lehnen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungleh-nen
Wortbildung mit ›lehnen‹ als Erstglied: ↗Lehnsessel · ↗Lehnstuhl  ·  mit ›lehnen‹ als Letztglied: ↗ablehnen · ↗anlehnen · ↗auflehnen · ↗dagegenlehnen · ↗hinauslehnen · ↗hinüberlehnen · ↗vorlehnen · ↗zurücklehnen
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
mit leichter Neigung, schräg an einen stützenden Gegenstand stellen u. dadurch Halt geben
2.
a)
sich in leichter Neigung, schräg gegen jmdn., etw. legen, um Halt zu finden
b)
sich über einen Gegenstand beugen u. sich dabei mit dem Körper auf ihm abstützen
3.
mit leichter Neigung, schräg gegen etw. gestützt sein, stehen oder sitzen u. dadurch Halt haben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lehnen1 · ablehnen · auflehnen · Lehne1
lehnen1 Vb. ‘an einen stützenden Gegenstand stellen’, reflexiv ‘sich an etw. stützen, gegen etw. stellen’. Zugrunde liegen zwei Verben, und zwar ein intransitives ahd. (h)linēn (8. Jh.), mhd. linen, lenen ‘lehnen, sich stützen’ mit asächs. hlinon, mnl. lenen, loenen, leunen, nl. leunen, aengl. hleonian, hlinian, engl. to lean und ein kausatives transitives ahd. (h)leinen (um 1000), mhd. leinen ‘lehnen’, nhd. leinen (bei obd. Schriftstellern noch bis zum 18. Jh.) mit mnl. leinen, aengl. hlǣnan. Die Vermischung von intransitivem und transitivem Gebrauch beginnt im Mhd., worauf beide Formen wohl in dem (neben mhd. leinen stehenden) md. lēnen zusammengefallen sind. Beide Verben führen mit ablautendem ahd. (h)lēo ‘Grabhügel, Grabmal’ (8. Jh.), asächs. hlēo, aengl. hlǣw, hlāw, got. hlaiw ‘Grab’, hlain ‘Hügel’ sowie mit aind. śráyatē ‘heftet an etw., lehnt sich an, befindet sich’, śráyati ‘lehnt, bringt an etw. an, legt auf etw.’, griech. klī́nein (κλίνειν) ‘(sich) neigen, (an)lehnen, niederlegen, beugen’ (s. ↗Klinik, ↗Klima, ↗Klimakterium), spätlat. clīnāre ‘biegen, beugen, neigen’ (nach lat. acclīnāre ‘anlehnen’, dēclināre ‘abändern, abweichen’, s. ↗deklinieren, inclīnāre ‘hinneigen, hinwenden’), lat. cliēns ‘der sich schutzeshalber an einen Patron Anlehnende, Schutzbefohlener einer Gens’ (s. ↗Klient), lit. šliẽti ‘anlehnen, stützen’, šlýti ‘sich (zur Seite oder nach vorn) neigen’ auf ie. *k̑lei- ‘neigen, lehnen’, Erweiterung der Wurzel ie. *k̑el- ‘neigen’ (s. ↗Halde). ablehnen Vb. ‘zurückweisen, verweigern, nicht annehmen, ausschlagen, mißbilligen’ (um 1500), daneben (bis ins 18. Jh.) ableinen. auflehnen Vb. ‘die Arme auf etw. stützen, auflegen’, (reflexiv) ‘sich empören, widersetzen’, mhd. ūfleinen ‘auf-, anlehnen, befestigen’, (reflexiv) ‘sich aufrichten, sich empören’, (md.) ūflēnen, obd. (bis ins 18. Jh.) aufleinen. Lehne1 f. ‘Stütze eines Sitzmöbels für Rücken oder Arme’, obd. ‘sanfter Berghang’, ahd. (h)lina ‘Rückenlehne, Lagerstätte’ (8. Jh.), (h)lena (10. Jh.), mhd. lene, lin(e), auch ‘Geländer, Galerie’.

