lahm

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›lahm‹ als Erstglied: ↗lahmlegen  ·  mit ›lahm‹ als Letztglied: ↗flügellahm · ↗fußlahm · ↗gliederlahm · ↗hüftlahm · ↗kreuzlahm · ↗lauflahm · ↗lendenlahm
 ·  mit ›lahm‹ als Grundform: ↗Lahmheit
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
jmd. ist lahmjmd. hat einen Körperschaden an Hüfte oder Bein, hinkt
Beispiele:
das Kind ist von Geburt an lahm
lahm gehen (= hinken)
gelähmt
Beispiel:
einen lahmen Arm, ein lahmes Bein haben
2.
umgangssprachlich durch (einseitige) Belastung, Müdigkeit kraftlos geworden
Beispiele:
meine Arme sind ganz lahm vom Koffertragen
mir wird allmählich die Hand lahm
er war müde und lahm von der ungewohnten Arbeit
vom vielen Bücken wurde ihr das Kreuz lahm
seine von der Müdigkeit lahme Hand läßt ein Glas fallen [JahnnHolzschiff79]
Fernand stand auf mit lahmen Gliedern, dehnte sich [Feuchtw.Narrenweisheit350]
3.
umgangssprachlich, abwertend, übertragen
a)
Beispiel:
eine lahme (= unzureichende) Entschuldigung, Ausrede
b)
schwach, matt
Beispiele:
eine lahme Diskussion, Beteiligung
Eure lahmen Proteste, wer fragt nach ihnen! [WeinertZwischensp.694]
c)
salopp langweilig
Beispiele:
so ein lahmer Geselle!
er erzählte ein paar lahme Witze
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lahm · lahmen · lähmen · Lähmung
lahm Adj. ‘bewegungsuntüchtig, behindert, matt, langweilig’, ahd. lam ‘lahm, gelähmt, abgestumpft’ (8. Jh.), asächs. mhd. mnd. mnl. nl. lam, aengl. lama, engl. lame, anord. lami ‘lahm, verkrüppelt’, schwed. lam. Das germ. (im Got. allerdings nicht bezeugte) Adj. führt zusammen mit einer baltoslaw. Wortgruppe aslaw. lomiti, russ. lomít’ (ломать) ‘brechen’, lit. lamìnti ‘zerknüllen, zerknittern, zureiten’, russ. lom (лом) ‘Bruch, Bruchstück’, lomóta (ломота) ‘Gliederreißen’ auf die Wurzel ie. *lem- ‘zerbrechen, zerbrochen’, an die vielleicht auch das Adverb griech. nōlemés (νωλεμές) ‘rastlos, unablässig, unaufhörlich, fest’ anzuschließen ist, falls es als eigentlich ‘nicht zusammenbrechend’, mit seltenem verneinendem n(e)-, ν(ε)- zu einem Substantiv *ólemos (ὄλεμος) gebildet, zu erklären ist. Im Ablautverhältnis zu lahm stehen innerhalb des Germ. mhd. (dehnstufig) lüemen ‘erschlaffen, ermatten’, nhd. (mundartlich) lumm ‘schlaff, matt’, wozu ↗Lümmel (s. d.) gehört. Ausgangsbedeutung im Dt. ist ‘gliederschwach’; lahm wird vor allem auf funktionsschwache, kraftlose Füße und Beine, dann auf Menschen und Tiere mit entsprechenden Gliedmaßen bezogen, auch auf Äußerungen und Handlungen übertragen, vgl. lahme Ausrede, lahmer Protest, Vortrag. lahmen Vb. ‘hinkend gehen, lahm sein’, mhd. (selten) lamen ‘lahm sein oder werden’, geläufig erst seit dem 18. Jh. lähmen Vb. ‘lahm machen, lahmlegen’, ahd. lemmen (9. Jh.), mhd. lemen, asächs. lemmian, aengl. lemian, anord. lemja ‘lahm schlagen’, Faktitivum (‘lahm machen’) zum oben genannten Adj. Lähmung f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
behäbig · lahm · ↗langsam · ↗schleppend · ↗schwerfällig · ↗träge  ●  ↗bummelig  ugs. · ↗tranig  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Kacke  derb · ↗doof  ugs. · lahm  ugs. · ↗scheiße  derb · ↗uncool  ugs. · ↗ungeil  ugs. · ↗ätzend  ugs.
Synonymgruppe
lasch · ↗uninteressant · wenig aufregend  ●  lahm  fig. · ↗langweilig  Hauptform · (so aufregend) wie eingeschlafene Füße  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausrede Bein Binnenkonjunktur Ente Entschuldigung Esel Gag Gaul Gelaber Henne Konjunktur Krücke Riese Schnecke US-Konjunktur Weber Weltkonjunktur blind gelegt krumm lahm lasch legen nahezu stinkend taub teilweise zahm zeitweise zu

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lahm‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das lahme Kreuz obsiegte, was dann kam, war so schlimm nicht.
Der Tagesspiegel, 13.10.2000
Im zweiten Drittel wurde das lahme Spiel vor 2900 Fans etwas flotter.
Bild, 23.01.1999
Wer sich am nächsten Tag über »die lahme Party von gestern« beschwert, war oft selbst ein lahmer Gast.
Schäfer-Elmayer, Thomas: Der Elmayer. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1991], S. 4570
Trotz seines lahmen Beines war er schneller als die anderen.
Röhrig, Tilman: In dreihundert Jahren vielleicht, Würzburg: Arena 1984 [1983], S. 5
Er ließ sich hierbei nicht mit lahmen und mit verschleiernden Erklärungen abspeisen.
o. A.: Einhundertsechsundachtzigster Tag. Donnerstag, 25. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 18288
Zitationshilfe
„lahm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/lahm>, abgerufen am 20.05.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Lahar
Lagunenstadt
Lagunenriff
Lagune
Lagting
Lahmarsch
lahmarschig
Lähme
lahmen
Lahmheit