plärren

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungplär-ren
Wortbildung mit ›plärren‹ als Grundform: ↗Geplärr · ↗Geplärre
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
seine Stimme laut, schrill und unschön ertönen lassen
umgangssprachlich, abwertend
Beispiele:
sie plärrte im Haus: »Komm mal her!«
Eigensinnig, hartnäckig plärrte er: »Essen, Mann, Sie sollen essen« [Feuchtw.Jüd. Krieg129]
Sie zählte mit einer grellen, plärrenden Stimme: »Eins, zwei, drei!« [K. MannMephisto71]
von Tieren
Beispiel:
Eine Wildente plärrte im Flußschilf [StrittmatterWundertäter164]
umgangssprachlich, abwertend etw. plärrenetw. laut und unschön singen
Beispiele:
sie plärrten ein Lied
[das Wecksignal] wurde ... von vielen unter uns aufgenommen, gepfiffen und geplärrt [Feuchtw.Teufel50]
übertragen durchdringend und schrill tönen
Beispiele:
das Radio, der Lautsprecher plärrt
[die Klingel] plärrte blechern durch den Flur [SeegerHabicht38]
2.
umgangssprachlich, abwertend besonders von kleinen Kindern   laut und anhaltend weinen, weinend schreien
Beispiele:
der Säugling plärrt
das plärrende Kind beruhigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

plärren Vb. ‘laut, ungezogen weinen, schreien, laut, unangenehm, unschön singen’, mhd. blēren, blerren ‘blöken, blökend schreien, heulen’, mit intensivierendem Wechsel von b- zu p- frühnhd. plerren (seit dem 16. Jh. zunehmend auch von Menschen) ‘schreien, herleiern’, mnd. blerren ‘blöken’ (vom Schaf), ‘laut weinen’, mnd. nd. blarren, mnl. bleren, nl. bleren, blaren, fries. blarre ‘blöken, weinen’, engl. to blare ‘brüllen, heulen, plärren’ sowie mhd. blæjen, blēn ‘blöken’, lett. blēt ‘blöken, meckern’, russ. bléjat’, bleját’ (блеять) ‘blöken’ sind lautmalenden Ursprungs (s. auch nahestehendes ↗blöken). Man kann an ie. *bhlē- als Erweiterung der Schallwurzel ie. *bhel- (s. ↗bellen) denken.

