närrisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungnär-risch (computergeneriert)
WortzerlegungNarr-isch
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
etwas verrückt, sonderbar, merkwürdig (und lächerlich wirkend), töricht
Beispiele:
er ist ein närrischer Kauz
bist du närrisch? (= nicht recht bei Verstand?)
ein närrischer Einfall
ich habe närrisches (= unsinniges) Zeug geträumt
närrisches Zeug reden
am Ende müßten Sie doch nur denken, daß ich eine närrische, überspannte Person bin [NablOrtliebsche Frauen191]
Er beträgt sich ... närrisch, damit ihm die Kinder nachlaufen und ihn verhöhnen [BahrHimmelfahrt332]
lustig und etwas verrückt
Beispiele:
sie war rein, ganz närrisch vor Freude, Glück
als sie erfuhr, daß bei alledem noch zwei Zwergobstbäume darauf stünden, wurde sie rein närrisch [G. Hauptm.Bahnw. Thiel4,34]
überaus groß, übermäßig
Beispiele:
närrische Freude empfinden
sich närrisch freuen
ich hatte in meiner närrischen Liebe zu Kätta viele unverbesserliche Fehler begangen [AndresLiebesschaukel63]
auf etw., jmdn. närrisch seinfür etw., jmdn. eine übertriebene Vorliebe haben, auf etw., jmdn. versessen sein
Beispiele:
auf dieses Gericht bin ich ganz närrisch
sie ist ganz närrisch auf Kinder [BöllWort99]
2.
Beispiele:
das närrische Treiben (= das Treiben der Narren) in der Fastnachtszeit
die närrische Zeit (= Fastnachtszeit) rückt immer näher
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Narr · Narrenhaus · Narrenkappe · narren · vernarren · närrisch · Narrheit · Narretei
Narr m. ‘Tor, einfältiger Mensch’. Die Herleitung von ahd. narro (8. Jh.), mhd. mnd. narre, nhd. (bis um 1800) Narre (nl. nar, dän. nar, schwed. narr sind aus dem Dt. entlehnt) ist unklar. Vielleicht ist ahd. narro eine Entlehnung aus spätlat. *nario ‘Nasenrümpfer, Spötter’? Oder gehört das Wort mit frühnhd. narren, nerren ‘knurren’ (15. Jh.) sowie ↗nörgeln, (mit s-Anlaut) ↗schnarren, ↗schnurren (s. d.) zu der schallnachahmenden Wurzel ie. *(s)ner-, *(s)nur- ‘murren, knurren’? Das Substantiv bezeichnet in früherer Zeit auch den Geisteskranken, vgl. Narrenhaus n. ehemals ‘Käfig zur Schaustellung Geisteskranker’ (15. Jh.), ‘Räumlichkeit zur Verwahrung Geisteskranker’ (17. Jh.), Narrenkappe f. ‘Schellenkappe’ (15. Jh.), ↗Hofnarr (s. d.). Hierzu die Wendung an jmdm. einen Narren gefressen haben ‘närrische Vorliebe für jmdn. haben’ (16. Jh.). narren Vb. ‘irreführen, täuschen’ (16. Jh.); vgl. ahd. irnarrēn ‘sich der Torheit überlassen’ (10. Jh.), spätmhd. ernarren ‘zum Narren werden, sich wie ein Narr benehmen’. vernarren Vb. (reflexiv) ‘sich für etw. beigeistern, sich heftig verlieben’ (16. Jh.), mhd. vernarren ‘ganz zum Narren, zum Toren werden’. närrisch Adj. ‘unvernünftig’, mhd. nerrisch, auch ‘verkehrt’. Narrheit f. ‘närrischer Streich, Einfalt, Dummheit’ (16. Jh.); vgl. ahd. narrraheit ‘törichtes Benehmen’ (8. Jh.) und mhd. narrecheit. Narretei f. ‘Scherz, Posse, übermütiges Treiben, Unsinn’, Narr(e)they (Anfang 17. Jh.), hervorgegangen aus Narrenteiding ‘Verhandlung der Narren, Narrengeschwätz, Torheit’ (16. Jh.); zum Grundwort s. ↗verteidigen.

Thesaurus

Synonymgruppe
affig · ↗albern · ↗dämlich · ↗lachhaft · ↗lächerlich · ↗läppisch · ↗neckisch · nicht ernst zu nehmen · närrisch · unfreiwillig komisch  ●  (jemandem) zu blöd  ugs. · ↗blöd  ugs. · flachsinnig  ugs. · pillepalle  ugs. · ↗ridikül  geh., veraltend · zum Piepen  ugs. · zum Schreien  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Brauchtum Dreigestirn Einfall Frohsinn Fußvolk Gemüt Grundgesetz Hitparade Hochburg Jahreszeit Kauz Liebhaber Lindwurm Nest Orden Parade Ritter Saison Session Staatsakt Treiben Tun Umzug Untertan Verliebtheit Weib Weinprobe Weisheit gebärden geradezu

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›närrisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die närrischen Jecken befürchten, neben Heidi im Abseits zu stehen.
Bild, 23.02.2000
Da jeder auf sich selbst zurückgeworfen wird, ist die närrische Welt nicht in Ordnung.
Der Tagesspiegel, 26.05.1998
Zwar beginnt das »Närrische Jahr« bereits am 11. 11. um 11.11 Uhr abends.
Schwarz, Peter-Paul (Hg.), Gepflegte Gastlichkeit, Wiesbaden: Falken-Verl. Sicker 1967, S. 251
Alles ist ausgelassen lustig, einige gebärden sich gar fast närrisch vor Freude darüber, daß sie ihre drei Jahre nun abgerissen haben.
Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 44870
Wir sind besiegt worden, weil wir närrisch genug waren, an dieses Volk zu glauben.
Mann, Heinrich: Der Untertan, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1918], S. 101
Zitationshilfe
„närrisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/närrisch>, abgerufen am 19.05.2019.

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