leidenschaftlich

GrammatikAdjektiv
Worttrennunglei-den-schaft-lich
WortzerlegungLeidenschaft-lich
Wortbildung mit ›leidenschaftlich‹ als Erstglied: ↗Leidenschaftlichkeit
eWDG, 1969

Bedeutung

von Leidenschaft erfasst, getrieben
a)
überaus heftig, ungestüm
Beispiele:
ein leidenschaftlicher Wunsch, Hass, Zorn, Trotz, Protest, Schmerz, Streit
eine leidenschaftliche Abneigung, Anklage, Parteinahme
leidenschaftliche Menschen
er ist eine leidenschaftliche Natur
etw. in leidenschaftlicher Erregung, mit leidenschaftlicher Hingabe, Anteilnahme, in einem leidenschaftlichen Ausbruch tun
etw. leidenschaftlich, mit leidenschaftlichem Ton sagen, verteidigen, verneinen, ablehnen
»ich glaube das nicht«, rief er leidenschaftlich
jmdn. leidenschaftlich verfolgen, hassen
etw. leidenschaftlich diskutieren, fordern, anklagen
er ist ein leidenschaftlicher (= enthusiastischer) Patriot
voll überaus heftiger, starker Zuneigung, Liebe
Beispiele:
jmdn. leidenschaftlich lieben, umarmen, küssen
sie betrachtete das Kind mit leidenschaftlicher Zärtlichkeit, Innigkeit
eine leidenschaftliche Liebe
b)
umgangssprachlich von großer Begeisterung für etw. erfüllt, überaus begeistert
Beispiele:
er ist ein leidenschaftlicher Raucher, Reiter, Jäger, Wassersportler, Theaterfreund, Sammler
er trieb leidenschaftlich Sport, sammelte leidenschaftlich Briefmarken, fuhr leidenschaftlich gern Auto
sie isst leidenschaftlich gern Schokolade
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

leiden · erleiden · Leiden · Leidenschaft · leidenschaftlich · leidlich
leiden Vb. ‘von körperlichem oder seelischem Schmerz gequält werden’, mit Akkusativ ‘etw. ausstehen müssen, ertragen, dulden, zulassen’, daher auch (bereits frühnhd.) jmdn., etw. (nicht) leiden können; ahd. līdan ‘ertragen, erdulden’ (Otfrid, 9. Jh., doch zuvor wohl schon gilīdan ‘mit jmdm. dulden’ für spätlat. compatī, 8. Jh. in St. Gallen), mhd. līden ‘ertragen, erdulden’ (vereinzelt ‘dulden’ ohne Akkusativobjekt), mnd. mnl. līden, nl. lijden, afries. lītha, schwed. lida, dän. lide ‘ertragen, dulden’. Das gemeingerm. Verb bedeutet ursprünglich ‘sich fortbewegen, gehen, vergehen’, so got. -leiþan (in Präfixbildungen), anord. līða (auch ‘dahingehen, sterben’; daneben spät ein schwaches Verb anord. līða ‘leiden, dulden’, unter mnd. Einfluß), asächs. līðan, aengl. līþan; Reste des alten Gebrauchs sind gleichfalls ahd. līdan im Sinne von ‘fahren, vergehen’ (8. Jh., meist in präfigierten Formen; hierzu wohl bereits langobard. līd in laib ‘geh ins Erbe!’, 7. Jh.), mhd. mnd. mnl. līden ‘gehen, vorübergehen’, nl. geleden Part. Prät. ‘vergangen, verflossen’, ferner schwed. lida, dän. lide ‘fortschreiten, vergehen’ (von der Zeit); s. auch ↗leiten. Der im Ahd. zuerst nachzuweisende Bedeutungswandel setzt sich offenbar von Süden (alem., rheinfrk.) nach Norden durch, erreicht um 1300 die Küste und findet vom Nd. aus Eingang ins Nl., Fries. und in die nord. Sprachen. Diese semantische Entwicklung, die sich ebenso bei der später bezeugten Präfixbildung erleiden Vb. ‘etw. ertragen müssen, erdulden, durch etw. Schaden nehmen’ vollzieht (ahd. irlīdan ‘durchlaufen, bis zu Ende gehen, erreichen, fertigbringen’, 9. Jh., ‘durchstehen, erdulden’, um 1000, mhd. erlīden ‘bis zu Ende gehen, bestehen, erleben, ertragen’; vgl. got. usleiþan ‘weggehen, vergehen’), beruht vielleicht auf Einfluß der unter ↗Leid (s. d.) dargestellten Wortgruppe, die jedoch etymologisch von leiden zu trennen ist. Da für germ. *līþan sichere Verwandte außerhalb des Germ. fehlen, bleibt sein Ursprung trotz mehrfacher Herleitungsversuche fraglich. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit toch. AB lit- ‘fortgehen’, awest. raēθ- ‘sterben’, außerdem wird auf griech. ló͞itē (λοίτη) ‘Grab’, loité͞uein (λοιτεύειν) ‘begraben’ hingewiesen; dann wäre eine gemeinsame Wurzel ie. *leit(h)- ‘gehen, fortgehen, sterben’ anzunehmen. Leiden n. ‘anhaltende Krankheit’, auch allgemeiner ‘Qual, Pein’, heute vor allem ‘seelischer Schmerz’, mhd. līden ‘Leiden Trübsal, Plage’; substantivierter Infinitiv des starken Verbs mhd. līden ‘ertragen, dulden’ (s. oben), der sich im Nhd. zunehmend verselbständigt (seit dem 18. Jh. wird dazu ein Plural gebildet), wohl begünstigt durch den biblischen Gebrauch; vgl. das Leiden Christi (häufig als Schwur- und Beteuerungsformel beim Leiden Gottes, Christi). Leidenschaft f. ‘intensive, das gesamte Verhalten bestimmende und vom Verstand nur schwer zu steuernde emotionale Reaktion’, namentlich ‘heftige Zuneigung zu einer Person, ausgeprägter Hang zu bestimmten Tätigkeiten oder Dingen’, Mitte des 17. Jhs. aufkommendes, jedoch erst im 18. Jh. geläufiges Übersetzungswort für frz. passion, auch für frz. passibilité (dieses eigentlich ‘Leidens-, Empfindungsfähigkeit’, vgl. lat. passio ‘Leiden’, spätlat. ‘Empfindsamkeit’, spätlat. passibilitās ‘Leidensfähigkeit’); Ableitung mit dem Kompositionssuffix ↗-schaft (s. d.) vom substantivierten Infinitiv Leiden (wie ↗Wissenschaft, s. d.); dazu leidenschaftlich Adj. ‘von Leidenschaft getrieben, überaus heftig, von starker Zuneigung, großer Begeisterung erfüllt’ (18. Jh.). leidlich Adj. ‘gerade noch zu dulden, erträglich, halbwegs gut’ (15. Jh.), spätmhd. līdelich ‘leidend, für körperliche Leiden empfänglich, geduldig’ (zu mhd. līden ‘ertragen, dulden’).

