raffen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungraf-fen
Wortbildung mit ›raffen‹ als Erstglied: ↗Raffer · ↗Raffgier · ↗Raffsucht · ↗Raffzahn · ↗raffsüchtig · ↗raffzahnig
 ·  mit ›raffen‹ als Letztglied: ↗abraffen · ↗aufraffen · ↗dahinraffen · ↗fortraffen · ↗hinraffen · ↗hinwegraffen · ↗hochraffen · ↗wegraffen · ↗zurückraffen · ↗zusammenraffen
 ·  mit ›raffen‹ als Grundform: ↗entraffen · ↗erraffen  ·  formal verwandt mit: ↗zeitraffend
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
etw., besonders mehrere einzelne Teile zugleich hastig ergreifen und festhalten, etw., jmdn. an sich reißen
Beispiele:
etw. eilig, schnell raffen
er rafft seine Sachen und geht
Landwirtschaft das gemähte Getreide raffen (= aufnehmen und zusammennehmen, abraffen)
Landwirtschaft das Heu raffen
Im Hause reicht das Wasser schon bis gegen die Tischplatte ... Sie rafft, was sie raffen kann [Suderm.6,172]
mit Präposition
in Verbindung mit »an«
Beispiele:
etw. (hastig) an sich raffen
Da raffte Hannah Naemi den Knaben ... zitternd an sich [le FortPapst32]
in Verbindung mit »aus«
Beispiel:
die Diebe rafften in wenigen Sekunden alle Schmuckgegenstände aus dem Schaufenster
in Verbindung mit »in«
Beispiel:
er raffte seine Beute in eine Decke (= er riß die Beute an sich und warf sie in eine Decke)
in Verbindung mit »vom«
Beispiel:
er raffte die Papiere vom Tisch
landschaftlich, salopp, scherzhaft, übertragen
Beispiel:
dich hat's wohl gerafft, dich rafft's wohl? (= du bist wohl nicht bei Verstand?)
2.
abwertend etw. raffensich etw., besonders Geld, Besitz, Gewinn, habgierig aneignen
Beispiele:
er tut das alles, um Geld, Gold zu raffen
Sie können nur raffen, diese römischen Barbaren [Feuchtw.Jüd. Krieg242]
3.
etw. (schriftlich Fixiertes) in knappere Form bringen, auf das Wesentliche kürzen
Beispiele:
einen Aufsatz, ein Theaterstück, Spiel raffen
als Ganzes ist Klopstocks »Messias« nur dann zu retten, wenn man auswählt, sichtet, rafft und strafft [BecherMacht der Poesie125]
oft im Part. Prät.
Beispiele:
ein gerafftes Einleitungskapitel
eine geraffte Darstellung der Probleme
die Untersuchungsergebnisse sind in einer Tabelle gerafft wiedergegeben
4.
Stoff raffenStoff in losen Falten zusammennehmen, locker zusammenschieben
a)
und so zur Zierde befestigen
Beispiel:
Vorhänge, Gardinen raffen
oft im Part. Prät.
