philiströs

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungphi-lis-trös (computergeneriert)
eWDG, 1974

Bedeutung

veraltend, abwertend kleinbürgerlich engstirnig, beschränkt
Beispiele:
eine philiströse Pedanterie, Beschränktheit
Sein [Freuds] äußeres Leben verbirgt dämonische Arbeitsleistung hinter nüchterner, beinah philiströser Bürgerlichkeit [St. ZweigHeilung269]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Philister · philiströs
Philister m. ‘kleinbürgerlich-engstirniger Mensch, Spießbürger’. In der Bibel sind Philister Plur. (Luther; zuvor auch Philistier, Philistiner nach kirchenlat. Philistaeī, Philistīnī, Vulgata) die Angehörigen eines nichtsemitischen Volkes an der Küste Palästinas, eines Nachbarvolkes der Israeliten, nach dem Alten Testament die Feinde des von Gott auserwählten Volkes der Juden. Zugrunde liegt hebr. (Plur.) Pelištīm, eigentlich ‘Einwanderer’. In den Streitschriften des späteren 16. Jh. und des 17. Jhs. werden die Gegner von Gottes Wort Philister genannt. In der Sprache der Studenten, besonders der sich als Gottes auserwählte Schar empfindenden Theologiestudenten, wird die Bezeichnung auf deren Feinde, die ‘Stadtsoldaten’ und ‘Polizisten’ (in Jena 1687, in anderen Universitätsstädten im 18. Jh. bezeugt), dann auf den ‘Nichtakademiker’ und den ‘im Berufsleben stehenden Alten Herrn’ übertragen. Von daher dringt das Wort in der 2. Hälfte des 18. Jhs. in die Literatursprache (Goethe) und steht für den ‘kleinbürgerlichen, beschränkten Geist, den Bürger mit enger, bedächtiger, ängstlicher Lebensauffassung, den Spießer’. philiströs Adj. ‘philisterhaft, kleinbürgerlich-engstirnig, beschränkt, spießig’ (19. Jh.), französierende Bildung.

Thesaurus

Synonymgruppe
bieder · ↗borniert · brav und bieder · ↗engstirnig · ↗kleinbürgerlich · ↗philisterhaft · ↗piefig · ↗provinziell · ↗spießbürgerlich · ↗spießerhaft  ●  ↗spießig  Hauptform · philiströs  geh., bildungssprachlich
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Vorurteil

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›philiströs‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er ist solide, sogar philiströs, am allerwenigsten kokett, hauptsächlich bescheiden.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 4005
Fast philiströs mutet es an, wie hinter den Stücktiteln die Komponisten angeführt werden.
Der Tagesspiegel, 24.08.2001
Daß die so philiströs nicht waren, steht auf einem andern Blatt, auf andern Blättern, in andern Gedichten.
Die Zeit, 28.10.1966, Nr. 44
Zugleich war sie auch als Erwiderung auf so manchen philiströsen Angriff zu verwenden.
Benjamin, Walter: Goethes Wahlverwandtschaften. In: Tiedemann, Rolf u. Schweppenhäuser, Hermann (Hgg.) Gesammelte Schriften, Bd. 1,2, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1980 [1925], S. 135
Proudhons Anarchie, mit ihrem philiströsen Inhalt und der Billigkeit des gesunden Menschenverstands, der diesem Inhalt entspricht, hat jedenfalls ein System Babbit-Bohème, auch Revolutionskitsch in sich.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 2, Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 131
Zitationshilfe
„philiströs“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/philiströs>, abgerufen am 19.06.2019.

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