lustwandeln

GrammatikVerb · lustwandelte, ist/hat gelustwandelt
Aussprache
Worttrennunglust-wan-deln
WortzerlegungLustwandeln2
eWDG, 1969

Bedeutung

scherzhaft mit innerem Wohlbehagen spazieren gehen
Beispiel:
statt zu arbeiten, lustwandeln die Damen draußen auf dem Gang
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Lust · lustig · belustigen · gelüsten · Gelüst(e) · lüstern · Lüsternheit · Lüstling · Lustbarkeit · Lustseuche · Lustspiel · lustwandeln · Lustwandel
Lust f. ‘Verlangen, Wohlgefallen, Freude, Genuß, sinnliche Begierde’, ahd. lust (9. Jh.; daneben firinlust ‘Begierde, Wollust’, unlust, urlust ‘Ausschweifung’, 8. Jh.), mhd. asächs. mnd. aengl. engl. nl. lust, mnl. lust, lost, luste, anord. (aus dem Mnd.) lyst ‘Lust, Begierde, Freude’, got. lustus führen auf germ. *lustu- bzw. *lusti-, schwundstufige Abstraktbildungen mit dem Suffix ie. -tu-, -ti-, dazu als n-Stamm anord. losti. Herkunft ungewiß. Etymologischer Zusammenhang mit aind. láṣati ‘begehrt, hat Verlangen nach’, griech. lilá͞iesthai (λιλαίεσθαι) ‘heftig begehren, sich sehnen, verlangen’, lat. lascīvus (Weiterbildung zu einem Adjektiv *laskos) ‘mutwillig, ausgelassen, zügellos, üppig, geil’, air. lainn (aus *lasnis) ‘gierig’, lit. lokšnùs ‘empfänglich, empfindsam, gefühlvoll, zärtlich’, aslaw. laskati ‘durch List überrumpeln’, laskanịje ‘Schmeichelei, List’, russ. láska (ласка) ‘Liebkosung, Wohlwollen’ unter Ansatz einer Wurzel ie. *las- (schwundstufig *ḷs-) ‘gierig, lasziv, mutwillig, ausgelassen sein’ ist umstritten. lustig Adj. ‘fröhlich, ausgelassen’, ahd. lustīg (8./9. Jh.), gilustīg ‘verlangend, begehrend, wollüstig’, mhd. lustec, lustic ‘verlangend, begierig, Wohlgefallen erregend, angenehm, anmutig, lieblich, vergnügt’. belustigen Vb. ‘fröhlich stimmen, Spaß bereiten, erheitern’, reflexiv ‘spotten’ (16. Jh.). gelüsten Vb. ‘Verlangen haben’, ahd. gilusten (9. Jh.), mhd. gelüsten, gelusten ‘sich freuen, an etw. Wohlgefallen finden, verlangen’; vgl. ahd. lusten ‘Lust haben, sich erfreuen’ (8. Jh.). Gelüst(e) n. ‘Verlangen, Begierde’. mhd. geluste, gelüste; vgl. ahd. gilust ‘Begierde, Verlangen’ (9. Jh.). lüstern Adj. ‘begierig, geil’ (16. Jh., Luther), mit Konsonantenerleichterung aus lüsternd, Part. Präs. von frühnhd. lüstern ‘Verlangen haben, begierig sein’, Iterativbildung zu ahd. lusten ‘gelüsten, belieben’ (8. Jh.), mhd. lusten, lüsten; Lüsternheit f. (17. Jh.). Lüstling m. ‘geiler Mensch’ (17. Jh.). Lustbarkeit f. mhd. lustbærecheit. Lustseuche f. ‘heftiger Sinnestrieb, krankhafte Begierde’ (16. Jh.), ‘Syphilis’ (18. Jh.). Lustspiel n. ‘zum Vergnügen dargebotene szenische Aufführung’ (16. Jh.), dt. Bezeichnung für Komödie, durch Gottsched verbreitet. lustwandeln Vb. ‘spazierengehen’, zu Lustwandel m. ‘Spaziergang’, beide von Zesen (1645) gebildet.

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein wenig) herumspazieren · (einen) Bummel machen · (einen) Spaziergang machen · (einen) Stadtbummel machen · (einmal) an die frische Luft gehen · (sich die) Füße vertreten · (sich) die Beine vertreten · ↗flanieren · frische Luft schnappen · ↗herumschlendern · ↗promenieren · ↗schlendern · ↗spazieren gehen · ↗umherbummeln · wandeln  ●  ↗(sich) ergehen  veraltet · ↗spazieren  Hauptform · dahintändeln  geh. · lustwandeln  geh. · ↗umhertigern  ugs.
Oberbegriffe
  • einen Fuß vor den anderen setzen · ↗gehen · ↗laufen  ●  zu Fuß gehen  Hauptform · ↗latschen  ugs., salopp · zu Fuß laufen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baum Besucher Dame Garten Paar Park Schloß Schloßpark Spur dort einst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lustwandeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein Schauspieler, geschminkt, frisiert, gekleidet wie der Meister, lustwandelt lesend über den Platz.
Süddeutsche Zeitung, 05.02.1994
In den Museen fühlt sich das Volk nicht wohl, aber in den Warenhäusern lustwandelt alt und jung mit fröhlichem Ergötzen.
Schalcher, Traugott: Die Reklame der Straße, Wien: C. Barth 1927, S. 49
Mutter und Tochter lustwandeln am Weiher, der Vater, kränklich, sinnt lächelnd im Schatten vor sich hin.
Die Zeit, 22.10.1976, Nr. 44
Doch statt dort zu lustwandeln, sollen künftig Kunden ins Königreich des Konsums gelangen.
Die Welt, 29.09.2004
Man kann um den See herumwandern oder auf seinem Damm lustwandeln.
Die Zeit, 19.01.1987, Nr. 03
Zitationshilfe
„lustwandeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/lustwandeln>, abgerufen am 19.10.2019.

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