mondsüchtig

GrammatikAdjektiv
Worttrennungmond-süch-tig
WortzerlegungMond-süchtig
eWDG, 1974

Bedeutung

an Mondsucht leidend
Beispiele:
Er erzählte mir, wie die Mondsüchtigen nachts auf den Dächern herumlaufen [RennKindheit27]
Mieke war mondsüchtig. In den Vollmondnächten war sie voll Unruhe [FusseneggerAntlitz48]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mond · mondsüchtig · Mondkalb · Mondfinsternis
Mond m. ‘der die Erde umkreisende Himmelskörper’, dann überhaupt (seit dem 18. Jh.) ‘Trabant eines Planeten’. Die in der Wurzelsilbe miteinander ablautenden n-Stämme (germ. *mēnan-) mit der Bedeutung ‘Mond’ ahd. māno (8. Jh.), mhd. mān(e), mōn(e) ‘Mond, Monat’, asächs. māno, mnd. mnl. māne, nl. maan, afries. aengl. mōna, engl. moon, anord. māni, schwed. måne, got. mēna (germ. *mēnan-) stehen neben den unter ↗Monat (s. d.) aufgeführten Formen. Sie haben sich wohl durch Abfall des Dentals und Übertritt in die Flexion der n-Stämme in gleicher Weise aus der Ausgangsform ie. *mēnōt- (s. ↗Monat) entwickelt wie die unter ↗Neffe (s. d.) angeführten germ. Formen aus ie. *nepōt-. Die vergleichbaren außergerm. Bildungen für ‘Mond, Monat’ weisen ursprünglich fast alle ein -s- auf. Aind. mā́ḥ ‘Mond, Monat’, griech. mḗnē (μήνη) ‘Mond’, eine Ableitung von griech. mḗn (μήν) ‘Monat’, auch ‘Mondsichel’, lat. mēnsis ‘Monat’, air. ‘Monat’, lit. ménesis, (mundartlich) ménas ‘Mond, Monat’, aslaw. mĕsęcь, russ. mésjac (месяц) ‘Mond, Monat’ führen auf ie. *mēnes-, *mēns-, *mēs- ‘Monat, Mond’, das ebenso wie ie. *mēnōt- (s. oben) zur Wurzel ie. *mē- ‘messen’ (s. ↗Mal) gehört, so daß der Mond als ‘Zeitmesser’ zu erklären ist. Die Form nhd. Mond entsteht im 14. Jh. durch Vermischung von mhd. mōn(e) und mhd. mānōt, mōnōt (s. ↗Monat), breitet sich aber (obwohl von Luther verwendet) erst im 17. Jh. aus. Mond im Sinne von ‘Monat’ ist bis in die Gegenwart literarisch bezeugt. mondsüchtig Adj. ‘bei Mondschein schlafwandelnd’ (18. Jh.), älter mon-, mansuchtig (15. Jh.), monsüchtig (Luther) für lat. lūnāticus ‘auf dem Mond lebend, dem Mondwechsel unterworfen’; vgl. ahd. mānōdsioh (s. ↗Monat). Mondkalb n. ‘Mißgeburt’, zunächst einer Kuh (16. Jh.), bedingt durch den Aberglauben, der Mond habe Einfluß auf Geburten; dann allgemein als Schimpfwort. Mondfinsternis f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
mondsüchtig · schlafwandelnd · ↗somnambul
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So unauffällig schrill, so behutsam exzentrisch, so mondsüchtig rücksichtslos darf man sich vor einer Kamera eben nicht benehmen.
Die Zeit, 22.05.1981, Nr. 22
Als halber Analphabet, mondsüchtig und somnambul schlingert er durch die Geschichte.
Die Welt, 17.07.2004
Bleich und mondsüchtig liegt auf der Anhöhe über der Stadt das Hotel.
Tucholsky, Kurt: In der Geburtsstadt Fragonards. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1924], S. 22047
Wenn Sie selbst mondsüchtig werden wollen, schauen Sie einfach auf den Bilderbogen der Poesie.
Der Tagesspiegel, 06.09.2002
Er lernt eine arme mondsüchtige Malerin kennen, nimmt sie mit in den Spielsaal und gewinnt unter ihrem Einfluß.
Schuhmann, Otto: Meyers Opernbuch, Leipzig: Bibliograph. Inst. 1938 [1935], S. 893
Zitationshilfe
„mondsüchtig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/mondsüchtig>, abgerufen am 20.10.2019.

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