protzen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungprot-zen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›protzen‹ als Erstglied: ↗Protzer · ↗Protzerei
eWDG, 1974

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend mit etw. protzeneigene Vorzüge, besonders seinen Reichtum, in aufdringlicher Weise, angeberisch vor anderen zur Geltung bringen, mit etw. prahlen, renommieren
Beispiele:
mit seinem Reichtum, Geld, Schmuck protzen
er protzte mit seiner Intelligenz, Kraft, Bildung, seinem Wissen, seinen Erfolgen
niemand versuchte zu protzen [RennKindheit271]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Protz · protzen · protzig
Protz m. ‘Wichtigtuer, Angeber, arroganter Emporkömmling’, aus dem Obd. (zuerst in Wien, Mitte 19. Jh.) in die Literatursprache aufgenommen. Obd. Protz ‘anmaßender, aufgeblasener Mensch’ ist Übertragung von schwäb. bair. öst. Protz, Brotz ‘Kröte’ (belegt seit Ende 16. Jh.), ausgehend von der Vorstellung, daß sich die Kröte dick mache, den Kehlsack aufblase. Dazu die Zusammensetzungen Machtprotz (Mitte 19. Jh.), Geldprotz (2. Hälfte 19. Jh.), Muskelprotz (1. Hälfte 20. Jh.). protzen Vb. ‘prahlen, angeben’; vgl. obd. (sich) protzen, brotzen ‘aufblähen, stolz tun’ (17. Jh.), auch ‘schmollen, trotzen, maulen’, das mit Protz in der Literatursprache Verbreitung gewinnt. protzig Adj. ‘großtuerisch, patzig, aufgebläht, unangemessen reich ausgestattet, prunkvoll’ (literatursprachlich 2. Hälfte 18. Jh.); zuvor (landschaftlich) protz (15. Jh.), protzigt, brotzig, protzig (17. Jh.) ‘aufgebläht, stolz, hoffärtig’, auch ‘mürrisch, schmollend’. Die Herkunft ist ungewiß. Falls die Verbalsubstantive ahd. (10. Jh.), mhd. broʒ, nhd. (mundartlich obd.) Brotze, Bross ‘Knospe, Sproß’ und (wohl ein ie. d-Präsens voraussetzendes) mhd. brieʒen ‘anschwellen, Knospen treiben’ vergleichbar sind, ist Verwandtschaft mit (wohl zu einem Partizip ie. *bhrutos gebildetem) lat. frutex ‘Staude, Strauch, Gesträuch’ sowie air. broth ‘Granne, Haar’ möglich und damit über ie. *bhreud- Anschluß an ie. *bhreu- ‘sprießen, schwellen’, auf dessen s-Erweiterung die unter ↗Brust (s. d.) behandelten ie. Formen zurückgehen.

