kurios

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungku-ri-os (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›kurios‹ als Erstglied: ↗kurioserweise
eWDG, 1969

Bedeutung

veraltend seltsam, sonderbar, merkwürdig
Beispiele:
ein kurioser Mensch
spöttisch ein kurioser Kauz
kuriose Dinge, Gedanken, Ereignisse
ein kurioser Fall
diese Geschichte ist wirklich kurios
verwundert sagte er: »Kurios
manchmal geht es auf der Welt kurios zu
es ist ein kurioses Dach, und allerlei habe ich darunter sehen und hören und fühlen können [RaabeSchüdderumpIII 1,128]
Kurios liefen die Bahnen dieses Daseins [A. ZweigDe Vriendt21]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kurios · Kuriosität · Kuriosum
kurios Adj. ‘seltsam, sonderbar, wunderlich, merkwürdig’. Zu lat. cūra ‘Sorge, Fürsorge’ (s. ↗Kur) gehörendes lat. cūriōsus ‘sorgfältig, aufmerksam, vorsorgend, interessiert, wißbegierig, neugierig’ wird um 1600 mit eindeutschender Endung als curiosisch, von der 1. Hälfte des 17. Jhs. an in der Form curios entlehnt. Im Dt. ist das Adjektiv (von einem Einzelbeleg für ‘Vorsorge treffend, sorgfältig auswählend’ abgesehen) zunächst im Sinne von ‘einer Sache sorgfältig nachgehend, wißbegierig’ mit Bezug auf ernsthafte und gründliche Wissensaneignung (daher bis ins 18. Jh. oft ehrendes Epitheton, das Buchautoren dem von ihnen angesprochenen Leser beilegen), doch bald (2. Hälfte 17. Jh.) auch in der noch im 19. Jh. lebendigen allgemeineren Bedeutung ‘neugierig, stets auf das Erfahren von Neuigkeiten bedacht’ gebräuchlich. Unter dem Einfluß von frz. curieux ‘wißbegierig’ (aus afrz. curios ‘besorgt, sorgfältig auswählend, auf etw. bedacht’, gleichfalls Übernahme von lat. cūriōsus), das in Verbindung mit Sachbezeichnungen im 17. Jh. die Bedeutung ‘wissenswert, die Aufmerksamkeit, Neugier erregend’ entwickelt (nach älterem gleichbed. ital. curioso?), steht auch im Dt. curios seit Mitte des 17. Jhs. (vorher curiosisch, 1627) für ‘wissenswert, interessant, merkwürdig’; so erscheint es als anpreisender Modeausdruck in zahlreichen Buchtiteln des späten 17. und frühen 18. Jhs., büßt aber, offenbar auf Grund allzu häufigen Vorkommens, seine Aussagekraft ein und wird Anfang des 18. Jhs. durch Ironisierung zu ‘seltsam, wunderlich’. Die Annäherung ans Frz. führt zu den Lautvarianten curiös, curieus (17./18. Jh.); erst im 20. Jh. wird die seit Ende des 18. Jhs. gelegentlich auftretende Schreibung kurios geläufig. Kuriosität f. ‘sonderbarer und deshalb Beachtung verdiendender Gegenstand, seltsame, wunderliche Sache’ (vorwiegend im Plur.), Entlehnung (1. Hälfte 17. Jh.) aus mfrz. frz. curiosité, das seit dem 15. Jh. in diesem Sinne bezeugt ist (doch schon spätlat. cūriōsitās ‘was Wißbegierde, Interesse erregt’); daneben (nur im Sing.) ‘Seltsamkeit, Ungewöhnlichkeit’, wohl durch Wechsel der Auffassung hervorgehend aus Fügungen wie der Kuriosität halber (zuvor Curiosität halben, 17. Jh.), aus Kuriosität (18. Jh.), eigentlich ‘um die Wißbegierde zu befriedigen, aus Gründen der Neugier’ (vgl. spätlat. cūriōsitātis causā), also auf der älteren Verwendung ‘Wißbegierde, Neugier’ (Ende 16. bis 19. Jh.) des Substantivs beruhend, die ebenfalls dem Frz. oder direkt dem Lat. folgt (vgl. mfrz. frz. curiosité, afrz. curioseté ‘Wißbegierde, Neugier, Sorge, wählerisches Wesen’, lat. cūriōsitās ‘Wißbegierde, Neugier’). Kuriosum n. ‘sonderbare, seltsame Sache, ungewöhnlicher Sachverhalt’ (1. Hälfte 18. Jh., anfangs vor allem im Plur. Curiosa für ‘seltene, merkwürdige Gegenstände’), bildungssprachliche Substantivierung des Neutrums von lat. cūriōsus (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
aberwitzig · ↗absurd · befremdend · ↗befremdlich · ↗bizarr · ↗eigenartig · ↗eigentümlich · ↗eigenwillig · ↗grotesk · ↗komisch · kurios · ↗lächerlich · ↗merkwürdig · ↗schräg · ↗skurril · ↗sonderbar · ↗ungewöhnlich · ↗verquer  ●  ↗abgedreht  ugs. · ↗abstrus  geh. · ↗dadaistisch  geh. · fällt aus dem Rahmen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
atypisch · aus der Reihe fallen(d) · ↗ausgefallen · ↗außergewöhnlich · der besonderen Art · einmal anders (nachgestellt) · kurios · ↗speziell · uncharakteristisch · ↗ungewöhnlich · ↗unnormal · ↗untypisch  ●  ↗schräg  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
absonderlich · befremdend · ↗befremdlich · ↗komisch · kurios · ↗paradox · ↗seltsam · ↗skurril · ↗sonderbar · ↗ungewöhnlich · ↗verquer
Assoziationen
  • leicht verrückt  ●  ↗abgedreht  ugs., Jargon · abgespaced  ugs. · abgespact  ugs., Jargon · ausgeflippt  ugs. · ↗crazy  ugs. · ↗flippig  ugs. · ↗irre  ugs. · narrisch  ugs., bair. · nasch  ugs., bair. · ↗schräg  ugs. · ↗spinnert  ugs. · ↗verdreht  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anekdote Ausrede Auswuchs Begebenheit Blüte Eigentor Einfall Episode Exponat Fußnote Fügung Kauz Koinzidenz Konstellation Mischung Randerscheinung Randnotiz Relikt Sammelsurium Situation Treffer Wendung Zufall allerlei anmuten anmutend bisweilen einigermaßen mitunter teils

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kurios‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Früh um 8.15 Uhr war es, und noch kurioser war der Tag der Entscheidung.
Die Welt, 06.12.2004
Er sieht keine Fehler, er sieht nur kuriose Ergebnisse, die keiner erklären kann.
Der Tagesspiegel, 13.07.2002
Sie war standfester auf diesen kuriosen Beinen, als sie je geraten hätte.
Kronauer, Brigitte: Die Frau in den Kissen, Stuttgart: Klett-Cotta 1990, S. 114
Er war lang, gewöhnlich, rothaarig und mit dem kuriosesten Gang der Welt behaftet.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 316
Es war wohl das kurioseste Verbot in der Geschichte der polnischen Presse.
Reich-Ranicki, Marcel: Mein Leben, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1999, S. 362
Zitationshilfe
„kurios“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/kurios>, abgerufen am 15.10.2019.

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