mündig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungmün-dig
Wortbildung mit ›mündig‹ als Erstglied: ↗Mündigkeit · ↗mündigsprechen
eWDG, 1974

Bedeutung

volljährig, in einem Alter, das zu Rechtshandlungen berechtigt
Beispiele:
mit 18 Jahren wird er mündig
sie wurde vorzeitig für mündig erklärt
übertragen gereift und damit in der Lage, seine Stimme geltend zu machen
Beispiel:
bisher warst du ja noch ein klarer mündiger Mensch, der wußte, was er wollte [St. ZweigNovellen1,48]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mund2 · mündig · entmündigen · Mündel · Vormund · Vormundschaft · bevormunden
Mund2 f. ‘Herrschafts- und Schutzgewalt über Personen und Sachen, Vormundschaft’, ahd. munt f. ‘Hand, Schutz’ (um 800), mhd. munt m. f. ‘Hand, Schutz, Bevormundung, Erlaubnis’, asächs. mund f. ‘Hand’, aengl. mund ‘Hand, Schutz, Vormund(schaft)’, anord. mund f. ‘Hand’ (germ. *mundō f.), anord. mundr m. ‘Brautgeschenk, Mitgift’ (germ. *munda- m.). Verwandt sind außergerm. lat. manus f. ‘Hand’ (wozu lat. mandāre ‘übergeben, anvertrauen, überlassen’), mir. montar, muinter ‘rechtmäßige Gattin’, griech. márē (μάρη) f. ‘Hand’, die als Reste eines alten r/n-Stammes ie. *mər (Genitiv *mənés) ‘schützend über jmdn. gehaltene Hand’ voraussetzen. Einer schwundstufigen Erweiterung ie. *mṇt- folgen die oben genannten germ. Formen. mündig Adj. ‘volljährig, erwachsen, zu Rechtshandlungen berechtigt’, mhd. mündec, (md.) mundic, eigentlich ‘fähig, sich selbst zu schützen und rechtlich zu vertreten’. entmündigen Vb. ‘für unmündig erklären, unter Vormundschaft stellen’ (19. Jh.). Vom Substantiv abgeleitet Mündel n. m. f. ‘minderjährige oder entmündigte Person’, die gesetzlich der Sorge eines Vormunds unterstellt ist, spätmhd. (md.) mundelin, frühnhd. mundelein (15. Jh.), mnd. mündel, afries. mondele. Im 16. Jh. gilt Mündlin, Mündlein und Mündel; letzteres wird im 18. Jh. geläufig. Älter, aber nur bis ins 18. Jh. bezeugt, ist Mündlin m. ‘wer unter der Gewalt eines anderen steht, Schützling’, mhd. mundelinc. Vgl. (in Urkunden des 10./11. Jhs.) mlat. jamundilingus, das wohl als ein latinisiertes ahd. *(gi)mundiling angesehen werden kann. Vormund m. ‘Vertreter eines Minderjährigen, eines Entmündigten’, ahd. foramunto ‘Rechtsbeistand, Rechtsvertreter’ (10. Jh.), mhd. vormunde, vormünde, vormunt, vürmunt, mnd. vȫrmünde, vȫrmunt, mnl. vōremonde, zusammengesetzt mit ↗vor (s. d.). Die Bedeutungsentwicklung geht aus von ‘(schützend über jmdn. gehaltene) Hand’ zu ‘wer Schutzpflicht und Rechtsvertretung gegenüber einzelnen oder mehreren ausübt’ sowie ‘Rechtsvertreter von Ehefrau, Kindern’, dann ‘Rechtsvertreter und Vermögensverwalter von Minderjährigen und Entmündigten’ (seit 15. Jh.). Im 18. Jh. auch Fürmund, dem damaligen Sprachempfinden folgend an ↗für (s. d.) angeschlossen. Vormundschaft f. ‘amtlich verfügte Wahrnehmung der gesetzlichen Vertretung eines Minderjährigen, Entmündigten’, ahd. foramuntscaf ‘Verteidigung, Rechtsvertretung’ (10. Jh.), mhd. vormuntschaft. bevormunden Vb. ‘nicht selbständig entscheiden lassen, gängeln’ (16. Jh.), für älteres mhd. vormunden ‘beschirmen, schützen, bevormunden, Vormund sein’.

Thesaurus

Synonymgruppe
ausgewachsen · ↗erwachsen · mündig · ↗reif · ↗voll entwickelt · ↗volljährig · über 18  ●  ↗flügge  fig. · den Kinderschuhen entwachsen  geh. · kein Kind mehr  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
eigenverantwortlich · mündig

Typische Verbindungen
computergeneriert

Athlet Athletin Bürger Bürgergesellschaft Bürgerin Christ Fernsehzuschauer Individuum Konsument Konsumente Laie Mitbürger Patient Sportler Staatsbürger Subjekt Verbraucher Wahlbürger Wirtschaftsbürger Wähler aufgeklärt eigenverantwortlich erwachsen geworden informiert selbstbestimmt selbstbewußt selbstverantwortlich selbständig verantwortungsvoll

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›mündig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Politiker treffen die Entscheidungen, gewählt von jenen "mündigen Bürgern", die von den Autoren so gepriesen werden!
Süddeutsche Zeitung, 04.10.2000
Aber jetzt heißt es plötzlich, ein mündiger Bürger hätte das wissen müssen.
Die Welt, 08.03.1999
Der Held aber, an den sie ergeht, ist im Leiden mündig geworden.
Horkheimer, Max u. Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung, Amsterdam: Querido 1947 [1944], S. 39
Der mündige Leser ist sowenig gefragt wie der mündige Staatsbürger.
Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 79
Ein mündiger Bürger kann zwar den Mund aufmachen und seine Meinung freiheraus sagen.
Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 61
Zitationshilfe
„mündig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/mündig>, abgerufen am 21.07.2019.

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