mitteln

GrammatikVerb · mittelt, mittelte, hat gemittelt
Aussprache
Worttrennungmit-teln
GrundformMittel
Wortbildung mit ›mitteln‹ als Erstglied: ↗Mittelsleute · ↗Mittelsmann · ↗Mittelung · ↗Mittlung
 ·  mit ›mitteln‹ als Letztglied: ↗ausmitteln
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
jmd. mittelt etw.den Mittelwert bilden, bestimmen, auf den Durchschnittswert bringen
Beispiele:
Es [das Messgerät] misst den Ausstoß verschiedener Abgaskomponenten. Verschiedene Prüfer fahren das Auto zu verschiedenen Tageszeiten auf derselben Strecke. Am Ende werden die Werte gemittelt. [Die Zeit, 06.01.2018 (online)]
Der Blattfall der Buchen begann in diesem Jahr an vielen Orten der Schweiz schon ab Mitte Oktober. Über alle Stationen gemittelt, fand er rund eine Woche früher statt als im Durchschnitt der Vergleichsperiode 1981-2010. [Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2017]
Wie der Wetterdienst […] mitteilt, lagen die Temperaturen von März bis Mai gemittelt eineinhalb bis zwei Grad über dem langjährigen Durchschnitt […]. [Der Standard, 11.06.2012]
So einfach darf man das nicht rechnen, weil man das [Weltsozialprodukt] über die Jahrzehnte mitteln muss. [Süddeutsche Zeitung, 05.05.2007]
Empirische Untersuchungen zeigen, daß die hohe Korrelation zwischen Geldmengenwachstumsraten und Inflation erst dann erkennbar wird, wenn die Raten über etwa zehn Jahre gemittelt werden. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2004]
Will man die Schwierigkeit eines Testes für verschiedene soziologische Gruppen angeben, so braucht man nur den Mittelwert dieser Gruppen zur höchstmöglichen Punktzahl in Beziehung zu setzen und als Prozentwert auszudrücken. Man braucht also nicht die Schwierigkeitsindizes neu zu bestimmen und arithmetisch zu mitteln. [Lienert, Gustav A.: Testaufbau und Testanalyse, Weinheim: Beltz 1961, S. 125]
sich mitteln (= sich als Mittelwert ergeben)
Beispiel:
Bei weiterem Ausbau der Windkraft ist es ein leichtes, auf Ausfallzeiten mit der kostengünstigeren Wasserkraft aus Skandinavien zu reagieren. Hinzu kommt, daß die Schwankungen im Windstromangebot weniger dramatisch und leichter voraussehbar sind, als man denkt. Da niemals in allen Regionen gleichzeitig der Wind ausfällt, mitteln sich die Schwankungen im Verbund aller Windkraftanlagen. [Die Zeit, 13.08.1998, Nr. 34]
2.
zwischen zwei Dingen, Beteiligten vermitteln (Lesart 2), eine Verbindung schaffen
Beispiele:
Der Sprachmittler und die Sprachmittlerin sind Menschen, die zwischen Kulturen mitteln, indem sie Sprache aus den Zeichen eines Sinns in einen anderen Sinn und diesen in andere Zeichen transferieren. [Die Zeit, 18.01.2017 (online)]
Sie gehören zu den Paten des Freundschaftsvertrags zwischen dem holländischen und deutschen Fussballverband, der für ein besseres Verständnis unter Nachbarn steht[…]. Könnte ein ähnlicher Kontrakt auch zwischen den alten Kriegsgegnern Südkorea und Japan mitteln? [Neue Zürcher Zeitung, 22.10.2002]
Unsere »Ordnungen«, Gesetze und Moralen rechnen mit lauter Extremen[…]. Und jede Reform muß, wenn sie praktisch wirksam sein soll, mittelnd einsetzen. Sie muß mitteln zwischen dem Idol in reinster Gestalt, das auf einer Seite errichtet und nicht erreicht ist, und zwischen dem anarchischen Chaos, in dem die ungelösten Probleme und unerfüllten Bedürfnisse der Gesellschaft gestaltlos umhertreiben. [Meisel-Hess, Grete: Die sexuelle Krise. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001, S. 49272. Zitiert nach: Meisel-Hess, Grete: Die sexuelle Krise, Jena: Diederichs 1909.]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mittel · mittels(t) · bemittelt · mittellos · mitteln · vermitteln · ermitteln · übermitteln
Mittel n. ‘Durchschnitt(swert), Hilfe, Maßnahme, Arznei’, mhd. mittel ‘Mitte, Mittel, Vermittlung, was trennend und hindernd in der Mitte steht’, mnd. mnl. nl. middel, engl. middle sind Substantivierungen des unter ↗mittel (s. d.) abgehandelten Adjektivs. Mittel bezeichnet, dem Gebrauch des Adjektivs folgend, ursprünglich ‘die Mitte, den in der Mitte befindlichen Teil oder Punkt’, dann ‘die Mitte zwischen zwei Gegensätzen’, auch ‘das Hindernis, das Trennende zwischen ihnen’ sowie ‘die Möglichkeit, das Hindernis zu überwinden, ans Ziel zu gelangen’, schließlich auch ‘das, was zur Erreichung eines Zweckes geeignet ist bzw. zur Verfügung steht’. Daher steht (seit dem 17. Jh.) der Plural die Mittel ohne nähere Bestimmung für ‘Besitz, Vermögen, Kapital, Geld’. mittels(t) Präp. ‘mit Hilfe von, durch’ (17. Jh.), entstanden aus dem Subst., das nach Verlust einer einleitenden Präp. in Fügungen wie frühnhd. bei, durch (was) mittel(s) selbst zur Präp. wird; mittels ist ein erstarrter (partitiver) Genitiv, teilweise um ein unorganisch angetretenes -t erweitert. bemittelt Part.adj. ‘vermögend, mit Besitz versehen’ (17. Jh.). mittellos Adj. ‘ohne Vermögen, arm’ (19. Jh.). mitteln Vb. ‘zwei Hälften machen, die Mitte festsetzen, vermitteln’; mhd. mitteln ‘in die Mitte stellen, vermitteln’, heute fast nur noch in den Präfixkomposita vermitteln ‘schlichten, zwischen zwei Seiten ausgleichen, zu etw. verhelfen’, mhd. vermitteln ‘hindernd dazwischentreten’, ermitteln ‘herausfinden’ (19. Jh.), übermitteln ‘weitergeben’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Durchschnitt berechnen · mitteln
Oberbegriffe
  • sonstige Verben

Typische Verbindungen
computergeneriert

ausmitteln herausmitteln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›mitteln‹.

Zitationshilfe
„mitteln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/mitteln>, abgerufen am 22.08.2019.

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