kuschen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungku-schen (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutung

der Hund kuscht (sich)der Hund (hört auf zu bellen und) legt sich still nieder
Beispiele:
auf Befehl sollte (sich) der Hund kuschen
das folgsame Tier hat sofort gekuscht
kusch (dich)!
als seien es irgendwelche Tiere, die man zum Kuschen bringen mußte [KafkaAmerika139]
umgangssprachlich, übertragen jmd. kuscht (sich)jmd. widersetzt sich nicht, gibt klein bei
Beispiele:
die Untergebenen, Armen mussten (sich) kuschen
er hatte lange genug vor seinem Vorgesetzten gekuscht
man muß ihnen bloß die harte Hand zeigen, dann kuschen sie! [WelkGrambauer19]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kusch · kuschen · kuscheln
kusch Interjektion mit der dem Hund (ursprünglich dem auf frz. Kommandos hörenden abgerichteten Jagdhund, vgl. frz. chien couchant ‘Vorsteh-, Hühnerhund’) befohlen wird, sich lautlos hinzulegen, Übernahme (17. Jh., zunächst noch mit frz. Schreibung) von frz. couche! (im 18. Jh. auch kusch dich!, nach frz. couche-toi!), Imperativ des Verbs frz. (se) coucher, afrz. (soi) couchier ‘sich niederlegen, ausstrecken’ (transitiv ‘niederlegen, zu Bett bringen’), von lat. collocāre ‘hinstellen, hinsetzen, niederlegen’; vgl. lat. locāre ‘stellen, legen, unterbringen, vermieten, ausleihen’ (zu lat. locus ‘Ort, Platz, Stelle’, s. ↗lokal) und s. ↗kon-. Neben Fügungen wie couchi machen (17. Jh.), couché machen, kusch machen, sein (18. Jh., vgl. frz. être couché ‘liegen’), die in derber Redeweise auch auf Menschen angewandt werden, tritt im 18. Jh. kuschen Vb. ‘sich niederlegen, sich ducken’, von Menschen ‘sich fügen, klein beigeben’ (oft reflexiv nach frz. se coucher); dazu die Intensivbildung kuscheln Vb. reflexiv ‘sich anschmiegen, in etw. Schützendes, Wärmendes schmiegen, einhüllen’ (um 1900), die sich jedoch semantisch an ältere Mundartausdrücke wie rhein. sich kutsche(l)n ‘sich einhüllen, anschmiegen, zusammenkauern’, tirol. gutsch’ln, gutschen ‘schlummern’, schles. (ein)kuschern ‘einschläfern’ (bezeugt seit dem 19. Jh.), ostpreuß. kutschen ‘im Bett liegen’, sich einkutschen ‘sich einhüllen’ (18. Jh.) anschließt, vgl. obd. Gutsche ‘Ruhebett’ (Ende 15. Jh.), rhein. Kutsch ‘(Kinder)bett, Lager von Tieren’ (nach afrz. frz. couche bzw. daraus entlehntem ital. cuccia ‘Bett, Lagerstatt’, s. ↗Couch).