Thesaurus

Synonymgruppe
prangen · protzen · ↗prunken
Synonymgruppe
(mächtig) angeben · (sich) brüsten (mit) · ↗(sich) rühmen · ↗aufschneiden · herumprotzen · protzen · ↗renommieren  ●  ↗prahlen  Hauptform · angeben wie ein Sack Seife  ugs. · angeben wie ein Sack Sülze  ugs. · angeben wie ne Tüte Mücken  ugs. · ↗bramarbasieren  geh.
Assoziationen
  • (großer) Zampano · ↗Angeber · ↗Aufschneider · ↗Blender · ↗Großsprecher · ↗Großtuer · ↗Möchtegern · ↗Prahler · ↗Renommist · ↗Selbstdarsteller · ↗Sprücheklopfer · ↗Sprüchemacher · ↗Wichtigtuer · nichts dahinter (sein)  ●  Aufpudler  österr. · ↗Wichtigmacher  österr. · (der) Held vom Erdbeerfeld  ugs. · ↗Gernegroß  ugs. · ↗Gleisner  geh., veraltet · Graf Koks von der Gasanstalt (Ruhrdeutsch veraltend)  ugs. · Graf Rotz von der Backe  ugs. · ↗Großkotz  derb · ↗Großmaul  derb · ↗Großschnauze  ugs. · Kneipenkaiser  ugs. · ↗Maulheld  derb · Maulhure  derb, weibl. · Muchtprinz  ugs., berlinerisch · ↗Prahlhans  ugs. · ↗Profilneurotiker  ugs. · ↗Schaumschläger  ugs. · Stammtischexperte  ugs. · ↗Windbeutel  ugs. · aufgeblasener Gimpel  ugs. · große Klappe und nichts dahinter  ugs. · jemand, der viel erzählt, wenn der Tag lang ist  ugs.
  • (die) Aufmerksamkeit auf sich ziehen · ↗(sich) (selbst) darstellen · ↗(sich) aufspielen · (sich) in Szene setzen · (sich) in den Vordergrund schieben · (sich) in den Vordergrund spielen · ↗(sich) produzieren · ↗angeben  ●  (seine) Show abziehen  ugs. · (sich) wichtig machen  ugs.
  • (das) große Wort führen · (eine) Schau machen · ↗(sich) aufblasen · (sich) aufführen wie der große Zampano · ↗(sich) aufplustern · Eindruck schinden · große Reden schwingen · laut werden  ●  (sich) auf die Brust klopfen  fig. · (sich) aufs hohe Ross setzen  fig. · ↗(sich) aufspielen  Hauptform · (den) (großen) Zampano machen  ugs. · (den) Dicken markieren  ugs. · (den) Hermann machen  ugs. · (den) Larry machen  ugs. · (den) Lauten machen  ugs. · (den) Molli machen  ugs., regional · (den) Mund (sehr) voll nehmen  ugs., fig. · (den) Mund zu voll nehmen  ugs. · (den) dicken Mann markieren  ugs. · (den) dicken Max machen  ugs. · (den) dicken Max markieren  ugs. · (die) (große) Welle reißen  ugs. · (die) Backen aufblasen  ugs. · (die) Schnauze aufreißen  ugs., fig. · (die) Welle machen  ugs. · (eine) (dicke) Lippe riskieren  ugs. · (eine) Show abziehen  ugs. · (eine) große Fresse haben  derb · (eine) große Klappe haben  ugs. · (eine) große Schnauze haben  ugs. · (einen) auf dicke Hose machen  derb · (einen) auf großer Zampano machen  ugs. · (gewaltig) das Maul aufreißen  ugs. · (groß) herumtönen  ugs. · (sich) aufmandeln  ugs., bair. · (sich) aufpupsen  derb · (sich) großtun (mit)  ugs. · (sich) in die Brust werfen  geh. · (sich) wichtig machen  ugs. · Sprüche klopfen  ugs. · auf den Putz hauen  ugs., fig. · auf die Kacke hauen  derb, fig. · auf die Pauke hauen  ugs., fig. · auf die Pferde hauen  ugs., fig. · blärzen  ugs., regional · den (...) raushängen lassen  ugs. · dicke Backen machen  ugs. · ↗dicketun  ugs. · ↗dicktun  ugs. · einen auf (...) machen  ugs. · groß rumtönen  ugs. · große Töne spucken  ugs. · herumblärzen  ugs., regional · ↗pranzen  ugs. · strunzen  ugs., regional · wichtigtun  ugs.
  • (sich) (selbst) applaudieren · (sich) (selbst) auf die Schulter klopfen · ↗(sich) (selbst) loben · (sich) ganz toll finden  ●  ↗(sich) (selbst) beweihräuchern  fig.
  • (überflüssigerweise) Angst einjagen · unnötig für Aufregung sorgen  ●  (Leute) verrückt machen  ugs. · Wellen auf den Pudding hauen  ugs., fig. · die Pferde scheu machen  ugs., variabel, fig. · ↗sich (nicht) verrückt machen (lassen)  ugs.
  • Oberwasser haben · ↗auftrumpfen · ↗punkten (mit) · seine Überlegenheit zeigen
  • Eindruck machen sollen  ●  (sich) nach was anhören sollen  ugs. · etwas Vernünftiges sein sollen  ugs. · nach was aussehen sollen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bildung Fassade Fähigkeit Kenntnis Luxus Muskel PS Potenz Reiche Reichtum Schönheit Strand Stärke Superlativ Tätowierung Villa Wissen Wohlstand abprotzen damit geradezu gern gerne herum herumprotzen jahrelang klotzen nie prahlen prunken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›protzen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ist das etwa ein neuer Trend, nicht mit den pompösen Gewinnen zu protzen?
Der Tagesspiegel, 13.01.2003
Die Deutschen packt eine gefährliche Lust, mit englischsprachigen Wörtern zu spielen, zu jonglieren, zu protzen.
Süddeutsche Zeitung, 23.01.1997
Mit unserer Kultur brauchen wir nicht zu protzen; sie ist, und das ist überzeugend genug.
Haluschka, Helene: Noch guter Ton? In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 3163
Hüten sollte man sich, mit seiner Tätigkeit und seinen beruflichen Erfahrungen vor aller Welt zu protzen.
Smolka, Karl: Gutes Benehmen von A - Z. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1957], S. 18911
Der Erlös der Einbrüche hätte ihn instand gesetzt, sich elegant zu kleiden, mit Weibern zu protzen.
Lichtenstein, Alfred: Der Sieger. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1912], S. 35660
Zitationshilfe
„protzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/protzen>, abgerufen am 17.10.2019.

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