Dieser Artikel ist nicht auf dem aktuellen Stand. Er wird von der Redaktion des DWDS in Kürze überarbeitet.

radikal

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungra-di-kal (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›radikal‹ als Erstglied: ↗Radikalinski · ↗Radikalkur · ↗Radikalmittel · ↗Radikaloperation · ↗radikalisieren
 ·  mit ›radikal‹ als Letztglied: ↗linksradikal · ↗rechtsradikal  ·  mit ›radikal‹ als Grundform: ↗Radikalität
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
von Grund aus, gänzlich, vollständig
Beispiele:
etw. radikal beseitigen
etw. radikal ablehnen, ändern
ein radikaler Bruch mit der Tradition
eine radikale Umgestaltung
ein radikales (= sehr stark wirkendes) Schädlingsbekämpfungsmittel
das Medikament hat radikal (= sehr stark) gewirkt
eine Lerntheorie, die sich radikal unterscheidet von den herkömmlichen Vorstellungen [Urania1968]
2.
rücksichtslos durchgreifend, rigoros
Beispiele:
radikal vorgehen
radikale Maßnahmen, Methoden anwenden
Wenn ... [der König] sich des fatalen Rebellen auf eine radikale Weise entledigt [ZuchardtSpießrutenlauf277]
3.
einen politisch-ideologischen Radikalismus vertretend
Beispiele:
eine radikale Richtung, Strömung
radikale Gruppen, Klubs
radikale Reden
radikal rechtsgerichtete Kreise
[die kleinbürgerlichen] Radikalen lehnen den Kampf auf parlamentarischem Feld ab [SteigerwaldinPhilosophen-Kongreß5,57]
4.
DDR eine fortschrittliche, revolutionäre politisch-ideologische Denkweise und Handlungsweise konsequent vertretend
Beispiele:
Es war typisch für die jüngere sozialistische Generation vor 1933, daß sie gegenüber den Vätern den radikaleren Weg wählte [Becher6,117]
Der Kommunismus ist jedoch in dem Sinne radikal, daß er die kapitalistische Ausbeuterordnung mit der Wurzel, d. h. restlos, beseitigt [Ökonomisches Lexikon2,504]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

radikal · Radikalismus
radikal Adj. ‘bis auf die Wurzel, bis zum äußersten (gehend), gründlich, gänzlich, rücksichtslos, rigoros’, entlehnt (16. Jh.) aus mlat. radicalis ‘an die Wurzel gehend, von Grund auf, gründlich’, zu lat. rādīx (Genitiv rādīcis) ‘Wurzel’ (s. ↗Radieschen, ↗Rettich); zuerst in lat. Fügungen vorkommend, besonders als Adverb radicaliter (vgl. bereits spätlat. rādīcāliter ‘mit der Wurzel, im Keime, von Grund aus, ganz’); seit dem 18. Jh. mit dt. Flexionsbildung. radikal erscheint zunächst in der ursprünglichen, jetzt seltenen Bedeutung ‘eingewurzelt, Grund-, angeboren’ (16. Jh.), dann (unter Einfluß von frz. radical) ‘bis auf die Wurzel gehend, grundlegend, von Grund auf, gründlich’ (Ende 18. Jh.), schließlich (wohl unter dem Einfluß von engl. frz. radical) in der heute zentralen Bedeutung ‘extrem eingestellt, kompromißlos, unnachgiebig’, besonders im Hinblick auf politisch-weltanschauliche Haltungen und Verhaltensweisen (Anfang 19. Jh.). Radikalismus m. ‘bis zum Äußersten gehende Verfolgung der Ziele, unnachgiebiges, rücksichtsloses Vorgehen, politisch-ideologische Denk- und Handlungsweise, die auf eine grundlegende Umwandlung bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse abzielt, extreme politische Strömung unterschiedlicher Richtungen’ (1. Hälfte 19. Jh.), vgl. gleichzeitig entstandenes engl. radicalism, frz. radicalisme.

Thesaurus

Synonymgruppe
entschieden · ↗fundamental · ↗grundlegend · ↗gründlich · radikal · ↗rigoros
Assoziationen
Synonymgruppe
absolut · ↗ausgesprochen · ↗extrem · ↗hoch... · ↗hyper... · ↗höchst · ↗mega... · radikal · ↗sehr · ↗total · ↗unglaublich · ↗äußerst · über die Maßen · ↗überaus  ●  ↗brutal  ugs., süddt. · ↗echt  ugs. · ↗ganz  ugs. · ganz ganz  ugs. · ↗super...  ugs. · ↗voll  ugs., jugendsprachlich · was das Zeug hält  ugs. · ↗wirklich  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • mit äußerster Heftigkeit · wie ein Irrer · wie ein Verrückter · wie verrückt · wie wild · äußerst heftig
  • ausgesprochen · ganz und gar · ↗gänzlich  ●  ↗betont  geh. · ↗prononciert  geh.
Antonyme
  • radikal

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abkehr Bruch Einschnitt Flügel Gruppe Islam Islamismus Islamist Kurswechsel Linke Minderheit Moslem Muslim Nationalist Neuanfang Palästinenser Palästinensergruppe Palästinenserorganisation Prediger Reform Schiitenführer Schnitt Siedler Steuerreform Umbau Umbruch Umdenken Vereinfachung Veränderung Wandel

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›radikal‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wohl aber fürchten sich arabische Regime vor weitaus radikaleren Kräften.
Die Zeit, 03.08.2006, Nr. 32
Dann allerdings neigt Grace zu äußerst radikalen Methoden, ihre beschädigte Freiheit wiederherzustellen.
Der Tagesspiegel, 20.03.2004
Gewiß können sie den Kurs der Gemeinschaft nicht radikal ändern.
o. A. [mü.]: EG-Präsidentschaft. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1991]
Gerade dies hat sie von den eigentlich konspirativen Gruppen der radikalen Linken immer unterschieden.
Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Frankfurt a. M.: Europäische Verl.-Anst. 1957 [1955], S. 929
Den tieferen Sinn dieser radikalen Trennung habe ich mich vergebens zu ergründen bemüht.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1931, S. 201
Zitationshilfe
„radikal“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/radikal>, abgerufen am 22.05.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Radieschen
Radierung
Radierschablone
Radiernadel
Radiermesser
radikaldemokratisch
Radikale
Radikalenerlaß
Radikalfänger
Radikalinski