marginal

GrammatikAdjektiv · Komparativ: marginaler · Superlativ: am marginalsten
Aussprache [ˌmaʁgi'naːl]
Worttrennungmar-gi-nal
Wortbildung mit ›marginal‹ als Erstglied: ↗marginalisieren  ·  mit ›marginal‹ als Grundform: ↗Marginalität  ·  formal verwandt mit: ↗Marginalie
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutung

am Rand befindlich
a)
(als Marginalie) am Rand eines Textes, in einer Nebenposition zu einem Haupttext
Beispiel:
Titel, Autor- und Herausgebername, Motto, Vor- und Nachworte[…] und Zitate, all’ diese Elemente gehören nicht zum Zentrum, sondern zu den Randbezirken eines Textes. Ihr besonderes Verhältnis zum Text wird durch marginale Positionen markiert: Titel und Autornamen werden dem Text in der Regel vorgeschaltet […], Vor- und Nachworte sind – wie Inhaltsverzeichnisse und Register – durch leere Seiten vom Haupttext getrennt[…]. [Mecke, Jochen, Heiler, Susanne (Hg.), Titel – Text – Kontext. Glienicke, Berlin, Cambridge, Massachusetts: Galda + Wilch Verlag 2000, S. 51]
b)
übertragen nebensächlich, relativ unbedeutend, unwesentlich
  von geringem Ausmaß, wenig umfangreich
Beispiele:
Das Smartphone erntete gemischte Reaktionen, weil viele Neuerungen eher marginal sind. [Die Zeit, 15.03.2013 (online)]
Der Politologe Rik Coolsaet von der Universität Gent hat in einer […] Studie die Beweggründe belgischer Jihadisten, sich dem IS anzuschliessen, untersucht. Er kommt zum Schluss, dass […] der Religion eine viel marginalere Rolle bei der Motivation zukommt als bei den Kämpfern früherer Wellen. [Neue Zürcher Zeitung, 02.04.2016]
Das Automobil, zwar schon Jahrzehnte alt, aber bisher nur eine marginale Edelware im dünnen obersten Konsumsegment, wurde zum Schlüsselprodukt in der Vollendung der kapitalistischen Produktionsweise. [Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 385]
Diese Filme [Katastrophenspektakel] […] führen Scharen von Protagonisten auf und entwickeln doch nie Interesse an ihnen (auch deshalb mußten die Streifen selbst in den marginalsten Rollen mit den Superstars des amerikanischen Kinos besetzt werden). [konkret, 2000. Zitiert nach: konkret, 1997.]
[…] zwei weitere »Nordlichter« setzten Marken im Auktionsverlauf: Die Norwegerin Schelderups mit »Fischerkindern« für 15500 Mark und Carl Larsson. Versteckt im eher marginalen Graphikangebot des Vormittags, wurde zur übervorsichtigen Schätzung von 7500 Mark ein großes Blatt des Schweden offeriert, das in Mischtechnik »Zwei Mädchen auf dem Parkweg« darstellt[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.1993]
Kollokationen:
als Prädikativ: der Unterschied, der Effekt, die Einsparung ist marginal
mit Adverbialbestimmung: allenfalls, bestenfalls, eher marginal
c)
Botanik am Rand eines Fruchtblatts angeordnet
Beispiel:
Will man die Beziehungen der Samenanlagen zu den einzelnen Fruchtblättern ausdrücken, so gebraucht man die Bezeichnungen: marginal, wenn die Samenanlagen den Rändern der Fruchtblätter entspringen […]; laminal, wenn die Samenanlagen auf den Innenflächen der Fruchtblätter sitzen […]; axial, wenn die Samenanlagen zentral stehen […]. [Graf, Jakob, Tafelwerk zur Pflanzensystematik. München: J. F. Lehmanns Verlag 1975. S. 18]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

