lieb

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›lieb‹ als Erstglied: ↗Liebreiz · ↗liebbehalten · ↗liebgewinnen · ↗liebgeworden · ↗liebhaben · ↗liebkosen · ↗lieblos · ↗liebreizend · ↗liebwert · ↗liebäugeln
 ·  mit ›lieb‹ als Letztglied: ↗allerliebst · ↗kinderlieb · ↗unlieb
 ·  mit ›lieb‹ als Grundform: ↗liebst  ·  formal verwandt mit: ↗Liebste
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
von jmdm. geliebt, geschätzt und verehrt, teuer
Beispiele:
ein Andenken an meinen lieben Vater
ein Bild meiner lieben Eltern
er ist mein liebster Freund
das Fest verlebten wir zusammen mit lieben Verwandten
liebe Erinnerungen
das ist eines meiner liebsten Bücher, mein liebstes Spiel
Religion der liebe Gott
Religion Unsere Liebe Frau (= die Jungfrau Maria)
etw. ist jmdm. liebetw. ist für jmdn. wertvoll
Beispiele:
wenn dir dein Leben lieb ist, dann rate ich dir ...
dieser Ring ist mir lieb und wert, lieb und teuer
meine Liebenmeine Familie, Angehörigen
Beispiel:
Er zählt die Häupter seiner Lieben [SchillerGlocke]
in Anreden, besonders in Briefen
Beispiele:
meine lieben Eltern!
liebster Hans!
lieber Herr A!
liebe Kinder, Zuschauer!
vertraulich komm, mein liebes Kind!
umgangssprachlich, vertraulich mein Lieber, da hast du ganz schön geflunkert!
veraltet liebe Leute, lasst euch sagen (= Ruf des Nachtwächters)
vertraulich Das schneidern wir zurecht, mein Liebes [G. KaiserSilberseeII]
umgangssprachlich in abgeblasster Bedeutung
Beispiele:
endlich scheint die liebe Sonne wieder
etw. nötig haben wie das liebe Brot
um des lieben Friedens willen (= um endlich Ruhe zu haben) gab er nach
er hatte seine liebe Not mit ihr (= sie bereitete ihm Schwierigkeiten)
der Junge hat nun den Roller bekommen, jetzt hat die liebe Seele Ruh (= jetzt ist sein Wunsch erfüllt, ist er endlich zufrieden)
er tut den lieben langen Tag (= den ganzen Tag über) nichts
spöttisch der ach so liebe Besuch
spöttisch die liebe Verwandtschaft, lieben Mitmenschen
spöttisch ja, das liebe Geld
umgangssprachlich das muss, mag der liebe Himmel wissen, wie das zugegangen ist! (= ich weiß nicht, wie das zugegangen ist!) (= Ausruf, der Bestürzung, Erregung, Verwunderung ausdrückt)
umgangssprachlich, salopp ach, du liebes bisschen, Gott, Himmel, Güte, Zeit! (= Ausruf, der Bestürzung, Erregung, Verwunderung ausdrückt)
umgangssprachlich, salopp mein lieber Mann, Schwan! (= Ausruf, der Verwunderung, Warnung ausdrückt)
Da fuhr man sie, / wie's liebe Vieh, / zur Front [TucholskyDeutschland113]
Ich habe manches liebe Mal im Leben (= öfter im Leben) Angst gehabt [KästnerJunge71]
2.
freundlich
a)
liebevoll, herzlich
Beispiele:
ich sende Dir liebe Grüße, bin mit lieben Grüßen dein Hans (= Briefschluss)
niemals hörte sie ein liebes Wort von ihm
umgangssprachlich das ist zu lieb von dir
umgangssprachlich er war immer lieb zu den Kindern, sprach sehr lieb von ihr
umgangssprachlich ich weiß, dass du es lieb gemeint hast
umgangssprachlich würdest du so lieb sein, und mir dabei helfen?
jmdm. etw. Liebes erweisen
b)
liebenswert, sympathisch und gut
Beispiele:
er ist ein sehr lieber Mensch
umgangssprachlich er ist ein sehr lieber Kerl
so ein liebes Mädchen, Geschöpf
sie hat ein liebes Wesen
umgangssprachlich sie ist zu lieb
3.
vertraulich artig, brav
Beispiele:
du bist ein liebes Kind!
heute warst du ja ganz lieb
bist du auch lieb gewesen?
