rassisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungras-sisch
eWDG, 1974

Bedeutung

die Rasse, Rassenzugehörigkeit des Menschen betreffend
Beispiel:
rassische Einordnung, Klassifizierung
auf der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse, Bevölkerungsgruppe beruhend
Beispiele:
rassische Unterdrückung
die ... Anerkennung als politisch oder rassisch Verfolgter [Tageszeitung1953]
Staatsanwälte und Richter, die während der Zeit der Naziherrschaft Gesinnungsurteile aus politischen und rassischen Gründen ... fällten [Tageszeitung1970]
Daraus ging hervor / ob es sich um einen politischen Häftling / einen kriminellen Häftling / oder einen rassischen Häftling handelte [P. WeissErmittlung16]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Rasse · rassig · rassisch
Rasse f. Gruppe (Unterart) von Tieren, Pflanzen, die sich durch gemeinsame erbliche Merkmale und physiologische Eigenschaften von anderen Gruppen unterscheiden, große Gruppe von Menschen mit gemeinsamen charakteristischen erblichen Körpermerkmalen, im Dt. zuerst Razza, Raza (16./17. Jh.) nach ital. razza, danach Race (18. Jh., bis etwa 1900 in dieser Schreibweise) nach frz. race ‘Geschlecht, Stamm, Abstammung, Nachkommenschaft, Gattung, Sorte, Art (von Menschen und Tieren)’. Herkunft ungewiß. FEW 10, 115 ff. macht wahrscheinlich, daß mfrz. frz. race aus ital. razzo m. bzw. razza f. ‘Geschlecht’ (13./14. Jh.) bzw. aus einem in Italien üblichen mlat. rassa ‘Abmachung unter den Angehörigen eines Berufes, einer Familie’ entlehnt sei, dem lat. ratio ‘Rechnung, Berechnung, Rechenschaft, Denken, Denkvermögen, Vernunft, Grund, Maß, Gesetzmäßigkeit, Ordnung, Methode, Prinzip’ (s. ↗rational), spätlat. ‘Sippenverband, Gruppe (von Tieren, Früchten)’, wohl auch ‘Gestüt’, zugrunde liegt. Rasse steht zunächst für ‘Geschlecht, Familie, Menschengruppe, -schlag mit bestimmten gemeinsamen Eigenschaften und Verhaltensweisen’, wird in der 2. Hälfte des 18. Jhs. ein naturgeschichtlicher Ordnungsbegriff zur Bezeichnung einer Tier- bzw. Pflanzengruppe mit übereinstimmenden typischen (vererbbaren) Merkmalen des äußeren Erscheinungsbildes in einem gleichen geographischen Verbreitungsgebiet, oft im eingeschränkten Sinne ‘(durch systematische Züchtung gewonnenes) edles Geschlecht mit ausgeprägten, hervorragenden Eigenschaften’ (vgl. Rassehund, -pferd, -tier). Gegen Ende des 18. Jhs. wird Rasse als anthropologischer Begriff auch auf Menschen in der oben angeführten Bedeutung übertragen und im 19. Jh. vielfach mit ‘Volk’ gleichgesetzt. In Anlehnung an die unwissenschaftliche Vorstellung von der Ungleichwertigkeit der Rassen (vgl. „Essai sur l’inégalité des races humaines“ Gobineau 1853) entwickelte der deutsche Faschismus eine Rassentheorie bzw. -ideologie, mit der er die Ausbeutung, Unterdrückung und Vernichtung bestimmter Völker oder ethnischer Gruppen zu rechtfertigen suchte. rassig Adj. ‘mit den Eigenschaften einer guten Rasse ausgestattet’, auch (besonders von Pferden) ‘edel, feurig, vollblütig’ (1. Hälfte 20. Jh.). rassisch Adj. ‘die Rasse, Rassenzugehörigkeit des Menschen betreffend, auf der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse, Bevölkerungsgruppe beruhend’ (1922).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antisemitismus Auslese Diskriminierung Gesichtspunkt Homogenität Intoleranz Minderheit Minderwertigkeit Minorität Mischehe Privilegiengesellschaft Reinheit Verfolgung Vermischung Verschiedenheit Vorurteil Zugehörigkeit begründet ethnisch geschlechtlich konfessionell minderwertig motiviert religiös sprachlich unerwünscht verfolgt völkisch weltanschaulich Überlegenheit

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rassisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nein, du magst eine besonders gute rassische Person sein, aber du bist doch eine von ihnen.
Süddeutsche Zeitung, 20.10.1999
Die nicht rassisch deutsch waren, hat der alle umgebracht, nur rassige Deutsche nicht.
Wallraff, Günter: Ganz unten, Berlin: Aufbau-Verl.1986 [1985], S. 111
Nein, es geht nicht allein, vor allem nicht zuerst um konkret beweisbare rassische oder politische Verfolgung.
Die Zeit, 02.12.2013, Nr. 48
Und dann gibt es noch verschiedene gesundheitliche und rassische Untersuchungen.
o. A.: Einhundertneunzigster Tag. Dienstag, 30. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 31021
Politische, militärische, religiöse und rassische Fälle dürfen nicht verfolgt werden.
o. A. [ks]: Interpol. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1984]
Zitationshilfe
„rassisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/rassisch>, abgerufen am 15.09.2019.

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