marginal · Marginale · Marge
marginal Adj. ‘am Rande befindlich, nebensächlich’, Entlehnung (16. Jh.) von frz. marginal (oder nlat. marginalis?) ‘an den Rand geschrieben’. Zu lat. margo (Genitiv marginis) ‘erhöhte Einfassung, Rand’ (einer Handschrift, eines Buches), ‘Grenzgebiet’ (s. ↗Mark). Marginale n. ‘Randbemerkung’, aus gleichbed. nlat. marginale, Plur. marginalia, substantiviertem Neutrum von nlat. marginalis ‘den Rand betreffend, am Rand notiert’ (vgl. gleichbed. mfrz. marginal Adj.), eine Bildung zu lat. margo (s. oben). Als geläufiges Wort der Buchdrucker erscheint es seit dem 16. Jh. in lat., seit Anfang des 18. Jhs. in dt. Flexion, und zwar meist im Plural Marginalien; später belegt sind singularische Formen wie Marginal n. (2. Hälfte 19. Jh.), Marginale n. (1. Hälfte 20. Jh.) und (aus dem Plur. rückgebildet) Marginalie f. (Mitte 20. Jh.?). Marge f. ‘(Handels)panne, Spielraum, Differenz’, Übernahme (20. Jh.) von gleichbed. frz. marge, eigentl. ‘Rand, Saum’, aus lat. margo (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
am Rand befindlich · am Rand liegend · den Rand betreffend · marginal
Synonymgruppe
bescheiden (Summe, Lohn) · ↗gering · ↗klein · marginal · ↗unbedeutend · von geringem Umfang · ↗winzig  ●  ↗wenig  Hauptform · ↗dünn  ugs. · ↗mickerig  ugs. · ↗mickrig  ugs. · ↗überschaubar  ugs., ironisch
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(mit etwas) hat es nicht viel auf sich · Bagatell... · Neben... · ↗Nebensache · Rand... · Zweit... · ↗bedeutungslos · ↗belanglos · ↗egal · ↗irrelevant · kleiner · marginal · ↗nachgeordnet · ↗nachrangig · ↗nebensächlich · nicht (weiter) der Rede wert · nicht entscheidend · nicht ins Gewicht fallend · nicht von Interesse · nicht wichtig · ↗nichtssagend · ohne Belang · ↗peripher · ↗sekundär · ↗unbedeutend · ↗unbeträchtlich · ↗unerheblich · ↗uninteressant · ↗unmaßgeblich · ↗unwesentlich · ↗vernachlässigbar · von untergeordneter Bedeutung · zu vernachlässigen · ↗zweitrangig  ●  ↗unwichtig  Hauptform · Sonst hast du keine Probleme?  ugs., Spruch · kannste vergessen  ugs. · keinen Schuss Pulver wert  ugs. · kleiner Fisch  ugs., fig. · sei's drum  ugs. · unter "ferner liefen" (kommen)  ugs.
Assoziationen
  • meinethalben · wenn es denn sein muss · wie Sie meinen · wie du meinst · wie du willst  ●  ↗meinetwegen (halbherzig zustimmend)  Hauptform · (es) soll mir recht sein  ugs. · geht (schon) in Ordnung  ugs. · in Gottes Namen  ugs. · ist (schon) in Ordnung  ugs. · mir soll's recht sein  ugs. · na schön  ugs. · ↗ruhig  ugs. · schon okay  ugs. · soll er (ruhig) machen ...  ugs. · soll er doch ...  ugs. · soll sie doch ...  ugs. · von mir aus  ugs. · wenn Sie meinen ...  ugs. · wenn du meinst ...  ugs.
  • (jemanden) nicht (im Geringsten) interessieren · im Grunde verachten · nur ein müdes Lächeln übrig haben für
  • (jemandem) einerlei sein · (jemandem) gleichgültig sein · (jemanden) gleichgültig lassen · (jemanden) nicht interessieren · (jemanden) nicht nervös machen · (jemanden) nicht tangieren · (jemanden) nichts angehen · (mit etwas) nichts zu tun haben · (sich) nicht scheren um · (völlig) kalt lassen · keinen Wert legen auf · mit den Achseln zucken · nichts am Hut haben (mit)  ●  ↗(an jemandem) abprallen  fig. · (jemandem) egal sein  Hauptform · (jemandem) nicht den Schlaf rauben  fig. · (jemanden) nicht kümmern  veraltend · (jemanden) nicht unruhig schlafen lassen  fig. · (herzlich) egal sein  ugs. · (jemandem) (glatt / direkt) am Arsch vorbeigehen  