kriecherisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungkrie-che-risch
WortzerlegungKriecher-isch
eWDG, 1969

Bedeutung

abwertend vor dem Vorgesetzten unterwürfig
Beispiele:
ein kriecherischer Mensch
er ist von kriecherischer Unterwürfigkeit
die schuldbeladenen Deserteure, die sich in kriecherischer Dienstwilligkeit überboten [WerfelMusa Dagh751]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kriechen · Kriecher · Kriecherei · kriecherisch · Kriechtiere · krauchen · kreuchen
kriechen Vb. ‘sich dicht am Boden fortbewegen’, übertragen ‘sich sehr langsam fortbewegen’, ahd. kriohhan (8./9. Jh.), mhd. kriechen führt mit ablautendem ↗krauchen und verwandtem ↗Krücke (s. d.) auf ie. *greug-, *grūg-, eine Erweiterung der verbreiteten Wurzel ie. *ger- ‘drehen, winden’ (wozu auch ↗Kringel, ↗Krippe, ↗Kraft, ↗Krume, ↗krumm, s. d.). Einer zur gleichen Wurzel gebildeten, aber auf Labial ausgehenden Erweiterung ie. *greub-, *grūb- folgen die (im Nhd. nicht vertretenen) Verben mhd. (md.) krūfen, mnd. krūpen, mnl. crūpen, nl. kruipen sowie aengl. crēopan, engl. to creep, anord. krjūpa ‘kriechen’ (wozu auch ↗Kropf und ↗Krüppel, s. d.). Übertragener Gebrauch von kriechen im Sinne von ‘unterwürfig schmeicheln’ entwickelt sich im 18. Jh. Dazu Kriecher m. ‘unterwürfiger Schmeichler’, Kriecherei f. ‘unterwürfiges Benehmen’, kriecherisch Adj. ‘unterwürfig-schmeichlerisch’ (18. Jh.). Kriechtiere Plur. in dt. zoolog. Fachsprache für Reptilien (19. Jh.). Eine ablautende omd. Variante zu kriechen ist krauchen Vb. ‘sich kriechend fortbewegen’ (16. Jh.), älteres md. krūchen voraussetzend. Die Wendung was kreucht und fleucht folgt einer Nebenform kreuchen, mhd. kröuchen, die, da schwach flektierend, von einem Kausativum zu krauchen beeinflußt sein dürfte.

Thesaurus

Synonymgruppe
kriecherisch · ↗schmeichlerisch  ●  ↗byzantinisch  veraltet
Synonymgruppe
dienerisch · katzbucklig · ↗knechtisch · kriecherisch · ↗lakaienhaft · ↗servil
Assoziationen
  • (sich) alles gefallen lassen · (sich) nicht wehren · alles mit sich machen lassen · kein Ehrgefühl (im Leibe) haben · keinen Stolz haben
Synonymgruppe
blind ergeben · ↗devot · ↗hörig · ↗hündisch · ↗knechtisch · kriecherisch · ↗sklavisch · ↗speichelleckerisch · ↗untertänig · ↗unterwürfig  ●  ↗(jemandem) untertan  geh. · ↗servil  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Unterwürfigkeit

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kriecherisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Kriecherisch scharen sie sich um ihn, und er lässt sie um seine Gunst winseln.
Die Zeit, 18.07.2011, Nr. 29
Das Volk auf Staatsbesuch ist höflich, aber nicht kriecherisch, neugierig, aber nicht wirklich argwöhnisch.
Die Welt, 18.08.2003
Seine Regierung werde zwar einen auf dem Verhandlungsweg erreichbaren Frieden annehmen, wünsche aber keine kriecherische Kapitulation.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1949]
Im Niederdeutschen bezeichnet man damit auch einen kriecherischen Menschen und verweist damit voller Abscheu besonders treffend auf sein aalglattes, schleimiges Wesen.
Röhrich, Lutz: Wand. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 27372
Auch die kriecherischen und brutalen Höflinge im Stück erinnerten an reale Vorbilder in Württemberg.
Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 163
Zitationshilfe
„kriecherisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/kriecherisch>, abgerufen am 24.07.2019.

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