lagern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungla-gern
Wortbildung mit ›lagern‹ als Erstglied: ↗Lagerung · ↗lagerfest · ↗lagerfähig
 ·  mit ›lagern‹ als Letztglied: ↗ablagern · ↗anlagern · ↗auflagern · ↗auslagern · ↗einlagern · ↗hinlagern · ↗hochlagern · ↗umlagern · ↗vorlagern · ↗wegelagern · ↗zwischenlagern · ↗überlagern
 ·  mit ›lagern‹ als Grundform: ↗belagern · ↗gelagert · ↗verlagern
 ·  formal verwandt mit: ↗postlagernd
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
sich lagernsich niederlegen, niedersetzen und rasten
Beispiele:
ich lagerte mich im, ins Gras
wir wollen (uns) im Wald, Schatten, am See lagern
An vielen Stellen lagerte sich das Getreide (= sank durch Nässe, Sturm um) [PolenzBüttnerbauer1,129]
jmdn. lagernjmdn. betten, niederlegen
Beispiel:
[die Ärztin] lagerte den Patienten auf ein Brett [Tageszeitung1961]
2.
liegen
a)
sein Lager, seine Ruhestätte an einem bestimmten Ort haben
Beispiele:
das Heer lagerte in der Ebene
die Gäste mussten eine Nacht auf Luftmatratzen lagern
Wenige Tage später lagerten wir in einem Dorf [SchomburgkAfrika279]
Er lagerte außerhalb der Mauern [Feuchtw.Jefta295]
Technik Der gesamte Achsantrieb lagert in einem Gehäuse und läuft in Getriebeöl [Kraftfahrzeugkunde39]
b)
Geologie vorkommen, seinen Standort haben
Beispiel:
hier lagern Eisenerze, Salze
c)
gehoben, übertragen
Beispiele:
Finsternis, brütende Hitze lagerte über der Stadt
Wolken, die dicht um die Berge lagerten [BecherAbschied4,28]
Straßenstaub lagerte auf den Lindenblättern [StrittmatterWundertäter136]
lagerte im Landschaftszimmer eine schwere, beklommene, ängstliche Stille [Th. MannBuddenbrooks1,558]
d)
Beispiele:
das Bier, dieser Wein muss noch lagern (= noch liegen, um an Geschmack zu gewinnen)
in der Scheune lagert Getreide (= ist Getreide gespeichert)
bei uns lagern große Mengen (von) Kartoffeln, Äpfeln
3.
papierdeutsch etw. ist ähnlich gelagertetw. zeigt einen ähnlichen Sachverhalt, etw. liegt ähnlich
Beispiele:
der Fall ist ähnlich gelagert
eine ähnlich gelagerte Straftat
das ist ganz anders gelagert, als du denkst
die Verhältnisse sind bei ihm besonders schwierig gelagert
4.
etw. lagerneine Ware speichern, aufbewahren, als Vorrat aufnehmen
Beispiele:
die Kartoffeln im Keller lagern
Waren, Getreide, Obst lagern
Holz muss trocken gelagert werden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Lager · lagern · Lagerstatt · Lagerstätte · belagern · verlagern
Lager n. ‘Ort zum Liegen’, ahd. legar (9. Jh.), mhd. leger ‘(Tier-, Kranken)lager, Grabstätte, Belagerung’, asächs. legar, mnd. lēger, mnl. lēgher, nl. leger, aengl. leger ‘Beilager, Bett, Grab’, engl. lair ‘Wildlager’, anord. legr ‘Grab, Beilager’, schwed. läger ‘Bett, Heerlager’, got. ligrs ‘Bett, Lager’ (germ. *legra-) gehören (mit germ. ra-Suffix bei gleicher Stammbildung, aber unterschiedlichem Genus) zu dem unter ↗liegen (s. d.) behandelten Verb. Die alte Form Leger, Läger begegnet bis ins 17. Jh. Daneben tritt Lager seit dem 14. Jh. im Omd. auf, offenbar gefördert durch Anlehnung an ↗Lage (s. d.). Omd. Lager, von Luther bevorzugt, setzt sich seit dem 16. Jh. allmählich durch. Zu der Grundvorstellung ‘Liegestatt’ treten als dominierende Bedeutung im Mhd. ‘Heerlager’, seit dem Frühnhd. ‘Rastort eines Fürsten mit seinem Gefolge’ (Hoflager), ‘Aufbewahrungsraum für Waren’ (Warenlager), bergmannssprachlich ‘Vorkommen von Bodenschätzen’ (Erzlager) sowie im Bereich der Technik ‘Fläche, auf der ein Gegenstand aufliegt oder mit der er aufliegt’. In der Gegenwart häufig ‘vorübergehende Unterkunftsmöglichkeit (in Baracken oder Zelten) für größere Menschenmassen’ (vgl. Barackenlager, Zeltlager, so besonders auch in Zusammensetzungen wie Ferien-, Flüchtlings-, Sammel-, Trainingslager). lagern Vb. ‘für längere Zeit aufbewahren, auf Lager liegen’, mhd. legeren, legern ‘liegen, (sich) in gehörige Stellung bringen’. Lagerstatt f. ‘Lager, Bett’, mhd. legerstat, in fast allen Verwendungen des Bestimmungswortes, in der Gegenwart besonders ‘Schlafstätte’. Lagerstätte f. ‘Vorkommen von Bodenschätzen’ (19. Jh.), auch ‘Bett’ (17. Jh.). belagern Vb. ‘mit einem Heer(lager) umgeben’, spätmhd. belegern. verlagern Vb. ‘an einen anderen Ort bringen, anders lagern’, frühnhd. verlägern (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
betten · ↗einbetten · ↗eingliedern · ↗einlagern · lagern · ↗legen  ●  ↗einbinden  fachspr.
