mürbe

GrammatikAdjektiv
Nebenform mürb · Adjektiv
Aussprache
Worttrennungmür-be
Wortbildung mit ›mürbe‹ als Erstglied: ↗Mürbebraten · ↗Mürbeteig  ·  mit ›mürbe‹ als Grundform: ↗Mürbheit · ↗zermürben
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
durch Alter und Verwitterung brüchig geworden, morsch
Beispiele:
mürbes Gestein, Leder, Pergament
ein mürber Stoff, mürbes Gewebe
ein mürber Zahn
Des Reiters Koller, Stück für Stück, / Fiel ab wie mürber Zunder [BürgerLenore]
2.
weich und zart
Beispiele:
ein mürber Apfel
das Fleisch mürbe klopfen
locker und gut durchgebacken
Beispiele:
mürbes Gebäck
ein mürber Tortenboden
3.
nicht mehr fähig, Widerstand zu leisten, zermürbt
Beispiele:
von Kummer, Angst, Sorgen mürbe sein, werden
jmdn. durch Bitten, Schreien, Drohungen mürbe machen (= zermürben)
endlich hatte man ihn mürbe bekommen (= endlich hatte man seinen Widerstand gebrochen)
umgangssprachlich endlich hatte man ihn mürbe gekriegt (= endlich hatte man seinen Widerstand gebrochen)
Kaum sechzig […] und jetzt mürbe [M. WalserHalbzeit217]
Du kannst mich martern, doch du zwingst mich nicht. / Auch tausend Nächte machen mich nicht mürbe! [WeinertRufe39]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

mürbe · zermürben
mürbe Adj. ‘leicht zerfallend, zerbrechlich, weich, widerstandslos’, ahd. mur(u)wi ‘zart, jung’ (9. Jh.), mhd. mürwe, mür(e) ‘zerbrechlich, dünn, zart, schwach, welk’, mnd. mȫr(e), mnl. morwe, nl. murw stehen schwundstufig (westgerm. *murwja-) neben hochstufigem ahd. maro, mar(a)wi (9. Jh.), mhd. mar ‘reif, mürbe, zart’, aengl. mearu, mnl. maru, meru (westgerm. *marwja-, s. auch ↗Mahr). Sie lassen sich vergleichen mit griech. mará͞inein (μαραίνειν) ‘aufreiben, entkräften’, lat. morbus ‘Krankheit’, air. meirb ‘leblos’, kymr. merw ‘schlaff, schwach’ und mit diesen auf die Wurzel ie. *mer(ə)- ‘aufreiben, reiben’ zurückführen, an deren Schwundstufe sich auch ↗morsch und ↗Mord (s. d.) anschließen. zermürben Vb. ‘mürbe, widerstandslos machen’, mhd. zermürfen ‘mürbe machen, zerquetschen’ (14. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
brüchig · ↗gebrechlich · ↗hinfällig · ↗kraftlos · ↗kränklich · ↗labil · mürbe · ↗schlapp · ↗schwach · ↗schwächlich
Assoziationen
Synonymgruppe
dünn · ↗fragil · mürbe · ↗zart · ↗zerbrechlich
Assoziationen
Synonymgruppe
bröckelig · ↗bröcklig · ↗bröselig · ↗krümelig · ↗krümlig · mürbe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Apfel Charme Farbe Fleisch Gestein Knochen Mauer Tafelspitz herrlich müd saftig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›mürbe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Beck hat das Leben noch vor sich, aber schon mit 23 ist er mürb und weltweise wie ein Alter.
Die Zeit, 18.11.1994, Nr. 47
Jedenfalls hat er in den letzten Tagen die Streichergruppe zu einem aus dem Dunkel strahlenden Klang geführt, elegant verführerisch und zu mürb sehnsüchtigen Wirkungen fähig.
Süddeutsche Zeitung, 02.11.2004
Und sie wird mürb und klein, verzagt und lebensmüde in dieser Einsamkeit.
Christ, Lena: Madam Bäurin. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1920], S. 4648
Monsieur schnarcht schon im Doppelbett, so gurgelt sie sich im Badezimmer den Frust über ihre mürb gewordene Ehe herunter.
Die Welt, 05.10.2000
Das Scheunendach war eingebaucht, das Gebälk des Dachstuhls morsch, und die Ziegel waren mürb.
Strittmatter, Erwin: Pony Pedro, Berlin: Kinderbuchverl. 1959, S. 381
Zitationshilfe
„mürbe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/mürbe>, abgerufen am 15.10.2019.

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