfassen’, mhd. bereichen; vgl. mnl. nl. bereiken. Bereich verdrängt im 18./19. Jh. Reich in dessen Bedeutung ‘Bereich’, daher das Schwanken zwischen mask. und neutr. Genus. erreichen Vb. ‘bis wohin reichen, jmdn., etw. antreffen, sich jmdm., einer Sache nähern, etw. durchsetzen, seine Wünsche trotz Widerstandes verwirklichen’, ahd. irreihhen, ‘(räumlich) erreichen, einholen, erfassen’, irreihhōn ‘geistig erfassen, verstehen’ (um 1000), mhd. erreichen ‘sich ausstreckend ein Ziel erlangen, treffen, begreifen’. gereichen Vb. ‘zu etw. hinführen, dienen zu’, ahd. gireihhen ‘sich erstrecken, reichen’ (um 800), mhd. gereichen ‘(er)reichen, treffen, ausreichen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
aushändigen · herüber reichen · reichen · ↗übergeben · ↗überreichen  ●  ↗(jemandem etwas) geben  Hauptform · ↗ausfolgen  österr. · (jemandem etwas) in die Hand drücken  ugs., salopp · ↗rüberschieben  ugs. · rüberwachsen lassen  ugs., veraltend, salopp, Jargon
Assoziationen
Synonymgruppe
(gut) genug sein · ↗(jemandem) genügen · (jemandem) reichen · auskommen mit · ↗ausreichen · mehr braucht jemand nicht  ●  (schon) hinkommen (mit)  ugs. · es tun  ugs. · ↗langen  ugs.
Assoziationen
  • (genug / zu wenig / ausreichend) vorhanden sein · ↗(genug / zu wenig) haben · (mit etwas) kommen (über / durch / bis) (Zeitspanne, Ziel) · ↗auskommen · ↗ausreichen (Menge, Zeit) · ↗genügen · reichen · ↗vorhalten (mit Zeitdauer)  ●  ↗(genug / zu wenig / ausreichend) da sein  ugs. · (he)rumkommen mit  ugs. · ↗hinreichen  geh. · ↗langen  ugs. · ↗zureichen  ugs., regional
  • (jemandem) bis hier stehen (+ Geste) · mit seiner Geduld am Ende sein  ●  (etwas) leid sein  Hauptform · (den) Kaffee auf haben  ugs., fig. · (die) Faxen dicke haben  ugs. · (die) Nase gestrichen voll haben  ugs., fig. · (die) Nase voll haben (von)  ugs., fig. · (die) Schnauze gestrichen voll haben  ugs., fig. · (die) Schnauze voll haben  ugs., fig. · (einer Sache) müde (sein)  geh. · (einer Sache) überdrüssig sein  geh. · (es) ist gut  ugs. · (etwas) nicht mehr hören können  ugs., fig. · (etwas) satt haben  ugs. · ↗(etwas) überbekommen  ugs. · (jemandem) bis Oberkante Unterlippe stehen  ugs. · (jemandem) bis da stehen (+ Geste)  ugs. · ↗(jemandem) langen  ugs., regional · (jemandem) reichen  ugs. · (jemandem) zu blöd werden  derb · (jemandem) zu dumm sein  ugs. · (jemandem) zu dumm werden  ugs. · (jemandes) Bedarf ist gedeckt  geh., Understatement · (von etwas) genug haben  ugs. · etwas dicke haben  ugs. · zum Hals(e) heraushängen  ugs., fig. · zum Hals(e) raushängen  ugs., fig.
  • für den einfachen Bedarf  ●  wenn man keine Ansprüche stellt  variabel · für den Hausgebrauch (reichen)  ugs., auch figurativ
  • (ein) Bedürfnis befriedigen · (ein) Bedürfnis stillen · (einen) Bedarf decken
Synonymgruppe
(jemandem) bis hier stehen (+ Geste) · mit seiner Geduld am Ende sein  ●  (etwas) leid sein  Hauptform · (den) Kaffee auf haben  ugs., fig. · (die) Faxen dicke haben  ugs. · (die) Nase gestrichen voll haben  ugs., fig. · (die) Nase voll haben (von)  ugs., fig. · (die) Schnauze gestrichen voll haben  ugs., fig. · (die) Schnauze voll haben  ugs., fig. · (einer Sache) müde (sein)  geh. · (einer Sache) überdrüssig sein  geh. · (es) ist gut  ugs. · (etwas) nicht mehr hören können  ugs., fig. · (etwas) satt haben  ugs. · ↗(etwas) überbekommen  ugs. · (jemandem) bis Oberkante Unterlippe stehen  ugs. · (jemandem) bis da stehen (+ Geste)  ugs. · ↗(jemandem) langen  ugs., regional · (jemandem) reichen  ugs. · (jemandem) zu blöd werden  derb · (jemandem) zu dumm sein  ugs. · (jemandem) zu dumm werden  ugs. · (jemandes) Bedarf ist gedeckt  geh., Understatement · (von etwas) genug haben  ugs. · etwas dicke haben  ugs. · zum Hals(e) heraushängen  ugs., fig. · zum Hals(e) raushängen  ugs., fig.
