nachlassen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungnach-las-sen
Wortzerlegungnach-lassen
Wortbildung mit ›nachlassen‹ als Erstglied: ↗nachlässig  ·  mit ›nachlassen‹ als Grundform: ↗Nachlass · ↗nachgelassen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
etw. lässt nachetw. verliert an Stärke, Intensität, wird schwächer, geringer
Beispiele:
der Regen, Sturm, die Hitze hat nachgelassen
das Nasenbluten, Fieber, der Schmerz ließ nach
der Andrang ließ allmählich nach
sein Interesse, Eifer hat merklich nachgelassen
die Spannung lässt in dem Buch bald nach
im Alter lassen die Kräfte nach
umgangssprachlich, scherzhaft (o) Schmerz, lass nach! (= wird gesagt bei etw. Unangenehmem, das man mit Humor zu tragen versucht)
Ich setzte mich, um ein Nachlassen des Feuers abzuwarten [RennKrieg296]
jmd. lässt in etw. nach
Beispiele:
der Schüler hat in seinem Fleiß, seinen Leistungen in den letzten Wochen sehr nachgelassen
nicht nachlassen! (= aufmunternder Zuruf)
2.
etw. Gespanntes locker werden lassen
Beispiele:
der Kutscher ließ die Zügel etwas nach
Nich kanten ... nachlassen, Weber! [G. HermannKubinke40]
3.
umgangssprachlich den Preis von etw. herabsetzen
Beispiele:
weil der Stoff angeschmutzt war, wurden mir 10 Euro nachgelassen
er hat mir keinen Cent im Preis nachgelassen
4.
etw. erlassen, tilgen
Beispiele:
jmdm. den Rest der Schulden, Strafe nachlassen
Erst wenn mich der Bischof zum Priester geweiht hat, darf ich die Sünden nachlassen [KoeppenTod54]
5.
jmd. lässt mit etw. nicht nachjmd. geht nicht von einer Sache ab
Beispiel:
nun laß ich nicht eher nach, bis Sie mir gesagt haben, was es da zu verraten gibt [FalladaJeder stirbt427]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lassen · ablassen · unablässig · anlassen · Anlasser · Anlaß · anläßlich · veranlassen · auslassen · ausgelassen · einlassen · Einlaß · entlassen · Entlassung · erlassen · Erlaß · unerläßlich · hinterlassen · Hinterlassenschaft · nachlassen · Nachlaß · nachlässig · vernachlässigen · niederlassen · Niederlassung · überlassen · unterlassen · Unterlaß · verlassen · Verlaß · verläßlich · zulassen · zulässig
lassen Vb. ‘dulden, erlauben, bitten, veranlassen, daß etw. geschieht, unterlassen, aufhören mit etw., überlassen, geben, aufgeben’. Das gemeingerm., ehemals reduplizierende Verb ahd. lāʒan (8. Jh.), Kurzform lān, mhd. lāʒen, lān, asächs. lātan, mnd. mnl. lāten, nl. laten, aengl. lǣtan, engl. to let, anord. lāta, schwed. låta, got. lētan ist mit den unter ↗lasch und ↗lässig (s. d.) angegebenen Formen und außergerm. mit griech. lēdé͞in (ληδεῖν) ‘träge, müde sein’, lat. lassus (aus *lədto-) ‘laß, matt, müde, abgespannt’, alban. lodh ‘er ermüdet jmdn.’ und lit. léisti ‘(los)lassen, freilassen’ auf eine Wurzelerweiterung ie. *lē(i)d-, *ləd- der Wurzel ie. *lē(i)- ‘nachlassen’ rückführbar. ablassen Vb. ‘von