lehnen2 · belehnen · entlehnen · Lehnwort
lehnen2 Vb. ‘zu Lehen geben’, landschaftlich ‘leihen, verleihen’, ahd. lēhanōn ‘borgen, leihen’ (9. Jh.; vgl. analēhanōn, um 800), mhd. mnd. lēhenen, lēnen ‘als Lehen geben, belehnen, leihen, entleihen’, asächs. lēhnon ‘leihen’, mnl. lēnen, nl. lenen, aengl. lǣnan ‘leihen, gewähren, geben’, engl. (mit d aus den Präteritalformen) to lend ‘(ver)leihen’, anord. lāna ‘leihen’ sind Ableitungen von dem unter ↗Lehen (s. d.) behandelten Substantiv. Dazu die Präfixbildungen belehnen Vb. ‘als Lehen geben, in ein Lehen einsetzen’, mhd. belēhenen; entlehnen Vb. ‘fremdes Geistesgut übernehmen und verwerten, entleihen’, ahd. intlēhanōn (9. Jh.), mhd. entlēh(en)en ‘entleihen, entlehnen’. Lehnwort n. ‘aus einer fremden Sprache entlehntes, der heimischen Lautung, Betonung und Flexion angeglichenes Wort’ (Mitte 19. Jh.); zuvor entlehntes Wort (Mitte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) lehnen (an) · (sich) stützen (auf) · abhängig sein (von)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baum Brüstung Fahrrad Fenster Geländer Hauswand Kopf Mauer Rücken Schulter Sessel Stuhl Theke Tresen Tür Wand ab ablehnen aneinanderlehnen anlehnen auflehnen ebenso hinauslehnen kategorisch lässig nach strikt vor zurück zurücklehnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lehnen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dabei könnte er sich im Moment durchaus etwas weiter aus dem Fenster lehnen.
Die Welt, 20.10.2001
Man sah ihn telefonieren, den Kopf gegen den Apparat gelehnt.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 6
Er lehnt lässig an seinem Wagen, drückt ein Handy an sein Ohr.
Der Tagesspiegel, 04.06.1998
Der bucklige Kohn lehnte lässig an einer katholischen Kirche, überlegte das Dasein.
Lichtenstein, Alfred: Cafe Klößchen. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 41616
Nach dieser Rede verstummte sie, und auch ich lehnte mich schweigend in meine Ecke.
Christ, Lena: Erinnerungen einer Überflüssigen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 16985
Zitationshilfe
„lehnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/lehnen#1>, abgerufen am 22.05.2019.

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lehnen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungleh-nen
Wortbildung mit ›lehnen‹ als Erstglied: ↗Lehnbedeutung · ↗Lehnschöpfung · ↗Lehnwort · ↗Lehnübersetzung
 ·  mit ›lehnen‹ als Letztglied: ↗belehnen · ↗entlehnen
eWDG, 1969

