lähmen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungläh-men (computergeneriert)
Wortbildung mit ›lähmen‹ als Grundform: ↗gelähmt  ·  formal verwandt mit: ↗atemlähmend
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
etw. lähmt etw., jmdn.etw. ruft bei etw., jmdm. eine Lähmung hervor
Beispiele:
sie ist seit zwei Jahren (einseitig) gelähmt
seit dem Unfall ist sie an beiden Beinen gelähmt
ein gelähmter Arm
er war vor Schreck, Angst wie gelähmt
wie gelähmt dastehen
er wurde durch einen Schlaganfall gelähmt
der furchtbare Rheumatismus, der ihr die Finger lähmt [St. ZweigBalzac510]
2.
übertragen jmdm., einer Sache die Kraft nehmen
Beispiele:
etw. lähmt jmds. Willen, Schaffenskraft
jmdn. befällt lähmende Müdigkeit, Traurigkeit
der lähmenden Ungewissheit ein Ende machen
die Zuschauer erfasste lähmendes Entsetzen
sich von dem lähmenden Druck, den lähmenden Sorgen befreien
Auch die täglichen kleinen Auseinandersetzungen ... hatten Mathildes Eifer mit der Zeit gelähmt [L. FrankMathilde5,108]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lahm · lahmen · lähmen · Lähmung
lahm Adj. ‘bewegungsuntüchtig, behindert, matt, langweilig’, ahd. lam ‘lahm, gelähmt, abgestumpft’ (8. Jh.), asächs. mhd. mnd. mnl. nl. lam, aengl. lama, engl. lame, anord. lami ‘lahm, verkrüppelt’, schwed. lam. Das germ. (im Got. allerdings nicht bezeugte) Adj. führt zusammen mit einer baltoslaw. Wortgruppe aslaw. lomiti, russ. lomít’ (ломать) ‘brechen’, lit. lamìnti ‘zerknüllen, zerknittern, zureiten’, russ. lom (лом) ‘Bruch, Bruchstück’, lomóta (ломота) ‘Gliederreißen’ auf die Wurzel ie. *lem- ‘zerbrechen, zerbrochen’, an die vielleicht auch das Adverb griech. nōlemés (νωλεμές) ‘rastlos, unablässig, unaufhörlich, fest’ anzuschließen ist, falls es als eigentlich ‘nicht zusammenbrechend’, mit seltenem verneinendem n(e)-, ν(ε)- zu einem Substantiv *ólemos (ὄλεμος) gebildet, zu erklären ist. Im Ablautverhältnis zu lahm stehen innerhalb des Germ. mhd. (dehnstufig) lüemen ‘erschlaffen, ermatten’, nhd. (mundartlich) lumm ‘schlaff, matt’, wozu ↗Lümmel (s. d.) gehört. Ausgangsbedeutung im Dt. ist ‘gliederschwach’; lahm wird vor allem auf funktionsschwache, kraftlose Füße und Beine, dann auf Menschen und Tiere mit entsprechenden Gliedmaßen bezogen, auch auf Äußerungen und Handlungen übertragen, vgl. lahme Ausrede, lahmer Protest, Vortrag. lahmen Vb. ‘hinkend gehen, lahm sein’, mhd. (selten) lamen ‘lahm sein oder werden’, geläufig erst seit dem 18. Jh. lähmen Vb. ‘lahm machen, lahmlegen’, ahd. lemmen (9. Jh.), mhd. lemen, asächs. lemmian, aengl. lemian, anord. lemja ‘lahm schlagen’, Faktitivum (‘lahm machen’) zum oben genannten Adj. Lähmung f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
lahmlegen · lähmen · ↗paralysieren
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angst Arm Atmung Autounfall Bein Bürokratie Eigeninitiative Entsetzen Flügelkampf Generalstreik Gesichtshälfte Gift Glied Hals Halswirbel Handlungsfähigkeit Hüfte Kauflust Kreativität Kräfteverhältnis Körperhälfte Machtkampf Muskel Muskulatur Reitunfall Schaffenskraft Schlaganfall Streik Wirtschaftsleben Zunge

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lähmen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was lähmt jeden zur Veränderung der Sprache ansetzenden politischen Willen?
Die Welt, 24.09.2005
Nein, sagt Gysi, als er davon erfahren habe, sei der Vater schon schwer gelähmt gewesen.
Der Tagesspiegel, 17.10.2001
Daß du mir das nahmst, wofür ich mich ins Geschirr legte, das lähmte mich, noch mehr, es machte mich bitter.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 4427
Die Füße sind ihm wie gelähmt, es ist kein Leben darin.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 4389
Sie zersetzen die Stadt; sie durchdringen die Leiber und die Willen und lähmen sie.
Rubiner, Ludwig: Die Gewaltlosen. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 16630
Zitationshilfe
„lähmen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/lähmen>, abgerufen am 13.10.2019.

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