matt

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›matt‹ als Erstglied: ↗Mattglas · ↗Mattglasscheibe · ↗Mattgold · ↗Mattigkeit · ↗Mattlack · ↗Mattscheibe · ↗mattblau · ↗mattblond · ↗mattfarbig · ↗mattgolden · ↗mattweiß
 ·  mit ›matt‹ als Letztglied: ↗schachmatt · ↗sterbensmatt · ↗todesmatt · ↗todmatt
 ·  mit ›matt‹ als Grundform: ↗Mattheit · ↗ermatten
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
schwach, erschöpft
Beispiele:
ein matter Greis
er hatte einen matten Puls
die matten Glieder ausruhen
die matten Lebensgeister wieder auffrischen
mit matter Stimme sprechen
ganz matt vor Hunger, Anstrengungen sein
von der Reise noch etwas matt sein
sich nach der Krankheit noch matt fühlen
sie lächelte ihn matt an
sie reichte ihm matt die Hand
2.
glanzlos, nicht spiegelnd, stumpf
Beispiele:
mattes Papier, Gold
eine matte Glasur, Politur
die frisch lackierten Türen haben matte Stellen
die Chromteile des Autos sind matt
die Perlen sind matt geworden
deine Augen sind matt, sehen heute matt aus
mattes (= undurchsichtiges) Glas
3.
gedämpft
Beispiele:
mattes Licht
matte Farbtöne bestimmten die Ausstattung des Empfangszimmers
der Platz lag in mattem Zwielicht
sie trug ein Kleid in mattem Blau
im matten Schein der Kerzen
das Schlafzimmer war nur matt erleuchtet
4.
unbefriedigend, nicht überzeugend
Beispiele:
ein matter Witz, Scherz
matte Worte der Entschuldigung sagen
diese Rede, sein Angriff war matter als sonst
er hat heute sehr matt gesprochen, gespielt
nichts verstimmt eine Zeit mehr, die selbst nur eine matte Kopie ist, als ein Original [WerfelBernadette150]
5.
Schach matt seinbesiegt sein, das Spiel verloren haben
Beispiele:
mit diesem Zug bist du matt
Schach und matt!
jmdn. matt setzenjmdn. besiegen
Beispiel:
mit diesem Zug setzte der Großmeister seinen Gegner matt
übertragen jmdn. handlungsunfähig, kampfunfähig machen
Beispiel:
durch diese Aktion setzte er seine Feinde diplomatisch matt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

matt1 · ermatten · mattieren
matt1 Adj. ‘schwach, kraftlos, glanzlos’ wird vielfach als übertragener Gebrauch des gleichlautenden Ausdrucks im Schachspiel empfunden (s. ↗matt) und auch so gedeutet. Vielleicht ist jedoch mhd. mat ‘schwach, kraftlos, erschöpft’ (13. Jh.) eher als Entlehnung von afrz. mat ‘besiegt, niedergeschlagen, betrübt, müde, schwach’ (mfrz. frz. ‘glanzlos’) anzusehen, das (nach FEW 6, 1, 518 ff.) auf lat. mat(t)us ‘vor Trunkenheit weinerlich’, spätlat. ‘niedergeschlagen, traurig, feucht’ beruht. Dies ist über synkopiertes *maditus oder madidus ‘naß, feucht, betrunken, weich, schlaff, faul’ (mit nachfolgendem Ersatz der Doppelmedia durch expressive Doppeltenius) an lat. madēre ‘naß, feucht sein, triefen, betrunken, weich sein’ anzuschließen. ermatten Vb. ‘schwach, kraftlos werden’ (16. Jh.); vgl. ahd. irmattēn ‘fade werden, betören’ (10. Jh.). mattieren Vb. ‘glanzlos, undurchsichtig machen’ (19. Jh.), frz. mater, auch matir.

