mögen

GrammatikVerb · mag, mochte, hat gemocht
Aussprache
Worttrennungmö-gen
Wortbildung mit ›mögen‹ als Letztglied: ↗übermögen  ·  mit ›mögen‹ als Grundform: ↗möchte
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
mögen‹ + Akk.obj.
jmdn., etw. (gern) mögenjmdn., etw. gern haben, jmdn. sympathisch finden, an etw. Gefallen finden
Beispiele:
ich habe ihn schon von jeher gemocht
wir mochten ihn alle gern
ich mochte ihn nicht, und er mochte mich nicht
seines Geizes wegen mochte ihn niemand
magst du ihn überhaupt?
ich mag kein Fleisch (= esse Fleisch nicht gern)
mögen Sie Jazz?
diesen Roman von N mag ich nicht (= er gefällt mir nicht)
Niemand mag mich. Der Wirt sagt, ich bin vorlaut [FrischAndorra7]
Wenn du soviel trinkst, mag ich dich nicht [H. W. RichterSpuren310]
(besonders) süddeutsch, (besonders) österreichisch, (besonders) schweizerisch Sie sind schrecklich! Wissen Sie nicht, daß ich Sie mag (= dass ich Sie von Herzen gern habe, liebe)? [ZuckmayerBlombergII 1]
(besonders) süddeutsch, (besonders) österreichisch, (besonders) schweizerisch Einmal mochte ich einen Fähnrich [SternheimSnobIII 4]
statt des Part. Prät. steht der Inf. von »mögen«
jmdn., etw. (gern, gut) leiden mögen
Beispiele:
er hat mich nie leiden mögen
dieses Bild von N mag ich gut leiden
sie mag es nicht leiden, wenn man von ihren Erfolgen spricht
Margarete mochte den festen, biederen, sehr ergebenen Mann gern leiden [Feuchtw.Häßl. Herzogin66]
2.
mögen‹ + Inf.drückt aus, dass jmd. die Realisation des Inhaltes des Inf. wünscht
a)
bei vorangehendem Inf. steht der Inf. von »m.« statt des Part. Prät.; steht »m.« ohne folgenden Inf., so ergibt sich aus Zusammenhang und Situation der zu ergänzende Inf.; der Wünschende ist grammatisches Subj.
α)
häufig im Konjunktiv Prät., der nicht als solcher, sondern als Indikativ Präs. empfunden wird
höflich in Bitten
Beispiele:
ich möchte Herrn N sprechen
ich möchte (gern) einen Apfel (haben)
möchten Sie noch etwas Kaffee?
ich möchte ihn nicht stören
ich möchte Auto fahren können
ich möchte nach Hause
der zu ergänzende Inf. wird durch »es«, »das« ersetzt
Beispiele:
er kann uns besuchen, wenn er es, das möchte
ich möchte (gern) wissen, ob ...
das möchte ich lieber vermeiden
das möchte ich nicht gehört haben!
umgangssprachlich ich möchte dich manchmal ohrfeigen!
umgangssprachlich ich möchte dir mal eins sagen: ...
Weil wir gut sein möchten, ich betone: möchten! [UnruhNike50]
mit folgendem durch »dass« eingeleiteten Gliedsatz
Beispiel:
ich möchte nicht, dass er es erfährt
abgeblasst
Beispiele:
man möchte fast meinen ...
ich möchte hervorheben, dass ...
umgangssprachlich das möchte ich dir auch geraten haben!
ja, ich möchte sagen, sie sah sich selber zu [RilkeBrigge5,125]
β)
im Indikativ; oft verneint
Beispiele:
ich mag ihn nicht stören
ich habe ihn nicht stören mögen
»kommst du mit?« »Ich mag nicht«
umgangssprachlich ich mag nicht mehr (= habe keinen Appetit mehr)
tu, was du magst
er hat nie zu Hause bleiben mögen
sie mochte sich von diesem Buch nicht trennen
γ)
im Konjunktiv Plusquamp.
