martern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungmar-tern
Wortbildung mit ›martern‹ als Erstglied: ↗Marterinstrument · ↗Marterkammer · ↗Marterpfahl · ↗Martertod · ↗Marterung · ↗Marterwerkzeug
 ·  mit ›martern‹ als Letztglied: ↗abmartern
eWDG, 1974

Bedeutungen

jmdn. körperlich, seelisch peinigen, quälen
Beispiele:
gehoben jmdn. grausam, furchtbar, unmenschlich, zu Tode martern
gehoben Angst, Verzweiflung, Sorge, Sehnsucht martern ihn
gehoben jmdn. mit Vorwürfen, Drohungen martern
gehoben sie marterte sich mit Zweifeln, Gewissensbissen
umgangssprachlich jmdn. bis aufs Blut martern
gehoben Geben Sie einer gemarterten Mutter ihr Kind wieder [G. Hauptm.Einsame MenschenIV]
historisch jmdn. foltern
Beispiel:
die Henkersknechte marterten den Gefangenen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Marter · Marterl · martern · Märtyrer · Martyrium
Marter f. ‘Folter, Qual, Peinigung’, ahd. martira, mart(a)ra (8. Jh.), mhd. marter, martere ‘Blutzeugnis’, besonders ‘Christi Passion, Kruzifix, Qual, Pein, Verfolgung, Folter’ ist als ein Wort des frühen Christentums entlehnt aus kirchenlat. martyrium ‘Blutzeugnis für die Wahrheit des Christentums, der christlichen Religion, Leiden, die die Märtyrer zu erdulden haben’, auch ‘Märtyrergrab, Kapelle’ (errichtet zum Gedenken an Märtyrer), griech. martýrion (μαρτύριον) ‘das Bezeugen, Zeugnis, Beweis, Zeichen’, dann auch (im Neuen Testament) ‘Verkündigung des Evangeliums, Predigt’. Das im Dt. auftretende fem. Genus beruht vielleicht auf dem Einfluß von Qual und Pein. Zugrunde liegt griech. mártys (μάρτυς), (dor.) mártyr (μάρτυρ) ‘Zeuge’, kirchensprachlich ‘Blutzeuge’, eigentlich wohl ‘Zeugnis’, Verbalnomen zu einem Verb mit der Bedeutung ‘sich erinnern’, vgl. aind. smárati ‘erinnert sich, gedenkt’, griech. mérimna (μέριμνα) ‘Sorge, Besorgnis’ und (nicht sicher) lat. memor ‘sich erinnernd, eingedenk’. Aus dem Griech. übernommenes kirchenlat. martyr gilt anfangs für den ‘Augenzeugen des Lebens und Wirkens Christi’, danach für einen Menschen, der sich trotz Folter und Tod zum Christentum bekennt (s. unten Märtyrer). Eine parallele Entwicklung erfährt martyrium. Marter bezeichnet zunächst sowohl die Passion Christi wie auch den Leidensweg der Heiligen und der Bekenner Christi, später (16. Jh.) auch die Folterung eines Gefangenen oder Verbrechers sowie das dazugehörige Gerät und geht schließlich in den (im Mhd. nur vereinzelt bezeugten) allgemeinen Gebrauch von ‘Schmerz, Not, Elend’ über. Marterl n. ‘Gedenkkreuz, -tafel am Weg für einen Unglücksfall’ (19. Jh., südostd.), deminutive Ableitung von Marter im Sinne von ‘bildliche Darstellung des Lebens und Leidens Christi, Kruzifix’ zum Gedächtnis (15. Jh.). martern Vb. ‘foltern, peinigen’, ahd. martirōn, mart(a)rōn (8. Jh.), mhd. martern, marteren ‘zum Märtyrer machen, ans Kreuz schlagen, foltern, plagen’. Märtyrer m. ‘Christ, der für seinen Glauben in den Tod gegangen ist’, dann allgemein ‘ein für sein Glaubensbekenntnis, für seine Überzeugung oder für seine politischen Ziele und Handlungen Verfolgung, Gefangenschaft, Peinigung oder Tod Erleidender’, ahd. martarāri (10. Jh.), martirāri (11. Jh.), mhd. marterære, merterære, im Nhd. bis ins 19. Jh. noch Märterer, aus lat. martyr, griech. mártyr (μάρτυρ) ‘Zeuge’, im Ahd. mit dem Suffix der Nomina agentis -āri weitergebildet; seit dem 16. Jh. in der Form Märtyrer formal wieder an das griech.-lat. Vorbild angelehnt. Martyrium n. ‘Opfertod, Blutzeugenschaft, schweres Leiden um seines Glaubens, seiner Überzeugung willen, Qual’ (19. Jh.), kirchenlat. martyrium (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
foltern · martern · ↗peinigen · ↗plagen · ↗quälen  ●  ↗torquieren  geh., veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen
  • ausfragen · ↗befragen · ↗verhören · ↗vernehmen · zur Rede stellen  ●  ↗inquirieren  veraltend · (jemanden) einvernehmen (bürokrat./jurist.)  fachspr. · ↗(jemanden) grillen  ugs.
  • (schwere) Verletzungen zufügen · grün und blau schlagen · halbtot schlagen · ↗misshandeln · übel zurichten  ●  draufhauen wie auf kalt Eisen  ugs., veraltend

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gehirn Hirn Jude Seele Tod ermorden erschießen foltern peinigen quälen töten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›martern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihr macht es selbst Vergnügen, die armen Frauen zu martern.
Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation - Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen Bd. 1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1992 [1939], S. 258
Sie zapften ihnen das Blut ab und marterten sie zu Tode.
o. A.: Einunddreißigster Tag. Donnerstag, 10. Januar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 8246
Geschlachtet wird er eigentlich nicht, sondern zu Tode gemartert und geschunden.
Die Welt, 10.04.2004
Aber Musik marterte seine Nerven so, daß er sie nicht mehr hören konnte.
Lippman, Edward A.: Schumann. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1965], S. 21978
Da wir uns nicht martern wollen, müssen wir in den sauren Apfel beißen und auf unsere treuen Mokassins mit Fußbett zurückgreifen.
Noll, Ingrid: Ladylike, Zürich: Diogenes 2006, S. 285
Zitationshilfe
„martern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/martern>, abgerufen am 14.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Marterl
Marterkammer
Marterinstrument
Marterholz
Marterbild
Marterpfahl
Marterqual
Martersäule
Martertod
Marterung