mutmaßen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungmut-ma-ßen (computergeneriert)
eWDG, 1974

Bedeutung

veraltend etw. annehmen, vermuten
Beispiele:
er mutmaßte, dass ...
Da Mirsky nicht zurückgekehrt war, hatte der Stab gemutmaßt, die Kundschafterpatrouille sei vom Feinde abgefangen oder vernichtet [U. BecherMänner135]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mut · Unmut · mutig · muten · vermuten · vermutlich · Vermutung · zumuten · Zumutung · mutmaßen · mutmaßlich · Mutwille · mutwillig · Übermut · übermütig
Mut m. ‘Kühnheit, Unerschrockenheit’, ahd. muot ‘Kraft des Denkens, Seele, Herz, Gemütszustand, Gesinnung, Gefühl, Absicht, Neigung’ (8. Jh.), mhd. muot, asächs. mōd, mnd. mōt, můt, mnl. moet, nl. moed, afries. aengl. mōd, engl. mood ‘Stimmung, Laune’, anord. mōðr ‘Zorn, aufgeregter Sinn’, schwed. mod ‘Mut, Beherztheit’, got. mōþs ‘Zorn’ (germ. *mōþa-). Vielleicht sind vergleichbar griech. mṓsthai (μῶσθαι) ‘streben, trachten, verlangen’, lat. mōs ‘zur Regel gewordener Wille, Sitte, Brauch’ (s. ↗Moral), so daß auf eine Wurzel ie. *mē-, *mō-, *mə- ‘heftigen und kräftigen Willens sein, heftig streben’ zurückgegangen werden kann. Mut bezeichnet ursprünglich die inneren Triebkräfte, Gemütszustände, Erregungen und Empfindungen des Gefühls im Gegensatz zum Verstand. Vom 16. Jh. an setzt sich die verengte Bedeutung ‘kühne und unerschrockene Haltung gegenüber Wagnis und Gefahr’ durch. Dazu mit negierendem ↗un- (s. d.) Unmut m. ‘Ärger, Mißstimmung’, ahd. unmuot n. ‘Betrübnis’ (um 1000), mhd. unmuot m. ‘Mißstimmung, Zorn’, mnd. unmōt n. m., aengl. unmōd n. mutig Adj. ‘tapfer, kühn’, mhd. muotec, muotic ‘beherzt, kühn’, asächs. mōdag ‘zornig, aufgeregt’, aengl. mōdig ‘aufgeregt, mutig’, got. mōdags ‘zornig’. muten Vb. ‘etw. begehren, verlangen, seinen Sinn auf etw. richten’, ahd. muoten (9. Jh.), muotōn (um 1000), mhd. muoten; seit etwa 1800 als Simplex ungebräuchlich. vermuten Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’ (16. Jh.), mnd. vormōden; vermutlich Adj. ‘wahrscheinlich’ (16. Jh.); Vermutung f. ‘Annahme’ (16. Jh.). zumuten Vb. ‘unbilligerweise etw. von jmdm. verlangen’, mhd. zuomuoten; Zumutung f. (15. Jh.). mutmaßen Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’, spätmhd. muotmāʒen ‘abschätzen’, zu spätmhd. muotmāʒe ‘Teilung nach Angemessenheit, Abschätzung’; mutmaßlich Adj. ‘der Annahme gemäß’ (18. Jh.). Mutwille m. ‘Absicht’, ahd. muotwillo ‘eigener freier Entschluß’ (8. Jh.), mhd. muotwille; mutwillig Adj. ‘absichtlich, leichtfertig’, mhd. muotwillec ‘dem eigenen (guten oder bösen) Willen folgend’. Übermut m. ‘Ausgelassenheit, Anmaßung, Überheblichkeit’, ahd. ubarmuot (um 1000), mhd. übermuot ‘stolzer, hochfahrender Sinn’; übermütig Adj. ‘ausgelassen, leichtsinnig, fröhlich’, ahd. ubarmuotīg (8. Jh.), mhd. übermüetec ‘stolz, hochfahrend gesinnt, heldenmütig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(von etwas) ausgehen · ↗annehmen · ↗denken · ↗erwarten · ↗glauben · ↗meinen · mutmaßen · ↗vermuten  ●  tippen auf  fig. · ↗schätzen  ugs. · zu wissen glauben  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
Mutmaßungen anstellen · Vermutungen anstellen · ↗annehmen · mutmaßen · ↗spekulieren
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Analyst Anwältin Augur Banker Beobachter Beweggrund Boulevardzeitung Branchenbeobachter Branchenblatt Branchenkenner Börsianer Ermittler Experte Fahnder Finanzkreis Forscher Insider Kenner Kommentator Kritiker Marktteilnehmer Sicherheitsexperte Skeptiker Spötter Volkswirt Zeitungsbericht neulich rätseln unlängst vielleicht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›mutmaßen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Jury fühlte sich offenbar motiviert dazu, zu vergleichen ", mutmaßte Raab.
Die Zeit, 03.06.2013 (online)
Ob dann der Erfolg eher eingekehrt wäre, darüber kann man jetzt nur aufgrund der Ergebnisse mutmaßen.
Bild, 27.05.1999
Möglich wäre etwa ein Abschälen der Haut, mutmaßen die Wissenschaftler.
Der Tagesspiegel, 16.10.1997
Wir mutmaßten einen Sack, einen Keller mit Vorräten für die unsichtbaren Angestellten.
Seghers, Anna: Transit, Gütersloh: Bertelsmann 1995 [1943], S. 203
Die Opposition mutmaßt, dass große Geldsummen von Schwarzkonten des CDU-Landesverbands in deren Wahlkampf geflossen seien.
o. A. [rop]: Wahlprüfung. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [2000]
Zitationshilfe
„mutmaßen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/mutmaßen>, abgerufen am 26.04.2019.

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