etw., jmdm. abstehen, aufgeben, entweichen lassen, herniederlassen, (käuflich) überlassen’, ahd. oblāʒan (für gewöhnliches aba-) ‘erlassen, Nachlaß gewähren’ (8. Jh.), mhd. abelāʒen, auch ‘aufgeben, Abstand nehmen, losgehen lassen, entweichen lassen, niederlassen’; s. ↗Ablaß; unablässig Adj. ‘nicht ablassend, andauernd, ohne Unterbrechung’ (16. Jh.). anlassen Vb. ‘(Kleidung) nicht ablegen, eine Vorrichtung nicht ausschalten, einen Motor in Gang setzen’, reflexiv ‘beginnen, in Betrieb kommen’; vgl. ahd. analāʒan ‘hineinlassen, etw. über jmdn. (sich) kommen lassen’ (8. Jh.), mhd. anelāʒen ‘erfinden, angeben, loslassen, in Bewegung setzen’; Anlasser m. ‘Vorrichtung zum In-Gang-Setzen eines Motors, einer Maschine’ (älter Anlaßhebel, 19. Jh.), bei Elektromotoren ‘vorgeschalteter Widerstand, der ein langsames Anlaufen gewährleistet’ (um 1900); Anlaß m. ‘Ursache, Grund’, mhd. ane-, anlāʒ ‘Anfang, Beginn, Punkt, von dem ein Wettrennen ausgeht, Anreiz, Gelegenheit, Kompromiß’; anläßlich Präp. ‘bei Gelegenheit, aus Anlaß’ (19. Jh.), älter (selten) auch adjektivisch und adverbial (15. Jh.); veranlassen Vb. (schwach flektierend) ‘anregen, anordnen, bewirken’, frühnhd. ‘etw. auf jmdn. schieben, jmdn. für etw. auswählen’ (15. Jh.). auslassen Vb. ‘loslassen, weglassen, nicht beachten, (Kleider) verlängern, (Ärger, Zorn) Unschuldige entgelten lassen’, ahd. ūʒlāʒan ‘fortschicken, ausschütten, freilassen, nicht zurückhalten, vergießen, aussprechen, beenden’ (9. Jh.), mhd. ūʒlāʒen; ausgelassen Part.adj. ‘unbändig, hemmungslos’ (vgl. in älterer Sprache ausgelassener Trotz, ausgelassene Leidenschaft), ‘sehr fröhlich’, eigentlich ‘freigelassen’ (16. Jh.). einlassen Vb. ‘herein-, hineinlassen, einfügen’, reflexiv ‘auf etw. eingehen, mit jmdm. verkehren’, ahd. inlāʒan ‘hineinwerfen, einlassen’ (8. Jh.), mhd. īnlāʒen; Einlaß m. ‘das Hineinlassen, Öffnen, Eintritt, Tür’ (16. Jh., Einlaß begehren). entlassen Vb. ‘freigeben, verabschieden, (aus einem Amt) wegschicken, jmds. (Arbeits)vertrag aufkündigen’, ahd. intlāʒan ‘nachlassen, verzeihen, loslassen, lösen, entspannen, weichen’ (8. Jh.), mhd. entlāʒen ‘loslassen, fahrenlassen’, reflexiv ‘sich entfalten’; Entlassung f. ‘Freilassung, Verabschiedung, Entfernung aus einem Amt’ (17. Jh.). erlassen Vb. ‘in Kraft treten lassen, anordnen, von etw. befreien, eine Anordnung aufheben’, ahd. irlāʒan ‘unterlassen, befreien von’ (9. Jh.), mhd. erlāʒen ‘wovon freilassen’, reflexiv ‘auseinandergehen, sich enthalten, unterlassen’; Erlaß m. ‘Verfügung, Anordnung, Aufhebung’ (18. Jh.); unerläßlich Adj. ‘unbedingt erforderlich, nicht aufhebbar’ (17. Jh.). hinterlassen Vb. ‘(einem anderen) zurücklassen, etw. vererben’ (16. Jh.); Hinterlassenschaft f. ‘Zurückgelassenes, Erbe’ (19. Jh.). nachlassen Vb. ‘Spannung lockern, vermindern, schlechter werden, zurücklassen, Preise herabsetzen’, spätmhd. nāchlāʒen; Nachlaß