Bedeutung

veraltet etw. leihen
Beispiel:
Tausend Mark wenn mir einer lehnte [Hesse1,806]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lehnen1 · ablehnen · auflehnen · Lehne1
lehnen1 Vb. ‘an einen stützenden Gegenstand stellen’, reflexiv ‘sich an etw. stützen, gegen etw. stellen’. Zugrunde liegen zwei Verben, und zwar ein intransitives ahd. (h)linēn (8. Jh.), mhd. linen, lenen ‘lehnen, sich stützen’ mit asächs. hlinon, mnl. lenen, loenen, leunen, nl. leunen, aengl. hleonian, hlinian, engl. to lean und ein kausatives transitives ahd. (h)leinen (um 1000), mhd. leinen ‘lehnen’, nhd. leinen (bei obd. Schriftstellern noch bis zum 18. Jh.) mit mnl. leinen, aengl. hlǣnan. Die Vermischung von intransitivem und transitivem Gebrauch beginnt im Mhd., worauf beide Formen wohl in dem (neben mhd. leinen stehenden) md. lēnen zusammengefallen sind. Beide Verben führen mit ablautendem ahd. (h)lēo ‘Grabhügel, Grabmal’ (8. Jh.), asächs. hlēo, aengl. hlǣw, hlāw, got. hlaiw ‘Grab’, hlain ‘Hügel’ sowie mit aind. śráyatē ‘heftet an etw., lehnt sich an, befindet sich’, śráyati ‘lehnt, bringt an etw. an, legt auf etw.’, griech. klī́nein (κλίνειν) ‘(sich) neigen, (an)lehnen, niederlegen, beugen’ (s. ↗Klinik, ↗Klima, ↗Klimakterium), spätlat. clīnāre ‘biegen, beugen, neigen’ (nach lat. acclīnāre ‘anlehnen’, dēclināre ‘abändern, abweichen’, s. ↗deklinieren, inclīnāre ‘hinneigen, hinwenden’), lat. cliēns ‘der sich schutzeshalber an einen Patron Anlehnende, Schutzbefohlener einer Gens’ (s. ↗Klient), lit. šliẽti ‘anlehnen, stützen’, šlýti ‘sich (zur Seite oder nach vorn) neigen’ auf ie. *k̑lei- ‘neigen, lehnen’, Erweiterung der Wurzel ie. *k̑el- ‘neigen’ (s. ↗Halde). ablehnen Vb. ‘zurückweisen, verweigern, nicht annehmen, ausschlagen, mißbilligen’ (um 1500), daneben (bis ins 18. Jh.) ableinen. auflehnen Vb. ‘die Arme auf etw. stützen, auflegen’, (reflexiv) ‘sich empören, widersetzen’, mhd. ūfleinen ‘auf-, anlehnen, befestigen’, (reflexiv) ‘sich aufrichten, sich empören’, (md.) ūflēnen, obd. (bis ins 18. Jh.) aufleinen. Lehne1 f. ‘Stütze eines Sitzmöbels für Rücken oder Arme’, obd. ‘sanfter Berghang’, ahd. (h)lina ‘Rückenlehne, Lagerstätte’ (8. Jh.), (h)lena (10. Jh.), mhd. lene, lin(e), auch ‘Geländer, Galerie’.

lehnen2 · belehnen · entlehnen · Lehnwort
lehnen2 Vb. ‘zu Lehen geben’, landschaftlich ‘leihen, verleihen’, ahd. lēhanōn ‘borgen, leihen’ (9. Jh.; vgl. analēhanōn, um 800), mhd. mnd. lēhenen, lēnen ‘als Lehen geben, belehnen, leihen, entleihen’, asächs. lēhnon ‘leihen’, mnl. lēnen, nl. lenen, aengl. lǣnan ‘leihen, gewähren, geben’, engl. (mit d aus den Präteritalformen) to lend ‘(ver)leihen’, anord. lāna ‘leihen’ sind Ableitungen von dem unter ↗Lehen (s. d.) behandelten Substantiv. Dazu die Präfixbildungen belehnen Vb. ‘als Lehen geben, in ein Lehen einsetzen’, mhd. belēhenen; entlehnen Vb. ‘fremdes Geistesgut übernehmen und verwerten, entleihen’, ahd. intlēhanōn (9. Jh.), mhd. entlēh(en)en ‘entleihen, entlehnen’. Lehnwort n. ‘aus einer fremden Sprache entlehntes, der heimischen Lautung, Betonung und Flexion angeglichenes Wort’ (Mitte 19. Jh.); zuvor entlehntes Wort (Mitte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) lehnen (an) · (sich) stützen (auf) · abhängig sein (von)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baum Brüstung Fahrrad Fenster Geländer Hauswand Kopf Mauer Rücken Schulter Sessel Stuhl Theke Tresen Tür Wand ab ablehnen aneinanderlehnen anlehnen auflehnen ebenso hinauslehnen kategorisch lässig nach strikt vor zurück zurücklehnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lehnen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dabei könnte er sich im Moment durchaus etwas weiter aus dem Fenster lehnen.
Die Welt, 20.10.2001
Man sah ihn telefonieren, den Kopf gegen den Apparat gelehnt.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 6
Er lehnt lässig an seinem Wagen, drückt ein Handy an sein Ohr.
Der Tagesspiegel, 04.06.1998
Der bucklige Kohn lehnte lässig an einer katholischen Kirche, überlegte das Dasein.
Lichtenstein, Alfred: Cafe Klößchen. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 41616
Nach dieser Rede verstummte sie, und auch ich lehnte mich schweigend in meine Ecke.
Christ, Lena: Erinnerungen einer Überflüssigen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 16985
Zitationshilfe
„lehnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/lehnen#2>, abgerufen am 22.05.2019.

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