Beispiele:
geraffte Portieren
die Mullgardine ist leicht (zur Seite) gerafft
ein Kleid ... fest an der korsettierten Taille anliegend, in den Hüften ein wenig gerafft und dann weit bis auf die Füße fallend [BredelVäter11]
Das ungewöhnlich blonde lange Haar ist durch einen Knoten gerafft [G. Hauptm.Winterballade2]
b)
und dabei hochnehmen, schürzen, besonders von Kleidern
Beispiele:
ein weites, langes Gewand beim Treppensteigen, bei einer Verbeugung ein wenig raffen
eine Schleppe raffen
mit gerafften Kleidern wateten sie im Wasser umher
c)
das Segel raffendas Segel einziehen und zusammenrollen
Beispiel:
mit erstaunlicher Schnelligkeit wurden die Segel gerafft, Anker geworfen [BredelVitalienbrüder84]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

raffen · aufraffen · Raffgier · Raffsucht · Raffzahn · Raffke · Raffer
raffen Vb. ‘hastig und gierig ergreifen, an sich reißen, schriftlich Fixiertes in knappere Form bringen, Stoff locker zusammenschieben, hochnehmen’, mhd. raffen, reffen ‘zupfen, rupfen, eilig an sich reißen’, mnd. mnl. rāpen, nl. rapen ‘raffen, einsammeln’ führen auf germ. *hrap-, auf dessen Variante germ. *hreps- die unter ↗raspeln (s. d.) behandelten Formen zurückgehen. Unmittelbare außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen, doch gehören die Verben entweder wie ↗rümpfen und ↗schrumpfen (s. d.) zu ie. *(s)kerb(h)-, *(s)kreb(h)-, nasaliert *(s)kremb(h)- ‘drehen, krümmen’, einer Labialerweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’, oder im Sinne von ‘abschneiden, trennen’ zu der unter ↗scheren (s. d.) angeführten Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’. raffen wird heute oft in der Fügung an sich raffen gebraucht, ferner in Präfixbildungen wie dahin-, weg-, zusammenraffen und aufraffen Vb. ‘zusammennehmen und aufheben’, reflexiv ‘sich mit einiger Schwierigkeit erheben, aufstehen’, übertragen ‘alle Kräfte zusammennehmen, sich zu etw. entschließen’ (16. Jh.). Raffgier f. ‘Habgier, Gier nach Besitz, Gewinn, Geld’ (19. Jh.), zuvor Raffsucht f. (17. Jh.). Raffzahn m. ‘hervorragender oberer Schneidezahn’, eigentlich wohl ‘Reißzahn, Hauer’, spätmhd. reffzan. Raffke m. ‘habgieriger Neureicher’, in Berlin (um 1920) gebildete Bezeichnung mit dem nd. Verkleinerungssuffix -ke (s. ↗-chen); älter Raffer m. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich einer Sache) bewusst werden · ↗aufnehmen · ↗begreifen · ↗erfassen · ↗fassen · ↗klar sehen · ↗verarbeiten  ●  ↗verstehen  Hauptform · (bei jemandem) fällt der Groschen  ugs., fig. · ↗(jemandem) eingehen  geh. · ↗(sich jemandem) erschließen  geh. · Klick machen  ugs. · ↗blicken  ugs. · ↗checken  ugs. · dahintersteigen  ugs. · ↗durchblicken  ugs. · ↗durchschauen  ugs. · ↗durchsehen  ugs. · ↗durchsteigen  ugs. · hinter etwas steigen  ugs. · ↗kapieren  ugs. · ↗peilen  ugs. · raffen  ugs. · rallen  ugs., regional · ↗schnallen  ugs. · ↗spannen  ugs. · ↗überreißen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
anhäufen · ↗horten · ↗sammeln  ●  ↗äufnen  schweiz. · raffen  ugs. · ↗scheffeln  ugs. · ↗zusammenkriegen  ugs.
Unterbegriffe
  • Philokartie · Postkartenkunde · das Sammeln von Postkarten
Synonymgruppe
abbreviieren · ↗abkürzen · ↗kappen · ↗kürzen · kürzer machen · raffen · ↗stutzen · ↗verkürzen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Geschehen Gewand Kleid Mantel Rock Räuber Schmuck Segel Seuche Soutane Stoff Vorhang auf aufraffen aufspringen beiseite dahin dahinraffen dehnen empor hinraffen hinwegraffen hochraffen raffen schleppen straffen umstellen wegraffen zusammen zusammenraffen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›raffen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vormittags geht es mir dann meist schlecht; nachmittags raffe ich mich.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 47
Sie rafften sich aus dem Sand heraus und trotteten noch eine Stunde weiter.
Seghers, Anna: Transit, Gütersloh: Bertelsmann 1995 [1943], S. 200
Auf der Basis des heutigen Wissens beschreibt der Autor gerafft und quer durch fast alle Disziplinen, was denkbar ist und machbar erscheint.
Die Welt, 30.12.2004
Aber sie raffte das Kleid noch höher und stellte das Bein herausfordernd noch mehr vor.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 420
Er rauscht wie ein Vorhang, der sich hebt, rafft und ein Spiel freigibt, ein unsagbar leises und zärtliches Spiel.
Johst, Hanns: Die Torheit einer Liebe, München: Langen Müller 1942 [1930], S. 78
Zitationshilfe
„raffen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/raffen>, abgerufen am 22.05.2019.

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