Thesaurus

Synonymgruppe
brüllen · ↗schreien  ●  ↗bläken  ugs. · ↗blöken  ugs. · ↗dröhnen  ugs. · plärren  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Tränen vergießen · ↗jammern · ↗schluchzen · ↗schreien (Baby) · ↗weinen (vor) · ↗wimmern  ●  ↗weinen (über)  Hauptform · (sich) ein Tränchen verdrücken  ugs. · ↗barmen  geh., poetisch · ↗bläken  ugs., abwertend, regional · das heulende Elend haben  ugs. · ↗flennen  ugs., regional · ↗greinen  ugs. · ↗heulen  ugs. · leise weinend (in der Ecke)  ugs., floskelhaft · ↗plieren  ugs. · ↗plinsen  ugs., norddeutsch · plärren  ugs., abwertend, regional
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (jemandem) schießen (die) Tränen in die Augen · (plötzlich) weinen müssen  ●  (das) heulende Elend bekommen  ugs.
Assoziationen
  • Tränchen  abwertend · ↗Träne  Hauptform · ↗Zähre  veraltet
  • Traurigkeit heucheln  ●  (den) Traurigen mimen  ugs. · (sich) ein paar Tränchen verdrücken  ugs. · Krokodilstränen vergießen  ugs., Hauptform · Krokodilstränen weinen  ugs. · auf traurig machen  ugs.
  • bejammern · ↗klagen · ↗lamentieren · ↗wehklagen · ↗zetern  ●  ↗jammern  Hauptform · ↗barmen  geh., veraltend, regional, literarisch · ↗heulen  ugs. · ↗janke(r)n  ugs. · ↗raunzen  ugs., österr.
  • gefühlig · gefühlsbesoffen · ↗gekünstelt · im Überschwang der Gefühle · ↗kitschig · ↗larmoyant · ↗melodramatisch · mit reichlich Herz und Schmerz · rührstückhaft · ↗schmalzig · ↗seelenvoll · ↗sentimental · ↗theatralisch · ↗tränenselig  ●  ↗gefühlsbetont  Hauptform · ↗gefühlsduselig  ugs. · mit Pipi inne Augen  ugs., ruhrdt.
  • herumjanken · ↗janken · keine Ruhe geben  ●  (rum)knöttern  ugs., ruhrdt. · ↗(rum)quaken  ugs. · ↗herumquengeln  ugs. · ↗quengeln  ugs.
  • anfangen zu weinen · in Tränen ausbrechen · in Weinen ausbrechen · ↗losweinen  ●  das heulende Elend kriegen  ugs. · ↗losheulen  ugs.
  • (sich die) Augen aus dem Kopf weinen · Rotz und Wasser heulen · Ströme von Tränen vergießen · dicke Tränen vergießen · heiße Tränen vergießen · heiße Tränen weinen · hemmungslos weinen · heulen wie ein Schlosshund · in Tränen aufgelöst sein · in Tränen schwimmen  ●  (die) Tränen laufen jemandem (nur so) übers Gesicht  variabel · (sich die) Augen ausweinen  fig. · (sich) in Tränen auflösen  fig. · alle Schleusen öffnen  fig · bittere Tränen vergießen  veraltend · heftig weinen  Hauptform · in Tränen zerfließen  fig. · hemmungslos losheulen  ugs.
  • (sich) ausweinen (bei jemandem)  auch figurativ · (sich) ausheulen (bei jemandem)  ugs., auch figurativ
  • (jemandem etwas) vorweinen  ●  ↗(jemandem etwas) vorjammern  abwertend · ↗(jemandem etwas) vorheulen  ugs.
  • (sich) eine Träne aus dem Augenwinkel wischen · feuchte Augen bekommen · nasse Augen bekommen  ●  dem Weinen nahe sein  Hauptform · Pipi in die Augen bekommen  derb
  • (jemandem) stehen die Tränen in den Augen · (jemandem) steht das Wasser in den Augen · Tränen in den Augen haben · feuchte Augen haben  ●  nasse Augen haben  Hauptform · Pipi in den Augen haben  derb
  • (sich) in den Schlaf weinen · (sich) müde weinen
  • fiepen · ↗jaulen · ↗wimmern · ↗winseln
  • (sich) (wehmütigen Gedanken) hingeben · hinterhertrauern · ↗nachhängen · ↗nachtrauern · ↗nachweinen
  • bei jeder Kleinigkeit weinen · immer gleich weinen · oft weinen · schnell weinen · sofort weinen (müssen)  ●  nah(e) am Wasser gebaut haben  Hauptform, fig.
  • gefühlsbeladen · ↗gefühlsselig · ↗gefühlvoll · ↗rührselig · ↗schmalzig · ↗schnulzig · ↗sentimental  ●  auf die Tränendrüse drücken(d)  ugs., fig.
  • (heftig) weinend · in Tränen aufgelöst · ↗tränenreich · unter Tränen
  • (den Verlust einer Person) beklagen · ↗(jemanden) beweinen · ↗bejammern · ↗betrauern · ↗trauern (um) (über) · ↗weinen (um)
  • Weinkrampf  ●  (das) heulende Elend  ugs. · Heulanfall  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autoradio Baby Boxen Chor Fernseher Funkgerät Kassettenrekorder Kofferradio Lautsprecher Marschmusik Megaphon Mikrofon Musik Ohr Radio Schlager Säugling Transistorradio an brüllen draußen durcheinander entgegen entgegenplärren herausplärren hinein kreischen laut losplärren schreien

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›plärren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da plärrten die Mägde in der Küche ein rührseliges Lied.
Süddeutsche Zeitung, 10.11.2000
Man ließ das Radio nicht sinnlos plärren, man hörte genau hin.
Die Zeit, 24.06.1954, Nr. 25
Er weinte wie ein kleines Kind, hell, plärrend, unterbrochen von lautem Schluchzen.
Konsalik, Heinz G.: Der Arzt von Stalingrad, Hamburg: Dt. Hausbücherei 1960 [1956], S. 260
Neben ihm plärrte ein Kind seinem in die Luft entkommenen blauen Ballon nach.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 669
Nur Bambi plärrte von Zeit zu Zeit noch einmal kurz auf.
Salten, Felix: Bambi, Frankfurt a. M.: Fischer 1956 [1923], S. 45
Zitationshilfe
„plärren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/plärren>, abgerufen am 23.04.2019.

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