rau

GrammatikAdjektiv · Komparativ: rauer · Superlativ: am rauesten/am rausten
Ungültige Schreibungrauh
RechtschreibregelnEinzelfälle
Wortbildung mit ›rau‹ als Erstglied: ↗Raubein · ↗Raubewurf · ↗Raublattgewächs · ↗Raufrost · ↗Raufutter · ↗Rauheit · ↗Rauputz · ↗Raureif · ↗Rauseite · ↗Rauwacke · ↗rauborstig · ↗raufüßig · ↗rauhaarig
 ·  mit ›rau‹ als Grundform: ↗rauen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
uneben, nicht glatt
Beispiele:
raues Holz
ein rauer Boden, Weg
ein raues (= grobes) Hemd, Papier
eine raue Decke
eine raue (= bewegte) See
eine raue (= rissige) Haut, Hand
eine raue (= belegte) Zunge
raues (= borstiges) Haar
die raue (= behaarte) Seite eines Felles
der Stoff fühlt sich rau an
übertragen
Beispiele:
die raue Seite herauskehren (= sich betont grob zeigen)
sprichwörtlich in einer rauen Schale steckt oft ein süßer Kern
bis mein Vater seinen Sohn Heinrich mit rauher Hand (= ohne Widerspruch zu dulden) nach Amerika expedierte [BrugschArzt72]
salopp in rauen Mengen (= über Erwarten viel)
Beispiel:
es gibt jetzt Obst in rauen Mengen
2.
unangenehm kalt, unwirtlich
Beispiele:
ein raues Wetter, ein rauer Sturm, Winter
eine raue Luft, Berglandschaft
der raue Norden
das Klima, die Witterung ist rau
es weht ein rauer Wind
übertragen hart
Beispiele:
die raue Wirklichkeit
Aber auch er mußte wieder zurück ins rauhe Leben [BronnenBarbara la Marr139]
3.
misstönend, heiser
Beispiele:
ein raues Gelächter, rauer Husten
das raue Krächzen der Raben
raue Laute hervorbringen
einen rauen Hals haben (= heiser sein)
seine Stimme klingt rau
sie ist ... nur ein bißchen rauh in der Kehle [WaggerlJahr24]
4.
unfreundlich, grob
Beispiele:
ein rauer Mensch, Charakter, ein raues Benehmen
raue Worte, Sitten
umgangssprachlich, scherzhaft hier herrscht ein rauer, aber herzlicher Ton
rau mit jmdm. sprechen, umgehen
jmdn. rau (= unsanft) anfassen
5.
landschaftlich roh, noch nicht weiter verarbeitet
Beispiele:
raue Ware
rauer (= ungekelterter) Wein
raue (= ungekochte) Eier
etw. aus dem Rauen (= nur roh ausgearbeitet) anfertigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rauh · Rauchwerk · Rauchware · rauhen · Rauhbein · rauhbeinig · Rauhreif
rauh Adj. ‘uneben, nicht glatt, rissig, derb, heiser, schroff, unwirtlich (von Klima, Landschaften)’, ahd. rūh ‘uneben, struppig, zottig, stachlig’ (9. Jh.), mhd. rūch, rūhe, , rouch ‘haarig, struppig, zottig, herb, hart, streng, unwirsch, ungebildet’, mnd. rūch, , rūwe, mnl. ruuch, , rou, nl. ruig ‘rauh, haarig, zottig’, aengl. rūh, auch ‘unbereitet, ungezähmt’, engl. rough ‘rauh, grob’ (westgerm. *rūhwa-) vergleichen sich mit asächs. rūgi ‘rauhe Decke’, rūwi ‘rauhes Fell’, mhd. riuhe, rūhe ‘Rauheit, Behaartheit, Pelzwerk’, aengl. rȳhe, rūwa, rēowe ‘Wolldecke’, anord. ‘Wolldecke’ und außergerm. mit aind. rūkṣáḥ ‘rauh, trocken, dürr, abgezehrt’, lit. raũkas ‘Runzel, Falte’, raũkti ‘(die Stirn) runzeln, zusammenziehen, furchen, falten’, rùkti ‘faltig, runzelig werden’. Alle Formen führen auf ie. *reuk-, *rūk- ‘rupfen’, eine Gutturalerweiterung der unter ↗Raub (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *reu-, *reu̯ə- ‘aufreißen, graben, aufwühlen, ausreißen, raffen’. Die oben genannten germ. Formen beziehen sich also ursprünglich auf Art und Aussehen ausgerupfter, struppiger Wollzotten. Neben rauh besteht bis ins 19. Jh. hinein die Form rauch mit der speziellen Bedeutung ‘behaart, haarig, mit Haaren bewachsen’, entstanden aus der unflektierten Form mhd. rūch (neben flektiertem rūher; vgl. hoch neben hoher). Erhalten ist diese Adjektivform in den Zusammensetzungen Rauchwerk n. ‘veredelte Pelzware’ (1. Hälfte 16. Jh.; vgl. mhd. rūchwerc ‘Kürschnerhandwerk’) und Rauchware f. ‘Pelze, Pelzwerk’ (Anfang 17. Jh.; vgl. mnd. rūware ‘Felle, Pelzwerk’). rauhen Vb. ‘rauh machen, aufrauhen’ (18. Jh.); vgl. mhd. riuhen. Rauhbein n. ‘nach außen grob erscheinender, aber im Grunde guter Mensch’ (2. Hälfte 19. Jh.), rückgebildet aus rauhbeinig Adj. das als volksetymologische Wiedergabe von engl. rawboned ‘hager, (grob)knochig, klapperdürr’ gilt. Die Rauhbeinigen ist eine spöttische Bezeichnung der Studentensprache (etwa 1800 bis 1830) für die Berliner Bürgerpolizei, vgl. Fabricius in: ZfdWf. 3 (1902) 100. Rauhreif m. bei windstillem Frostwetter aus unterkühltem Dunst oder Nebel reifartig sich niederschlagender weißer, kristalliner Belag (2. Hälfte 18. Jh.), s. ↗Reif.

