poltern

GrammatikVerb · polterte, hat/ist gepoltert
Aussprache
Worttrennungpol-tern (computergeneriert)
Wortbildung mit ›poltern‹ als Erstglied: ↗Polterabend · ↗Poltergeist · ↗polterig · ↗poltrig
 ·  mit ›poltern‹ als Letztglied: ↗Gepolter · ↗anpoltern · ↗heraufpoltern · ↗hereinpoltern · ↗herumpoltern · ↗hinabpoltern · ↗hinaufpoltern · ↗hinunterpoltern · ↗lospoltern
 ·  formal verwandt mit: ↗holterdiepolter
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
es poltertmehrmals hintereinander ist lauter, dumpfer, durch Bewegung verursachter Lärm zu hören
Beispiele:
es poltert draußen an der Tür
im Nebenzimmer hat es gepoltert, war ein Poltern zu hören
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
mehrmals hintereinander lauten, dumpfen Lärm bei einer Bewegung verursachen
Beispiele:
der Wagen poltert über das Pflaster
die Kinder poltern über die Treppe, kamen ins Zimmer gepoltert
die Steine polterten in die Schlucht
die Schneemassen kamen ins Rutschen und polterten, fielen polternd vom Dach
mit Hilfsverb ›hat‹
Beispiele:
die Kinder polterten auf der Treppe, gegen die Tür
polternde Schritte
ein polterndes Geräusch
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
umgangssprachlich, übertragen mit lauter, grober Stimme schimpfen (ohne es böse zu meinen)
Beispiele:
er polterte ein wenig, weil wir zu spät kamen
er kann sein Poltern nicht lassen
Eine Weile schrie und polterte er noch weiter [NablOrtliebsche Frauen457]
»Ihr seid verrückt« polterte der Steiger [MarchwitzaUnter uns31]
4.
mit Hilfsverb ›hat‹
einem alten, dem Brautpaar Glück verheißenden Brauch entsprechend durch Zerschlagen von Geschirr, Töpfen und anderen Gegenständen vor der Tür des Hochzeitshauses am Polterabend Lärm verursachen
Beispiel:
die Kinder aus der Nachbarschaft haben tüchtig gepoltert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

poltern · Polterabend
poltern Vb. ‘ein dumpfes krachendes Geräusch hervorbringen oder verursachen, holpern, rumpeln’, frühnhd. buldern, boldern, bulderen, poldern (15. Jh.), poltern (16. Jh.), mnd. bolderen, bulderen, nl. bulderen, älter bolderen ‘poltern, toben, tosen’, schwed. bullra, dän. buldre ‘lärmen, rumoren’ stehen als Bildungen mit Dental neben mhd. boln ‘rufen, schreien, blöken’, frühnhd. bollen, bollern, nhd.bullern ‘lärmen’ (s. d.) und lassen sich mit diesen als Schallwörter an die unter ↗bellen (s. d.) angegebene lautnachahmende Wurzel ie. *bhel- ‘schallen, reden, brüllen, bellen’ anschließen. Polterabend m. (1. Hälfte 16. Jh.), vorher Pulternacht (Anfang 16. Jh.) ‘Abend vor der Hochzeit’, an dem durch Lärm und Zerschlagen von Geschirr böse Geister und Unheil vertrieben und von der Ehe ferngehalten werden sollen.

Thesaurus

Synonymgruppe
rumoren  ●  poltern  ugs. · ↗ramentern  ugs. · rumpoltern  ugs.
Synonymgruppe
poltern · ↗rumpeln  ●  ↗bollern  ugs., regional · ↗bullern  ugs. · ↗rumsen  ugs. · wämsen  ugs., regional
Oberbegriffe
  • (ein) Geräusch machen · zu hören sein
Assoziationen
Synonymgruppe
donnern · ↗krachen · poltern · ↗rumpeln · ↗rumsen
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Geschrei erheben · Krawall machen · Randale machen · Unmut äußern · Zorn äußern · ein großes Palaver veranstalten · ↗fluchen · ↗geifern · ↗herumschreien · ↗keifen · lautstark protestieren · nicht zu beruhigen sein · poltern · ↗schimpfen · ↗zetern  ●  (die) Welle machen  ugs. · (eine) Szene machen  ugs. · (einen) (mächtigen) Wirbel veranstalten  ugs. · (einen) Riesenaufstand machen  ugs. · (einen) Zwergenaufstand veranstalten  ugs. · (he)rumpalavern  ugs. · (mächtig) auf den Putz hauen  ugs. · fluchen wie ein Bierkutscher  ugs. · fluchen wie ein Droschkenkutscher  ugs. · fluchen wie ein Fischweib  ugs. · herumzetern  ugs. · keifen wie ein Fischweib  ugs. · ↗motzen  ugs. · ↗rumschreien  ugs. · schimpfen wie ein Fischweib  ugs. · schimpfen wie ein Rohrspatz  ugs. · ↗schnauzen  ugs. · ↗wettern  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dachboden Fahrwerk Hinterachse Schlagloch Stiefel drauflos entgegen fluchen grollen herab heraus herauspoltern hereinpoltern herum herumpoltern herunterpoltern hinab hinunterpoltern holpern klirren krachen lautstark los lospoltern lärmen polemisieren pöbeln rumpeln zischen zurück

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›poltern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und wenn es nicht mehr anders geht, würde ich ihr schon eine poltern.
Bild, 29.06.2005
Stundenlang sitzt sie da, und die Geschichten poltern nur so aus ihr heraus.
Der Tagesspiegel, 23.01.2001
Auch gegen die Wände zu poltern ist nur selten angebracht.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 22250
Die Gäste kamen polternd zum Frühstück und beschlossen, sogleich zum Strande zu gehen.
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 599
Kaum hatte sie sich zu Bett begeben, da hörte sie heftig poltern und einen schweren Gegenstand tief hinunterfallen.
Friedländer, Hugo: Ein »Ritualmord«-Prozeß. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 22198
Zitationshilfe
„poltern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/poltern>, abgerufen am 21.07.2019.

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