menschlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungmensch-lich (computergeneriert)
WortzerlegungMensch1-lich
Wortbildung mit ›menschlich‹ als Erstglied: ↗Menschlichkeit  ·  mit ›menschlich‹ als Letztglied: ↗allgemeinmenschlich · ↗außermenschlich · ↗unmenschlich · ↗widermenschlich · ↗zwischenmenschlich · ↗übermenschlich
 ·  mit ›menschlich‹ als Grundform: ↗Menschliche · ↗vermenschlichen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
dem Menschen eigentümlich, zum Menschen gehörend, den Menschen betreffend
a)
dem Menschen als Vertreter der Gattung eigentümlich
Beispiele:
der menschliche Körper, Geist, Charakter
das menschliche Gehirn, Leben
die menschliche Gestalt, Natur, Ernährung, Sprache
die menschlichen Bedürfnisse
menschliche Gebrechen
die menschliche Gesellschaft, Umwelt
(die) menschliche Arbeit
eine menschliche Ansiedlung, Behausung
die menschliche Würde, Größe, Schwäche
der Unfall ist auf menschliches Versagen zurückzuführen
salopp, scherzhaft, verhüllend ihm ist etw. Menschliches passiert, zugestoßen (= er hat ungewollt an unpassender Stelle eine Blähung abgehen lassen, seine Notdurft verrichtet)
umgangssprachlich, scherzhaft er verspürte ein menschliches Rühren (= Hunger) (= den Drang, seine Notdurft zu verrichten)
sprichwörtlich Irren ist menschlich
Erst einundzwanzig Jahre alt, war er im Kriege ein Mann geworden ... dem auch nichts Menschliches mehr fremd zu sein schien [BredelEnkel629]
im Hinblick auf gewisse Begrenzungen der Fähigkeiten des Menschen
Beispiele:
nach menschlichem Ermessen (= soweit man absehen kann) kann dabei nichts passieren
nach menschlicher Berechnung, Voraussicht
das ist für menschliche Begriffe unmöglich
das ist (nur zu) menschlich (= verständlich, obwohl es eine Schwäche ist)
b)
den Menschen als Individuum betreffend; zwischen den Menschen bestehend
Beispiele:
menschliche Kontakte, Konflikte, Probleme
eine menschliche Bindung
sie sind sich menschlich (= von Mensch zu Mensch) nähergekommen
Franz, der gern mit den Dienern auch ein menschliches Verhältnis suchte [BahrHimmelfahrt99]
abstrahiert von der sozialen Funktion
Beispiele:
etw. geht jmdm. menschlich (= als Menschen) nahe
rein menschlich betrachtet, gesehen, kann ich ihn verstehen
dass er so handelte, ist menschlich verständlich
2.
in seiner Haltung, seinem Verhalten auf den Mitmenschen gerichtet
a)
bestimmte moralische Normen, Mindestnormen beachtend
Beispiele:
menschlich handeln, verfahren, denken
jmdn. menschlich behandeln
b)
die Belange des Mitmenschen beachtend, verständnisvoll
Beispiele:
jmdm. mit menschlicher Anteilnahme begegnen
seine menschliche Art, mit jungen Leuten zu sprechen ...
eine menschliche Regung
ein menschlicher (= nicht allzu strenger) Vorgesetzter, Richter
das ist ein menschlicher Zug an ihm
er ist, gab sich menschlich, zeigte sich von der menschlichen Seite
3.
umgangssprachlich dem Menschen zumutbar, (für jmdn.) erträglich, annehmbar
Beispiele:
wir gehen, wenn das Wetter einigermaßen menschlich ist
die Bedingungen sind menschlich
jetzt, endlich sieht es hier wieder menschlich (= ordentlich) aus
komm aber bitte zu einer menschlichen Zeit (= nicht zu früh oder nicht zu spät)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mensch · menschlich · Menschlichkeit · Menschheit · Menschenfeind · Menschenfresser · menschenmöglich · Menschenrecht · Menschentum · Übermensch · übermenschlich · Unmensch · Untermensch
Mensch m. höchstentwickeltes gesellschaftliches Lebewesen mit der Fähigkeit zu arbeiten und zu denken, ahd. mennisco m. ‘Mensch’ (8. Jh.), mhd. mensche, mensch m. n. ‘Mensch, Mädchen, Buhlerin, Magd, Knecht, das menschliche Geschlecht’, mnd. minsche, mnl. mensce, nl. mens sind aus einer Substantivierung des in ahd. mennisc (um 800), mhd. mennisch ‘menschlich, mannhaft’, asächs. mennisk, aengl. mennisc, anord. mennskr, got. mannisks vorliegenden Adjektivs germ. *manniska- hervorgegangen, einer Ableitung von dem unter ↗Mann (s. d.) behandelten Substantiv. Das im Mhd. auftretende Neutrum steht bis ins 17. Jh. ohne abschätzigen Sinn neben dem Maskulinum, bezeichnet jedoch seit dem 15. Jh. häufig eine ‘weibliche Person’, besonders die ‘Magd’, und wird seit dem 18. Jh. durchgehend abwertend gebraucht; dazu auch der Plural Menscher (17. Jh.). menschlich Adj. ‘den Menschen betreffend, ihm gemäß, hilfsbereit, gut’, ahd. mennisclīh (8. Jh.), mhd. menschlich ‘nach, von Menschenart’; dazu Menschlichkeit f. ‘Menschennatur, menschliche Würde, menschliches Gefühl, Freundlichkeit im Umgang mit anderen’ (16. Jh., Übersetzung von lat. hūmānitās, s. ↗Humanität), geläufig seit dem 18. Jh., vereinzelt ‘Menschheit’ (nur 17. Jh.); vgl. spätmhd. menschlīcheit ‘Zustand des Menschseins, Menschheit’. Menschheit f. ‘Gesamtheit der Menschen’, ahd. mennischeit ‘alle Menschen, menschliche Natur, Menschwerdung’ (um 1000), mhd. menschheit, menscheit ‘alle Menschen, Natur und Leben eines Menschen, Menschlichkeit’. Menschenfeind m. ‘Menschenhasser, -verächter’ (16. Jh.), Übersetzung von griech.-lat. misanthropus (s. ↗Misanthrop). Menschenfresser m. ‘Kannibale’, Übersetzung (17. Jh.) von gleichbed. lat. anthrōpophagus, griech. anthrōpophágos (ἀνθρωποφάγος); vgl. griech. ánthrōpos (ἄνθρωπος) ‘Mensch’ und phágos (φάγος) ‘Fresser’, phagé͞in (φαγεῖν) ‘essen, verzehren’. menschenmöglich Adj. ‘für einen Menschen möglich’ (18. Jh.), aus älterem menschmöglich (17. Jh.), das aus menschlich und möglich (16. Jh.) mit Ersparung der Suffixwiederholung zusammengerückt ist. Menschenrecht n. zunächst ‘von Menschen eingesetztes Recht’ (Ende 17. Jh.); Menschheitsrechte Plur. ‘dem Menschen von Geburt an zukommende Rechte und Würde’ (nach 1750). Danach (meist im Plur.) Menschenrechte ‘Reihe von Rechten, die die Stellung des Menschen in der Gesellschaft und sein Verhältnis zum Staat regeln’ (seit 1777). Durch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung (1776) und die französische Déclaration des droits de l’homme et du citoyen (1789) wird der Begriff zum politischen Schlagwort und mit seinem damaligen bürgerlichen Inhalt (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Recht auf Eigentum und Sicherheit sowie Widerstand gegen Unterdrückung) auch im Dt. geläufig; wahrscheinlich geht auch die vorherrschende Verwendung im Plural auf das frz. Vorbild zurück. Menschentum n. ‘Wesen des Menschen, das Dasein als Mensch’ (Anfang 19. Jh.), zuvor ‘Menschheit’ (17. Jh.). Übermensch m. in der Theologie gebildet (16. Jh.) aus übermenschlich Adj. ‘in jeder Weise über das durchschnittliche menschliche Vermögen hinausragend’ (Anfang 16. Jh.) zur Bezeichnung eines ‘moralisch überdurchschnittlichen Menschen, eines übermenschlichen Wesens’ (so noch im 18./19. Jh.); bei Herder im Sinne von ‘Heros, Halbgott, Genie’; bei Nietzsche (Zarathustra) im Gegensatz zum Durchschnittsmenschen ‘derjenige, der den Menschen überwunden hat’. Daran anknüpfend wird Übermensch (wie Herrenmensch, Gegensatz Untermensch, s. unten) zum Schlagwort der faschistischen Rassenideologie. Unmensch m. ‘brutaler, grausamer Mensch’, ahd. unmennisco ‘Nichtmensch’ (um 1000), spätmhd. unmensch ‘was nicht den Namen Mensch verdient, Bösewicht’, frühnhd. ‘Bestie, Kannibale, Zauberer’ (16. Jh.), ‘Menschenfeind’ (18. Jh.). Untermensch m. ‘niedriges Wesen, das sittlich unterhalb der menschlichen Stufe steht’ (18. Jh.); danach Schlagwort der Faschisten für die Opfer ihrer Unterdrückungs- und Ausrottungspolitik.