Synonymgruppe
ablagern · ↗deponieren · ↗einlagern · ↗hinterlegen · in Verwahrung geben · lagern
Assoziationen
Synonymgruppe
aufbewahren · ↗aufheben · ↗behalten · ↗bewahren · ↗erhalten · in Verwahrung nehmen · ↗konservieren · lagern · ↗verwahren  ●  ↗asservieren  geh. · nicht wegschmeißen  ugs. · nicht wegwerfen  ugs.
Assoziationen
  • achten und bewahren · gut achtgeben auf · hüten wie seinen Augapfel · in Ehren halten · nicht weggeben
  • (für) Zeiten der Not  ●  (für) schlechte Zeiten  ugs.
  • Dörrbirne  ●  ↗Hutze  alemannisch · Hutzle  alemannisch · ↗Kletze  bair., österr.
Synonymgruppe
lagern (auf, über) · ↗legen · ↗setzen
Synonymgruppe
biwakieren · ↗campen · ↗kampieren · lagern · ↗zelten  ●  ↗campieren  österr., schweiz.
Oberbegriffe
  • sonstige Verben
Assoziationen
  • Erdnagel · ↗Hering · Leinennagel · Seilnagel · Spannnagel · Zelthering · Zeltnagel · ↗Zeltpflock
  • (sich irgendwo) niedergelassen haben · (sich irgendwohin) gelegt haben  ●  lagern (Person)  Hauptform · es sich gemütlich gemacht haben  ugs., ironisierend
Synonymgruppe
(irgendwo) verwahrt werden · aufbewahrt werden · deponiert sein · eingelagert sein · in Verwahrung sein · untergebracht sein  ●  (irgendwo) lagern  Hauptform
Synonymgruppe
(sich irgendwo) niedergelassen haben · (sich irgendwohin) gelegt haben  ●  lagern (Person)  Hauptform · es sich gemütlich gemacht haben  ugs., ironisierend
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abfall Akte Archiv Atommüll Brennelement Brennstab Deponie Depot Faß Keller Kiste Kubikmeter Kühlhaus Kühlschrank Munition Müll Plutonium Regal Schatz Sprengstoff Tank Tonne Tresor Vorrat ablagern anlagern auslagern einlagern zusammenlagern zwischenlagern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lagern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Problem dabei ist ähnlich gelagert wie beim Öl: das wird auch nicht an den Orten gefördert, an denen es gebraucht wird.
Der Tagesspiegel, 18.07.2001
Um den Kern des Einsperrens herum lagert sich ein Ring von weichen Alternativen.
Süddeutsche Zeitung, 09.01.1996
Der rechte Arm bleibt auf einem weichen Kissen gelagert, so daß er ihn bald vorsichtig bewegen kann.
Killian, Hans: Auf Leben und Tod, München: Wilhelm Heyne Verlag 1976, S. 182
In allen Häusern aller Straßen sind sämtliche Fenster eingeschlagen; viele Straßen sind noch jetzt gesperrt, und überall lagern Scharen von Militär.
Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054
Dann hätte man zu früh gejubelt und abermals lagerten sich düstere Schatten um das festlich geschmückte Haus!
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 25752
Zitationshilfe
„lagern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/lagern>, abgerufen am 18.10.2019.

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