Beispiele:
ich hätte dir manches erzählen mögen
das hätte ich sehen mögen
b)
fast nur im Konjunktiv Präs. und Prät.
der Wünschende ist ein anderer als das grammatische Subj.
in indirekter Rede
Beispiele:
er bat mich, ich möge ihm helfen
er bat mich, dass ich ihm helfen möge
sage ihm, er möchte, möge so gut sein ...
sie hoffte, er möchte bald wiederkommen
Sie möchten bitte morgen wiederkommen
möchte er doch sein Unrecht einsehen!
möget ihr Recht behalten!
möge dein Wunsch bald in Erfüllung gehen!
das möge der Himmel verhüten!
allerdings möchte hierfür noch eine Bedingung erfüllt sein (= es wäre gut, wenn hierfür noch eine Bedingung erfüllt wäre)
Der General möge eintreten [SchnitzlerMedardusIII 2]
abgeblasst
Beispiele:
dieser Hinweis möge, mag hier genügen (= genüge hier)
es mag noch erwähnt sein, dass ...
er mag sehen, wie er fertig wird!
3.
in Verbindung mit einem Infinitiv; nur im Präs.; der Sprecher ist nie grammatisches Subj.
drückt aus, dass der Sprecher nicht gegen die Realisation des Inhaltes des Inf. ist, dass er bereit ist, sie hinzunehmen
Beispiele:
er mag das Buch behalten
das mag er halten, wie er will
mögen sie nur kommen (ich fürchte mich nicht)!
es mag kommen, was (da) will, ich bleibe bei meinem Entschluss
Dein Tapp, der hier trübselig im Schnee sitzt, mag sich an meinem Küchenfeuer wärmen [C. F. Meyer4,12]
abgeblasst
Beispiel:
das mag diesmal noch hingehen, aber das nächste Mal wirst du dafür bestraft
4.
mögen‹ + Inf.drückt aus, dass der Inhalt des Inf. als Möglichkeit besteht
a)
drückt aus, dass der Sprecher nicht gegen die eventuelle Realität des Inhaltes des Inf. ist, dass er sie gelten lässt, einräumt, aber nicht für entscheidend hält
α)
der als Möglichkeit eingeräumte Inhalt des Inf. hat keinen Einfluss auf die Wahrheit einer vom Sprecher formulierten Hauptthese
Beispiele:
den einen oder anderen mag ich schon einmal gesehen haben (= habe ich möglicherweise schon einmal gesehen), die meisten aber sind mir unbekannt
die meisten mögen sich bei diesem Vortrag gelangweilt haben, mich hat er sehr interessiert
mochte ich mich hierin auch geirrt haben, so glaube ich doch, dass ...
ihr Stolz, ihr Hochmut oder wie immer du es nennen magst, ...
das mag für andere gut sein, nicht aber für dich
sooft sich auch beide als Kinder gezankt haben mögen, jetzt verstehen sie sich sehr gut
das mag sein, wie es will, ich bleibe
wie dem auch sein möge, ich bleibe
β)
Beispiele:
»du hast Fieber.« »Mag sein«
Sie mögen recht haben
b)
drückt aus, dass der Sprecher den Inhalt des Inf. als Möglichkeit, Vermutung hinstellt
Beispiele:
sie mochte vierzig sein
sie mag achtzehn Jahre alt sein
es mochte drei Uhr gewesen sein, als ...
es mochten, mögen etwa dreißig Personen anwesend gewesen sein
hier mochte es passiert sein
Veranlassung hierzu mochte gegeben haben, dass ...
wer mag das sein? (= wer ist das wohl?)
wie mag das gekommen sein?
wie das nur kommen mag?
wie mag es ihm gehen?
wer mag ihm das wohl gesagt haben?
wieviel mögen sie schon erlebt haben!
