leutselig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungleut-se-lig
Wortbildung mit ›leutselig‹ als Erstglied: ↗Leutseligkeit
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
spöttisch herablassend freundlich
Beispiele:
Hergenröther hatte ihm leutselig auf die Schulter geklopft [ZuchardtSpießrutenlauf19]
Die Polizei blieb zum Glück nicht lange, prüfte, leutselig und einem kleinen Scherze durchaus nicht abhold [PenzoldtErdenwurm218]
2.
freundlich aufgeschlossen und mitteilsam
Beispiele:
der Großvater war ein leutseliger alter Herr
er verstand es, den Tod als einen leutseligen Gast unter den Seinen umgehen zu lassen [HagelstangeSpielball240]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leute · leutselig · Leutseligkeit
Leute Plur. ‘Menschen, Öffentlichkeit, Publikum, in einem Arbeits-, Dienstverhältnis stehende Personen’, ahd. liuti Plur. ‘Volk, Völkerschaft’ (8. Jh.), ‘Bevölkerung, Menschenmenge’ (9. Jh.), ‘Untergebene’ (10. Jh.), mhd. liute, asächs. liudi, mnd. lǖde, mnl. liede, lūde, nl. (fläm.) lieden, (holl.) luiden, aengl. lēode ist die Pluralform zu einem in ahd. liut m. f. n. ‘Volk, Volksstamm, Bevölkerung’ (9. Jh.), mhd. liut m. n., mnd. lǖt, aengl. lēod, anord. ljōðr, lȳðr (germ. *leudi-) belegten Substantiv. Verwandt sind lit. liáudis ‘niederes, gewöhnliches Volk’, lett. lͅaudis (Plur.) ‘Leute, Menschen’, aslaw. l’udъ ‘Volk’, Plur. l’udịje ‘Menschen, Leute, Volk, Völker’, russ. ljud (люд) ‘Volk’, Plur. ljúdi (люди) ‘Menschen, Leute’. Vergleichbar ist ahd. liotan ‘wachsen’ (9. Jh.; vgl. irliotan, 8. Jh., framirliotan ‘emporwachsen’, 8./9. Jh.), asächs. liodan, aengl. lēodan, got. liudan ‘wachsen’ sowie aind. rṓdhati ‘wächst’, rṓhati ‘wächst, steigt empor, besteigt’, toch. A lutk- ‘werden lassen’, griech. elé͞utheros (ἐλεύθερος) ‘frei, freier Mann’, lat. līber ‘frei’, līberī ‘Kinder’, air. luss ‘Pflanze’, so daß von einer Wurzel ie. *leudh- ‘emporwachsen, hochkommen’ auszugehen ist (s. auch ↗lodern). leutselig Adj. ‘freundlich aufgeschlossen und mitteilsam, umgänglich’, mhd. liutsælec, liutsælic ‘den Menschen wohlgefällig, anmutig, niedlich, zierlich’ (s. ↗selig), seit dem 16. Jh. ‘den einfachen Leuten wohlgesonnen’, daher heute oft spöttisch ‘herablassend freundlich’; Leutseligkeit f. mhd. liutsælecheit ‘Wohlgefälligkeit den Menschen gegenüber, Anmut’.

Thesaurus

Synonymgruppe
extravertiert · ↗extrovertiert · ↗freundlich · ↗kontaktfreudig · leutselig · ↗offen · ↗sozial
Assoziationen
Synonymgruppe
großzügig · ↗gönnerhaft · ↗jovial · leutselig
Synonymgruppe
entgegenkommend · ↗freundlich · ↗gesellig · ↗soziabel · ↗umgänglich · ↗verträglich · ↗wohlwollend  ●  leutselig  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auftreten Haupt Herr Landesvater Lächeln Stimmung Wesen besonders freundlich grüßen jovial klopfen mischen plaudern winken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›leutselig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er war ein leutseliger älterer Herr, der mich wie seinen Sohn angenommen hat.
Der Tagesspiegel, 29.04.2005
Der Chef gibt dann Interviews in der Pause, schüttelt Hände, reißt leutselig Witze.
Süddeutsche Zeitung, 23.10.2002
Ein leutseliger Wachtposten empfahl uns, schleunigst das Weite zu suchen.
Reich-Ranicki, Marcel: Mein Leben, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1999, S. 174
Der Kranke wurde bereits nach drei Stunden heiter und leutselig.
Welt und Wissen, 1927
Er war in der Kirche streng und würdevoll, außerhalb der Friedhofsmauer freundlich und leutselig.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 14616
Zitationshilfe
„leutselig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/leutselig>, abgerufen am 21.05.2019.

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