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlich du willst dich wohl bei ihm lieb Kind machen? (= einschmeicheln?)
4.
angenehm, willkommen
Beispiele:
du bist uns stets ein lieber Besuch, Gast
es wäre mir sehr lieb, am liebsten, wenn du das heute noch erledigen könntest
das ist mir lieb so
es ist mir lieber, wenn du dabei bist
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lieb · Lieb · Liebchen · Liebe · lieben · verlieben · Verliebtheit · liebeln · lieblich · Liebling · Liebschaft · liebenswert · liebenswürdig · Liebeserklärung · Liebhaber · Liebhaberei · lieblos · Liebreiz · liebreizend
lieb Adj. ‘geliebt, wert, herzlich, liebenswert, freundlich, angenehm, artig’, ahd. liob (um 800), mhd. liep, asächs. liof, mnd. lēf, mnl. nl. lief, aengl. lēof, engl. (älter) lief, anord. ljūfr, schwed. ljuv, got. liufs (germ. *leuba-) führt mit den verwandten (ablautenden) Verben ↗erlauben, ↗glauben, ↗loben (s. d.) und mit aind. lúbhyati ‘ist gierig, empfindet Verlangen’, lōbha- ‘Gier, Habsucht’, lubdha- ‘gierig, habsüchtig’, lat. libēre ‘belieben, gefällig sein’, libēns, lubēns ‘willig, gern’, libīdo, lubīdo ‘Lust, Begierde’, lit. liaupsẽ ‘Lob(lied)’, liáupsinti ‘loben, lobpreisen, verherrlichen’, aslaw. l’ubъ ‘lieb, wert’, russ. (umgangssprachlich) ljúbo (любо) ‘lieb, angenehm, geliebt, freundlich’, aslaw. l’ubiti, russ. ljubít’ (любить) ‘lieben, mögen’, aslaw. l’uby, russ. ljubóv’ (любовь) ‘Liebe’ auf eine Wurzel ie. *leubh- ‘gern haben, begehren, lieb’, auch ‘gutheißen, loben’ und (im Germ.) ‘Zutrauen, Vertrauen, Glaube’. lieb hat im älteren Sprachgebrauch die allgemeinere Bedeutung ‘angenehm, erfreulich’, vgl. noch heute es ist mir lieb. Lieb n. heute nur noch dichterisch für ‘Geliebte(r)’, besonders in der Fügung mein Lieb, ahd. liob n. (9. Jh.), mhd. liep ‘das Liebe, Angenehme, Erfreuliche, Freude, Geliebte(r)’, Substantivierung des Adjektivs; dazu das Deminutivum Liebchen n. ‘Liebste, Geliebte, Schatz’ (15. Jh. liebchin). Liebe f. ‘starkes Gefühl der Zuneigung, Barmherzigkeit, Mildtätigkeit’, auch als Objekt der Zuneigung ‘geliebte Person’, ahd. liubī (9. Jh.), lioba (11. Jh.), mhd. liebe ‘das Wohlgefallen, das man über oder durch etw. empfindet, das Liebsein, Freude, das Liebhaben, Freundlichkeit, Gunst’, dann (15./16. Jh.) in den heutigen Sinn übergehend, älteres, anstößig gewordenes ↗Minne (s. d.) verdrängend. Abstraktbildung zum Adjektiv. lieben Vb. ‘ein starkes Gefühl der Zuneigung empfinden, gern haben’, ahd. liobōn (8. Jh.), liuben (9. Jh.) ‘angenehm, lieb machen oder sein, empfehlen, begehren, wohltun’, mhd. lieben ‘angenehm, lieb machen, sein oder werden, gefallen, Freundlichkeit erweisen’; in heutiger Bedeutung seit dem 16. Jh. üblich, zuvor dafür mhd. liep haben, älteres ↗minnen (s. d.) verdrängend. verlieben Vb. reflexiv ‘von Liebe ergriffen werden, in Liebe entbrennen, liebgewinnen’ (2. Hälfte 16. Jh.), anfangs transitiv ‘als angenehm anstreben, belieben’ (16. Jh.); Verliebtheit f. (19. Jh.). liebeln Vb. ‘mit der Liebe spielen, flirten’ (18. Jh.), zuvor ‘seine Liebe bezeugen, liebkosen, schmeicheln’ (16. Jh.); Iterativum zu lieben. lieblich