m. ‘das Nachlassen’ (16. Jh.), ‘Hinterlassenschaft’ (18. Jh.), literarischer Nachlaß (19. Jh.); nachlässig Adj. ‘säumig, unzuverlässig, unordentlich’ (15. Jh.); vernachlässigen Vb. ‘nicht gehörig betreuen oder beachten’ (18. Jh., durch Lessing und Goethe verbreitet). niederlassen Vb. ‘von oben herunterlassen’, reflexiv ‘sich ansiedeln, einen festen Wohnsitz, ein Geschäft, eine Firma einrichten’, ahd. nidarlāʒan ‘sinken lassen, nach unten wenden, hinab-, herablassen, versenken’ (9. Jh.), mhd. niderlāʒen; Niederlassung f. ‘das Senken, Ansiedlung, Gründung eines geschäftlichen Unternehmens, Filiale’ (16. Jh.). überlassen Vb. ‘abtreten, übergeben, anheimstellen’ (15. Jh.). unterlassen Vb. ‘nicht tun, versäumen zu tun’, ahd. untarlāʒan (9. Jh.), mhd. underlāʒen ‘abstehen, nicht tun’; Unterlaß m. nur noch in der Fügung ohne Unterlaß ‘ohne Unterbrechung, unaufhörlich’, ahd. āno untarlāʒ, mhd. āne underlāʒ; vgl. ahd. untarlāʒ ‘Unterbrechung’ (9. Jh.), mhd. underlāʒ ‘das Innehalten, Unterbrechung, Beherbergen’, frühnhd. auch ‘Unterkunft, Lagerplatz’ (16. Jh.). verlassen Vb. ‘sich von einem Ort, von jmdm. entfernen, aufgeben, zurück-, alleinlassen’, reflexiv sich verlassen auf ‘vertrauen’, ahd. firlāʒan ‘entlassen, vorbei-, zurücklassen’ (8. Jh.), mhd. verlāʒen ‘fahrenlassen, fort-, loslassen, anbefehlen, verzeihen, zulassen, anvertrauen, hinterlassen, vertrauen’; Verlaß m. ‘Vertrauen, Zuverlässigkeit’ (19. Jh.), frühnhd. ‘Verabredung, Absprache’, auch ‘Hinterlassenschaft’, mhd. verlāʒ ‘Lässigkeit, Untätigkeit’; heute in der Wendung auf jmdn., etw. ist (kein) Verlaß, wohl aus dem Nd., vgl. dar is nien verlaat to (18. Jh.); verläßlich Adj. ‘zuverlässig’ (19. Jh.), dafür zuvor verlässig (18. Jh.). zulassen Vb. ‘gestatten, erlauben’, ahd. zuolāʒan ‘hinzulassen, zukommen lassen, zuschicken’ (10. Jh.), mhd. zuolāʒen; zulässig Adj. ‘erlaubt, gestattet’ (16. Jh.), ‘annehmbar, möglich’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) legen · geringer werden · kleiner werden · nachlassen · ↗verblassen · ↗verringern
Synonymgruppe
(die) Kraft verlieren · Ermüdungserscheinungen zeigen · ↗erlahmen · ↗lahmen · müde werden · nachlassen · schlechter werden · schwächer werden · sich verschlechtern  ●  ↗schwächeln  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) herunterfahren · ↗absenken · ↗dämpfen · ↗einschränken · ↗ermäßigen · ↗erniedrigen · ↗herabsetzen · herunterfahren mit · heruntergehen mit · ↗heruntersetzen · ↗kürzen · ↗mindern · nachlassen · ↗reduzieren · ↗schmälern · ↗senken · ↗unterbieten · ↗verkleinern  ●  ↗zurückfahren  fig. · herunter schrauben  ugs. · ↗herunterschrauben  ugs. · runterfahren  ugs. · ↗runtergehen  ugs.
Assoziationen
  • (stark) einbrechen  fig., variabel · (stark) sinken (Kurse, Preise)  Hauptform · ↗abstürzen  fig. · in den Keller rauschen  fig. · in den Keller gehen  ugs., fig.
