kramen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungkra-men (computergeneriert)
Wortbildung mit ›kramen‹ als Erstglied: ↗Kramerei  ·  mit ›kramen‹ als Letztglied: ↗auskramen · ↗durcheinanderkramen · ↗durchkramen · ↗herauskramen · ↗herumkramen · ↗hervorkramen · ↗weiterkramen · ↗zusammenkramen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich wühlen, herumsuchen
Beispiele:
in einer Kiste, Tasche, Schublade, im Keller, auf dem Boden kramen
er kramt in alten Papieren
ich hörte ihn in seinem Schreibtisch kramen
sie hat lange unter altem Gerümpel, zwischen den leeren Büchsen gekramt
nach etw. kramen
etw. umständlich suchen
Beispiele:
er kramte nach einer alten Fotografie
ich habe jetzt keine Zeit, danach zu kramen
nach langem Kramen hatte er das Dokument gefunden
übertragen
Beispiel:
in der Erinnerung kramen
etw. aus etw. kramenetw. aus etw. umständlich, mühsam heraussuchen, herausholen
Beispiel:
er kramte eine Zigarette, den Schlüssel aus der Tasche, das Geld aus der Börse, den Proviant aus dem Rucksack
2.
schweizerisch kleine Einkäufe machen, besonders auf dem Jahrmarkt
Beispiel:
kramen gehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kram · kramen · Kramladen · Krämer
Kram m. ‘(geringwertige) Gegenstände, Zeug, Krempel’, übertragen ‘nicht näher bezeichnete lästige Angelegenheiten’, ein nur im Dt. und Nl. heimisches Wort, das allerdings auf Grund ausgedehnter Handelsbeziehungen hansischer Kaufleute ins Nordgerm., ins Balt. und Slaw. entlehnt wird. Die Herkunft von ahd. krām ‘Kaufmannsbude, Zelt’ (Hs. 12. Jh.), mhd. krām ‘ausgespanntes Tuch, Zeltdecke, Kaufmannsbude, Handelsgeschäft, Kaufmannsware’, mnd. krām ‘Verkaufszelt, Waren, Kleinhandel, Gardine des Wochenbetts, Wochenbett’, mnl. crāme, craem, nl. kraam ist unbekannt. Anzunehmen ist eine Grundbedeutung ‘Zeltdach über einem Verkaufsstand bzw. über dem Wagen eines reisenden Händlers’; doch Anschluß an die s-lose Variante der unter ↗Schirm (s. d.) behandelten ie. Wurzel bleibt unsicher. Vgl. G. Richter in: Zur Ausbildung d. Norm d. dt. Literaturspr. 2 (1976) 173 ff. kramen Vb. ‘herumwühlen’, mhd. krāmen ‘Kramhandel treiben’. Kramladen m. ‘Laden mit Kleinwaren’ (17. Jh.). Krämer m. ‘Lebensmittel-, Kleinwarenhändler’, übertragen ‘kleinlicher, engherziger Mensch’ (wofür auch Krämerseele, um 1800), ahd. krāmāri, krāmeri ‘Kleinhändler, Schankwirt’ (Hs. 12. Jh.), mhd. krāmære, kræmer.

Thesaurus

Synonymgruppe
stochern · ↗wühlen  ●  ↗gruscheln  ugs., bair. · gruschen  ugs., bair. · kramen  ugs. · ↗pulen  ugs.
Synonymgruppe
(herum)kramen · ↗(herum)stöbern · (herum)suchen (ohne System) · ↗(herum)wühlen  ●  (herum)kruschteln  ugs., regional, süddt. · (rum)krosen  ugs., regional, rheinisch

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktentasche Archiv Fundus Gedächtnis Handschuhfach Handtasche Hosentasche Jackentasche Kiste Kleingeld Manteltasche Mottenkiste Plastiktüte Portemonnaie Rucksack Schrank Schublade Tasche Taschentuch Umhängetasche Wechselgeld auskramen durchkramen herauskramen herumkramen hervor hervorkramen hervorziehen raus zusammenkramen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kramen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Kind lutscht amerikanisches Eis, die Mutter kramt zwischen den afrikanischen Instrumenten.
Der Tagesspiegel, 19.05.2002
Die kramen dann ihr "gebrochenes Englisch" vor - die Enkel können kein Deutsch.
Bild, 15.05.2000
Eva kramte, von mir gedrängt, bis gegen 8 Uhr, dann war sie doch nicht fertig.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1920. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1920], S. 136
Er pfiff durch die Zähne, er kramte in seinen Taschen.
Preußler, Otfried: Krabat, Stuttgart: Thienemann o.J. [1995] [1971], S. 132
Die ganzen Stöße kramt sie durch, die ich zusammenschleppe, ohne sie je lesen zu können.
Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 334
Zitationshilfe
„kramen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/kramen>, abgerufen am 20.08.2019.

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