matt2 Adj. ‘handlungsunfähig im Schachspiel’, mhd. mat (vgl. mhd. schāch unde mat, s. ↗Schach) wird um 1200 aus afrz. frz. mat entlehnt, das damit arab. māt ‘er ist gestorben’ (vom König im Schachspiel, der dem Angriff des Gegners nicht mehr entgehen kann) dem Dt. vermittelt. matt sein ‘geschlagen sein’ (15. Jh.), matt setzen ‘handlungsunfähig machen, ausschalten’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
gedeckt · matt
Synonymgruppe
dumpf · ↗glanzlos · kontrastarm · matt · ↗stumpf
Assoziationen
  • kontrastarm  ●  ↗flau (Foto)  fachspr., Jargon
Synonymgruppe
abgeschlafft · keine Energie mehr haben · ↗kraftlos · ↗lasch · matt · saft- und kraftlos · ↗schlaff · ↗schlapp  ●  (es .. einfach) nicht mehr gehen  ugs. · ↗alle  ugs. · ↗ausgelutscht  ugs. · ausgepowert  ugs. · ↗daneben  ugs. · ↗down  ugs., veraltend · duhne  ugs., rheinisch · fix und foxi  ugs., veraltet, scherzhaft · geschafft  ugs. · ↗groggy  ugs. · in den Seilen hängen  ugs. · ↗kaputt  ugs. · lurig  ugs., rheinisch · nüntig  ugs., vorarlbergerisch, schweiz., selten · ohne Saft und Kraft  ugs. · ↗platt  ugs.
Assoziationen
  • arbeitsunfähig (Arbeitsrecht) · erkrankt · gesundheitlich angegriffen · ↗kränklich · ↗leidend · nicht gesund · ↗siech (veraltet oder landschaftlich) · ↗verletzt  ●  ↗krank  Hauptform · außer Gefecht  ugs. · ↗malad  ugs., kölsch · ↗malade  ugs.
  • sehr müde  ●  ↗hundemüde  ugs. · ↗sterbensmüde  ugs. · ↗todmüde  ugs.
  • angegriffen · ↗angeschlagen · kränkelnd · ↗kränklich · ↗mitgenommen · nicht (gut) bei Kräften · ↗schwach · wackelig auf den Beinen
  • angeschlagen · nicht standfest · ↗taumelig · wackelig auf den Beinen · wacklig auf den Beinen  ●  angezählt  ugs.
  • (es) geht nicht mehr (weiter) · (es) ging nicht mehr (weiter) · (jemanden) verlassen die Kräfte · kann nicht mehr (weiter) · keine Kraft mehr haben · nichts geht mehr  ●  (jemandem) geht die Puste aus  ugs.
  • beinahe nicht mehr können · die letzten Reserven aufbrauchen · fast am Ende sein  ●  auf der letzten Rille fahren  ugs. · aus dem letzten Loch pfeifen  ugs. · bald nicht mehr können  ugs.
  • (seine) (physischen) Kräfte sind erschöpft · ↗(total) erledigt · (völlig) entkräftet · am Ende (seiner Kräfte) · kein bisschen Kraft mehr haben  ●  am Stock gehen  fig. · am Boden zerstört  ugs., fig. · auf dem Zahnfleisch gehen  ugs. · fertig mit der Welt  ugs. · fix und alle  ugs., salopp · ↗fix und fertig  ugs. · ↗halb tot (vor)  ugs. · nichts geht mehr  ugs.
  • am Ende · ausgelaugt · entkräftet · ↗erledigt · ↗erschöpft · ↗fertig · ↗hinüber · ↗kaputt · nicht mehr können · ↗zerschlagen  ●  (der) Akku ist leer  ugs., fig. · ↗(wie) erschlagen  ugs. · ↗(wie) gerädert  ugs. · fix und alle  ugs. · ↗fix und fertig  ugs. · kaputt wie ein Hund  ugs. · rien ne va plus  ugs. · ↗schachmatt  ugs., fig.
  • erschöpft · ↗müde  ●  ermattet  geh.
Synonymgruppe
fahl (Licht) · matt · ↗trüb
Synonymgruppe
matt · ↗schwach · ↗unaufdringlich · ↗unauffällig · ↗verhalten
Assoziationen
Synonymgruppe
...lich · ↗blass · ↗bleich · ↗blässlich · ↗fahl · ↗farbarm · ↗farblos · ↗glanzlos · matt
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abglanz Abklatsch Aluminium Edelstahl Glanz Grau Lichtschein Oberfläche Schein Scherz Schimmer Schwarz Teint Widerschein ausgelaugt beleuchtet blass erleuchtet fahl gebürstet glanzlos glänzend kraftlos matt müde poliert schimmern schimmernd schlapp stumpf

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›matt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das setzt den Reifen zwar nicht sofort matt, aber ein bleibender Schaden ist da.
Der Tagesspiegel, 19.04.2001
Man findet keine zehn matt geschriebenen Sätze in dem ganzen langen Buch.
Die Zeit, 15.07.1983, Nr. 29
Rita lächelt matt zu der ruhigen Zurückhaltung des neuen Arztes.
Wolf, Christa: Der geteilte Himmel, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verl. 1963, S. 29
Er war nur eines Tages matt geworden in einer fremden Stadt.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Das dritte Reich des Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1925], S. 885
Und hoch in den dunklen Lüften zuckt es wie ein mattes Wetterleuchten.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 22171
Zitationshilfe
„matt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/matt>, abgerufen am 18.10.2019.

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