umgangssprachlich der Himmel mag wissen, wie das passiert ist (= ich weiß nicht, wie das passiert ist)
salopp der Kuckuck, Teufel mag wissen, wie das passiert ist (= ich weiß nicht, wie das passiert ist)
spränge ich ihr nach, so möchte ich wohl beide noch einholen [le FortPapst283]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

mögen · möglich · Möglichkeit · vermögen · Vermögen · vermöge
mögen Vb. ‘wollen, gern haben’. Das zu den Präteritopräsentien gehörende Verb ahd. magan (8. Jh.), mugan (9. Jh.), mhd. mügen, mugen ‘kräftig, wirksam sein, vermögen, wofür können, mächtig, imstande sein, die Möglichkeit haben, sollen, dürfen’, asächs. mugan, mnd. mȫgen, mnl. mōghen, meughen, mueghen, nl. mogen, aengl. magan, engl. may, anord. mega, schwed. , got. magan führt mit dem zugehörigen Abstraktum ↗Macht (s. d.) und mit aind. maghá- ‘Macht, Kraft, Reichtum, Gabe’, aslaw. mošti ‘können’ (mogǫ ‘ich kann’), russ. moč’ (мочь) ‘können’, lit. magė́ti ‘gefallen, angenehm sein’, magùs ‘anziehend, lockend’ auf die Wurzel ie. *magh- ‘können, vermögen, helfen’. Bis ins 17. Jh. herrscht die ursprüngliche Bedeutung ‘imstande sein zu etw.’, erhalten in vermögen (s. unten); heute steht das Verb vornehmlich für ‘wollen, gern haben’, das sich im 16. Jh. aus der Verneinung nicht mögen ‘nicht imstande sein’ (daher ‘nicht wollen’) entwickelt. möglich Adj. ‘zu verwirklichen, erreichbar, denkbar’, mhd. müg(e)lich ‘was geschehen kann oder sollte, was recht und billig ist, geziemend, gehörig, vermögend’, dazu Möglichkeit f. mhd. mügelicheit ‘Vermögen, Gelegenheit, Chance’. vermögen Vb. ‘imstande sein zu etw., können’, anschließend an die ursprüngliche Bedeutung von mögen, entsprechend ahd. firmugan (um 1000), mhd. vermügen, -mugen ‘imstande sein’, auch ‘Gewalt haben über’, reflexiv ‘Kraft haben, sich verstehen, im Besitze sein, besitzen’ (vgl. vermögend Part.adj. ‘einflußreich’, daher auch ‘wohlhabend, begütert’, 18. Jh.); substantiviert Vermögen n. ‘Fähigkeit, Kraft, Besitz’, spätmhd. vermügen ‘Kraft, Macht’. vermöge Präp. ‘vermittels, mit Hilfe, durch’ (vermög, 16. Jh.), hervorgegangen aus dem Subst. Vermöge f. ‘Kraft, Fähigkeit’, mhd. vermüge; vgl. spätmhd. ūʒ vermog, mnd. bzw. mit vermōge.

Thesaurus

Synonymgruppe
(gut) leiden können · gernhaben · leiden mögen · lieb gewonnen haben · ↗lieb haben · liebgewonnen haben · ↗liebhaben · mögen · sympathisch finden  ●  ans Herz gewachsen (sein)  ugs., fig. · für (jemanden) etwas übrig haben  ugs., fig. · gewogen sein  geh. · gut ausstehen können  ugs. · in sein Herz geschlossen haben  ugs. · ins Herz schließen  ugs. · mit jemandem gut können  ugs. · mit jemandem können  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) für gut befinden · (ganz) begeistert sein von · ↗(jemandem) belieben · (sich) begeistern für · eine Vorliebe haben für · gerne mögen · mögen  ●  ↗(sich) loben  geh. · abfahren auf  ugs. · ich lobe mir  geh. · ↗liken  ugs., engl. · stehen auf  ugs.
