kläglich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungkläg-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›kläglich‹ als Erstglied: ↗Kläglichkeit
eWDG, 1969

Bedeutung

jämmerlich, erbärmlich
a)
hilflosen Jammer ausdrückend
Beispiele:
kläglich weinen, schreien, wimmern, seufzen
ein klägliches Stöhnen, Geschrei, Gewinsel hören
der getretene Hund jaulte kläglich
ein klägliches Gesicht, ein kläglicher Blick
»Das wird viel helfen!« meinte Hennig kläglich [RaabeSchüdderumpIII 1,219]
zeigt sich ein klägliches (= hilfloses und verlegenes) Lächeln auf seinem Gesicht [ZuchardtNarr298]
b)
beklagenswert, mitleiderregend, elend
Beispiele:
etw., jmd. bietet einen kläglichen Anblick
ein klägliches Dasein
in einem kläglichem Zustand, in einer kläglichen Lage sein
ihr ist kläglich zumute
er ist kläglich zugrunde gegangen, umgekommen
mit ihnen nahm es ein klägliches Ende
c)
von materieller Armut zeugend, ärmlich
Beispiele:
sie war kläglich gekleidet
eine klägliche Behausung
er lebt in kläglichen Verhältnissen
[das Anwesen] macht aus der Ferne gesehen einen recht kläglichen Eindruck [Suderm.6,107]
d)
gering, spärlich
Beispiele:
ein kläglicher Rest
ein kläglicher Verdienst
sein Erfolg war nur kläglich
Die Ausbeute blieb kläglich [HartungWunderkinder34]
schwach
Beispiel:
»Ja, wer raschelt denn da?« säuselte Professor Waldvogels klägliche Stimme zur Ecke hin [BecherAbschied4,185]
e)
abwertend ziemlich minderwertig
Beispiele:
das ist eine klägliche Leistung, Arbeit
ein klägliches Ergebnis
es war kläglich, was er geboten hat
in solchen Fächern stand ich schon als Realschüler kläglich da [KischMarktplatz62]
Verachtung erweckend, unrühmlich, enttäuschend
Beispiele:
ein klägliches Verhalten
einen kläglichen Kompromiss schließen
etw. nimmt einen kläglichen Verlauf, Ausgang
eine klägliche Niederlage
der Plan, Versuch scheiterte, misslang kläglich
er hat kläglich versagt
du hast dich recht kläglich benommen
in einer Angelegenheit eine klägliche Rolle spielen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Klage · klagen · Kläger · anklagen · Anklage · anklägerisch · Angeklagter · beklagen · Beklagter · verklagen · kläglich
Klage f. ‘Äußerung von Schmerz oder Trauer, Jammer, vor Gericht erhobener Anspruch’. Das im Germ. nur durch ahd. klaga (9. Jh.), mhd. klage ‘Wehgeschrei, Totenklage, Not, Leid, Gerichtsklage’, asächs. klaga, mnd. klāge, mnl. clāghe vertretene Substantiv läßt sich mit aind. gárhati ‘schmäht, beschuldigt, tadelt’, garhā ‘Tadel, Vorwurf’, pers. gila ‘Klage’ und mir. glām ‘Geschrei, Fluch’ vergleichen und auf ie. *galgh-, *glagh- ‘klagen, schelten’ zurückführen, wohl eine Erweiterung der Schallwurzel ie. *gal- ‘rufen, schreien’. Die Rechtsbedeutung von Klage geht auf den Brauch zurück, beim Bemerken eines Verbrechers lautes Hilfegeschrei zu erheben und ihn mit Schreien vor Gericht zu ziehen. Vom Substantiv abgeleitet klagen Vb. ‘Schmerz oder Trauer ausdrücken, jammern, vor Gericht einen Anspruch erheben, tadeln’, ahd. klagōn (9. Jh.), mhd. klagen ‘Schmerz, Leid oder Weh ausdrücken, betrauern, sich beklagen, gerichtliche Klage erheben’, asächs. klagon, mnd. klāgen, mnl. clāghen, nl. klagen. Kläger m. ‘wer vor Gericht Klage erhebt’, ahd. klagāri (Hs. 12. Jh., doch klagāra f. bereits 9. Jh.), mhd. klager, kleger ‘Klagender, Trauernder, Ankläger bei Gericht’. anklagen Vb. ‘für etw. verantwortlich machen, jmdn. beschuldigen (besonders vor Gericht)’, mhd. aneklagen; Anklage f. ‘Beschuldigung (besonders vor Gericht)’, mhd. aneklage; anklägerisch Adj. ‘beschuldigend (vor Gericht)’ (18. Jh.); Angeklagter m. ‘vor Gericht eines Verbrechens oder Vergehens Beschuldigter’ (15. Jh.), substantiviertes Part. Prät. zu anklagen. beklagen Vb. ‘bedauern, betrauern’, ahd. biklagōn (9. Jh.), mhd. beklagen ‘über oder gegen etw., jmdn. klagen’; Beklagter m. ‘wer gerichtlich verklagt wird’ (15. Jh.), substantiviertes Part. Prät. zu beklagen. verklagen Vb. ‘gegen jmdn. gerichtlich Klage erheben’, ahd. firklagōn ‘beweinen, beklagen’ (11. Jh.), mhd. verklagen ‘mit Klagen hinbringen, aufhören zu beklagen, verschmerzen, sich durch Klagen abhärmen, anschuldigen’. kläglich Adj. ‘erbärmlich, bedauernswert’, ahd. klagalīh (10. Jh.), mhd. klage-, klegelich ‘klagend, beklagenswert’.