  • (durch gewaltsamen Eingriff) stark vermindern · ↗dezimieren · ↗verringern
Synonymgruppe
abklingen · nachlassen (Sturm, Erregung)
Synonymgruppe
(schwer) nachlassen · ↗abbauen · an Kraft verlieren · kraftlos werden · nachlassen
Assoziationen
  • (den) Erwartungen nicht mehr gewachsen sein · (ganz schön) abgebaut haben · (schwer) nachgelassen haben · auch nicht mehr der sein, der man früher mal war
Synonymgruppe
(den) Anschluss verlieren · (den) Anschluss verpassen · abgehängt werden · ↗absteigen · an Boden verlieren · in Rückstand geraten · ins Hintertreffen geraten · nachlassen · nicht Schritt halten (können) · nicht hinterherkommen · nicht mitkommen · nicht nachkommen · ↗zurückbleiben · ↗zurückfallen  ●  ↗hinterherhinken  fig. · nicht mithalten (können)  Hauptform · (ganz schön) alt aussehen  ugs., salopp, fig. · ↗abbleiben  ugs. · auf der Strecke bleiben  ugs. · blass vor Neid werden  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) abschwächen · ↗abebben · ↗abflachen · ↗abflauen · ↗abklingen · ↗abnehmen · im Schwinden begriffen sein · nachlassen · schwächer werden · weniger werden · ↗zurückgehen
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
abbauen · am Ende seiner Kräfte sein · die Kräfte verlieren · ↗erlahmen · ↗ermatten · ↗ermüden · ↗erschlaffen · kraftlos werden · müde werden · nachlassen · nicht mehr (weiter) können · schlapp machen · ↗schlappmachen · ↗versagen  ●  ↗abkacken  derb · am Ende sein  ugs.
Assoziationen
  • erlahmen · ↗festfahren · ↗gleichbleiben · ins Stocken geraten · ins Stocken kommen · lahm liegen · ↗ruhen · ↗stagnieren · ↗stehen bleiben · ↗stillstehen · ↗stocken  ●  ↗einfrieren  fig. · auf Eis liegen  ugs., fig. · nicht weiterkommen  ugs.
  • nichts in den Armen haben  ●  Pudding in den Armen haben  ugs., fig. · nix inne Mauen haben  ugs., ruhrdt., veraltend, rheinisch
  • (die) Kraft verlieren · Ermüdungserscheinungen zeigen · ↗erlahmen · ↗lahmen · müde werden · nachlassen · schlechter werden · schwächer werden · sich verschlechtern  ●  ↗schwächeln  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Andrang Anspannung Anstrengung Aufmerksamkeit Begeisterung Bemühen Bemühung Bereitschaft Druck Dynamik Eifer Elan Inflationsdruck Intensität Interesse Konzentration Nachfrage Preisdruck Reformeifer Regen Schmerz Spannung Wachsamkeit Wind Wirkung allmählich langsam lassen merklich spürbar

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›nachlassen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn ich mich nicht täusche, läßt das Jucken schon nach.
Genazino, Wilhelm: Die Liebesblödigkeit, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2005, S. 76
Nach solchen Daten lässt das Interesse aber schnell wieder nach.
Süddeutsche Zeitung, 07.05.2003
Nach 60 bis 90 Minuten, so hat man uns gewarnt, lasse deren Wirkung nach.
Der Tagesspiegel, 20.04.2003
Sie war etwas gesprächiger, aber das ließ mit den Jahren nach.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 19
Nach der Revolution von 1830 ließ sein Erfolg schlagartig nach.
Martinotti, Sergio: Blangini. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1973], S. 3160
Zitationshilfe
„nachlassen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/nachlassen>, abgerufen am 19.08.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Nachlaßempfänger
Nachlassbewilligung
Nachlaßauktion
Nachlaßakte
Nachlass-Stundung
Nachlasser
Nachlassgericht
Nachlassgläubiger
nachlässig
nachlässigerweise