kultivieren

GrammatikVerb · kultivierte, hat kultiviert
Aussprache
Worttrennungkul-ti-vie-ren (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›kultivieren‹ als Erstglied: ↗Kultivierung · ↗kultivierbar  ·  mit ›kultivieren‹ als Letztglied: ↗rekultivieren · ↗vorkultivieren  ·  mit ›kultivieren‹ als Grundform: ↗kultiviert
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Land urbar machen, bebauen
Beispiele:
den Boden, das Moor, die Heide, Sümpfe kultivieren
die kleinen kultivierten Flächen um die winzigen Dörfer herum [BöllIrisches Tagebuch82]
Landwirtschaft den Boden mit dem Kultivator bearbeiten
2.
etw. anpflanzen, anbauen
Beispiele:
in dieser Gegend werden Weizen und Zuckerrüben kultiviert
Gemüse und Blumen das ganze Jahr über im Gewächshaus kultivieren
die Römer ... kultivierten sie [die Petersilie] bereits in ihren Gärten [Natur u. Heimat1962]
3.
etw. sorgsam pflegen
Beispiele:
eine Bekanntschaft, die Freundschaft kultivieren
Denn das Menschliche kommt hierzulande immerfort zu kurz ... und ich kultiviere es ein bißchen [A. ZweigEinsetzung24]
etw. auf eine höhere Stufe bringen, verfeinern
Beispiele:
das Benehmen kultivieren
seine Stimme kultivieren (= ausbilden)
Als ich in den lauten, lärmenden Strudel des Festes geriet, war ich ... entschlossen, dieses Elend zu kultivieren [HartungWunderkinder99]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kultivieren · kultiviert
kultivieren Vb. ‘bebauen, urbar machen, pflegen, verfeinern, veredeln’, entlehnt (2. Hälfte 17. Jh.) aus afrz. frz. cultiver ‘bebauen, pflegen, verehren’, auch (seit der Renaissance) ‘geistige und seelische Güter pflegen’, einer Übernahme von mlat. cultivare ‘bebauen, pflegen, verehren’. Dies stellt (wie lautgesetzlich entwickeltes gleichbed. afrz. coutiver) eine Ableitung von vorauszusetzendem spätlat. *cultīvus dar, das zum Part. Prät. lat. cultum (zu lat. colere, s. ↗Kult) gebildet ist. kultiviert Part.adj. ‘bebaut, nutzbar, gesittet, niveauvoll, hohem ethischem und ästhetischem Anspruch genügend’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
begehbar machen · ↗besiedeln · ↗bevölkern · ↗erschließen (Bauland, Gebiet) · ↗kolonisieren · kultivieren · nutzbar machen · urbar machen · zugänglich machen
Synonymgruppe
ackern · ↗beackern · ↗bearbeiten · ↗bestellen (Boden) · in Kultur nehmen · kultivieren · unter Kultur nehmen
Assoziationen
Synonymgruppe
erschließen · kultivieren · ↗urbanisieren · ↗verstädtern · ↗zivilisieren
Assoziationen
Synonymgruppe
anbauen · ↗anpflanzen · kultivieren · ↗ziehen (Pflanzen)
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abneigung Attitüde Aura Außenseitertum Bioreaktor Dilettantismus Embryo Feindbild Gestus Gewächshaus Image Individualität Labor Langsamkeit Lebensstil Macke Mythos Nervenzelle Nährlösung Nährmedium Pflanze Reagenzglas Rebsorte Stammzelle Zierpflanze besiedeln disziplinieren isolieren veredeln vermehren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kultivieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bis 3000 Touren gibt er sich kultiviert, aber eher lustlos.
Die Welt, 31.07.2004
Der Name hatte keine distinktive Kraft, da hat sich Sepp kultiviert.
Der Tagesspiegel, 23.06.2002
Die Träger dieser Kultur scheinen schon sehr früh Mais kultiviert zu haben.
o. A.: Lexikon der Kunst - S. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 37920
Er kultivierte auch den mittleren Roman, die gute Unterhaltung, den Essay.
Neue Rundschau, 1971, Nr. 3, Bd. 82
Und ich muß sagen, daß wir es wirklich verstanden, diese Tradition zu kultivieren.
Reventlow, Franziska Gräfin zu: Von Paul zu Pedro. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 10969
Zitationshilfe
„kultivieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/kultivieren>, abgerufen am 13.10.2019.

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