Thesaurus

Synonymgruppe
heiser · ↗kratzig · nicht gut bei Stimme · rau (Stimme)
Synonymgruppe
abweisend · ↗barsch · ↗brüsk · ↗derb · ↗flegelhaft · ↗forsch · ↗grob · ↗grobklotzig · ↗grobschlächtig · ↗gröblich · kurz angebunden · rau · ↗raubeinig · ↗rauborstig · ↗ruppig · ↗rüde · ↗rüpelhaft · ↗schroff · uncharmant · ↗unflätig · ↗unfreundlich · ↗ungalant · ↗ungehobelt · ↗ungeschliffen · ↗unhöflich · ↗unsanft · ↗unwirsch · ↗unzivilisiert · wenig galant · ↗wirsch  ●  ↗bärbeißig  fig. · nicht (gerade) die feine englische Art  fig. · ↗hantig  ugs., bair. · ↗harsch  geh. · hau-drauf-mäßig  ugs. · in Wildwest-Manier  ugs. · ↗nassforsch  geh. · ↗pampig  ugs. · raubauzig  ugs. · ↗rotzig  ugs. · ↗rustikal  ugs., scherzhaft-ironisch · wie die Axt im Walde  ugs.
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
Reibung erzeugen(d) · ↗kratzig · rau · wie Sandpapier
Assoziationen
Antonyme
  • rau
Synonymgruppe
unangepasst  ●  ↗kantig  fig. · ↗knorrig (Charakter)  fig. · rau  fig. · ↗sperrig  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bergwelt Charme Gangart Geselle Kehle Klima Menge Männerwelt Nordsee Oberfläche Pflaster Schal Schale See Seegang Sitte Sound Ton Tonfall Umgangsform Umgangston Wettbewerbsklima Wind Winde Wirklichkeit kantig kehlig rissig roh unwirtlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rau‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie in rauer See hatte sich der Schweizer in den vergangenen Monaten gefühlt.
Die Zeit, 31.05.2013 (online)
Aber sie trifft sehr gut den oft rauen Ton im Parlament in Rom.
Die Welt, 05.07.2003
Meist haben sie ein weiches Herz unter der rauen Schale.
Der Tagesspiegel, 11.05.2001
Da ist der Ton in einigen Häusern sehr viel rauer.
Süddeutsche Zeitung, 30.11.2000
Unter der Decke war sie nackt, sie spürte die raue Oberfläche der heißen Ziegelsteine, als sie die Beine bewegte, das Kratzen der scharfen Kanten.
Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 215
Zitationshilfe
„rau“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/rau>, abgerufen am 23.05.2019.

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