Adj. ‘anmutig, reizvoll, entzückend, hübsch und zart, heiter und freundlich’, ahd. liublīh (8. Jh.), mhd. lieplich ‘freundlich, angenehm’; vgl. ahd. liublīhho Adv. ‘freundlich, zärtlich’ (9. Jh.). Liebling m. ‘Geliebte(r), vor allen geliebte, bevorzugte, begünstigte Person’ (17. Jh.), anfangs im Sinne von ‘Günstling’ (eines Fürsten). Liebschaft f. ‘Liebesverhältnis’, mhd. liebeschaft, liepschaft. liebenswert Adj. ‘von gewinnender Art, sympathisch’ (17. Jh.). liebenswürdig Adj. ‘freundlich, höflich, zuvorkommend’ (18. Jh.), zuvor Liebens würdig (Opitz), vermutlich Wiedergabe von nl. liefwaardig. Liebeserklärung f. ‘Geständnis der Liebe’ (18. Jh.). Liebhaber m. ‘Mann, der mit einer Frau ein Liebesverhältnis hat, Geliebter einer Frau’ (oft abschätzig), auch ‘Mann, der eine Frau liebt und sich um sie bewirbt, wer für etw. eine Vorliebe hat, Amateur’, mhd. liephaber ‘Liebender, Freund, Anhänger’, gebildet zu mhd. liep haben; Liebhaberei f. ‘aus Neigung, Freude an der Sache ausgeübte Tätigkeit, Steckenpferd’ (Adelung 1777). lieblos Adj. ‘unfreundlich, herzlos’, mhd. liebelōs ‘ohne Liebe, freudlos’. Liebreiz m. ‘Anmut, reizendes Aussehen, bezauberndes Wesen, Grazie, Charme’, liebreizend Adj. (beide 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ansprechend · ↗konziliant · lieb · ↗liebenswürdig · ↗nett · ↗reizend · ↗sympathisch · ↗umgänglich
Assoziationen
Antonyme
  • lieb
Synonymgruppe
behutsam · ↗einfühlsam · lieb · ↗liebevoll · ↗sacht · ↗sanft · ↗zart · ↗zärtlich
Assoziationen
Synonymgruppe
lieb · ↗liebevoll  ●  ↗minniglich  veraltet
Synonymgruppe
bejubelt · geehrt · ↗geliebt · geschätzt · lieb · ↗teuer · verehrt
Synonymgruppe
anständig · ↗artig · ↗brav · ↗folgsam · ↗fügsam · ↗gefügig · ↗gehorsam · konditioniert  ●  ↗fromm (Pferd)  veraltend · lieb  Kindersprache
Assoziationen
Antonyme
  • böse  Kindersprache

Typische Verbindungen
computergeneriert

BILD-Leser Ernst Freizeitbeschäftigung Freund Freundin Friede Gewohnheit Gott Gruß Herrgott Hobby Kerl Kleine Kollege Kollegin Leser Leserin Mama Mühe Not Spielzeug Sünde Vieh essen gewonnen geworden mögen nett teuer wiederhaben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lieb‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er redet gern, über sein Spiel, über sich, und wenn er das tut, entwirft er mit seinen Worten am liebsten Bilder.
Die Zeit, 18.11.2013, Nr. 46
Am liebsten hätte er sich mit ihnen die Welt geteilt.
Der Spiegel, 04.03.1991
Am liebsten sah man überhaupt nur einen Altar in der Kirche.
o. A.: Die Kirche im Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1970], S. 1453
Aber morgen kommt bestimmt wieder ein lieber Brief von Dir.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 30.11.1939, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Ich habe Dich sehr, sehr lieb und ich bin froh, daß ich Dich gefunden habe.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 31.05.1939, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„lieb“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/lieb>, abgerufen am 17.06.2019.

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