moralisieren

GrammatikVerb · moralisierte, hat moralisiert
Aussprache
Worttrennungmo-ra-li-sie-ren (computergeneriert)
HerkunftLatein
WortzerlegungMoral-isieren
Wortbildung mit ›moralisieren‹ als Letztglied: ↗demoralisieren
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
moralische Betrachtungen anstellen
Beispiel:
Über dies ernste Sein ... namens des Lebens und des Fortschritts moralisieren zu wollen, wäre Philisterei [Th. Mann11,212]
2.
jmdm. Moral predigen
Beispiele:
du sollst nicht immer moralisieren!
jedes Moralisieren fordert den Jugendlichen zum Widerspruch heraus
die Erzählung hat eine moralisierende Tendenz
sie moralisierte auf eine unangenehme und befremdende Weise [JohoWendemarke149]
3.
Beispiel:
die moralisierende (= die Moral verbessernde) Kraft der Gesetze
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Moral · moralisch · Moralist · moralisieren · demoralisieren · Mores
Moral f. ‘gesellschaftlich bedingtes System geltender Normen und Regeln sittlichen Verhaltens’ (18. Jh.), älter ‘aus einem Beispiel zu ziehende sittliche Nutzanwendung und Lehre’ (16. Jh., vgl. die Wendung die Moral von der Geschichte, 19. Jh.), danach ‘Sittenkunde, -lehre’ (17. Jh.). Auszugehen ist von lat. mōrālis ‘die Sitten betreffend’, einer Ableitung von lat. mōs (Genitiv mōris) ‘zur Regel gewordener Wille, auf innerer Gesinnung beruhende, gewohnheitsmäßige Tätigkeit, Sitte, Brauch’ (etymologisch verwandt mit ↗Mut, s. d.). Das im 16. Jh. geltende Neutrum Morale (entsprechend substantiviertem lat. mōrāle n.), Plur. Moralia, gerät im 17. Jh. unter den Einfluß von frz. la philosophie morale (nach lat. philosophia mōrālis) und wechselt zum fem. Genus über. moralisch Adj. ‘der Moral entsprechend, sittlich’ (16. Jh.). Moralist m. ‘Sittenlehrer, Moralphilosoph’, abschätzig ‘Sittenprediger’ (17. Jh.), frz. moraliste. moralisieren Vb. ‘sittliche Überlegungen anstellen’, abschätzig ‘als Sittenprediger auftreten’ (16. Jh.), frz. moraliser; demoralisieren Vb. ‘sittlich zersetzend wirken’ (18. Jh.), frz. démoraliser. Mores Plur. ‘Anstand, Benehmen, Lebensart’ (15. Jh.), lat. mōrēs Plur. (s. oben), zuerst in der humanistischen Schulsprache verbreitet; jmdn. Mores lehren ‘jmdn. zurechtweisen’ (16. Jh.).

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Kritik wird als etwas gehandelt, das nur einen Weg zulässt, nämlich den, kritiklos zu moralisieren.
Die Zeit, 07.10.1999, Nr. 41
Und ich hatte sie in der Tat mit Schuld und Moral konfrontiert, obwohl ich immer vermieden habe, moralisierend zu werden.
Süddeutsche Zeitung, 08.03.1997
Er erzählte und bestaunte, kritisierte und moralisierte, kritzelte und kleckste.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 421
Dennoch werden sie noch nicht in ihrer Selbständigkeit erkannt, seine Ästhetik bleibt teils verstandesmäßig teils moralisierend.
Vorländer, Karl: Geschichte der Philosophie. In: Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 7712
Ich fände das zwar nicht schlimm, aber es geht uns darum, Facetten des sexuellen Lebens zu zeigen, ohne zu moralisieren.
Der Spiegel, 31.10.1994
Zitationshilfe
„moralisieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/moralisieren>, abgerufen am 19.04.2019.

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