reagieren

GrammatikVerb · reagierte, hat reagiert
Aussprache
Worttrennungre-agie-ren (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›reagieren‹ als Letztglied: ↗abreagieren · ↗überreagieren
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
(auf etw.) reagierenauf etw., besonders einen äußeren Reiz, in irgendeiner Weise antworten, eingehen, ansprechen
Beispiele:
er hat schnell, langsam, spontan, überstürzt, impulsiv, heftig, schwerfällig reagiert
ich bin gespannt, wie sie darauf reagieren wird
sie reagierte auf die Anspielung überhaupt nicht, sehr empfindlich, mit einem Lächeln, einer Handbewegung
salopp er hat sauer auf das Ansinnen reagiert (= ging nur widerwillig darauf ein, lehnte es indirekt ab)
auf eine Frage, einen Zuruf, eine Aufforderung, einen Brief nicht reagieren
die Haut reagierte auf das Waschmittel mit Ausschlag
die Pupillen reagieren auf Licht
Auf die hierzu verwendeten Chemikalien ... reagieren die Pflanzen außerordentlich empfindlich [Kultur im Heim1966]
2.
Chemie eine Reaktion eingehen
Beispiele:
Seife reagiert basisch
sauer, alkalisch reagierende mineralische Fette
das Lackmuspapier hat rot, blau reagiert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reagieren · abreagieren · Reagens · Reagenz · Reaktor · Reaktion · reaktionär · Reaktionär
reagieren Vb. ‘eine chemische Veränderung, Umwandlung eingehen, auslösen, zeigen’, entlehnt (18. Jh.) in die Sprache der Chemie aus spätlat. reagere ‘zurücktreiben’, mlat. ‘entgegenwirken’; vgl. lat. agere ‘treiben, handeln, tätig sein’ (s. ↗agieren, ↗aktiv). Gegen Ende des 18. Jhs. wird das Verb in die Sprache der Medizin und Biologie übernommen im Sinne von ‘auf einen äußeren Reiz ansprechen’ (von lebenden Organismen), danach (Anfang 19. Jh.) in allgemeiner Verwendung ‘eine Gegenwirkung ausüben, zeigen, für etw. empfindlich sein’. abreagieren Vb. ‘(durch bestimmte Erlebnisse angestaute) Affekte, eine seelische Spannung durch Handlung verringern, ableiten, neutralisieren’ (Ende 19. Jh.). Reagens n. ‘mit einem anderen chemisch reagierender Stoff, Nachweismittel’ (2. Hälfte 18. Jh.; anfangs mit dem Plur. Reagentia, später Reagentien), in der Gelehrtensprache substantiviertes Part. Präs. von spätlat. reagere. Reagenz f. ‘das Reagieren, chemische Reaktion’ (Mitte 19. Jh.). Reaktor m. ‘Anlage zur großtechnischen Durchführung chemischer, physikalischer Reaktionen’, Übernahme (Mitte 20. Jh.) von gleichbed. amerik.-engl. reactor, zu engl. to react ‘zurückwirken, reagieren’. Reaktion f. ‘durch Einwirkung hervorgerufene Gegenwirkung’. Als Entlehnung von mlat. reactio (Genitiv reactionis) ‘Rückwirkung’ zuerst (17. Jh.) in der Sprache der Naturwissenschaft für ‘Widerstand, den ein Körper leistet, wenn ein anderer Körper auf ihn einwirkt’ (seit der 1. Hälfte des 19. Jhs. auch von physischen und psychischen Verhaltensweisen des Menschen), in der Rechtssprache ‘Erneuerung eines abgeschlossenen Streites’ (2. Hälfte 18. Jh.). Frz. réaction entwickelt während der französischen Revolution die Bedeutung ‘Bewegung gegen die Meinung der Mehrheit der Bürger, politische Partei (oder Parteiengruppe), die sich gegen Demokratie und sozialen Fortschritt stellt’ und wird zur Bezeichnung aller der ‘Kräfte (in einem Staat), die sich dem Fortschritt entgegenstellen’. Diese Verwendung wird gegen Ende des 18. Jhs. ins Dt. aufgenommen und danach besonders bei den Vertretern des Vormärz, des jungen Deutschland und in der Revolution von 1848 geläufig. reaktionär Adj. ‘rückschrittlich, fortschritts-, neuerungsfeindlich, streng konservativ’ (1. Hälfte 19. Jh.), aus gleichbed. frz. réactionnaire (um 1790). Reaktionär m. ‘Anhänger, Vertreter der Reaktion’ (Mitte 19. Jh.), aus gleichbed. frz. réactionnaire m.

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) Statement setzen · (eine) Stellungnahme abgeben (zu) · (etwas) sagen zu · ↗(sich) positionieren · Position beziehen · Stellung beziehen (zu) · Stellung nehmen (zu) · ↗antworten · ↗beantworten · ↗eingehen (auf) · ↗erwidern (auf) · reagieren · zur Antwort geben
Oberbegriffe
  • (sich) äußern zu · reden über · sprechen von
Unterbegriffe
  • (Frage) mit nein beantworten · ↗(Frage) verneinen  ●  (Frage) abschlägig bescheiden  Amtsdeutsch
Assoziationen
Synonymgruppe
agieren · ↗benehmen · ↗handeln · reagieren · ↗verhalten
Unterbegriffe
Synonymgruppe
(etwas) quittieren (mit) · reagieren (auf etwas)
Synonymgruppe
einsteigen auf · reagieren (auf) · wirken bei · ziehen bei  ●  verfangen bei  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ankündigung Anleger Börse Empörung Forderung Kritik Kursgewinn Nachricht Unverständnis Veränderung Vorwurf allergisch anders angemessen damit darauf empfindlich empört entsprechend flexibel gelassen gereizt positiv prompt schnell sensibel sofort verärgert zurückhaltend Äußerung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›reagieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Viele Professoren reagieren auf uns Studenten überhaupt nicht mit Entgegenkommen.
Die Zeit, 18.03.2013, Nr. 11
Natürlich mußte sie hysterisch reagieren, konfrontiert mit so vielem, in so kurzer Zeit.
Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 117
Wie haben die Techniker im Team auf solche Ideen reagiert?
Der Spiegel, 21.02.2000
Um so brutaler reagierten die auf freiem Fuß verbliebenen Anhänger.
o. A. [ihl.]: Naxaliten. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1979]
Aber warum habe gerade ich nicht so reagiert wie die Norm?
Schwarzer, Alice: Der »kleine Unterschied« und seine großen Folgen, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1977 [1975], S. 62
Zitationshilfe
„reagieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/reagieren>, abgerufen am 25.08.2019.

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