Assoziationen
  • Das Maß ist (jetzt) langsam voll. · Genug ist genug! · allmählich reicht es  ●  (so) langsam hab ich die Faxen dicke  ugs. · (so) langsam reicht es  ugs. · (so) langsam reicht's (mir)!  ugs. · allmählich hab ich die Schnauze voll!  ugs. · das ist (jetzt) allmählich nicht mehr feierlich  ugs. · jetzt hört's aber auf!  ugs. · mir langt's allmählich (mit)  ugs.
  • ans Aufhören denken · aufhören wollen · nicht mehr wollen  ●  einer Sache müde sein  geh., veraltet
  • (jemandem) wird es zu bunt · (sich etwas) nicht länger bieten lassen  ●  Genug ist genug.  Redensart
  • (jetzt) fang nicht (schon) wieder damit an  ugs. · leg mal 'ne andere Platte auf  ugs., Spruch · man kann's (bald) nicht mehr hören  ugs., variabel
  • (gut) genug sein · ↗(jemandem) genügen · (jemandem) reichen · auskommen mit · ↗ausreichen · mehr braucht jemand nicht  ●  (schon) hinkommen (mit)  ugs. · es tun  ugs. · ↗langen  ugs.
Synonymgruppe
genau genug sein · ↗hinkommen · in etwa zutreffen · ↗langen · reichen  ●  ↗hinhauen  ugs. · ↗passen  ugs.
Assoziationen
  • dem ist so · den Tatsachen entsprechen · der Fall sein · gegeben sein · korrekt sein · richtig sein · seine Richtigkeit haben · so sein · ↗stimmen · wahr sein · zutreffend sein  ●  ↗zutreffen  Hauptform · ↗hinkommen  ugs., salopp
  • in einigen Punkten zutreffen · nicht ganz den Tatsachen entsprechen · nur teilweise zutreffen  ●  teilweise stimmen  ugs.
Synonymgruppe
(genug / zu wenig / ausreichend) vorhanden sein · ↗(genug / zu wenig) haben · (mit etwas) kommen (über / durch / bis) (Zeitspanne, Ziel) · ↗auskommen · ↗ausreichen (Menge, Zeit) · ↗genügen · reichen · ↗vorhalten (mit Zeitdauer)  ●  ↗(genug / zu wenig / ausreichend) da sein  ugs. · (he)rumkommen mit  ugs. · ↗hinreichen  geh. · ↗langen  ugs. · ↗zureichen  ugs., regional
Assoziationen
  • (sich) erschöpfen · aufgebraucht sein · leer werden · nicht mehr am Lager (Kaufmannsspr.) · nicht mehr auf Lager · zur Neige gehen  ●  (da) nix mehr von da sein  ugs., ruhrdt. · alle sein  ugs. · ↗aus sein  ugs. · ↗ausgehen  ugs. · ham wer nich  ugs., Jargon · is nich (mehr)  ugs. · keine / nichts mehr da sein  ugs. · nichts mehr davon da sein  ugs.
  • (jemandes) Geld reicht zum Leben · (sein) Auskommen haben · für jemandes Lebensunterhalt ist gesorgt · haben, was man (zum Leben) braucht · mit seinem Geld auskommen · seinen Lebensunterhalt bestreiten (können)  ●  ↗klarkommen (mit)  ugs. · ↗zurechtkommen (mit)  ugs. · über die Runden kommen (mit)  ugs., fig.
  • (den) Rotstift ansetzen · ↗(jemanden) knapphalten · auf die Kostenbremse treten · ↗einsparen · ↗geizen (mit) · ↗knausern (mit) · mit wenig Geld auskommen · ↗sparen · sparsam leben · sparsam umgehen mit  ●  sparsam sein  Hauptform · auf seinem Geld sitzen  ugs., fig. · ↗knapsen  ugs.
  • (gut) genug sein · ↗(jemandem) genügen · (jemandem) reichen · auskommen mit · ↗ausreichen · mehr braucht jemand nicht  ●  (schon) hinkommen (mit)  ugs. · es tun  ugs. · ↗langen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angebot Auge Geld Hand Palette Platz Sieg Spektrum Unentschieden Vorrat Wasser allein aus ausreichen bis ein einreichen es gerade heranreichen hinausreichen hineinreichen hinreichen mehr nicht nur schon weit weiterreichen zurückreichen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reichen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie reichten für viele Nächte, sie reichten ein Leben lang.
Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 113
Vom Überblasen zum Spiel ohne Ton reicht die Kunst der drei.
Die Zeit, 30.08.1996, Nr. 36
Zwei Augen reichen zur Kontrolle von sechs bis acht Verkäufern.
Spoerl, Alexander: Mit der Kamera auf du, München: Piper 1957, S. 36
Der Mann suchte sein Geld zusammen, es reichte aber nicht.
Ostwald, Hans: Landstreicher, Berlin: Marquardt [1906], S. 54
Er reichte seiner Frau nun mal nicht höher als bis zur Nase.
Janitschek, Maria: Die neue Eva. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 10400
Zitationshilfe
„reichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/reichen>, abgerufen am 18.07.2019.

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