Thesaurus

Synonymgruppe
human · ↗menschenfreundlich · ↗menschengerecht · ↗menschenwürdig · menschlich · ↗philanthropisch
Assoziationen
  • den Mitarbeitern entgegenkommen(d) · im Sinne der Mitarbeiter · mitarbeiterfreundlich  ●  arbeitnehmerfreundlich  Hauptform
Synonymgruppe
(eine) Seele von Mensch · ↗gut · ↗gutmütig · ↗gütig · ↗herzensgut · menschlich
Assoziationen
Synonymgruppe
menschlich · ↗zwischenmenschlich  ●  von Mensch zu Mensch  variabel

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antlitz Bedürfnis Dasein Embryo Erbgut Ermessen Existenz Gehirn Geist Gen Genom Handeln Körper Leben Leid Natur Organismus Schutzschild Schwäche Seele Stammzelle Tragödie Verhalten Versagen Wesen Wärme Würde Zelle Zusammenleben tierisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›menschlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Menschlich, das durfte ich bereits vor einigen Jahren feststellen, passt es.
Die Zeit, 12.11.2013 (online)
Die sind für diese menschliche Wirtschaft eine einzige unerträgliche Last!
o. A.: DER JAHRHUNDERTSCHWINDEL DES DGB. In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1984]
Ihm geht der äußere Rahmen eines Festes keineswegs über seinen menschlichen Gehalt.
Schwarz, Peter-Paul (Hg.), Gepflegte Gastlichkeit, Wiesbaden: Falken-Verl. Sicker 1967, S. 73
In Bildern wie diesen ist die gemalte menschliche Gestalt gleichsam zum Bewußtsein des Bildes geworden.
Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 140
So versteht man eine Einrichtung, eine Handlung, ein menschliches Verhalten in der Tat aus seinem Sinn heraus.
Hartmann, Nicolai: Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 89
Zitationshilfe
„menschlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/menschlich>, abgerufen am 19.07.2019.

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