nagen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungna-gen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›nagen‹ als Erstglied: ↗Nagetier · ↗Nagezahn  ·  mit ›nagen‹ als Letztglied: ↗abnagen · ↗annagen · ↗durchnagen · ↗herunternagen · ↗wegnagen
eWDG, 1974

Bedeutung

sehr kleine Stücke wiederholt von etw. abbeißen
Beispiele:
die Maus, eine Ratte hat am Brot genagt
der Hund nagte an einem Knochen
die Hasen haben die Rinde von den Bäumen genagt
er nagte (= biss) an der Unterlippe
bildlich
Beispiel:
die Brandung nagt am Ufer, an der Küste
übertragen
Beispiele:
salopp am Hungertuch nagen (= Hunger leiden, darben)
der Hunger nagte ihm in den Eingeweiden
nagender Hunger quälte ihn
gehoben eine schleichende Krankheit nagt an seiner Gesundheit
gehoben Ich, die den Tod seit Jahren fühle / Sich langsam nagend bis ans Herz [Droste-Hülsh.618]
etw. nagt an jmdm.etw. quält, peinigt jmdn. anhaltend
Beispiele:
der Kummer nagt an ihm, an seinem Herzen
Sorgen nagen an seiner Ruhe
leise Zweifel nagten an ihm
nagende Reue fühlen
Etzel ging tagelang mit nagenden Skrupeln herum [Wasserm.Maurizius113]
Zu dieser Fürsprache hatte den Obersten Jenatsch wohl ein nagender Gewissensbiß getrieben [C. F. MeyerJenatsch1,134]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nagen · Nager · Nagetier · Gnagi
nagen Vb. ‘kleine Stücke abbeißen, zerstörend wirken’. Das ehemals starke Verb ahd. gnagan (9. Jh.), nagan (11. Jh.; binagan, 9. Jh.), mhd. nagen, asächs. gnagan, mnd. gnāgen, aengl. gnagan, engl. to gnaw, anord. schwed. gnaga (germ. *gnagan) führt mit awest. aiwiγnixta- ‘angenagt, angefressen’, lett. gŋēga ‘wer mit langen Zähnen ißt’ auf eine Gutturalerweiterung der (nur in Erweiterungen auftretenden) Wurzel ie. *ghen- ‘zernagen, zerreiben, kratzen’ (s. auch ↗Gnitte, ↗Nisse). Daneben stehen Formen mit anlautendem k- in asächs. knagan (11. Jh.), mnd. knāgen, mnl. cnāghen, nl. knagen, die entweder eine parallele Wurzel ie. *gen- voraussetzen oder aus einem jüngeren, sich im Germ. vollziehenden affektisch bedingten Anlautwechsel zu erklären sind. Im Frühnhd. geht das Verb zur schwachen Flexion über. In jüngerer Sprache häufig in bildlichen Verwendungen wie Kummer nagt an ihm, nagender Schmerz, Zweifel. Nager m. ‘Nagender, Säugetier mit Nagezähnen’ (17. Jh.). In zoologischer Fachsprache Nagetier n. (18. Jh.). Gnagi n. schweiz. gepökelter Schweinsknochen, Haxe, Eisbein (19. Jh.), eigentlich Genage ‘(Knochen) zum Abnagen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abnagen · ↗kauen · nagen  ●  ↗fletschern  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
knabbern · ↗knuspern · nagen  ●  ↗mummeln  ugs. · ↗mümmeln  ugs. · schnurpseln  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ego Erosion Frust Grundfest Holzwurm Hummertuch Hungertuch Knochen Marder Nervenkostüm Psyche Ratte Raupe Rost Selbstbewußtsein Selbstvertrauen Selbstwertgefühl Selbstzweifel Termite Ungewißheit Unterlippe Wespe Wurm Zahn Zweifel abnagen annagen durchnagen herumnagen nagen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nagen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch der völlig verpatzte Start ins Jahr 2004 nagt tief an ihm.
Bild, 16.02.2004
Doch der Zahn der Zeit nagt an den historischen Bauten.
Die Welt, 20.11.2001
Überall Hunger, von dem ihr wortspielend sagtet, er sei nagend.
Grass, Günter: Die Rättin, Darmstadt: Luchterhand 1986, S. 176
Und die drei Hunde nagten an den Knochen des Kaninchens.
Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 38
Von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr, unablässig nagt die Zeit an der Straßenreklame.
Schalcher, Traugott: Die Reklame der Straße, Wien: C. Barth 1927, S. 376
Zitationshilfe
„nagen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/nagen>, abgerufen am 18.08.2019.

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