derb · (jemandem) Latte sein  ugs. · (jemandem) latte sein  ugs. · (jemandem) piepegal sein  ugs. · (jemandem) scheißegal sein  derb · (jemandem) schnuppe sein  ugs. · (jemandem) schnurz sein  ugs. · (jemandem) schnurzpiepe sein  ugs. · (jemandem) sowas von egal sein  ugs. · (jemandem) wumpe sein  ugs., regional · (jemandem) wurscht sein  ugs. · (jemanden) nicht anfechten  geh., veraltend · (jemanden) nicht die Bohne interessieren  ugs., Redensart · (jemanden) nicht jucken  ugs. · (jemanden) nicht kratzen  ugs. · (jemanden) nicht scheren  geh., veraltend · (jemanden) nur peripher tangieren  geh. · (sich) nicht (weiter) kümmern um  ugs. · Scheiß der Hund drauf.  derb, Spruch · Scheiß drauf!  vulg., Spruch · das kannst du deinem Frisör erzählen  ugs., Spruch · das tangiert mich (äußerst) peripher  geh., Spruch · den lieben Gott einen guten Mann sein lassen  ugs., Redensart · drauf scheißen  vulg. · erzähl das der Parkuhr  ugs., veraltet, Spruch · keinen gesteigerten Wert legen auf  ugs. · nichts geben auf  ugs. · pfeifen auf  ugs. · sprich zu meiner Hand  ugs., Spruch, variabel
  • (mit etwas) ist (auch) keinem geholfen · wirkungslos verpuffen  ●  (auch) verzichten können auf  ugs. · (den) Kohl (auch) nicht fett machen  ugs. · (es) kommt nichts (Gescheites) heraus (bei)  ugs. · nicht (richtig) weiterhelfen  ugs. · nicht viel bringen  ugs. · nichts bringen  ugs., salopp
  • bedeutungsleer · ↗gehaltlos · ↗inhaltsarm · ↗inhaltsleer · ohne Substanz · ↗substanzlos  ●  ↗sinnentleert  geh. · ↗substanzarm  geh.
  • Bagatelle · ↗Banalität · ↗Belanglosigkeit · ↗Geringfügigkeit · ↗Kleinigkeit · ↗Lappalie · ↗Nebensache · ↗Nebensächlichkeit · ↗Nichtigkeit · ↗Petitesse · Unwichtiges · ↗Unwichtigkeit · keine große Geschichte · keine große Sache  ●  Sturm im Wasserglas  fig. · ↗Fliegenschiss  derb, fig. · ↗Kiki  ugs. · ↗Kinkerlitzchen  ugs. · ↗Kleckerkram  ugs. · Kleinkleckerkram  ugs. · ↗Kleinkram  ugs. · ↗Marginalie  geh. · ↗Peanuts  ugs., engl. · ↗Pillepalle  ugs. · ↗Pipifax  ugs. · ↗Quisquilien (Plur., lat.)  geh. · Schnullibulli  ugs. · Tüddelkram  ugs., norddeutsch, variabel
  • noch nicht spruchreif · ↗verfrüht  ●  ungelegte Eier  ugs.
  • kleines Licht · kleines Rädchen im Getriebe
  • (unwichtige) Begleiterscheinung · ↗Nebensache · ↗Nebensächlichkeit · ↗Randerscheinung · ↗Randphänomen
  • (sich) fehl am Platz fühlen · (sich) nicht beachtet fühlen · (sich) vernachlässigt fühlen · (sich) vorkommen wie das fünfte Rad am Wagen · (sich) überflüssig vorkommen
  • Belangloses · Belanglosigkeiten · ↗Nebensächlichkeit(en) · Trivia · Vermischtes · am Rande notiert · aus der Enzyklopädie des unnützen Wissens · dies und das · kurz und uninteressant
  • nicht (so) wichtig · nicht erforderlich · nicht nötig · ↗unwichtig · ↗verzichtbar · ↗überflüssig  ●  ↗unnötig  Hauptform · ↗entbehrlich  geh. · muss nicht sein  ugs. · nicht brauchen (zu)  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abweichung Anmerkung Bedeutung Differenz Effekt Erscheinung Größe Konsumneigung Korrektur Phänomen Rolle Stellenwert Steuerbelastung Steuersatz Unterschied Verbesserunge Veränderung Vorkommnis Wertzuwachs Zinssatz Zuteilungssatz allenfalls anfangs bestenfalls eher höchstens nur scheinbar vergleichsweise Änderung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›marginal‹.

Zitationshilfe
„marginal“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/marginal>, abgerufen am 14.10.2019.

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