Assoziationen
  • (jemandem) den Vorzug geben · ↗(jemanden) vorziehen · ↗begünstigen · besser behandeln · ↗besserstellen · ↗bevorrechtigen · ↗bevorteilen · ↗bevorzugen · ↗favorisieren · ↗hervorheben · mit Privilegien ausstatten · mit Vorrechten ausstatten · mit zweierlei Maß messen · ↗privilegieren
  • (da) lobe ich mir (doch) · (da) loben wir uns (doch) · (einer Sache) den Vorzug geben · ↗(etwas) vorziehen · besser finden · es vorziehen zu · ↗favorisieren · lieber mögen · lieber wollen · ↗präferieren
  • (inständig) verlangen nach · (jemandem) steht der Sinn nach · (sich) sehnen nach · (sich) verzehren nach · ...närrisch · Lust haben (auf) · aus sein auf · ↗begehren · begehren nach · begehrlich nach · begierig auf · besessen von · brennen auf · ↗ersehnen · fiebern nach · ↗gieren (nach) · ↗herbeisehnen · ↗herbeiwünschen · kaum erwarten können · nicht warten können auf · schmachten nach · sehnlichst begehren · sehnlichst vermissen · spitzen auf · süchtig nach · unbedingt haben wollen · vergehen nach · verrückt nach · ↗verschmachten (nach) · versessen auf · vor Lust (auf etwas) vergehen · vor Verlangen (nach etwas) vergehen  ●  (sehr) verlangen nach  Hauptform · (sich die) Finger lecken nach  fig. · hinter etwas her (sein) wie der Teufel hinter der armen Seele  sprichwörtlich · hungern nach  fig. · ↗(einen) Gieper (haben) auf  ugs. · ↗(einen) Jieper (haben) auf  ugs. · (einen) Jieper haben (auf)  ugs., norddeutsch · (ganz) wild auf (etwas)  ugs. · (jemandem) (das) Wasser im Mund zusammenlaufen (beim Gedanken an)  ugs. · (sehr) hinter (etwas) her sein  ugs. · dürsten nach  geh., poetisch, fig. · erpicht auf  geh., veraltend · geil auf (etwas)  ugs. · gelüsten nach  geh. · giepern nach  ugs., regional · heiß auf (etwas)  ugs. · jiepern nach  ugs., regional · lange Zähne kriegen  ugs., selten · ↗lechzen (nach)  geh. · scharf auf (etwas)  ugs. · spitz sein auf  ugs. · verrückt auf (etwas)  ugs.
  • (die) Güte haben (und / zu) · ↗(sich) bereitfinden · (sich) erbarmen (und / zu) · ↗(sich) herablassen · ↗(sich) herbeilassen · die Freundlichkeit besitzen (und / zu) · so freundlich sein (und / zu) · so freundlich sein (zu) · so gnädig sein (zu) · so lieb sein (und)  ●  ↗geruhen  veraltet · (sich) bemüßigt fühlen  geh. · (sich) bemüßigt sehen  geh. · belieben zu  geh., veraltet
  • eine positive Bewertung abgeben · positiv bewerten  ●  ↗liken  engl. · auf "gefällt-mir" klicken  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Deutsche Leut Musik auch besonders da doch du eigentlich er es gar gern gerne hin ich lieb lieber man mehr nicht sehr sie vielleicht was weg wir wirklich wohl zurück

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›mögen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man mochte sich noch nicht einmal die Frage stellen: Meinen die Macher das ernst?
Die Zeit, 08.11.2013, Nr. 44
Ich mochte sie so, daß ich mich gar nicht traute, hinzuschauen, wie sie gemacht sind.
Müller,Herta: Der König verneigt sich und tötet, München: Carl Hanser Verlag 2003, S. 48
Das Kind mochte etwa drei bis vier Jahre alt sein.
Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 03.03.1926
Der ernste Ton mochte wohl mehr als die Worte das junge Mädchen beeinflussen.
Sapper, Agnes: Werden und Wachsen, Hannover: Gundert 1967 [1910], S. 79
Und er mochte vielleicht mit fünfundsiebzig Jahren ebenso recht haben wie mit achtzig Jahren.
Hermann, Georg [d.i. Borchardt, Georg Hermann]: Jettchen Gebert, Berlin: Fleischel 1919 [1906], S. 427
Zitationshilfe
„mögen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/mögen>, abgerufen am 22.04.2019.

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