Thesaurus

Synonymgruppe
beklagenswert · ↗elend · ↗elendig · ↗elendiglich · ↗erbärmlich · ↗katastrophal · kläglich · ↗miserabel  ●  ↗desaströs  geh. · ↗hundserbärmlich  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Mitleid erregend · ↗arm · armer Kerl · ↗armselig · ↗beklagenswert · ↗bemitleidenswert · ↗erbärmlich · ↗heruntergekommen · ↗hoffnungslos · ↗jammervoll · ↗jämmerlich · kläglich · ↗unglücklich · zu bedauern (sein)  ●  armer Tropf  veraltend · ↗bedauernswert  Hauptform · arm dran  ugs., ruhrdt. · arme Sau  derb · armer Teufel  ugs. · armes Schwein  ugs. · ↗bejammernswert  fachspr. · ↗erbarmungswürdig  geh. · letztklassig  ugs., österr. · ↗miserabel  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Trauerspiel · ↗armselig · ↗bemitleidenswert · ↗erbärmlich · kläglich · ↗schäbig · ↗unsäglich · ↗unwürdig · ↗würdelos
Assoziationen
  • (man) hätte mehr erwartet (von)  ●  (eine) Bankrotterklärung (sein)  fig. · (etwas ist) keine Heldentat  fig. · (sich) ein Armutszeugnis ausstellen (mit)  fig. · ein Armutszeugnis (für jemanden/etwas sein)  Hauptform · (ein ...) sieht anders aus  ugs. · (jemand) sollte sich was schämen!  ugs. · (sich) nicht (gerade) mit Ruhm bekleckert haben  ugs., Redensart · kein Ruhmesblatt  geh.
  • (leicht) durchschaubar · schlecht kaschiert  ●  ↗durchsichtig  fig. · ↗fadenscheinig  fig. · (etwas) merkt ein Blinder (doch) mit dem Krückstock  ugs., fig.
  • Schmierenkomödie · ↗Schmierentheater · die Karikatur (einer Sache) · schlechter Scherz · unwürdiges Schauspiel  ●  ↗(eine) Farce  Hauptform
Synonymgruppe
dürftig · ↗karg · kläglich · ↗knapp · ↗knausrig · ↗kärglich · ↗kümmerlich · ↗mau · ↗spärlich · ↗ärmlich
Assoziationen
Synonymgruppe
blamabel · ↗erbärmlich · kläglich · ↗ruhmlos · ↗schmachvoll · ↗schmählich · ↗unrühmlich · wenig ruhmreich
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschneiden Ausbeute Chancenverwertung Haufen IOC-Stimme Jaulen Mauerrest Miauen Rest Rinnsal Schauspiel Scheitern Versagen Versager Wimmern Winseln gescheitert miauen mißlingen scheitern scheiternd verenden vergaben vergeben versagen verschießen verstolpern ziemlich Überrest

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kläglich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Möglicherweise hat er einfach einmal gepokert in seinem kläglichen Leben?
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2004
Doch wenn man sie danach wieder einkleben will, sieht das kläglich aus.
Der Tagesspiegel, 10.11.2000
Sie ging in diesen letzten Tagen noch kläglicher, kümmerlicher, zerdrückter herum als sonst.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 311
Es ist so kläglich, den Untergang einer schönen Entwicklung mitansehen zu müssen.
Schalcher, Traugott: Die Reklame der Straße, Wien: C. Barth 1927, S. 57
Wie kläglich habe ich mich jetzt im Vergleich zu ihm gezeigt!
Brief von Max Görler vom 09.06.1916. In: Witkop, Philipp (Hg.), Kriegsbriefe gefallener Studenten, München: Müller 1928 [1916], S. 201
Zitationshilfe
„kläglich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/kläglich>, abgerufen am 14.10.2019.

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