Thesaurus

Synonymgruppe
emotional erregt · ↗heißblütig · leidenschaftlich · mit Verzückung · ↗temperamentvoll · ↗ungestüm · voller Leidenschaft  ●  ↗feurig  ugs. · ↗hitzig  ugs.
Synonymgruppe
aufopferungsvoll · ↗hingebungsvoll · leidenschaftlich
Synonymgruppe
(sehr) engagiert · aus Passion · ↗enthusiastisch · ↗fanatisch · ↗fleißig · glühend · heiß und innig (lieben) · ↗hingebungsvoll · ↗intensiv · leidenschaftlich · mit (viel) Herzblut · mit Hingabe · mit Leib und Seele (dabei) · mit ganzer Seele · mit großem Einsatz · mit viel Engagement · ↗passioniert · ↗rückhaltlos · ↗vehement · voller Hingabe · voller Leidenschaft  ●  ↗begeistert (leidenschaftlich)  Hauptform · ↗flammend  geh., fig. · mit Lust und Liebe  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affäre Angler Anteilnahme Appell Bekenntnis Bergsteiger Erregung Fußballfan Golfer Golfspieler Gärtner Hingabe Jäger Kunstsammler Kuß Liebe Liebhaber Motorradfahrer Patriot Plädoyer Raucher Sammler Segler Umarmung Verehrer Verfechter geführt geradezu kämpfend küssen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›leidenschaftlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nein, mit der Bahn gefahren bin ich auch als Kind leidenschaftlich gerne.
Der Tagesspiegel, 26.05.2000
Aber viele Künstler sind doch mit leidenschaftlichen Werken berühmt geworden.
Die Welt, 07.04.2000
Er übernahm allmählich viele der hergebrachten Formen einer studentischen Verbindung, wenn auch oft unter leidenschaftlichen Kämpfen.
Staats, J. F.: Studentenverbände. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 39684
Wir müssen wirklich wie die Opfer einer leidenschaftlichen Nacht ausgesehen haben.
Hartung, Hugo: Ich denke oft an Piroschka, Frankfurt a. M.: Büchergilde Gutenberg 1980 [1954], S. 108
Dabei ist die leidenschaftliche Verteidigung der These, daß die »Formen der Musik sich nie entwickeln, nur verwandeln können«, besonders wertvoll.
Laux, Karl: Bekker. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1951], S. 21432
Zitationshilfe
„leidenschaftlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/leidenschaftlich>, abgerufen am 24.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Leidenschaft
Leidensbruder
Leidensborn
Leidensbereitschaft
leidend
Leidenschaftlichkeit
leidenschaftslos
Leidenschaftslosigkeit
Leidensdruck
leidensfähig