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) Einsehen haben · ↗(sich) beugen · (sich) einsichtig zeigen · ↗(sich) fügen · ↗(sich) zurückziehen · ↗einlenken · klein beigeben · ↗weichen · ↗zurückweichen  ●  (den) Kopf einziehen  fig. · ↗(sich) ducken  fig. · das Handtuch werfen  fig. · die Stellung räumen  fig. · kein Rückgrat haben  fig. · kleine Brötchen backen (müssen)  fig. · ↗nachgeben  Hauptform · ↗zurückrudern  fig. · (einen) Rückzieher machen  ugs. · Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will.  ugs., Sprichwort · den Schwanz einziehen  ugs., fig. · die Platte putzen  ugs. · ↗einknicken  ugs., fig. · kuschen  ugs. · zu Kreuze kriechen  geh., fig., abwertend
Assoziationen
  • (sich) klammern (an) · ↗feig · ↗kleinmütig · ↗mutlos · ↗schüchtern · ↗ängstlich  ●  ↗feige  Hauptform · (sich) nichts trauen  ugs., regional · ↗duckmäuserisch  ugs. · ↗hasenfüßig  ugs. · ↗hasenherzig  ugs. · keine Eier in der Hose haben  derb · keinen Arsch in der Hose haben  ugs. · ↗memmenhaft  ugs.
  • (sich) überzeugen lassen · ↗akzeptieren · ↗annehmen · ↗einsehen · ↗erkennen · ↗verstehen  ●  ↗kapieren  ugs.
  • gegen seine (eigene) Überzeugung handeln  ●  ↗(sich) verbiegen  ugs.
  • (klaglos) über sich ergehen lassen · (sich) (notgedrungen) arrangieren mit · (sich) abfinden (mit) · (sich) bescheiden (mit) · (sich) ergeben in · ↗(sich) fügen · (sich) in sein Schicksal ergeben · (sich) kleiner setzen · ↗ertragen · ↗hinnehmen  ●  (sich) schicken (in)  veraltet · ↗(sich) dareinfinden  geh., veraltet · keinen Aufstand machen  ugs. · ↗schlucken  ugs.
  • (die) Waffen strecken · (einen) Rückzieher machen · (es mit/bei etwas) bewenden lassen · ↗(es) aufgeben · ↗(es) aufstecken · (etwas) auf sich beruhen lassen · (sich dem) Schicksal ergeben · (sich dem) Schicksal fügen · ↗(sich mit etwas) abfinden · ↗(sich) beugen · (sich) geschlagen geben · aufhören zu kämpfen · ↗kapitulieren · klein beigeben · nicht weiter versuchen · nicht weiterverfolgen · nicht weiterversuchen · ↗passen · passen müssen · ↗resignieren  ●  (das) Feld räumen (müssen)  fig. · ↗aufgeben  Hauptform · (das) Handtuch schmeißen  ugs., fig. · (das) Handtuch werfen  ugs., fig. · (den) (ganzen) Bettel hinschmeißen  ugs. · (den) (ganzen) Bettel hinwerfen  ugs. · (den) (ganzen) Kram hinschmeißen  ugs. · (den) (ganzen) Krempel hinschmeißen  ugs. · (die) Brocken hinschmeißen  ugs. · (die) Brocken hinwerfen  ugs. · (die) Flinte ins Korn werfen  ugs., fig. · (die) Segel streichen  ugs. · ↗(etwas) stecken  ugs. · (sich) ins Bockshorn jagen lassen  ugs. · (sich) schicken (in)  geh., veraltet · ↗abbrechen  ugs. · ↗aufstecken  ugs. · die weiße Fahne hissen  ugs., fig. · ↗einpacken (können)  ugs., fig. · ↗hinschmeißen  ugs. · in den Sack hauen  ugs. · ↗schmeißen  ugs., fig. · ↗zurückrudern  ugs., fig.
  • (sich) einer Sache ergeben · ↗(sich) unterwerfen · jemandem willfährig sein  ●  die Kröte schlucken  fig. · die bittere Pille schlucken (müssen)  fig. · zu Kreuze kriechen  fig.
  • (seinen) Widerstand aufgeben · ↗(sich) abfinden · keine (weiteren) Einwände erheben  ●  (zu allem) Ja und Amen sagen  ugs.
  • (seine) Gesinnung wechseln · (seine) Prinzipien verraten · (seine) Überzeugungen über Bord werfen · ↗(zur anderen Seite) überlaufen · die Seite(n) wechseln · ↗umfallen · ↗umkippen · ↗umschwenken
  • (sich) entschuldigen · um Entschuldigung bitten · um Vergebung bitten · um Verzeihung bitten  ●  Abbitte leisten  geh.
  • ich übernehme die volle Verantwortung  formell · meine Schuld  variabel · (war) mein Fehler  ugs. · Asche auf mein Haupt  ugs. · ↗mea culpa  geh., lat.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autorität Boß Hund Kanzler alle brav lieber schweigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kuschen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Büro aber kuscht sich der Mann 2005 konsequent hoch!
Süddeutsche Zeitung, 31.12.2004
Um niemals mehr kuschen zu müssen, sondern andere kuschen zu lassen?
Die Zeit, 17.01.1994, Nr. 03
Denn vor seiner Alten mußte er selber kuschen wie ein Hund.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 408
Der preußische Untertan, der vor jeder Uniform kuschte, war lächerlich gemacht worden wie selten zuvor.
Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1972 [1968], S. 61
Da ist wer, stille Gewand, kusch kostümierter Hund, deine Herrschaft!
Fritsch, Gerhard: Fasching, Hamburg: Rowohlt 1967, S. 229
Zitationshilfe
„kuschen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/kuschen>, abgerufen am 20.06.2019.

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