nachgerade

GrammatikAdverb
Aussprache
Worttrennungnach-ge-ra-de (computergeneriert)
Wortzerlegungnach2gerade2
eWDG, 1974

Bedeutung

umgangssprachlich
1.
allmählich, schließlich
Beispiele:
dieser Zustand droht nachgerade unerträglich zu werden
Man hatte die Hoffnung auf direkte Nachkommenschaft nachgerade aufgegeben [Th. MannKönigl. Hoheit7,21]
2.
geradezu, direkt
Beispiel:
seine Tat kann man nachgerade als Verbrechen bezeichnen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nach · nachahmen · nachdem · nacheinander · nachgerade · nachhaltig · Nachnahme · Nachricht · Nachruf · Nachtisch · Nachtrag · Nachwelt · Nachwort
nach Adv. Präp. (mit Dativ), zur Bezeichnung einer Richtung und eines räumlichen oder zeitlichen Nacheinanders. Ahd. nāh Adv. ‘nahe, beinahe, danach’, Präp. ‘nahe, bei, hinter, gemäß’ (8. Jh.), mhd. nā(ch), mnd. mnl. , nl. na, aengl. nēah, afries. nēi, , got. nēƕa (germ. *nēhwa-) gehört zu dem unter ↗nahe (s. d.) behandelten Adjektiv und ist von diesem zunächst auch in der Bedeutung nicht zu trennen. Auszugehen ist von adverbiellem Gebrauch bei Verben der Bewegung ‘in die Nähe von etw.’, woraus sich ‘auf etw. zu’ bzw. (bei beweglichem Ziel) ‘hinterher’ entwickelt; in der Übertragung auf Zeitliches steht nach als Gegenwort zu vor. Oft in Präfixverben (nachfahren, -kommen) und in festen Verbindungen (nach wie vor ‘noch immer’, nach und nach ‘allmählich’). nachahmen Vb. ‘nachmachen, imitieren, zu kopieren suchen’ (16. Jh.), eigentlich ‘nachmessen’, zu mhd. āmen ‘visieren, eichen’, abgeleitet von mhd. āme, (md.) ōme ‘(Flüssigkeits)maß’, nhd. (heute unüblich) ↗Ohm (s. d.), entlehnt aus mlat. ama ‘(Wein)maß, Faß’, lat. ama, hama ‘Feuereimer’, griech. ámē (ἄμη) ‘Schaufel, Eimer’. nachdem Konj. Adv. ‘später als, nach dieser Zeit’, frühnhd. noch mit Getrenntschreibung nach dem (15. Jh.); statt des Dativs steht in älterer Sprache der Instrumental ahd. nāh diu ‘so wie, nachdem, dementsprechend, wonach’. nacheinander Adv. ‘einer nach dem andern, hintereinander’ (15. Jh.). nachgerade Adv. ‘allmählich, schließlich, direkt, geradezu’, im 17. Jh. aus dem Nd. ins Hd. aufgenommen, vgl. mnd. nāgerāde, auch nārāde ‘allmählich’, dieses aus mnd. und vielleicht mnd. rāt ‘Reihe, Reihenfolge, Ordnung’ (vgl. anord. rǫð ‘Reihe’), also eigentlich ‘nach der Reihe’ und daher ‘allmählich’. nachhaltig Adj. ‘lange nachwirkend, ausdauernd’ (18. Jh.), zu nachhalten ‘anhaltend wirken, von längerer Dauer sein’ (18. Jh.), älter ‘nachfolgen, nachstellen, nachträglich vorhalten’ (16. Jh.), und veraltetem Nachhalt ‘Rückhalt, Reserve’ (18. Jh.). Nachnahme f. ‘im Frachtbrief vermerkte Auslagen und Spesen, die der Empfänger nachträglich zu zahlen hat’ (1. Hälfte 19. Jh.), danach im Postwesen (1870) ‘Erhebung einer Geldsumme (Rechnungsbetrag, Gebühr) bei Aushändigung einer Postsendung’ (anstelle von frz. remboursement); zu nachnehmen ‘nachträglich nehmen’. Nachricht f. ‘Mitteilung’ (um 1600), älteres, vom 16. bis 18. Jh. bezeugtes Nachrichtung ‘wonach man sich zu richten hat, Anweisung’ allmählich verdrängend. Nachrichten Plur. ‘(über Rundfunk, Fernsehen gesendete) aktuelle, besonders politische Meldungen’ (20. Jh.). Nachruf m. ‘Würdigung eines Verstorbenen, Nekrolog’ (19. Jh.); zuvor von Zesen 1648 als Verdeutschung für Echo empfohlen. Nachtisch m. ‘Nachspeise’ (16. Jh.). Nachtrag m. ‘Zusatz, Ergänzung’ (18. Jh.). Nachwelt f. ‘kommende Generationen’ (17. Jh.) Nachwort n. ‘Schlußwort mit Erläuterungen für ein Buch’ (19. Jh.), frühnhd. auch ‘nachträglich hinzugefügtes Wort, Nachrede’, mhd. nāchwort ‘nachträglich geltend gemachte Forderung’ (14. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
buchstäblich · ↗förmlich · mehr oder weniger · nachgerade · nur so · ↗praktisch · ↗richtiggehend  ●  ↗geradezu  ugs. · ↗regelrecht  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
direkt · ↗durchaus · ↗einfach · gerade · ↗geradewegs · ↗geradezu · ↗glatt · ↗glattweg · glattwegs · ↗platterdings · reinewegs · ↗reinweg · reinwegs · ↗rundweg · ↗schier · schlankwegs · ↗schlechtweg · schlechtwegs · ↗schlicht · schlicht und einfach · ↗schlichtweg · schlichtwegs  ●  ↗direktemang  ugs. · ↗freilich  ugs., süddt. · geradezus  ugs., regional · gradweg  ugs. · nachgerade  geh. · ↗rein  ugs. · ↗schlankweg  ugs. · ↗schlechterdings  geh., veraltend · ↗schlechthin  geh.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Durch sein virtuoses Spiel entlockt er dem Stück nachgerade theatralische Wirkungen.
Der Tagesspiegel, 27.08.2004
Zum Fürchten sah er nicht aus, nachgerade liebenswert auch nicht.
Die Zeit, 09.10.1981, Nr. 42
Es konnte nachgerade jeden Tag kommen, aber es kam nicht.
Haffner, Sebastian: Geschichte eines Deutschen, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 2000 [1939], S. 226
Es ist nachgerade Zeit für Sie, sich an den Ernst des Lebens zu gewöhnen.
Wassermann, Jakob: Caspar Hauser, Berlin: Aufbau-Verl. 1987 [1908], S. 272
Sie trieb nachgerade einen Kult mit diesem Buch und mit dem Autor.
Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 196
Zitationshilfe
„nachgerade“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/nachgerade>, abgerufen am 18.07.2019.

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